Von Klipphausen in alle Welt

Das Handelshaus Höchsmann  baut jetzt eine weitere große Halle und investiert Millionen

Betriebsleiter Mathias Tempel an einer HOMAG-Kantenanleimmaschine KR 79, Baujahr 1999. Diese steht zum Verkauf. Die Höchsmann GmbH macht Furore. Das Unternehmen im Gewerbegebiet Klipphausen, das mit zu den führenden Handelshäusern für gebrauchte Holzbearbeitungstechnik in Deutschland und ganz Europa zählt, expandiert. Der Betrieb behauptet sich immer besser am internationalen Markt. So wurden im Vorjahr über 1 000 Anlagen und Maschinen verkauft. 2016 deutet sich ein noch besseres Resultat an. Möbelhersteller, Innenausbauer, Tischlereien, Massivholzverarbeiter und weitere Unternehmen der Holzbranche aus insgesamt 57 Ländern erwarben im vergangenen Jahr Produkte aus Klipphausen. Schwerpunkt ist Europa, vor allem Deutschland, Polen und Italien sind Hauptabnehmer. Aber auch Kunden aus Frankreich, Irland, Dänemark, Norwegen, Spanien und aus Ländern Osteuropas kaufen Maschinen und Anlagen aus Klipphausen. 13 Prozent des Exports geht nach Übersee – nach Nord- und Südamerika, aber beispielsweise auch nach Saudi-Arabien, Israel oder den Iran. Das wird auch daran deutlich, dass im vergangenen Jahr insgesamt 850 Laster mit Anlieferungen oder Abholungen abgefertigt wurden und 45 Container das Werktor in alle Welt verließen.  Die exponierte Lage des Unternehmens im Gewerbegebiet Klipphausen unmittelbar an der A 4 zahlt sich da für einen schnellen Umschlag aus.

Um diese erfolgreiche Entwicklung fortzusetzen und dem Trend auf dem internationalen Markt nach gebrauchten modernen CNC-Bearbeitungszentren, Robotertechnik und größeren  computergesteuerten industriellen  Fertigungslinien zur Holzbearbeitung zu entsprechen, baut gegenwärtig die Höchsmann GmbH an ihrem  Standort auf der Schwabacher Straße 4  eine weitere große Halle. „Wir brauchen mehr Platz“, sagt Mathias Tempel, Betriebsleiter und Prokurist bei Höchsmann. Der Erweiterungsbau mit einer Fläche von insgesamt knapp 5 000 Quadratmetern wird mit zwei Kranbahnen ausgestattet. „Wir investieren 2,5 Millionen Euro in Bau und Ausrüstung“, so der Betriebsleiter.  Noch in diesem Jahr soll die neue Halle, die das ortsansässige Bauunternehmen Goldbeck errichtet, fertiggestellt sein. Die Erweiterung des Klipphausener Handelshauses geht  einher mit der Schaffung weiterer Arbeitsplätze. Waren in diesem Unternehmen im vergangenen Jahr 55 Beschäftigte tätig, so stieg deren Anzahl 2016 auf 66. Auch fünf Lehrlinge werden ausgebildet.        

Die Höchsmann GmbH setzt  mit  der Betriebserweiterung beharrlich  ihre Firmenstrategie um, die sich aus den veränderten marktwirtschaftlichen Bedingungen in der Holzbranche der vergangenen Jahre ergeben hat. Das Unternehmen ist ein Familienbetrieb mit einer reichen Tradition. Seit 1968 handelt Höchsmann mit Maschinen und Werkzeugen aus den Bereichen der Holz-, Kunststoff und Aluminiumbearbeitung. Schreinermeister Leopold Höchsmann war damals mit einem Schärfdienst für Werkzeuge im Wohnhauskeller in die Selbstständigkeit gestartet. 1975 legte er mit einem Neubau im Gewerbegebiet Langen bei Frankfurt/Main (Hessen) die Grundlage für den Handel mit Holzbearbeitungsmaschinen.  Auch  mehrere Erfindungen und Innovationen der Firma  in der Holzbearbeitungstechnik, wie zum Beispiel ein Elektro-Kantenrunder oder eine Flutanlage zur Beschichtung von Fensterrahmen, begründeten in Deutschland und darüber hinaus den guten Ruf  des Unternehmens als ein zuverlässiger Partner der holzverarbeitenden Industrie und des Handwerks.     

