^ Nach oben

Rothschönberg wird schöner

Der Elektrofachbetrieb Schlesinger sanierte eine große Scheune des früheren Rittergutes

Die Rothschönberger Ortsmitte hat einen neuen Blickpunkt: ein großes saniertes Gebäude mit einer ockerfarbenen Fassade und einem roten Dach. Es ist die einstige Scheune vom Rittergut aus dem Jahr 1894. Diese wurde all die Jahrzehnte für die Lagerung von Heu und Stroh für die Schafhaltung genutzt.  „Das war zu Rittergutszeiten so, in der DDR von der LPG  und auch später privat nach der Wende“, sagt Harald Schlesinger, der Chef des gleichnamigen Elektrofachbetriebes in Rothschönberg. Der  66-Jährige hatte das Anwesen 2012 von einem  privaten Eigentümer erworben, um es für Lagerzwecke seines Unternehmens zu nutzen. In den Folgejahren wurde das Gebäude, das im unteren Teil aus Bruchsteinen und im oberen aus Ziegelsteinen besteht, in Schuss gebracht. Denn der Zahn der Zeit hatte dieser Scheune zugesetzt. Eine sechsstellige Summe brachte Harald Schlesinger für die Sanierung dieses Bauwerkes auf, das mit ortsprägend ist und heute weithin durch seine gelungene Neugestaltung auffällt.

Bemerkenswert ist, dass die Mitarbeiter dieser Rothschönberger Elektrofirma mit tüchtig Hand anlegten. Sie brachten den Rauputz am Gebäude an und übernahmen noch viele weitere Bauarbeiten. Auch einst zugemauerte Fenster wurden wieder freigelegt. Zwar steht das Gebäude nicht unter Denkmalschutz, „aber wir wollten eine Gestaltung vornehmen, die sich dem originalen Zustand der Scheune und  der Bauweise in unserem ländlich geprägten Ort anpasst“, sagt Harald Schlesinger. So wurden zum Beispiel auch Holzfenster mit Sprossen eingesetzt. Handwerksbetriebe der Region wie Dachdeckermeister Görne aus Riemsdorf oder Torbau Walther aus Wilsdruff standen den Rothschönbergern zur Seite. Im Dachgebälk mussten zum Beispiel etliche schadhafte Stellen erneuert werden. 

Im Herbst des Vorjahres war fast alles fertig. Die Hinterfront des Gebäudes und der untere Giebel werden noch dieses Jahr neu verputzt, wie der Firmenchef informiert. In der 45 Meter langen, 18 Meter breiten und 18 Meter hohen Lagerstätte hat der Elektrofachbetrieb Geräte, Maschinen und Fahrzeuge untergebracht: eine Bohr- und eine Drehmaschine sind auch darunter, ebenso Hebebühne und Bagger. Zu diesem Zweck erhielt der Boden auch ein Betonpflaster. „Wir haben jetzt durch das große Lager wesentlich bessere Bedingungen“, sagt Harald Schlesinger.

Viele Einwohner von Rothschönberg freuen sich über das neu sanierte Anwesen. Auch Klipphausens Bürgermeister Gerold Mann lobt diese Initiative. „Das  Gebäude verschönert den Ort und ist zugleich ein Beispiel, wie sich ein engagierter Unternehmer für das Gemeinwesen mit einsetzt“, bemerkt er.       

Auch Schmied und Gemeinderat Uwe Krause aus dem Nachbarort Tanneberg schätzt das Vorgehen dieses Elektrofachbetriebes. „Das Unternehmen hat so mit seinen Mitarbeitern den eigenen Betriebsablauf verbessert. Und der Ort gewinnt durch ein aufgefrischtes Gebäude, das früher zwar kein Schandfleck, aber auch nicht gerade ein Hingucker war.“       Die sanierte Scheune in Rothschönberg

Die modernisierte Scheune stellt nun auf diesem früheren Vierseithof des Rittergutes mit dem angrenzenden Wohnhaus ein gelungenes Ensemble dar. Bereits 1998/99 hatte Harald Schlesinger das frühere Wohnhaus für Bedienstete des Rittergutes saniert, das die gleiche Farbgestaltung wie die Scheune aufweist. Fünf Familien leben heute dort.

„Das Triebischtal, die linkselbischen Täler sind meine Heimat. Hier fühle ich mich wohl und möchte mich einbringen“, sagt der 66-Jährige. In Rothschönberg wurde  Harald Schlesinger geboren, machte den Zehn-Klassen-Abschluss in der Deutschenboraer Schule und lernte Elektromechaniker bei der Elektrowärme Sörnewitz. Er arbeitete dort bis 1982, erwarb im Fernstudium den Ingenieurabschluss für Elektronik und machte sich 1982 in Siebenlehn als Antennentechniker selbstständig. Bis 1990 baute er zum Beispiel Antennenanlagen in Nossen und weiteren Orten des heutigen Klosterbezirks Altzella und der Lommatzscher Pflege und ermöglichte so zu damaliger Zeit vielen Einwohnern das Westfernsehen. 1991 eröffnete Harald Schlesinger dann in Rothschönberg in einem ausgebauten Stallgebäude des Rittergutes seinen Elektrofachbetrieb. Waren es damals vier Mitarbeiter, sind es heute 15, die in der Region bis Altenberg, Freiberg, Meißen, Riesa und Großenhain Handwerkerarbeiten rund um den Strom erledigen. Auch ein  Geschäft für den Kauf und die Reparatur von Fernsehern, Radios und weiteren Elektrogeräten sowie Waschmaschinen und Kühlschränken gehört zum Unternehmen, das wirtschaftlich solide dasteht.

Aber auch im Ehrenamt engagiert sich Harald Schlesinger, von 1990 bis 1998 war er ehrenamtlicher Bürgermeister in Tanneberg/Rothschönberg und später noch Gemeinderat in Triebischtal. Der schöne Pavillon im Rothschönberger Schlosspark, der 1998 eingeweiht wurde, geht mit auf sein Wirken zurück. Im April wird Harald Schlesinger 67. Doch ans berufliche Aufhören denkt er noch lange nicht. „Papst wird man auch erst mit 70 und älter“, bemerkt er scherzhaft. Seine langjährige Sekretärin Marita Flade aus Deutschenbora sagt über ihn: „Seine Arbeit ist sein Leben.“ Er sei ehrgeizig und gewissenhaft.“ Wenn er sich mal Freizeit nimmt, was nicht so oft vorkommt, hat Harald Schlesinger, der verheiratet ist und zwei Töchter hat,  meist am Grundstück zu tun. Vielleicht werde er noch mal wie vor einigen Jahren in der Schweiz auf einen Viertausender kraxeln. Aber Urlaub zu Hause im Triebischtal sei eigentlich schöner, sagt er.

Text und Fotos: Dieter Hanke