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Schlaue Energiefüchse in Burkhardswalde

Die Gemeinde kümmert sich beharrlich um eine Energieeinsparung in kommunalen Objekten.

In der Grundschule Burkhardswalde in der Gemeinde Klipphausen sind seit Monaten Energiefüchse unterwegs. 15 Kinder der zweiten bis vierten Klassen achten eifrig darauf, dass das Licht in den Räumen und Fluren nicht unnötig brennt, dass die Heizung in den Klassenzimmern nicht den ganzen Tag auf Hochtouren läuft, sondern dem Unterricht angemessen ist. Die kleinen Energiefüchse kümmern sich auch um die Belüftung der Räume, denn der CO2-Gehalt hat Auswirkungen auf die Konzentration der Schüler. Das junge Energieteam setzt dabei Messgeräte ein, und zwar Datenlogger, die genau Aufschluss geben. Felix, Lara und Lilly gehören zu den Energiefüchsen. „Das ist eine gute Sache. Wir wollen in der Schule Energie sparen und nicht verschwenden“, sagen sie. Ihr Energie-Projekt verfolgen sie mit den anderen Mitstreitern gewissenhaft. So schauten sie sich die Heizanlage der Schule an, probierten die Messgeräte aus, stellten mit Spezialschlüsseln die Thermostate ein, machten sich auch mit Energiebegriffen vertraut. Und die Kinder im Alter von sieben bis zehn Jahren gingen solchen Fragen nach: Gibt es zu kalte und zu warme Räume, funktioniert die Nachtabsenkung, wie ist es in den Ferienzeiten? Schulleiterin Uta Fleischer: „Die Energiefüchse sind mit Begeisterung dabei. Im Schulalltag konnten wir schon gute Energieeinsparungen erreichen.“

Das Burkhardswalder Energie-Projekt für ein nachhaltiges Klimabewusstsein bleibt aber nicht auf die Grundschule beschränkt. Auch zu Hause, in den Wohnungen ihrer Eltern machen die Schulkinder das Thema Energieeinsparung zu ihrer Sache. Kürzlich berichteten die Energiefüchse auf einer Zusammenkunft in der Schule, wie sie mit ihren Eltern zum Beispiel auf richtige Raumtemperaturen und sinnvolle Beleuchtung achten. „Die Kinder nehmen dabei eine Vorbildrolle ein. Unser Projekt für eine gute Klimabilanz strahlt aus. Das freut uns sehr“, bemerkt die Schulleiterin. Und so sagt sie auch ihren Energiefüchsen Amy, Elya, Maria, Felix, Mara, Hermine, Henrik, Lara, Konstantin, Louis, Ruben, Fiete, Lilly und Arthur ein großes Dankeschön.

Energie-Manager Michael Hegenbart prüft mit einem Messgerät an der Erdgas-Heizanlage in der Verwaltung Röhrsdorf die Wärme, welche in den Kreislauf der Anlage gelangt.

Auch  Michael Hegenbart, Mitarbeiter der Bauabteilung in der Gemeinde Klipphausen, ist froh über das systematische Energiesparen an der Grundschule Burkhardswalde. Als Energiemanager der Kommune betreut er dort das Projekt. „Die Kinder sind  gewissenhaft dabei, energetische Schwachstellen aufzudecken“, sagt er. Das komme der Gemeinde zugute. Doch  nicht nur die Grundschule Burkhardswalde ist da einbezogen. Die Etablierung eines  Energiemanagements in der Gemeinde Klipphausen schließt alle kommunalen Einrichtungen ein. Klipphausen gehört da zu den insgesamt 36 Städten, Gemeinden und Landkreisen in Sachsen, die an einem solchen Projekt teilnehmen, das seit 2015 von der Sächsischen Energieagentur SAENA GmbH begleitet wird. Seiffen im Erzgebirge macht da zum Beispiel mit, ebenso Brand-Erbisdorf oder Flöha. Im Landkreis Meißen sind neben Klipphausen noch Gröditz und Moritzburg dabei. Michael Hegenbart wurde kürzlich vom sächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt als kommunaler Energiemanager ausgezeichnet. In einem Ausbildungslehrgang unter Federführung der Energieagentur SAENA hatte er sich unter anderem mit dem Aufbau eines Energieverbrauchs-Controlling in der Gemeinde sowie der Optimierung der Energiebeschaffung und des Betriebsverhaltens technischer Anlagen vertraut gemacht.

