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Staatsstraße 83 zwischen Meißen und Garsebach wird ausgebaut

In diesem Monat beginnen die Arbeiten, die über sechs Millionen Euro kosten werden.

Bereits im ersten Monat des neuen Jahres 2017 startet eines der kompliziertesten und aufwändigsten Bauvorhaben  im Landkreis Meißen: Die S 83 im Meißner Süden zwischen Buschbad und Garsebach wird für über sechs Millionen  Euro erneuert. „Auf etwa 1,4 Kilometer Länge wird diese Staatsstraße im Triebischtal  kurz vorm Dobritzer Berg bis nach der Fichtenmühle  in der Gemeinde Klipphausen grundhaft ausgebaut“, sagte Holger Wohsmann, Leiter der Niederlassung Meißen des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr.   Dazu werden in diesem Abschnitt auch vier bestehende marode Stützmauern auf der Hangseite durch neue ersetzt und drei weitere an der Triebisch neu gebaut. Spezialisten werden die Felshänge sichern. Auch die einmündende Gemeindestraße „Dobritzer Berg“ der Stadt Meißen soll bedarfsgerecht ausgebaut werden, um die Verkehrssicherheit an diesem Knotenpunkt zu verbessern. Ebenso ist noch vorgesehen, im Gelände an der Staatsstraße einen Radweg von Buschbad bis zur Fichtenmühle anzulegen. Dazu hat die Landesamt-Niederlassung eine Vereinbarung mit der Gemeinde Klipphausen geschlossen. Für dieses Teilprojekt   muss aber erst noch das Baurecht geschaffen werden.  

„Wir freuen uns, dass der Ausbau der S 83 jetzt losgeht. Damit wird auch ein langgehegter Wunsch vieler Bürger und Unternehmen in dieser Region verwirklicht“, bemerkte der 53-jährige Niederlassungsleiter.

Schon seit mehreren Jahren wird der Ausbau dieser Staatsstraße im Triebischtal von Bürgern gefordert. Denn eng und unübersichtlich ist dort der Fahrbahnverlauf , der durch die Triebisch auf der einen Seite und durch Felshänge auf der anderen begrenzt wird.  Spurrinnen, Schlaglöcher  und Straßeneinbrüche nahmen im Laufe der Jahre zu. Auch der miserable Zustand von Stützmauern in diesem Abschnitt  gefährdet die Verkehrs- und Betriebssicherheit der Staatsstraße, die von Kraftfahrern stark genutzt wird und eine wichtige Verbindung von Meißen nach Nossen durchs Triebischtal  ist.  Im Bereich der Felsböschungen kam es immer wieder zu Steinschlag und Felssturz, was eine Gefahr für Kraftfahrer war.

Um Baurecht zu schaffen,  waren umfangreiche Untersuchungen und Planungen nötig, die auch längere Zeit in Anspruch nahmen.  Denn dieses landschaftlich  reizvolle Tal der Triebisch ist in diesem Abschnitt  FFH-Gebiet, auch Vogelschutzzone,  seltene Tiere sowie Pflanzen haben dort ihren Lebensraum.  Planer und Naturschützer bemühten sich deshalb, den Eingriff in die Triebisch und ihre Begleitbiotope so gering wie möglich zu halten, der durch die vorgesehene Verbreiterung des Regelquerschnittes der Trasse von sechs bis sieben Metern im Bestand auf teilweise bis 9,5 Meter entsteht. Dennoch ist durch die Bauarbeiten in diesem Streckenabschnitt ein Flächenverbrauch  von knapp 2 000 Quadratmetern sowie ein  Gehölzverlust unvermeidbar, der  sich entlang des Abschnitts auf über 100 Laubbäume summiert.  Oberhalb des  Triebischtales sollen deshalb   etliche Bäume neu gepflanzt werden. Die Kompensation sieht auch vor,  Totholz-Lagerplätze in ehemaligen aufgelassenen Steinbrüchen anzulegen, um Brutplätze für den Eremiten, eine vom Aussterben bedrohte Käferart, zu schaffen.

Ehe  2015  die Landesdirektion Sachsen für das Gesamtvorhaben den Planfeststellungsbeschluss erlassen konnte und dann die Meißner Niederlassung  mit der Ausführungsplanung begann, mussten im Verfahren  noch andere wichtige Aspekte beachtet werden. „Dieser Streckenabschnitt ist bei Hochwasser Überschwemmungsgebiet der Triebisch. Das hat  nicht geringe Auswirkungen auf den Straßenbau“, sagte Wohsmann.

