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Auch Meerentsalzungsanlagen werden hergestellt

Der Klipphausener Betrieb S-Tec setzt in der industriellen Wasseraufbereitung Akzente.

S-Tec ist auf Wachstumskurs. Die Erzeugnisse des seit 2006 am Dr.-Jungheinrich-Platz  im Gewerbegebiet Klipphausen ansässigen Unternehmens sind weltweit immer mehr gefragt. Der mittelständische Betrieb mit seinen gegenwärtig fast  50 Mitarbeitern stellt Anlagen für die Prozess- und Reinstwasseraufbereitung  sowie für die Abwasserbehandlung her.  Branchen sind da vor allem die Halbleiter- und Mikroelektronik, die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie  sowie Unternehmen aus den energieerzeugenden, chemischen  und pharmazeutischen Bereichen.  „Die Auftragslage ist gut, der Umsatz steigend“, freut sich Geschäftsführer Stephan Junker. „Wir wollen deshalb auch weitere 15 Mitarbeiter einstellen, um den Anforderungen zu entsprechen und uns  am Markt noch besser zu behaupten“, sagt der 55-jährige Chemieingenieur, der in Ostberlin geboren wurde und mit seiner Familie in Dessau lebt.Geschäftsführer Stephan Junker zeigt auf eine Abwasseraufbereitungsanlage, die für ein Unternehmen der Automobilindustrie bestimmt ist. Seit Mitte 2015 ist er Geschäftsführer von S-Tec, ehemals eine Niederlassung des Stuttgarter Anlagenbauers Hager und Elsässer und heute ein eigenständiger Betrieb, der seit Juli 2014 zur Schweizer Aquarion AG gehört, die ein führender europäischen Anbieter am internationalen Markt für die Wasserbehandlung ist.

„Der gute Branchenmix  unseres Unternehmens zahlt sich aus. Uns kommen da auch die reichen Erfahrungen von Hager und Elsässer bei der industriellen Wasseraufbereitung und ihre über 80-jährige Tradition auf diesem Gebiet zugute“, bemerkt Stephan Junker, der vorher in leitenden Funktion bei Unternehmen des Kraftwerksanlagenbaus  in Deutschland  tätig war.

S-Tec setzt auf innovative Lösungen und Technologien mit ihren  biologischen  und physikalischen Verfahren, die für die Anwender kostensparend, umweltfreundlich  und platzsparend sind.  Dabei geht es um eine optimale Wasserkreislaufschließung, auf die Herstellung  von sauberem bis hochreinem Wasser und auf eine effektive Abwasserbehandlung mit der Filtration von Schadstoffen und  der Einhaltung von  Grenzwerten, zum Beispiel auch bei Salzen, Säuren und Laugen.  Die einzelnen Systeme werden meist aus Kunststoff und Edelstahl gefertigt. „Mobile Containeranlagen sind hier zunehmend gefragt“, bemerkt der Geschäftsführer. Auch Meerentsalzungsanlagen werden von den Klipphausener Ingenieuren, Mechanikern, Monteuren,  Elektrotechnikern, Schweißern  und  Anlagenbauern hergestellt.