Das setzte sich auch nach der Wende fort, als Sohn Stefan Höchsmann im Osten Deutschlands  als Inhaber und Geschäftsführer eine Niederlassung in Radebeul gründete.  Mit einem  Schärfdienst und Werkzeugverkauf begann der Start. 1994/95 siedelte die Niederlassung, die eine eigene GmbH wurde, nach Klipphausen ins Gewerbegebiet.  Ein Neubau entstand.  Die etwa 20 Mitarbeiter produzierten dort zunächst auch Flutanlagen für die Beschichtung von Fensterrahmen.  „Wir veränderten in den Folgejahren aber die Struktur unseres Betriebes, um am Markt und im Wettbewerb bestehen zu können“, sagt Mathias Tempel. Seit über 20 Jahren arbeitet der heute 49-Jährige bei Höchsmann und weiß um Erfolge, Schwierigkeiten und Probleme. Eine neue große Halle wird zurzeit gebaut. Mechatronikerlehrling Domenic Karsties (links) und Instandhaltungsmechaniker Henry Berthold an einem Schaltschrank einer CNC-Anlage zur Plattenbearbeitung. So wurden 1998 der

 

 

 

 

 

 

 

 

Werkzeug-Schärfdienst und später auch der Neuverkauf von Holzverarbeitungs-Maschinen aufgegeben. Höchsmann konzentrierte sich in Klipphausen mehr auf mittelständische Unternehmen in der Holzbranche und  forcierte das neue Geschäftsfeld des Gebrauchtmaschinenhandels. Ab 2005 ging es da verstärkt um CNC-Technik. Bereits 2004 war eine weitere Maschinenhalle entstanden. Da aber auch dieser neue Platz bald nicht mehr ausreichte, kam 2008 noch eine Halle hinzu.   „Das ist schon eine bemerkenswerte  Entwicklung“, schätzt Klipphausens  Bürgermeister Gerold Mann ein.  Für die Gemeinde sei Höchsmann ein engagierter Partner, der mit der Schaffung von weiteren Arbeitsplätzen, in der Ausbildung von jungen Leuten und bei der Unterstützung des kommunalen Alltags mit Maßstäbe setze.

Im Klipphausener Handelshaus  gibt es einen Fachmarkt, in dem kleinere Standard-Maschinen zum Sägen, Hobeln, Fräsen, Bohren und Schleifen ausgestellt werden.  In den Hallen zwei und drei werden modernere Maschinen und Anlagen präsentiert, zum Beispiel zur Plattenverarbeitung oder zur Kantenbeschichtung und Massivholzbearbeitung. CNC-Bearbeitungszentren und noch umfangreichere industrielle Fertigungslinien nehmen hier einen immer größeren Raum ein. Auf nahezu 7000 Quadratmetern stehen in Klipphausen hunderte hochwertige Maschinen und Anlagen, die bedarfsgerecht von der Service-Mannschaft auf Zustand und Funktionstüchtigkeit durchgecheckt und bewertet worden sind. „Wir bauen die jungen Gebrauchten vorführbereit auf, damit sich die Holzverarbeiter und weitere Kunden aus aller Welt ein genaues Bild machen können“, bemerkt Tempel und  verweist da noch auf eine aufschlussreiche Tatsache: „Zu Beginn in den 90er Jahren stand uns im Betrieb eine Fläche von etwa 2 000 Quadratmetern zur Verfügung. Nach Fertigstellung der weiteren neuen Halle im November verfügen wir dann insgesamt über 11 500 Quadratmeter.“

