Sachsens schönste Dörfer

Am 7. Februar traf sich die Interessengemeinschaft (IG) „Sachsens Schönste Dörfer“ nach einem Rundgang durch Naustadt im Schloss Klipphausen zur Mitgliederversammlung.  

Naustadt wurde 2012 als eines von „Sachsens Schönsten Dörfern“ zertifiziert und ...Tagung der Interessengemeinschaft

darf sich seit dem zu den neun ausgewiesenen Orten in Sachsen zählen. Diese baukulturell bedeutenden und touristisch interessanten Dörfer orientieren sich an entsprechenden Vereinigungen z. B. in Frankreich, Belgien und Italien. Turnusmäßig trifft man sich in einem dieser „Schönsten Dörfer“, dieses Mal bei uns.

Klipphausen befürwortete frühzeitig das Projekt „Sachsens Schönste Dörfer“, weil jeder zufriedene Gast für die Gemeinde wirbt. Die Vielfalt der kulturellen Werte führte dazu, dass die Entwicklung des Tourismus als Kernaufgabe im Haushalt der Großgemeinde festgeschrieben wurde. Eine Vorbildwirkung für ihre Region zeigen gut erhaltene Dörfer wie Höfgen, Hinterhermsdorf oder Obercunnersdorf, die ebenfalls der IG angehören.

Seit drei Jahren arbeitet die junge IG unter dem Dach des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz. Ende 2013 wurde vom Freistaat Sachsen ein Förderprojekt zur Baukultur in sächsischen Dörfern bewilligt – eines der Grundanliegen der IG, das nun professioneller vorangetrieben werden kann.

Für Naustadt war das ein langer aber lohnender Weg. Am Anfang stand das Bewusstsein, dass sich ein weitgehend unverfälschter Ort mit einer sehr interessanten Struktur erhalten hat.

Der erste Schritt zur Sicherung der gewachsenen Bebauung bestand nach der Wende in der Erarbeitung einer Denkmalschutzsatzung. Parallel dazu wurde ein „Örtliches Entwicklungskonzept“ erstellt. Dank dieser Regelungen wurde erreicht, dass die Wiesen inmitten des Rundplatzdorfes rings um die Kirche unbebaut blieben.

Die Bemühungen sowohl der Denkmalpflege als auch des Gemeinderates trafen anfänglich bei verschiedenen Anwohnern auf Unverständnis und heftige Ablehnung. Frisch errungene Freiheiten würden beschnitten, die Jugend aus dem Dorf getrieben und jegliche Entwicklung genommen. Man wolle nicht unter der „Käseglocke“ eines Museumsdorfes leben!

Es kostete viel Überzeugungsarbeit, um zu verdeutlichen, worin Potenziale für Naustädter liegen. Erschwerend kam hinzu, dass behördlicherseits einschränkende Satzungen kritisch gesehen wurden, weil man ein ungehindertes Bauen als Wirtschaftsmotor verstand.

Im Jahr 2001 wurde die Denkmalschutzsatzung durch den Gemeinderat einstimmig bestätigt. Projekte der Ortsentwicklung folgten, bei denen ein sensibler Umgang mit der dörflichen Struktur Grundbedingung war.

Als junge begeisterte Menschen nach Naustadt kamen, verfallene Höfe erwarben und mustergültig sanierten, begrüßten auch anfängliche Kritiker den eingeschlagenen Weg. Fast ausnahmslos konnte überkommene Substanz bewahrt und umgenutzt werden!

Heute gilt es neben Naustadt, Schlösser, Kirchen sowie Zeugnisse der einstigen Montan-Geschichte, aber auch Mühlen und Schönheiten der Natur, als besondere Werte Besuchern der Region zu erschließen.

Mit Hilfe der Kommune sollen zukünftig touristische Ziele in sinnvolle Zusammenhänge gestellt, vernetzt und wirksamer dafür geworben werden.

Ein anderer Schwerpunkt war der Erfahrungsaustausch mit europäischen Partnern, z.B. die Vorbereitung des Internationalen Treffens der „Schönsten Dörfer der Welt“ im Mai 2014 in Belgien. Erst im Herbst 2013 besuchten eine belgische und polnische Delegation unsere Gemeinde. Die sächsischen Bemühungen werden mit Interesse verfolgt, denn Sachsen nimmt in Deutschland mit den „Schönsten Dörfern“ eine Vorreiterrolle ein. Inzwischen ist die Ausweitung der Initiative im Blick und nimmt in Zusammenarbeit mit Brandenburg konkrete Züge an.

Gut ist, dass unsere Gemeinde dabei sein darf!

 

Manfried Eisbein