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Zu Gast bei Müllers in der Gemeinde

Der diesjährige Mühlentag fand wieder eine großartige Resonanz der Bürger.

Die Mühlen in der Gemeinde Klipphausen sind nicht nur technische Wunderwerke, sie sorgen auch für allerlei Sagen und Märchen, für staunende Kinderaugen, tolle Erlebnisse für Familien und für kulinarische Freuden. Tausende waren wieder am Pfingstmontag im Triebisch- und Saubachtal und an anderen Orten unterwegs, um beim nunmehr 24. Mühlentag der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung den traditionsreichen Mühlen in der Gemeinde ihre Reverenz zu erweisen. Die Müllers hatten für ihre Gäste wieder ein vielseitiges Programm vorbereitet, das Geschichte, historische Technik, Führungen, Informationen, Gemütlichkeit, Erholung, regionale Spezialitäten und anderes mehr in sich vereinte. „Den Mühlenbesitzern, ihren Familien und den vielen Helfern dafür ein großes Dankeschön“, sagt Bürgermeister Gerold Mann.

 

Die Eröffnung des Mühlentages fand diesmal in der Buschmühle statt, die auf Meißner Territorium steht, und deshalb war auch an diesem Tag der Bürgermeister der Domstadt, Olaf Raschke, Schirmherr des Festes im Triebischtal.   Landrat Arndt Steinbach taufte zünftig mit einer Mehlportion den Meißner OB. Mit drei Schlägen historischer Schleifhämmer für Mühlsteine eröffneten dann die beiden Bürgermeister Gerold Mann und Olaf Raschke das Fest. Mit von der Partie war auch traditionell Mühlenkater Alfred, der diesmal vom Dresdner Schauspieler Robby Langer verkörprt wurde und ausnahmsweise, denn Kater sind sonst stumm, auch einige Begrüßungsworte an die Gäste richtete.

Mühlenbesitzer Uwe Riße freute sich über die große Resonanz. 2001 hatte er die Buschmühle, die seit 1220 existiert und bis 1990 in Betrieb war, erworben und saniert. Heute gibt es in der Denkmahl-Mühle unter anderem betreutes Wohnen, eine Physiotherapie mit Wellnessanlage und anderes mehr. „150 000 Kilowattstunden Strom erzeugt jährlich die Francisturbine aus dem Jahr 1943“, berichtete Uwe Riße (59). An diesem Tag konnten die Gäste nicht nur die imposante Mühlentechnik mit den Walzenstühlen und Förderanlagen in Augenschein nehmen, sondern hatten auch viele andere Angebote. Der Meissner Biergarten der Familie Seidel, die Landbäckerei Dietrich mit verschiedenen Broten und Kuchen, der Sächsisch-Böhmische Bauernmarkt aus Röhrsdorf,   wo Chef Holger Tintner   Molkereiprodukte, Säfte, Fischsemmeln und anderes mehr offerierte, sowie noch weitere Stände und Musik kamen bei den Besuchern gut an.

Toll, was auch Mühlenbesitzer Roland Gehrke mit seiner Familie und Helfern in der Hesselmühle (erbaut 1501, die älteste Mühle im Saubachtal) in Klipphausen auf die Beine gestellt hatte. Auch hier Musik und mehrere Stände, sogar geräucherte Forellen gab es. Der Gästeandrang war enorm, schöne Entspannung im Schlosspark. Schwiegersohn Andrè Rentsch betätigte sich am Ofen im Garten als Bäcker. Zwiebeltaler und Dinkelbrote gab es. „Es macht großen Spaß, einmal im Jahr Bäcker zu sein“, sagte der 30-jährige Garten- und Landschaftsgestalter.

In der Lehmannmühle in Klipphausen wurde an diesem Tag zu über zehn Führungen eingeladen Um 1650/1870 erhielt der Fachwerkbau an der Wilden Sau das heutige Aussehen. Die Lehmannmühle war bis 1988 in Betrieb, zuletzt zur Herstellung von Futterschrot, wie Rainer Thiel aus Röhrsdorf informierte. 1993 wurde ein neues Wasserrad aus Eiche eingebaut. „Der Mühlentag hat sich fest etabliert. Die Bürger interessieren sich sehr für den Erhalt dieser wertvollen Zeitzeugen als Kulturgut“, sagte Bauingenieur Thomas Kunz, heutiger Eigentümer der sanierten Lehmannmühle und auch Geschäftsführer des Sächsischen Mühlenvereins.

