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Kleine Fußball-Gemeinschaft ganz groß

Das ist mit ein Verdienst von Carsten Buresch und weiteren Ehrenamtlichen der SG Miltitz. Verein bewirbt sich um ENSO-Förderpreis.

Carsten Buresch zieht mit weißer Farbe die Linien auf dem Fußballplatz am Miltitzer Jahnbad. Ralf Eckert assistiert dabei. Akkurat gehen sie zu Werke. „Zehn Liter Farbe brauchen wir dafür“, sagt Carsten Buresch. Der 53-Jährige ist Abteilungsleiter Fußball der SG Miltitz, schon seit 1991 und auch ebenso lange Übungsleiter. „Unsere Sonnabend-Beschäftigung auf dem Platz“, bemerkt  Ralf Eckert (42). Am Sonntag haben die Miltitzer Heimvorteil. „Wir spielen gegen die Zweite von Zabeltitz“, sagt Ralf Eckert,  seit über zehn Jahren stellvertretender Abteilungsleiter. Während sich die Gäste in der oberen Tabellenhälfte der 2. Kreisklasse behaupten, läuft es in dieser Saison für die Miltitzer nicht so gut. „Wir sind punktgleich mit dem Drittletzten – Wacker Nünchritz. Mal sehen, ob wir noch eine bessere Platzierung schaffen“, meint Carsten Buresch. Der selbstständige Bauhandwerker aus Burkhardswalde spielt noch in der ersten Mannschaft mit. Meist im defensiven Mittelfeld. „Zwar können wir Älteren auf dem Spielfeld nicht mehr mit den jungen Leuten mithalten, was Geschwindigkeit und Kondition betrifft. Doch mit der Technik klappt es noch ganz gut. Und wir haben nach wie vor Freude am Fußballspielen“, sagt Carsten Buresch, der seit 1988 der ersten Mannschaft angehört.

Auch Ralf Eckert aus Groitzsch, der als Schweißer in einem Großenhainer Betrieb arbeitet, spielt da seit vielen Jahren noch mit. Früher war der 42-Jährige mal Tormann, jetzt Feldspieler. „Der Carsten ist bekannt für seine Kopfball-Tore“, macht er seinem Mannschaftskameraden ein Kompliment.

Ohne Carsten Buresch und Ralf Eckert würde die kleine Fußball-Abteilung des Miltitzer Landsportvereins über Jahre nicht so dastehen wie jetzt.  Die beiden reden nicht groß, sie handeln. Im Ehrenamt, ohne nur einen einzigen Cent im Monat dafür zu erhalten.  Selbst die Fahrten zu Baumärkten, um günstig Farbe für die Spielfeld-Linien zu kaufen, wird aus eigener Tasche bezahlt.   Meist kommen zu den Heimspielen 20, 30 Zuschauer. Die Frau von Ralf Eckert läuft da auf dem Platz umher, um das Eintrittsgeld zu kassieren. Einen Euro. „Davon können wir wenigstens den Schiedsrichter bezahlen“, bemerkt der Abteilungsleiter.

Der Sportplatz am Jahnbad macht einen gepflegten Eindruck. Der Rasen ist in Schuss. Unternehmen der Umgebung unterstützen die Miltitzer Fußballer. Carsten Buresch und Ralf Eckert freuen sich, dass zum Beispiel die Agrargenossenschaft Burkhardswalde mal mit ihrem Düngestreuer kommt, um den Rasen aufzufrischen oder auch die Gesellschaft für soziale Einrichtungen in Obermunzig von Georg Heidig, die Technik für das Walzen des Platzes stellt und Spieler der A-Jugend kostenlos zu ihren Auswärtsspielen mit Fahrzeugen befördert. Die Spedition Hauptvogel in Röhrsdorf würde Spielertrikots sponsern. Auch die Gemeinde Klipphausen hilft, so zum Beispiel im Vorjahr mit einem neuen Rasentraktor.  Carsten Buresch: „Es besteht ein kostenfreier Pachtvertrag mit der Gemeinde zur Nutzung des Platzes und des Vereinsgebäudes, zu dem wir mit der Instandhaltung unseren Beitrag hinzusteuern. Uns kommt da auch entgegen, dass die Gemeinde einen Teil der Betriebskosten für die Sportstätte übernimmt.“

Doch über einige Sponsoren mehr, würden sich die Miltitzer schon freuen. Denn finanziell kommt die Fußball-Abteilung zwar zurecht, doch große Sprünge kann sie nicht machen. Der Rasenboden müsste mal generell aufgelockert und noch andere Sachen auf dem Platz erneuert werden. „Doch dafür haben wir nicht das Geld“, bemerkt der Abteilungsleiter.

So bleibt im Ehrenamt vieles bei ihnen hängen. Als Platzwart kümmert sich Carsten Buresch auch um den regelmäßigen Rasenschnitt. Neben den organisatorischen Dingen zum Wettkampfbetrieb ist noch vieles andere zu managen. Ein Wildzaun wurde im Vorjahr am Sportplatz angebracht, um Dachse abzuhalten, die den Rasen aufwühlten. Und Marder hatten sich im Dachgeschoss des Vereinsheims einquartiert, die jetzt mit mehreren Ultraschallgeräten vertrieben wurden.

