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Neue große Bio-Hofbäckerei

Auch ein Café, eine Konditorei und der Hofladen des Pfarrgutes Taubenheim werden im einstigen Landwarenhaus ihren Sitz haben.

Taubenheim wird attraktiver. Im ehemaligen Landwarenhaus inmitten des Ortes an der Hauptstraße soll künftig die neue größere Hofbäckerei des Pfarrgutes Taubenheim ihren Sitz haben. Eine Investition in Millionenhöhe für den Bio-Landwirtschaftsbetrieb, denn das Gebäude, das seit einigen Jahren leer steht, soll komplett um- und ausgebaut werden. So wird die Backstube im Erdgeschoss links und angrenzend in einem neuen Anbau untergebracht. Weiter entstehen zur Straßenseite zu eine Konditorei, der Hofladen der Bio-Bauern und ein Café.  Im oberen Geschoss werden Büro- und Sozialräume sowie ein Seminarraum etabliert. In einem Anbau hinter dem Gebäude wird unten die Kommissionierung und Auslieferung sein, oben das Mehllager und der Bereich Zutaten.

„Wenn alles klappt, könnte Ende nächsten Jahres Einzug sein“, sagt Almuth Krenkel, Gesellschafterin und Geschäftsführerin des Bio-Bauernhofes. Eine Bau-Voranfrage sei bereits vom Landratsamt Meißen positiv beschieden worden. „Wir sind jetzt dabei, die konkreten Planungen vorzunehmen. Möglicherweise könnten sich da noch einige Änderungen ergeben. Doch unsere Ziele sind klar“,  bemerkt die 46-jährige Rechtsfach- und Betriebswirtin, Mutter von sechs Kindern im Alter von zehn bis 29 Jahren.

Auch in Sachsen ist die Nachfrage nach Bio-Backerzeugnissen steigend. Täglich liefert das Pfarrgut Taubenheim an die 1 000 Brote und Brötchen sowie Kuchen und Gebäck an 70 Bio-Läden, Reformhäuser, Verbrauchergemeinschaften, Kindergärten, Altenheime und Handelsketten aus, vor allem im Großraum Dresden.   Für ihre Erzeugnisse in Bio-Qualität verwenden die Bäcker Roggen, Weizen oder Dinkel, größtenteils aus eigenem Anbau des Bauernhofes.  Das Getreide wird in der nahen Miltitzer Wassermühle sorgsam gemahlen.  Fünf  Bäcker sind in der Nachtschicht im Einsatz, und zusätzlich backen Bäckermeister Bernd Schleinitz und ein Geselle in einer zweiten Schicht am Tag.

„Doch das reicht nicht. Ein großes Hemmnis für eine Produktionserweiterung ist der beengte Platz im Pfarrgut“, sagt Almuth Krenkel. Denn für modernere Technologien und effektivere Abläufe oder auch für einen neuen größeren Backofen würden einfach die Flächen fehlen.  „Wir möchten auch unser  Backwarensortiment vergrößern. Und unser Traum ist die Einrichtung einer Konditorei, wo wir feine Backwaren herstellen“, bemerkt die Geschäftsführerin, die in ihrer Freizeit im Posaunenchor der Kirchgemeinde Burkhardswalde mitspielt. Auch dem verstärkten Trend nach Bio-Snacks will das Pfarrgut künftig besser entsprechen.  Seine Dinkelschnecken mit herzhaften und süßen Füllungen oder das extra entwickelte Hofknäcke sind schon jetzt stark nachgefragt. Deshalb hat sich das Pfarrgut nach anderen Standorten für eine größere Backstube umgesehen. Almuth Krenkel: „Wir hätten auch auswärts bauen können. Doch wir wollten im Ort bleiben, denn das Pfarrgut ist untrennbar mit Taubenheim verbunden.“

Für den Ortschaftsratsvorsitzenden Roland Butter ist deshalb der Entscheid des Bio-Bauernhofes für das einstige Landwarenhaus eine großartige Sache. „Unser Ort wird schöner. Ein Gebäude, das mit prägend für Taubenheim ist, bleibt erhalten. Und vom exzellenten Ruf des Pfarrgutes in Sachsen für seine ausgezeichneten Bio-Produkte profitiert ja auch unser Ort und wird bekannter“, sagt der 40-jährige Bautechniker.  Der Landwirtschaftsbetrieb hatte seine Investitionspläne kürzlich im Taubenheimer Ortschaftsrat vorgestellt.