Anlagenmechaniker Patrick Umbreit bei der Montage an einer Abwasseraufbereitungsanlage.Evelyn Hase, Industriemechanikerin mit Schweißausbildung, verstärkt seit Kurzem das Team von S-Tec.                                                                                                                                                                                               Die Bestellungen sind maßgeschneidert. So fertigt jetzt das Unternehmen zum Beispiel auch ein Belüftungssystem für ein Belebungsbecken zur biologischen Abwasserbehandlung. Es ist für ein großes russisches Unternehmen der Lebensmittelindustrie in der Moskauer Region bestimmt.   Ebenfalls in Moskau  wird eine Wasseraufbereitungsanlage für einen neuen Betrieb in der Mikroelektronik-Branche montiert.   Für  Bolivien stellen die Beschäftigten mobile Wasseraufbereitungsanlagen her, für Ägypten Anlagen für die Zuckerindustrie und für ein Unternehmen der chemischen Industrie in Süddeutschland eine Grundwasser-Reinigungsanlage.   Besonders auch Kunden  aus Ägypten, Algerien, Marokko, Bolivien, Argentinien und Chile interessieren sich für die Klipphausener  Erzeugnisse, die meist  Bestandteile  von größeren Anlagensystemen sind, die renommierte deutsche Exportfirmen dort errichten.  In Sachsen zählen unter anderem verschiedene Brauereien, Stahlwerke,  Unternehmen der Lebensmittelindustrie  oder Betriebe der Mikroelektronik in Dresden zu  den Auftraggebern der Klipphausener. Geschäftsführer Stephan Junker:  „Wir erhoffen uns in Nordafrika, aber auch im Iran und in der Perspektive in Syrien verstärkt Aufträge. Die Reinigung von Brunnenwasser auf dem Lande ist dort zum Beispiel ein wichtiges Anliegen, wo wir mit unseren Anlagen helfen können.  Das setzt aber voraus, dass in den Regionen  Kriege, Unruhen und  politische Instabilität nicht mehr vorherrschen und für ausländische Investoren Sicherheit gegeben ist und sie mit den einheimischen Partnern erfolgreich handeln können.“ Den Standort von S-Tec im Gewerbegebiet Klipphausen schätzt Stephan Junker als vorteilhaft ein. „Die logistische Anbindung, die Lage unmittelbar an der A4 ist sehr gut. Hinzu kommt, dass wir mit der Gemeinde Klipphausen einen Partner haben, der uns engagiert unterstützt. Das fördert eine vertrauensvolle Zusammenarbeit“, bemerkt er.  Andere Unternehmen im Gewerbegebiet würden für den Bau der S-Tec-Anlagen Produkte zuliefern. So  kommen zum Beispiel Dichtungen vom Betrieb Thoenes.

Für wichtig erachtet Stephan Junker die Ausbildung von jungen Leuten sowie die Fortbildung der Mitarbeiter.  „Wir brauchen einen qualifizierten Facharbeiternachwuchs. Dafür müssen wir etwas tun“, sagt er. Deshalb seien Tage der offenen Tür, Praktika  oder  die Teilnahme an Ausbildungsmessen im Gewerbegebiet Klipphausen gute Gelegenheiten, geeignete Bewerber zu finden. Deshalb erwartet der Geschäftsführer hier auch neue Impulse mit dem Bau einer neuen Oberschule durch die Gemeinde. Zurzeit bildet S-Tec drei Lehrlinge aus und über die Berufsakademie Riesa einen Werkstudenten zum Ingenieur.

Lehrling Franz Schneider bei der Montage eines Belüftungssystems aus Kunststoffrohren. Franz Schneider hat es bald geschafft. Der 20-Jährige aus Wilsdruff will Anlagenbauer für Schweißtechnik werden. Er ist im vierten Lehrjahr. „Die Prüfungen in Theorie sind im Dezember,  die praktischen Ende Januar“, sagt er. Er hofft, dass er dann eine feste Anstellung bei S-Tec erhält. „Das Betriebsklima hier ist gut, ein enges Miteinander.“ Die erfahrenen Kollegen hätten ihm bei der Ausbildung zur Seite gestanden, meint der junge Mann, der auch Feuerwehrmann in Wilsdruff ist und mit seiner Geländemaschine  Motocross fährt.

Thomas Schmel (41), Monteur und Kunststoffschweißer, hat schon in Russland und in Polen Anlagen mit aufgebaut. „Die Arbeit ist sehr vielseitig, das Team hält zusammen“, sagt er. Auch Konrad Auerbach (32),  Rohrleitungs-Anlagenbauer, der in einem Betrieb in Naustadt gelernt hat,  bestätigt das. In Klipphausen wohnt der 26-jährige Anlagenmechaniker Patrick Umbreit, der dort schon seit 2003 bei der Feuerwehr Mitglied ist und jetzt auch das neue Einsatzleitfahrzeug der Wehr fährt. „Sich ständig weiterzubilden, ist wichtig“, bemerkt er. Das hat er für den neuen Feuerwehrwagen gemacht genauso wie in seinem Beruf, wo es auch auf die Beherrschung moderner Schweißtechniken ankommt.

Evelyn  Hase ist dagegen erst seit Kurzem bei S-Tec. Die 27-Jährige hat Industriemechanikerin gelernt, eine Schweißausbildung absolviert.  „Ich bin zu S-Tec gegangen, weil ich hier meine Schweißkenntnisse besser anwenden kann als im vorherigen Unternehmen“, bemerkt die junge Frau, die in Dresden wohnt und gern Fußball spielt, wobei ihr jetzt aber ein Kreuzbandsriss ein Stoppzeichen setzte.

Text und Fotos: Dieter Hanke