In der Gemeinde wurde bei Begehungen die Energiebilanz von bisher neun der 46 kommunalen Liegenschaften untersucht, unter anderem neben der Grundschule Burkhardswalde auch die Kindertagesstätte in Wildberg, die Grundschulen und Turnhallen in Naustadt und Sachsdorf sowie die Verwaltung in Röhrsdorf. Diese haben einen besonders hohen Anteil an den Gesamtkosten der Gemeinde für Wärme, Strom und Wasser. Zukünftig sollen alle weiteren Liegenschaften wie unter anderem auch das Schloss Klipphausen, die Kindertagesstätte Scharfenberg, Vereinshäuser, Feuerwehrgerätehäuser, das Jahnbad in Miltitz, Friedhöfe sowie Jugendklubs kontrolliert werden.  Außer kommunale Wohngrundstücke, die sind im Management nicht mit eingeordnet. „Wir haben die Energieverbräuche erfasst und mit den Hausmeistern und weiteren Verantwortlichen die Einsparpotentiale abgeschätzt und die weitere Vorgehensweise abgestimmt“, bemerkt der 34-jährige Energiemanager. Ziel des  Energiemanagements in der Gemeinde sei ein rationeller Einsatz und die Verringerung des Energie- und Wasserverbrauchs. Im Jahr 2015, so der Verwaltungsmitarbeiter, haben da die Kosten bei den 46 kommunalen Liegenschaften insgesamt 242 229 Euro betragen.  Darunter nahm die Position Wärme mit 119 178 Euro den größten Anteil ein. „Wir wollen in diesem Jahr eine Einsparung von insgesamt über 10 000 Euro erreichen“, bemerkt Hegenbart.

Die 15 Energiefüchse in der Grundschule Burkhardswalde.

Das kommunale Energiemanagement erstreckt sich dabei auf  verschiedene Maßnahmen. So nimmt jetzt Klipphausen eine monatliche Verbrauchsdatenerfassung und -kontrolle in den einzelnen Liegenschaften vor. Hegenbart: „Besonders das Verhalten der Gebäudenutzer ist mit ausschlaggebend für die Senkung des Energieverbrauchs.“ Dabei würde es zum Beispiel nicht um das Verringern der festgelegten Temperaturen in den einzelnen Räumen und Objekten gehen, sondern um eine Anpassung der Beleuchtung sowie der Heizung an den Betrieb oder um eine Absenkung in der Nacht und in den Ferien. Auch eine optimale Steuerung der Anlagen könne sich auf eine bessere Energieeffizienz auswirken. Durch vorteilhaftere Energieliefer- und Wartungsverträge für die Gemeinde wird schon jetzt eine jährliche Einsparung von 5 300 Euro bei Gas und von 1 800 Euro bei Strom erreicht. Das betraf zum Beispiel bei Strom zehn Objekte, unter anderem auch das Vereinszentrum in Weistropp. Im Vereinshaus in Constappel war bei der Kontrolle ein extrem hoher Wasserverbrauch aufgefallen. Bei der Nachforschung wurde ein Rohrleitungsleck im Erdgeschoss entdeckt, das inzwischen behoben wurde. Auch eine zweckmäßigere Wasserführung in den WC könne kostensparend sein.

In einem Nutzungskonzept werden für die einzelnen Liegenschaften entsprechende Festlegungen getroffen. Zum Beispiel sollen auch schrittweise veraltete Leuchtstoffröhren durch moderne LED-Lampen ersetzt werden. In der Kindertagesstätte Wildberg konnte durch eine bessere Anlageneinstellung und durch andere Maßnahmen Flüssiggas eingespart werden. In der Turnhalle Taubenheim, im Vereinszentrum Weistropp und in den Verwaltungen Röhrsdorf und Klipphausen, um nur einige  Beispiele zu nennen, gibt es ebenfalls schon Kosteneinsparungen. 

Das Ganze steuert Energiemanager Hegenbart akribisch. Er baute auch eine Datenbank auf. Darin sind zum Beispiel schon Energie-Diagramme von 36 Liegenschaften enthalten. „So können wir kontinuierlich die Energieverbräuche vergleichen und Schlussfolgerungen ziehen“, sagt der Verwaltungsmitarbeiter.  Dabei werden die Verbrauchsdaten von energetisch auffälligen Gebäuden in dem Energiemonitoring besonders verfolgt, um in der Folge die Ursachen für den hohen Verbrauch zu ergründen und Veränderungen vorzunehmen. Die Gemeinde gab auch insgesamt 1 800 Euro für mobile Messgeräte aus, darunter sind Temperaturlogger (Temperaturaufzeichner), Infrarot-Thermometer, um zum Beispiel Kältebrücken im Dachgeschoss und in Räumen festzustellen, oder auch Luxmeter zum Messen der Beleuchtungsstärke und ein Tablet zur mobilen Messdatenauswertung. In einer Dienstanweisung des Bürgermeisters wurden die Zuständigkeiten und Grundregeln für ein effektives Energiemanagement festgehalten. Beispielsweise wird in der Gemeinde in Zusammenarbeit mit der Sächsischen Energieagentur SAENA auch ein Energietechniker ausgebildet, der in den Liegenschaften besonders Energie-Schwachstellen beseitigen soll. 

Text und Fotos: Dieter Hanke