Hangeln über die Triebisch

Aus dem Saubachtal zurück ins Triebischtal. An der Mühle in Miltitz, erstmals erwähnt 1589, hatte Müllermeister Alexander Bartsch mit seiner Familie und vielen Helfern ein besonders großes Rahmenprogramm organisiert. Natürlich waren die zahlreichen Führungen in der noch heute produzierenden Mühle ein Renner, aber die anderen Angebote waren ebenso ganz nach dem Geschmack der Gäste. So konnten Kinder an Seilen die Triebisch überqueren. „Es war ganz schön wacklig, hat aber viel Spaß gemacht“, sagt die zehnjährige Jule aus Donaueschingen (Baden-Württemberg), die mit ihren Eltern zum Mühlentag gekommen war. Den Mut-Test an der Triebisch hatte die Evangelische Jugend Meißen-Großenhain organisiert.

Silvia Selina aus Kottewitz zeigte den Zuschauern, was man so alles aus Kräutern und weiteren Wildpflanzen machen kann. Im Mörser zerstampfte sie auch Giersch. „Ein sehr schmackhaftes Kräutersalz wird das“, sagte die 46-jährige Kräuterfee. Unweit an einem anderen Stand bot Chris Gühne aus Mockritz Heilpflanzen und Kräuter zum Pflanzen im Garten an.   An weiteren Ständen gab es Kunstgewerbe und anderes.   Das Schauen machte hungrig. Da war ein Mühlenvesper gerade richtig. Die 13-jährige Elisabeth Freiheit, Schülerin am Meißner Franziskaneum, und Elisabeth Aurich, Friseurmeisterin aus Dresden, hatten alle Hände voll zu tun, um die Nachfrage nach Hot Dogs, Fischbrötchen, Fettbemmchen und weiteren Speisen zu erfüllen. „Wir helfen dem Müllermeister an so einem besonderen Tag gern“, sagten die beiden, die mit der Miltitzer Mühle eng verbunden sind.

Müllermeister Alexander Bartsch freute sich riesig über den gelungenen Tag. „Unsere Mühlen-Gemeinschaft im Triebischtal hat sich wieder viel Mühe gegeben“, bemerkte der 44-Jährige, der am 1. Juli dieses Jahres sein 20-jähriges Jubiläum als Müllermeister begeht.

Gold für die Haushaltskasse

In der Neidmühle in Roitzschen konnten sich die Besucher beim Goldwaschen die Haushaltskasse aufbessern. Es waren natürlich nur Pyritstückchen, auch als Katzen- oder Narrengold bekannt, also kein echtes Gold, wie Mineraliensammler Udo Zöllner (65) aus Meißen sagte, der den Besitzer der Neidmühle Dieter Vogt an diesem Mühlentag mit seiner Mineralienpräsentation und auch Edelsteinwürfeln unterstützte.   Auch die Steinmetzwerkstatt des Naturstein- und Denkmalpflegebetriebes Vogt, der in der Neidmühle (erstmals 1562 erwähnt) seinen Sitz hat, lud an diesem Tag zur Besichtigung ein.

In der Barthmühle in Garsebach (ab frühem 17. Jahrhundert) waren neben der Wasserkraftanlage auch Oldtimer, der Wasserspielplatz und Live-Musik präsent. Vor allem auch die vielfältigen Gaumenfreuden nach Hausfrauenart der heimischen Küche, (u.a. Gurkensuppe und Plinsen) fanden guten Zuspruch der Besucher. Ein herrlich gemütliches Ambiente zum Entspannen.

In der Mittelmühle in Garsebach (erbaut um 1830, bis 1972 in Betrieb, später Technisches Denkmal mit der Brotbäckerei von 1937) sorgte Familie Reinhart Müller mit Helfern für abwechslungsreiche Stunden der Gäste. Bemerkenswert auch die selbst gebackenen Kuchen.

Jährlich 1 000 Tonnen Mehl

Auch in der Fichtenmühle in Garsebach ging es entspannt zu. Das Blaswerk Meißen spielte auf. Kinder konnten sich als Bäcker erproben. Es gab noch viele andere Angebote. „ Wir freuen uns über den guten Besuch der Gäste“, sagte die 35-jährige Juniorchefin der Fichtenmühle Peggy Winkler. Jährlich werden in dieser Mühle noch an die 1 000 Tonnen Roggen- und Weizenmehl gemahlen.

Die Bilanz des Mühlentages 2017 ist damit aber noch nicht vollständig. Auch in der Preiskermühle und der Wetzelmühle im Triebischtal oder in der Schulzemühle in Gauernitz und noch an anderen Orten standen diese geschichtsträchtigen Schönheiten im Mittelpunkt des Interesses der Bürger.

Text und Fotos: Dieter Hanke

veröffentlicht am 16.06.2017