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Klipphausener halten dicht

Fluid Concept GmbH im Gewerbegebiet erweitert die Produktion von  Hydraulikrohren und -schläuchen

Auf den ersten Blick ist die Fluid Concept GmbH auf der Bremer Straße im Gewerbegebiet Klipphausen nicht zu erkennen. Denn die DHL-Niederlassung dominiert den Hallentrakt gegenüber der Sächsischen Haustechnik. Im hinteren Gebäudeteil hat aber dieser mittelständische Betrieb seinen Sitz. Wenngleich sein Standort auf 1 300 Quadratmetern Hallenfläche vom Äußeren her unscheinbar ist, nimmt doch Fluid Concept deutschlandweit einen geachteten Platz ein. Denn dieses Klipphausener Unternehmen handelt in der Branche Hydraulik und Pneumatik und stellt hier selbst Produkte her.  Neben dem Biegen und weiteren Bearbeiten von speziellen Rohrleitungen und -systemen aus Stahl und Kunststoff werden vor allem Schlauchleitungen aus Stahlgeflecht mit einer Außengummierung konfektioniert. Diese flexiblen Verbindungen dienen besonders im Fahrzeug- und Maschinenbau und in der Automobilindustrie zur Fluidübertragung (fluid gleich fließend oder Flüssigkeit), so beispielsweise von Hydrauliköl, Luft oder Kältemitteln.  Von 30 Zentimetern bis an die 14 Meter lang können die Schlauchleitungen unterschiedlichen Durchmessers sein.

Viele der Abnehmer kommen auch aus Sachsen.  Das Unternehmen Eickhoff im Gewerbegebiet Klipphausen, das Getriebe für Windkraftanlagen fertigt, verwendet zum Beispiel dafür auch Hydraulikrohre von Fluid Concept.  Die Maschinenfabrik Stolpen, die Anbaugeräte für die Landwirtschaft herstellt oder die Firma Nußbaum aus Kehl in Baden-Württemberg, die Hebebühnen und -technik für Pkw, Lkw oder Schienenfahrzeuge produziert, baut in ihre Anlagen ebenfalls Hydraulikschläuche aus Klipphausen ein. Auch die Firma Dürr Somac GmbH aus Stollberg im Erzgebirge, ein bedeutender Hersteller von Befüllanlagen für Flüssigkeiten und Gase unter anderem für Motoren und Getriebe in der Automobilindustrie, nutzt da die Klipphausener Erzeugnisse. „So haben wir letztendlich mit Anteil daran, wenn VW oder BMW solche Befüllanlagen für den Bau seine Fahrzeuge verwendet“, sagt  Lutz Weber. Der 49-Jährige ist Leiter der Fluid Concept GmbH, einer 100-prozentigen Tochter des Stammunternehmens Fritz Stiefel GmbH in Waiblingen bei Stuttgart, das in Deutschland mit ein führender Anbieter in der Hydraulik- und Pneumatiksparte ist.

Wirtschaftlich steht die Klipphausener Niederlassung, die selbstständig agiert, auf soliden Füßen. „Die Auftragslage ist sehr gut. Im Vorjahr erzielten wir einen Jahresumsatz von 3,3 Millionen  Euro“, bemerkt Lutz Weber. In den vergangenen Jahren sei der Betrieb stetig gewachsen. Dabei macht die eigene Produktion von konfektionierten Schlauchleitungen sowie von Rohren 50 Prozent des Gesamtanteils im Betriebsprofil aus, die andere Hälfte erstreckt sich auf die Handelstätigkeit in der Hydraulik- und Pneumatikbranche, also in Sachen Ventile, Schläuche, Schellen, Armaturen, Rohre, Filter, Pumpen, Hähne, Rohrverschraubungen und weitere Produkte. „Den Erfolgskurs des Betriebes wollen wir fortsetzen“, so der Niederlassungsleiter. Deshalb soll jetzt die Produktion erweitert werden, was auch eine flächenmäßige Vergrößerung des Standortes bedingt.  Auch die Zahl der Mitarbeiter – derzeit sind es elf – soll aufgestockt werden. „Wir suchen Mitarbeiter aus der Metallbranche für unsere Produktion sowie Lageristen“, bemerkt Lutz Weber.  Zum Beispiel will dieser Klipphausener Betrieb auch weitere Geschäftsfelder mit der Montage von Hydraulik-Baugruppen erschließen. Investiert werden soll ferner in eine neue Schlauchpresse und in eine weitere Rohrbiegemaschine.

Die Fluid Concept GmbH ist ein anschauliches Beispiel, wie sich mit einem überschaubaren unternehmerischen Risiko, mit Beharrlichkeit und konsequenter Orientierung auf Kundenwünsche ein familiengeführtes Unternehmen  am hart umkämpften Markt behauptet. Und die Geschichte dieses Betriebes ist da auch mit dem Lebenslauf von Lutz Weber eng verbunden.

1968 wurde er in Stollberg im Erzgebirge geboren, wuchs dort auf,  machte seinen Zehn-Klassen-Abschluss. Er lernte  von 1984 bis 1987 Mechaniker für Datenverarbeitung und Büromaschinen bei Robotron in Chemnitz, arbeitete danach  im Qualitätsmanagement für Computer-Baugruppen. Durch politische Willkür von DDR-Behörden gegen ihn stellte er dann einen Ausreiseantrag in die BRD.  Im Januar 1989 reiste er aus. Mit seiner Frau, ebenfalls aus Stollberg, baute er sich dort eine neue Existenz auf. Zunächst als Lagersachbearbeiter, später nach einer Ausbildung als Kaufmann war er bis 1998 bei der Fritz Stiefel GmbH in Waiblingen tätig.

Dann bot sich der Familie eine neue berufliche Chance. Eine Niederlassung des Unternehmens sollte in Sachsen entstehen.  „Wir wollten näher bei unseren  Kunden in Ostdeutschland sein“, sagt Lutz Weber. Am 29. September 1998 startete er mit seiner Frau, die Industriekauffrau gelernt hatte, in der gegründeten Fluid Concept GmbH im Gewerbegebiet Klipphausen. Das neue Unternehmen mietete sich in dieser Halle an der Bremer Straße ein.  Die beiden Neu-Klipphausener bauten die Niederlassung auf. „Die ersten Jahre ging es da nur um Handelstätigkeit im Bereich Hydraulik und Pneumatik, ehe wir dann selbst begannen, Produkte herzustellen“, so der Niederlassungsleiter.   Mit Unterstützung der Fritz Stiefel GmbH entwickelte sich in den Folgejahren Fluid Concept erfolgreich. Neue Arbeitsplätze wurden geschaffen. Im Jahr 2000 stieß zum kleinen Team der Bruder von Lutz Weber hinzu.   „Wir sind stolz auf unser familiengeführtes Unternehmen“, sagt Lutz Weber. Von Vorteile seien da kurze Entscheidungswege, jeder trage engagiert Verantwortung. „Von der logistischen Lage her ist unser Standort super, und auch die Gemeindeverwaltung ist für uns ein guter Partner“, bemerkt Lutz Weber, der erst im Flachsgrund in Klipphausen wohnte und sich dann 1999 mit seiner Frau ein Haus in Tanneberg baute. Im Urlaub fährt er gern mit seiner Frau an die Nordsee.

Text und Fotos: Dieter Hanke