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Imkerei, Kräuterküche, Werkstätten und betreutes Wohnen

Die frühere Kindertagesstätte in Burkhardswalde bekommt eine neue Nutzung 

Die einstige Kindertagesstätte der Gemeinde Klipphausen in Burkhardswalde hat jetzt eine neue Zukunft vor sich.  Während die Mädchen und Jungen im Dezember 2014  in die neue Einrichtung nach Miltitz zogen, stand die verschlissene Tagesstätte am Sportplatzweg seitdem leer. „Es gab zwar einige Anfragen für eine neue Nutzung.  So wollte dort zum Beispiel mal eine Gemeinschaftsküche einziehen. Doch  zu einem Vertragsabschluss kam es nicht“, sagt Bürgermeister Gerold Mann. So  wurden auch die  Gebäude  an diesem Standort nicht besser. Sie haben eine bewegte Vergangenheit. 1955 war dort ein Erntekindergarten, noch früher soll sich mal in dem Dreiseithof eine Gärtnerei befunden haben. 1964  kam in einem anderen Gebäudeteil eine Kinderkrippe hinzu.  Auch das Gemeindeamt, ein Frisör und Wohnungen waren dort mal untergebracht.  Nach der Wende hatte die Kindertagesstätte in dem Areal  ihren  Sitz.

Jetzt  hat  die Gesellschaft für soziale Einrichtungen  mbh (GSE)  in Obermunzig das kommunale Anwesen erworben. Der Gemeinderat Klipphausen stimmte dem Verkauf einmütig zu, der neben den Gebäuden  auch angrenzende Flächen       mit einschließt. Dazu gehört auch der Sportplatzweg sowie der Sportplatz, Der Sportplatz in Burkhardswalde:  Auch nach dem Eigentumswechsel  kann dieser von Kindern für Fußball und andere Spiele sowie Wettkämpfe genutzt werden.  Er ist weiterhin  öffentlich gewidmet. Investor Georg Heidig will  diese Fläche auch künftig für Veranstaltungen nutzen. die allerdings weiter öffentlich gewidmet sind.  „Wir erhoffen uns, dass die Gebäude schnell saniert werden und an diesem Standort  mit einer neuen Nutzung ein gesellschaftlich wichtiges Anliegen verwirklicht wird“, bemerkt  der Bürgermeister.

Die Gesellschaft  für soziale Einrichtungen mbH Obermunzig betreibt seit 2001  eine sozialtherapeutische  Wohnstätte, Außenwohngruppen sowie ambulant betreutes Wohnen, wo  chronisch mehrfachgeschädigte Abhängigkeitskranke, vor allem durch Alkohol und Drogen, betreut werden. Sie möchte in der einstigen Kindertagesstätte in Burkhardswalde ihr bewährtes Konzept  zur dauerhaften Integration solcher Menschen  wieder in die Gemeinschaft fortsetzen: Also weg von der Flasche und den Drogen  und hin zum Leben.  Auch mit einer sinnstiftenden Beschäftigung soll dem entsprochen werden.  Wie GSE-Eigentümer und Geschäftsführer Georg Heidig sagt, sollen in den Gebäuden  Beschäftigungsräume  entstehen, so für eine Imkerei, für Werkstätten zur Garten-, Friedhofs- und Grundstückspflege sowie auch eine Kräuterküche. Außerdem werden an diesem Standort Einzel- und Doppelzimmer, Räume für Wohngruppen und Wohnungen ausgebaut. Dabei geht es um Betreutes Wohnen, um Plätze für Crystal-Abhängige und Maßregelvollzugspatienten sowie auch um drogenabhängige Mütter mit Kindern ab drei Jahren (Mutter-Kind-Heim).Die Kindertagesstätte in Burkhardswalde mit den Gebäuden im linken Teil.  Links unten entstehen die Werkstätten, rechts hinten wird im Erdgeschoss die  Imkerei einziehen. In Obergeschoss der Gebäude werden  Wohnungen sein.  Nicht auf dem Bild sind die rechten Gebäude in diesem Areal. Im vorderen Gebäude werden Wohnungen ausgebaut. Das hintere Haus, was sehr baufällig ist,  wird abgerissen. Dort entsteht mal der Neubau für die Kräuterküche.

Erneuert werden sollen in der früheren Tagesstätte Fenster, Dach, Innenputz, Decken, Bäder. Auch Heizungsanlagen sowie  Wasser- und Stromleitungen werden neu installiert. „2017 werden die Imkerei sowie die Werkstätten für die  Garten-, Friedhofs- und Grundstückspflege fertiggestellt, 2018  dann die Kräuterküche“, sagt  der 55-jährige Investor  Georg Heidig.  Insgesamt sollen knapp eine Million Euro investiert werden.   Die GSE  hat zum Beispiel auch die Pflege von kommunalen Grundstücken unter anderem in Seeligstadt, Taubenheim und Ullendorf übernommen. Auch Friedhöfe werden von ihr betreut, so beispielsweise in Burkhardswalde und Taubenheim. In der Kräuterküche sollen später mal Erzeugnisse aus den Gärten der Einrichtung  verarbeitet werden, auch Marmeladen und Gelees werden hergestellt. Für die künftige Imkerei stehen schon zwei ausgebildete Fachleute der GSE zur Verfügung, wie Heidig informiert.   