„Wir sind in der Region aufgewachsen. Das Miteinander hat uns geprägt. Sport und Kultur gehören da zum Wohlfühlen“, sagt Carsten Buresch.  Er wuchs in Miltitz auf, machte dort seinen Zehn-Klassen-Abschluss, lernte Baufacharbeiter beim Kreisbau in Meißen und lebt seit 1995 mit seiner Familie in Burkhardswalde. Ralf Eckert stammt aus diesem Ort, ging dort zur Schule.   Das kleine gemütliche Vereinsheim am Sportplatz, das in den 90-er Jahren modernisiert wurde, ist gewissermaßen ein Spiegelbild einer Fußballgemeinschaft, wo es in all den Jahren zwar mitunter ein Auf und Ab gab, aber immer der Gedanke des Miteinanders im Vordergrund stand. Urkunden, Fotos und Pokale zeugen anschaulich davon.  So als vor Jahren die Traditionsmannschaft von Dynamo Dresden zu Gast war oder als Miltitz noch im Vorderfeld der 1. Kreisklasse spielte.  Über dem Vereinsraum prangt ein blaues Schild mit der Aufschrift „Säbener Straße“.  Wie Carsten Buresch und Ralf Eckert sind noch andere Miltitzer Fußballfreunde Fans von Bayern München.   Der Sitz des Rekordmeisters in der Bundesliga ist eben an der Säbener Straße. 

Doch wenngleich die Bayern noch nicht in Miltitz zu Gast waren, erlebt doch dieser Ort jährlich auch einen Fußball-Höhepunkt. „Zum 26. Mal wird am 1. Juli in Miltitz unser Kleinfeld-Fußballturnier  ausgetragen“, bemerkt der Abteilungsleiter.  Zu diesem Fußballfest reisen zwölf Teams vor allem aus Sachsen, aber auch aus weiteren Teilen Deutschlands sowie aus Polen an.  Übernachtet wird in Zelten am Sportplatz.

Hoffnung, dass die Miltitzer einmal wieder höherklassig spielen werden, verknüpft Carsten Buresch mit dem Nachwuchs.  Zwar belegen seine Jungs der A-Jugend - er ist dort seit Jahren Übungsleiter - in dieser Kreisliga-Saison nur einen hinteren Tabellenplatz. Das ist aber vor allem der Tatsache geschuldet, dass die Jugendlichen in einer Spielgemeinschaft mit dem LSV Barnitz erst 16/17 Jahre alt sind und noch gut eine Saison in der B-Jugend hätten  spielen können, wo sie immerhin im Vorjahr Hallenkreismeister wurden.  Der Übungsleiter führt dazu triftige Gründe an: „Wir haben mit der Nachwuchsmannschaft eine Spielsaison B-Jugend übersprungen, um den älteren Jahrgängen in der Mannschaft entgegenzukommen und ihnen den Spielbetrieb bei den A-Junioren zu ermöglichen. Wir sind dann aber gerade von diesen Jugendlichen im Stich gelassen wurden, da sie eher aus fadenscheinigen Gründen dem Spiel- und Trainingsbetrieb ferngeblieben sind.“

So sammeln jetzt  die jungen Spieler in der A-Jugend in erster Linie Erfahrungen, vor allem auch im Zweikampf-Verhalten.  Verständlich, dass Übungsleiter Buresch  da  besonders auch einen Blick auf seinen Sohn Bruno hat, der in diesem Team Kapitän ist.

Mehr Anlass zur Freude hat die Abteilung in anderer Hinsicht. Ab der kommenden Saison wird Miltitz erstmals wieder eine F-Jugend  (5 und 6 Jahre) ins Rennen schicken. Und den Fußball-Nachwuchs verstärkt haben seit mehreren Monaten junge Asylbewerber aus Afghanistan, Jemen, der Elfenbeinküste und aus anderen Ländern.  Sie erhielten als unbegleitete Kinder und Jugendliche Domizil in der früheren Miltitzer Kindertagesstätte. Etwa acht trainieren  schon regelmäßig mit den Miltitzern.  Carsten Buresch steht generell der Asylpolitik der Bundesregierung kritisch gegenüber.  „Doch diesen Jugendlichen können wir das nicht anlasten. Sie sind nun einmal da, und wir wollen ihnen sportlich helfen“, sagt er. Er schwärmt von Adnan aus Jemen. Der 17-Jährige besitzt schon eine Spielgenehmigung. „Seine Technik mit dem Ball ist toll“, bemerkt der Abteilungsleiter, der hofft, nun auch für Basir und Haroon aus Afghanistan und für Aboubacar aus der Elfenbeinküste den Spielerpass vom Sächsischen Fußball-Verband zu bekommen.

Die SG Miltitz hat sich in diesem Jahr um den ENSO-Fußball-Nachwuchsförderpreis beworben.  Immerhin sind da die Miltitzer schon von etwa 50 Vereinen aus Ostsachsen, die teilgenommen haben, in die engere Auswahl mit fünf Gemeinschaften gekommen. Fußball-Legende Klaus Sammer, zu DDR-Zeiten Spieler und Trainer von Dynamo Dresden, später Nachwuchstrainer beim DFB, gehört seit Jahren mit zur Jury beim ENSO-Nachwuchspreis. Vor einigen Wochen informierte er sich  vor Ort bei der SG Miltitz. „Was die Leute im Ehrenamt leisten, ist vorbildlich“, sagte er.

Am 10. Juni wird in Coswig der ENSO-Förderpreis vergeben.   Ob die Miltitzer hier ganz weit vorn landen, wird sich zeigen.  „Auch wenn es nicht klappen sollte, die Ehrenamtlichen haben sich auf jeden Fall ein großes Dankeschön verdient“, bemerkt Bürgermeister Gerold Mann.

Text und Fotos: Dieter Hanke