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Schätze in der Erde

Höhepunkte im 500. Jubiläumsjahr der Lommatzscher Pflege sind die Ausstellung „Sachsens Geschichte unterm Acker“ und ein Symposium.

Schon in Nossen, Chemnitz, Kamenz und Wermsdorf  war sie zu sehen. Jetzt wird die interessante Ausstellung „Sachsens Geschichte unterm Acker“ - Landwirte schützen Denkmale“ auch in Lommatzsch Station machen. Im 500. Jahr der urkundlichen Ersterwähnung der Lommatzscher Pflege wird diese vom 11. Mai bis 11. Juni im „Schützenhaus“ die Besucher zum Schauen und Erfahrungsaustausch einladen. „Wir freuen uns schon sehr darauf“, sagt Lommatzschs Bürgermeisterin Dr. Anita Maaß, die zugleich Vorsitzende des Fördervereins für Heimat und Kultur in der Lommatzscher Pflege ist, der sich um die Organisation der Schau vor Ort kümmert.  

Die Ausstellung zeigt neue Wege zum Schutz des archäologischen Reichtums Sachsens auf intensiv genutzten Ackerflächen Sachsens auf und entstand in Kooperation zwischen dem Landesamt für Archäologie Sachsens und dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.  Dr. Anita Maaß: „Gerade auch in der Lommatzscher Pflege gibt es viele  Denkmale unterm Acker, die  Tausende von Jahren im Boden überdauert haben und  wichtige Zeugen von Epochen sind, aus denen es keine schriftlichen Aufzeichnungen gibt“.  Genannt sind da zum Beispiel der Burgberg von Zschaitz bei Döbeln oder die Funde von Tongefäßen, Felssteingeräten sowie bandkeramischen Statuetten   in Leippen, Birmenitz, Schänitz und Mauna. Ein herausragendes Beispiel ist auch die „Venus von Birmenitz“, etwa 5000 Jahre vor Christus entstanden und ein sehr seltenes Zeugnis einer jungsteinzeitlichen Figur. 

„Die Besucher können in der Ausstellung, die kostenfrei ist, die ganze Bandbreite dieser Denkmale in Sachsen kennenlernen“, bemerkt Kristin Zschäbitz vom Förderverein.  Im Mittelpunkt der Schau steht die originale Blockbergung eines Urnengrabes aus der späten Bronzezeit. Schautafeln,  Medienstationen,  interaktive Karten und Geländemodelle würden den Besuchern anschaulich den Reichtum des archäologischen Erbes vermitteln und aufzeigen, wie Ackerbau und Denkmalschutz in Einklang gebracht werden können. Mit der Stadt Lommatzsch und dem Heimatmuseum hat der Förderverein jetzt diese Ausstellung auch mit weiteren Exponaten aus der Lommatzscher Pflege bereichert.  So sind da Klopfsteine, eine Axt aus  Hornblendefels oder ein Tongefäß aus der Bronze- und Jungsteinzeit zu sehen.

„Nur wer seine Vergangenheit kennt, kann seine Zukunft gestalten“, sagt die Lommatzscher Bürgermeisterin. Für sie ist deshalb die Erhaltung des „Archivs im Boden“ aus der mehreren Jahrtausenden Besiedlungsgeschichte ein vorrangiges Anliegen. Die fruchtbaren Lößböden in der Lommatzscher Pflege hätten schon in der Jungsteinzeit zu ersten bäuerlichen  Besiedlungen geführt.   „Diese Altsiedellandschaften sind heute die Hochertragsregionen der Gegenwart“, bemerkt die Bürgermeisterin. Archäologen würden da mit Landwirten an einem Strang ziehen, die auf denkmalgerechte Bewirtschaftungsverfahren der Böden achten. Auch die archäologischen Entdeckungen seit Beginn der Straßen- und Kanalbauarbeiten im Jahr 2009 im Lommatzscher Stadtkern, so Dr. Maaß, zeugen von diesem vielfältigen archäologischen Erbe. In der Frauenstraße wurde zum Beispiel eine Votivhand aus gebranntem Ton aus dem 11./12 Jahrhundert geborgen, die einmalig in Sachsen sei und nach Ansicht von Archäologen die einstige überregionale Bedeutung Lommatzschs als kirchlicher Wallfahrtsort vor der Reformation belegen würde.

Ein weiterer Höhepunkt im Jubiläumsjahr der Lommatzscher Pflege wird am 9. Juni im Schützenhaus unter dem Motto „Wo Werte wachsen“ ein Symposium zur Landwirtschaft und ländlichen Entwicklung gestern, heute und morgen sein. Ebenfalls veranstaltet vom Förderverein mit Unterstützung des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, werden am Vormittag Agrarwissenschaftler, Landtechniker, Praktiker und Politiker, unter ihnen Thomas Schmidt, Sächsischer Staatsminister  für Umwelt und Landwirtschaft, über Chancen für eine nachhaltige,  ökologische und effiziente Landwirtschaft debattieren. Nachmittags geht es mit Experten um die 500-jährige kulturlandschaftliche Entwicklung der Lommatzscher Pflege und um die Zukunft des ländlichen Raums.  An der abschließenden Podiumsdiskussion wird auch Dr. Thomas de Maizière, Bundesminister des Innern, teilnehmen. 

Text und Foto: Dieter Hanke