 Wie schon beim historischen Gasthof „Alma Kasper“ in Burkhardswalde,Das von Georg Heidig liebevoll restaurierte historische Fachwerkensemble „Alma Kasper“ in Burkhardswalde, das 2012 eingeweiht wurde und ein Schmuckstück im Ort ist.  Nahezu zwei  Millionen Euro hat das gekostet. In dem Gebäude sind eine Gaststätte, Plätze für betreutes Wohnen und auch Ferienwohnungen.   Mehrere feste Arbeitsplätze entstanden für Heimbewohner, die vorher tatkräftig bei der Sanierung  mit zugepackt hatten.  Nach diesem Prinzip soll jetzt auch die frühere Kindertagesstätte in Burkhardswalde ausgebaut werden.  Fotos: Dieter Hankeder nach einer umfangreichen  Restaurierung 2012  übergeben wurde (Kosten 1,9 Millionen Euro) und wo sechs feste Jobs, acht Aushilfsplätze sowie  auch  Räume  für betreutes Wohnen entstanden, werden  auch  diesmal Heimbewohner mit Eigenleistungen beim Ausbau helfen und  einheimischen Handwerkern zur Hand gehen.  Sie haben die Chance, auch mit Unterstützung durch Sozialarbeiter und Therapeuten der Einrichtung, danach einen festen Arbeitsplatz an diesem Ort zu erhalten.

 Die frühere  Kindertagesstätte in Burkhardswalde  ordnet sich damit in das Gesamtkonzept der GSE ein, wo leerstehende und sanierungsbedürftige Bauerngehöfte, Gutshäuser oder Wohngebäude erworben und mit  einem hohen Maß an Eigenleistungen wieder hergerichtet werden. Das ist  zum Beispiel bei einem Kuhstall  und einem  Wohngebäude nahe dem Rothschönberger Schloss oder auch bei einem  Wohnhaus in Burkhardswalde   der Fall gewesen. Wie Investor Georg Heidig  sagt,  sollen jetzt in einem alten Bauerngehöft  nahe der Baeyerhöhe in Burkhardswalde  ein  Kuhstall sowie  Molkerei,  Käserei, Verkaufsladen  und Räume für betreutes Wohnen  ausgebaut werden. Kosten: Knapp 950 000 Euro.  2018   wird ein Wohngebäude in Munzig (Grundstück Heller) an der Reihe sein.  Auch eine groß angelegte Streuobstwiese in Taubenheim  - über 1 000 Obstbäume  und Sträucher wurden in den vergangenen  Jahren gepflanzt -   bringt schon gute Erträge.  Die Früchte werden von Bewohnern verarbeitet.

 Insgesamt über 100 Plätze  für ambulant betreutes Wohnen und in Wohngruppen  werden 2017/18 durch die GSE in Objekten in der Gemeinde Klipphausen entstehen. Der Bürgermeister: „Wir stehen  an der Seite dieser sozialen  Einrichtung. Denn diese hilft Menschen, die ins Abseits geraten sind.“

 Auch für die Neugestaltung des Ortszentrums in Taubenheim haben Gemeinde und GSE zusammen gute Pläne, was zum Beispiel das Rittergut oder den Gasthof anbelangt. Leider kam es allerdings bisher zu keiner Einigung mit dem Denkmalschutz, so dass es hier Verzug gibt. 

Im  Freistaat Sachsen  ist man von der Vorgehensweise Georg Heidigs angetan. „Sein  Konzept  ist beispielhaft, er ist ein richtiger Tausendsassa. Wir schätzen sehr das Engagement dieser sozialen Einrichtung in Obermunzig Im Landkreis Meißen “, sagt  Alf-Rüdiger König, Abteilungsleiter im Sächsischen Staatsministerium  für Soziales und  Verbraucherschutz.  Abhängigkeitskranke würden durch eine sinnvolle, arbeitsmarktnahe  Beschäftigung wieder im Leben integriert werden. „Das kommt vor allem auch den Kommunen zugute, hilft Kosten sparen“, bemerkt er.   Das initiativreiche Wirken  von Georg Heidig und seiner Gesellschaft  für soziale Einrichtungen war deshalb auch Anlass, dass jetzt das Sozialministerium 18 neue Heimplätze über ein Sonderprogramm  an Obermunzig vergeben konnte, wo  Menschen, die abhängig von der Droge Chrystal sind,  künftig betreut werden. Für insgesamt 50 Plätze über dieses Sonderprogramm hatten sich im Freistaat Sachsen 13 sozialtherapeutische  Einrichtungen beworben.  Das Ministerium gab drei den Zuschlag, unter ihnen Obermunzig.   

 Auch im Kommunalen Sozialverband Sachsen (KSV) wird  das Betreuungs- und Beschäftigungsmodell  der Einrichtung in Obermunzig  geschätzt.  Deshalb befürwortet und unterstützt der Verband  auch neue Angebote dieser Gemeinschaft im Rahmen des ambulant betreuten Wohnens  für chronisch mehrfachgeschädigte Abhängigkeitskranke. Diese  werden von der GSE in den nächsten Jahren auch in den Landkreisen Leipziger Land, im Vogtlandkreis  und im Erzgebirgskreis geschaffen.   Insgesamt etwa 320 Plätze an drei verschiedenen Standorten will die GSE dort aufbauen.  In der GSE Obermunzig, so  sagte KSV-Verbandsdirektor  Andreas Werner, würden durch eine sinnstiftende Beschäftigung solcher Menschen,  ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten, aber auch die Eigenmotivation  zur regelmäßigen Tagesgestaltung (re-)aktiviert und in der Folge die Arbeitsfähigkeit wieder hergestellt. Der Verbandsdirektor: „Durch ein  arbeitsmarktnahe Beschäftigung und damit  einer Vermeidung des Übergangs in eine Werkstatt für behinderte Menschen konnten in den vergangenen Jahren  bereits mehrere Vermittlungen auf sozialpflichtige Arbeitsplätze nachhaltig realisiert werden.“  (Dieter Hanke)