Der Niederlassungsleiter und auch Karsten Borkenhagen, Referatsleiter Bauausführung in der Abteilung  Konstruktiver Ingenieurbau der Meißner Niederlassung, informierten jetzt in einem Gespräch über den Bauablauf. Für den Ausbau der S 83 in diesem Abschnitt hat die Meißner Niederlassung des Landesamtes mehrere Baulose gebildet.   Das erste Los umfasst die Baumfällung und Hangsicherung.  Hier bekam  die Spezialfirma Jähnig Felssicherung und Zaunbau GmbH aus Dorfhain, die bereits mit solchen Arbeiten zum Beispiel in der Sächsischen Schweiz und am Plossen in Meißen gute Erfahrungen sammelte, den Zuschlag für die Arbeiten. Diese haben ein Volumen von 300 000 Euro.   Vom 28. November bis zum 9. Dezember 2016 wurden bereits über 100 Bäume an den Hängen gefällt.  Die  Arbeiten zur Felssicherung sollen, wie Wohsmann sagte, Ende dieses Monats  beginnen und bis etwa Anfang April andauern. So werden zur Hangsicherung Stahlnetze angebracht, insgesamt etwa 1 250 Quadratmeter.  Partiell erfolgt eine Sicherung der Felshänge auch mit Spritzbeton oder Ankern.  Zum Schutz vor Steinschlag  sollen ferner zwei Zäune an der Straße angebracht werden sowie auch  ein Fangzaun mitten im Hang. Ampelanlagen werden während der Bauzeit für die Kraftfahrer einen einspurigen Verkehr regeln.

Doch wenn es das Wetter zulässt, beginnen andere Bauarbeiten bereits in den ersten Januartagen.  Im Bereich des ehemaligen Gasthofes Garsebach wird ein noch etwa 90 Meter langes Teilstück der Staatsstraße  erneuert. Dieses war 2014 bei der Fahrbahnsanierung in den Ortslagen Garsebach und Robschütz noch offen geblieben. Es hatte sich damals herausgestellt, dass im Bereich des Mühlgrabens  direkt an der Straße noch vorher der Bau einer Stützmauer unerlässlich ist, um auf Dauer Sicherheit  für die Fahrbahn zu schaffen.

Die  Swietelsky Baugesellschaft mbH aus Meißen hat für diese Arbeiten den Zuschlag erhalten.  Kosten: 400 000 Euro. Durch die sehr beengten Platzverhältnisse in diesem Bereich nehmen die Bauleute dort eine besondere Technologie  vor, und zwar die  Bohrpfahlgründung.   Dadurch kann in diesem Abschnitt  auch eine Vollsperrung der Straße vermieden werden. Sogenannte Mikroverpresspfähle  werden bis in elf Meter Tiefe in die Erde gebohrt und innen mit Beton verpresst.  „Für die 50 Meter lange Stützwand, die in sechs Wandabschnitte unterteilt ist, werden insgesamt 30 Pfähle benötigt. Hinzu kommen noch weitere 36 Pfähle, die zur sogenannten Rückverankerung nach hinten schräg verlaufen“, sagte Borkenhagen. Auf die Gründung werde dann die knapp zwei Meter hohe Stützwand gesetzt. Danach  wird die Straße saniert.  Ampelanlagen regeln auch hier den Verkehr für die Kraftfahrer

Wohsmann: „Noch im ersten Halbjahr  2017, so unser Ziel, soll dann  der eigentliche grundhafte  Ausbau  der S 83 auf 1,4 Kilometer Länge zwischen Buschbad und Fichtenmühle beginnen.“  Die Planung dafür sei fast fertig. Anschließend erfolgt die öffentliche Ausschreibung der Arbeiten an Unternehmen. Das Vorhaben in diesem Abschnitt schließt auch den Bau von Stützwänden ein, die insgesamt eine Länge von 611 Metern haben. Vier Stützmauern  aus Beton werden es zur Hangseite sein, die bis zu vier Metern hoch sind. Die Sichtflächen werden mit Natursteinen verkleidet. An der Triebisch werden die Sichtflächen der drei neuen Betonstützwände etwa zwei Meter hoch sein.  „Die einzelnen Abschnitte sind dort  51,3  bis 210 Meter lang“, informierte Borkenhagen.

Während sich in den ersten Monaten des neuen Jahres die Erschwernisse für Kraftfahrer sicher noch in Grenzen halten werden, kommen ab der zweiten Jahreshälfte auf  die Verkehrsteilnehmer im Triebischtal größere Einschränkungen zu. „Durch die sehr beengten Platzverhältnisse  und den komplizierten Bau ist dann eine Vollsperrung der Staatsstraße nicht zu vermeiden“, bemerkte der Niederlassungsleiter. Diese werde bis weit in das Jahr 2018 reichen.  „Dazu gibt es aufgrund der örtlichen Gegebenheiten leider  keine Alternative“, so Wohsmann. Wie schon bei  der Baumfällung Anfang Dezember 2016 wird deshalb der Verkehr umgeleitet in beiden Richtungen über die Kreisstraße 8031 von Roitzschen zur B 101 in Krögis.

Über den Fortgang der Bauarbeiten, Behinderungen  für die Anlieger  und weitere Informationen der Meißner Niederlassung des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr wird die Gemeindeverwaltung  Klipphausen aktuell auf ihrer Internetseite und im Amtsblatt berichten.

Text: Dieter Hanke

veröffentlicht am 04.01.2017