Auch Klipphausens Bürgermeister Gerold Mann würdigt das Engagement und den Öko-Gedanken dieses Bauernhofes. „Nach der Wende haben nicht wenige das Pfarrgut belächelt oder sogar mit Skepsis betrachtet, weil es sich bei der Erzeugung von Nahrungsmitteln und weiteren landwirtschaftlichen Erzeugnissen konsequent von einer umweltschonenden Produktion sowie der artgerechten Haltung von Tieren leiten lässt.  Doch Beharrlichkeit und Einsatz dieses Bio-Hofes haben sich ausgezahlt. Er hat eine stabile wirtschaftliche Grundlage, ist weithin anerkannt“, bemerkt der Bürgermeister.  Die neue größere Hofbäckerei sei deshalb jetzt nur folgerichtig. „Wir wünschen dem Team viel Erfolg bei seinem Vorhaben“, so Mann.

Pfarrer Klaus Urban kennt das Pfarrgut sehr gut. Er war von 1987 bis 2000 Pfarrer in Taubenheim. „Das neue Vorhaben des Bio-Hofes kommt dem Ort und der Umwelt zugute. Eine schöne Initiative“, sagt Klaus Urban, der jetzt Pfarrer in Ottendorf-Okrilla ist.

Alles begann 1991, als  Ingeborg und Michael Schwarzwälder ihren Traum von „Brot und Milch vom Bauernhof“  mit einem Erbbauvertrag für den heruntergewirtschafteten Hof starteten. Heute steht das Pfarrgut wirtschaftlich solide da, hat seit Jahren zahlreiche Partnerschaften mit Bio-Läden, Verbrauchergemeinschaften und Handelsketten. Insgesamt bewirtschaftet das Pfarrgut gegenwärtig 110 ha Grünland und 90 ha Ackerland. Jährlich werden 90 t Roggen und 60 t Weizen produziert.  Es gibt eine Milchkuhherde mit 60 Tieren und einen Jungviehstall in Obermunzig. Täglich werden etwa 900 Liter Milch vermarktet. Über 20 Mitarbeiter sind im Pfarrgut in Landwirtschaft, Bäckerei, Molkerei und Vermarktung tätig, dessen Erzeugnisse zu 100 Prozent biozertifiziert sind. Im Pfarrgut hat ein kleiner Hofladen dienstags, freitags und sonnabends geöffnet.

Während bereits 2006 der Bio-Landwirtschaftsbetrieb an Tochter Sophia Sucholas und ihrem Mann Jaroslaw übergeben wurde, übernahmen diese beiden sowie die älteste Tochter Almuth Krenkel im Vorjahr noch den Verarbeitungsbetrieb von Ingeborg Schwarzwälder.

Sophia und Jaroslaw Sucholas und Almuth Krenkel sind nun Gesellschafter und Geschäftsführer des Familienbetriebes und entscheiden gemeinsam über die Perspektive des Pfarrgutes, so auch über die Erweiterung der Hofbäckerei. Mit der Landwirtschaft und deren Verwaltung schon viele Jahre vertraut, haben sich die drei gut in ihre neuen Aufgabenbereiche eingearbeitet, was Ingeborg Schwarzwälder sehr freut. „Ich weiß unseren Bio-Bauernhof in guten Händen“, sagt sie.

Für Jaroslaw Sucholas ist zum Beispiel bei der künftigen Erweiterung der Hofbäckerei mit von Bedeutung, dass dann die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter wesentlich verbessert werden. „Wir haben entsprechende Sozialräume geplant“, bemerkt er. Bäckermeister Bernd Schleinitz und sein Team freuen sich schon auf ihren künftigen Sitz in dem insgesamt 2 300 Quadratmeter großen Grundstück. „Für die Sortimentserweiterung in der Hofbäckerei im Landwarenhaus haben wir schon erste Vorstellungen. Vor allem auch das Angebot an Kuchen wird umfangreicher werden“, sagt der 55-jährige Bäckermeister, der im Brandenburgischen wohnt und seit vielen Jahren täglich 120 Kilometer zur Arbeit nach Taubenheim und zurück fährt. „Wir sind ein gutes Team, helfen einander“, bemerkt er.

Das Landwarenhaus in Taubenheim war in den 60er Jahren gebaut worden, wie Gemeinde- und Ortschaftsrat Thomas Forbriger informierte. Lebensmittel und Haushaltwaren oder auch Kühlschränke, Mopeds und weitere Industriewaren konnten früher dort von den Bürgern erworben werden. Nach der Wende waren in dem Gebäude zeitweise unter anderem ein Getränkestützpunkt, Arztpraxis, Fahrschule, Wohnung und Gemeindeamt ansässig. Seit geraumer Zeit steht das Gebäude leer.

Text und Fotos: Dieter Hanke