Hat Schloss Rothschönberg eine neue Zukunft?

Für eines der ältesten sächsischen Adelsschlösser, das in einem großen Park  mit knorrigen, weit über 100 Jahre alten Linden liegt, könnten bald andere Zeiten anbrechen. Schloss Rothschönberg Die Vierseitanlage aus dem 15. Jahrhundert in Rothschönberg, die seit Jahren weitgehend leer steht, soll verkauft werden. Für 136 000 Euro ist das Anwesen zu haben. Es gehört der Gemeinde Klipphausen, die aber nicht die Kraft und die finanziellen Möglichkeiten hat, es zu erhalten. Denn nach einem Gutachten werden für die Sanierung dieses denkmalgeschützten Bauwerkes  an die vier Millionen Euro veranschlagt.

 

Mehrere Bewerber hat es bereits in den vergangenen zwei Jahren für die  Rothschönberger Anlage gegeben, in der seit 1290 die Ritter von Schönberg ansässig waren. Doch aus den verschiedensten Gründen sprangen die Interessenten wieder ab, so zum Beispiel das Lügenmuseum in Radebeul oder der bekannte Theater- und Filmschauspieler Ingo Hülsmann aus Berlin, der im  Schloss ein Fünf-Sterne-Luxus-Hotel einrichten wollte.  Von anderen Bewerbern, die ihre Konzepte an die Gemeindeverwaltung Klipphausen eingereicht hatten, hört man  gegenwärtig  auch nicht mehr viel.  Das betrifft Handwerker, Historiker und Künstler aus Radebeul und dem Dresdner Umland. Diese orientierten unter anderem auf Märkte, Schaumanufakturen, Kulturfeste, Beherbergungen und Ausstellungen.   Auch das dänische Unternehmen „Rollespiels Akademiet“ zeigte anfangs Interesse. Man wollte das Schloss für Live-Rollenspiele nutzen.  Doch die Kontakte zum Tanneberger Ortschaftsrat und einer Arbeitsgruppe, die die  Prüfung von Schlossbewerbern in die Hand genommen hatten, brachen dann ab.

Ein anderer Investor aber blieb hartnäckig.   Edelbert Schwarze, ein Unternehmer aus Dresden, hatte ebenfalls seine Offerten eingereicht. Nachdem  der Mittfünfziger  bereits vor Monaten  seine Vorstellungen der Arbeitsgruppe der Kommune unterbreitet hatte, stellte er sich jetzt in der Juni-Gemeinderatssitzung vor.  Mit dabei war  auch  Geschäftsführer  Peter Manthey vom Unternehmen Cygnus Energies aus Dresden, wo Investor Schwarze Gesellschafter ist.

Dieses Unternehmen, das in  der alternativen Energiebranche in Sachsen tätig ist und auch  schon  bei der Sanierung ausgewählter historischer Gebäude Erfahrungen sammelte und gute Ergebnisse erzielte,  will nun Rothschönberg zu neuem Leben erwecken.  14 Wohnungen sollen in dem Anwesen zur Vermietung entstehen, ebenso eine gastronomische Einrichtung. Auch  Events sollen stattfinden wie Märkte und Kulturtreffs.  Hochzeiten und private Feiern wären gleichfalls Angebote, wobei all das unter dem Aspekt der vorrangigen Wohnnutzung zu sehen sei.  Park und gotische Kapelle sollen der Öffentlichkeit erhalten bleiben. Auch der Rothschönberger Heimatverein mit seinen Ausstellungsräumen würde weiterhin sein Domizil in der Vierseitanlage haben, wie Peter Manthey  sagte.  Der große Rittersaal, der zurzeit noch zugebaut ist, soll wieder geöffnet werden und als Mehrzweckraum zur Verfügung stehen.   Es sei ferner auch daran gedacht, einige Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste zu schaffen. Von einem Hotel und einer Jugendherberge, die anfangs als Nutzungsmöglichkeit mit favorisiert worden waren,  nehme man aber jetzt Abstand.

1,6 Millionen Euro hat der Dresdner Investor  für die größeren Arbeiten der Gewerke unter anderem zur Sanierung von Dach, Fenster, Fassade, Heizung und Elektrik veranschlagt. Weitere Instandsetzungen im Schloss sollen von Mitarbeitern des Dresdner Unternehmens erledigt werden, wobei das Ganze mit dem Denkmalschutz abgestimmt werde.

Gemeinderat und Verwaltung stehen dieser Sache offen gegenüber. Sie wollen aber keinen Reinfall erleben. „Sowohl die Finanzierung des Gesamtvorhabens als auch die Zeiträume, was bis wann im Schloss saniert werden soll, müssen klar feststehen. Alles muss solide sein“, sagt Bürgermeister Gerold Mann. Mehrere Gemeinderäte wiesen deshalb unter anderem auch darauf hin,  dass die finanzielle Untersetzung der größeren Sanierungsarbeiten von Gewerken am Schloss nochmals vom Bewerber überprüft werden soll.  Im Hintergrund schwingt da auch der Gedanke mit, dass die Gemeinde Klipphausen schon sehr schlechte Erfahrungen mit anderen Immobilien gemach tat.  So dümpelt zum Beispiel  das Gauernitzer Schloss vor sich hin. Der Besitzer aus den Altbundesländern, der es vor etlichen Jahren von der  Gemeinde  gekauft hat,  kommt mit der Sanierung nur sehr schleppend voran. „Wir wollen nicht auch beim Schloss Rothschönberg solche Ärgernisse wie in Gauernitz haben“, sagt Gemeinderat Uwe Krause.

In vier Wochen wollen die Beteiligten wieder zusammenkommen, um die Problematik weiter zu erörtern und eventuell schon eine Entscheidung zu treffen. Jeweils Gemeinde und Investor wollen bis dahin in Kaufvertragsentwürfen ihre Vorstellungen zum Schloss fixieren.  

Dieter Hanke