In der Scharfenberger Unterwelt

Die Rösche wird jetzt in einer Tiefe  von drei bis elf Metern saniert Hier geht’s hinab zur Rösche:  Hauer  Marco Pihun von der Firma Bergsicherung Schneeberg steigt im Schacht am Lichtloch 1 an der Kreisstraße am Heimatmuseum Scharfenberg  die Leiter hinab.

Der Einstieg in die Scharfenberger Unterwelt ist in einem engen Schacht, der sich direkt an der Kurve des Schachtberges, der Kreisstraße am Heimatmuseum/Knappensteig befindet. An die fünf Meter  geht es auf einer Leiter zur Rösche hinunter. Dort fließt auch das Wasser aus der Halde und der Grube  Güte Gottes des einstigen Scharfenberger Silbererzbergbaus ab. Das geschieht zum Teil in Gewölben aus Bruchsteinen, aber auch in  großen Betonröhren.  Die Rösche verläuft vom  Einlauf  des Dorfbaches  Naustädter Wasser  unter der Halde im Gelände oberhalb der Bergwerksstraße  knapp 200 Meter bis zum Abfluss in das Bachbett am Heimatmuseum, wo dann das Wasser den Schachtberg entlang zur Elbe fließt.

Hier im Gewölbe am Lichtloch 1 direkt unter der Kreisstraße muss man höllisch aufpassen, um nicht anzuecken. 1,20 Meter ist es von der Sohle hoch, etwa 1,80 Meter ist das Gewölbe breit. Bloß gut, dass jetzt im Sommer der Wasserstand nicht sehr hoch ist, an die 10 bis 15 Zentimeter mögen es sein.  Marco Pihun, der 39-jährige Hauer von der Bergsicherung Schneeberg, und sein Kollege Uwe Härtel (50)  klären auf: „Bei unseren Arbeiten haben wir auch mit Dämmen und zwei Pumpen den Wasserpegel reguliert.“

 

Die Männer um Bauleiter Jörg Steffens sanieren seit einigen Wochen die Rösche in Scharfenberg, die sich drei bis elf Meter tief in der Erde befindet.  Einstiege sind in vier Lichtlöchern. „Im Laufe der Jahre, vor allem aber durch das Hochwasser 2013  hat die Rösche enormen Schaden genommen.  Schwemmgut lagerte sich dort ab, Natursteine brachen aus, Fugen wurden ausgeschwemmt. Überschwemmungen und Einbrüche könnten dadurch die Folge sein. Wir mussten handeln“, sagt  Steffen Horn von der Bauabteilung der Gemeinde Klipphausen.Steffen Horn von der Bauabteilung der Gemeinde Klipphausen (rechts) überzeugt sich im Gewölbe am Lichtloch 1 vom Fortgang der Bauarbeiten.  Mit einer Schicht aus  Spritzbeton wurde es bereits verkleidet, um die Stabilität zu erhöhen. Ein Gutachten eines Ingenieurbüros, das nach einer Befahrung der Rösche erstellt wurde, bestätigte die Dringlichkeit. Gemeinsam mit dem Oberbergamt Freiberg  und dem Bergwerksverein Scharfenberg geht nun die Gemeinde Klipphausen als Bauträger daran, die Schäden zu beheben. Das Ingenieurbüro Franke aus Freital hat dafür die Planung gemacht und begleitet auch dieses umfangreiche Bauvorhaben.   

Besonders schlimm  hat das Hochwasser auch dem Gewölbedurchlass am Lichtloch 1 unter der Kreisstraße zugesetzt. „Wir haben jetzt mit Spritzbeton das Gewölbe stabilisiert. Die Sohle aus Natursteinen werden wir noch mit einer zehn bis zwölf Zentimeter dicken Betonschicht verstärken“, sagt Bauleiter Jörg Steffens (48) von der Firma Bergsicherung Schneeberg.Im Gewölbe am Lichtlloch 1:  Die Sohle des Gewässers wird noch mit einer Betonschicht verstärkt. Vorarbeiter Benjamin Unger (links)  und  Hauer Marco Pihun  beratschlagen das Vorgehen.    Auch neue Stahlträger wurden bereits am Gewölbedurchlass unter der Kreisstraße eingezogen. Die alten, die bei einer Sanierung des Gewölbes in den 90er Jahren hier verwendet worden waren, sind schon total verrostet.  Ursache ist, dass damals blanker,  unbehandelter Stahl  eingebaut wurde.  Jetzt sind die Stahlträger verzinkt. „Nicht auszudenken, wenn bei Lkw-oder  Busverkehr das marode  Gewölbe unter  der Kreisstraße eingebrochen wäre“, bemerkt Steffen Horn.

 Bis in den Herbst dieses Jahres werden die Instandsetzungsarbeiten an der Rösche laufen.  Torsten Jordan  vom Ingenieurbüro Franke gibt Auskunft.  Da gehe es zunächst um die Beräumung von Schwemmgut, von Steinen, Geröll,  Ästen und anderen Dingen.  „Vier bis fünf Kubikmeter  wurden schon nach oben befördert“, sagt  Bauarbeiter Uwe Härtel.  Und Benjamin Unger, Vorarbeiter  dieser Gruppe von der Bergsicherung Schneeberg, ergänzt: „Auch drei Fußbälle befanden sich im Schwemmgut.“   In einem Kübel  wurden  die Ablagerungen von einem Bagger nach oben gezogen und dann abgefahren.

Neben der Sanierung am Gewölbedurchlass an der Kreisstraße  werden in den nächsten Wochen und Monaten noch andere umfangreiche Instandsetzungen an der Rösche mit den vier Lichtlöchern erfolgen. So  werden zum Beispiel neue Schachtabdeckungen und Steigleitern eingebaut.Auch die Schachtabdeckung am Lichtloch 1 am Heimatmuseum wird erneuert.        Das  Mauerwerk wird saniert. Auch Schäden am Auslauf der Rösche werden behoben. Zudem wird zwischen dem Lichtloch 1 und 2  in fünf bis sechs Metern Tiefe das Betonrohr auf einer Länge von etwa 60 Metern mit einem Spezial-Kunststoffprofil ausgekleidet, um Dichtheit und statische Tragfähigkeit wieder herzustellen. 

Klipphausens Bauamts-Mitarbeiter Steffen Horn ist zufrieden mit dem Fortgang der Arbeiten an diesem Bauvorhaben.  „Auch die Qualität kann sich sehen lassen“, bemerkt er. Die Kosten für diese Sanierung sind nicht unbeträchtlich. Auf etwa 300 000 Euro wird sich das Ganze belaufen. Doch angesichts der Gefahren, die drohen, wenn der marode Zustand der Rösche anhalten würde, sind die finanziellen Ausgaben einleuchtend. Zumal die Arbeiten auch nicht gerade leicht sind.Stark verrostet sind die alten Stahlträger, die im Gewölbe am Lichtloch 1 an der Kreisstraße eingebaut waren.

 Der Scharfenberger  Bergbauexperte Holger Sickmann freut sich, dass die Rösche wieder in Ordnung gebracht wird. „Ein Zeugnis historischer Bergbauanlagen wird so erhalten“, sagt er.   Die Rösche sei im 18. Jahrhundert gebaut worden, ein Teil sogar schon im 16. Jahrhundert.  Nach 1945 wurde der untere Abschnitt errichtet.   „Einst wurde die Halde der Grube Güte Gottes ins Tal gekippt. Die Rösche befand sich darunter“, sagt er.  Bis elf Meter hoch türmen sich die Massen. (Dieter Hanke)