Die Höchsmann GmbH erwirbt die Hightech-Anlagen aus zweiter Hand vor allem bei betrieblichen Umstrukturierungen (Ersatz durch Neumaschinen), aber auch aus Betriebsauflösungen oder bei Insolvenzverwertungen von holzverarbeitenden Unternehmen in Deutschland und aus dem Ausland.  Höchsmann hat dabei den Vorteil, dass nicht nur Maschinen und Anlagen eines Herstellerbetriebs aufgekauft werden. „Für uns sind da alle Anbieter in der Holztechnikbranche interessant“, sagt der Betriebsleiter.  Das bringt  allerdings auch immer neue Herausforderungen an die Qualifizierung der Mitarbeiter mit sich. Denn wenn nötig oder mit den Kunden vereinbart, werden diese Maschinen und Anlagen in Klipphausen repariert und bei Bedarf umbaut. Das Fachpersonal berät und schult auch die neuen Eigentümer für die Bedienung der Anlagen und bei der Aufstellung vor Ort.  Tempel: „Das betrifft bei uns etwa 470 verschiedene Maschinenarten. Die Maschinen sind in der Regel drei bis zehn Jahre alt; aber auch ältere Technik findet noch Abnehmer.“

Für Höchsmann-Kunden ist da noch eine weitere Sache von Vorteil. Bereits 2006 wurde vom Unternehmen eine Publikation zur Geschichte der Holzbearbeitungstechnik veröffentlicht. 2011 folgte dann ein umfangreiches Holz-Technik-Lexikon. „Es wird ständig aktualisiert“, sagt Mathias Tempel, der mit einem Team für diese Online-Enzyklopädie zuständig ist. Das Lexikon enthält Hunderte Hersteller von Holzbearbeitungstechnik - mit Historien, Erfindungen, Maschinentypen,  Softwarelösungen und Innovationen. Videos sowie Tausende Prospekte und auch Erklärungen zu Fachbegriffen und Abbildungen ergänzen es. „Eine wichtige Informationsquelle für Kunden aus aller Welt, die sich für uns immer mehr auszahlt“, meint Mathias  Tempel.

Doch die Höchsmann GmbH veranschaulicht Geschichte und Gegenwart der Holzbearbeitungstechnik noch auf andere Art und Weise. Wie wurden zum Beispiel Tische, Stühle und Kommoden vor 100 Jahren gefertigt? Welche Technik besaßen damals die Tischler? Und mit welchen Maschinen und Anlagen produzieren heutzutage die Möbelhersteller Schrankwände, Küchen, Verkleidungen, Platten, Massivhölzer und anderes?

Ein CNC-Bearbeitungszentrum HOMAG BMG 511, Baujahr 2009. Ein Möbelhersteller aus dem Iran hat diese Anlage erworben. Lehrling Domenic Karsties montiert eine Steuerung für eine CNC-Anlage zur Kantenbeschichtung.

 

 

                                                                                                                                                                             Schon im Foyer des Klipphausener Betriebes gibt es dazu einen originellen Einstieg. So demonstrieren zahlreiche Exponate, wie in früherer Zeit Tischlereien und weitere Betriebe der Holzbearbeitung in Sachsen ihre Erzeugnisse fertigten. So ist auch eine „Dickte“ aus einem Sägewerk in der Lausitz ausgestellt, eine Hobelmaschine, mit der verschiedene Holzstärken bearbeitet werden können. Auch ein Schärfgerät für Sägeblätter, eine Fräsmaschine und viele Werkzeuge wie Hobel, Stemmeisen und Sägen sind zu sehen. „Sachsen war einst eine Hochburg in der Herstellung von Holzbearbeitungstechnik, vor allem im Zittauer und Pirnaer Raum, aber auch in der Chemnitzer und Leipziger Gegend fertigten etliche Betriebe bis zum Zweiten Weltkrieg  Werkzeuge und Maschinen für Tischlereien“, sagt Mathias Tempel.

Heute setzt auch die Höchsmann GmbH in Klipphausen die Tradition der Holzbearbeitungstechnik in Sachsen auf ihre Weise fort.  Die Belegschaft, in der viele Mitarbeiter  langjährig dabei sind, ist dabei auf gutem Weg, sich von der Unternehmenskultur leiten zu lassen, die sich dieser Familienbetrieb zu eigen gemacht hat.  „Mit soliden Werten zu wirtschaftlicher Stabilität . Das ist der Kern unserer Unternehmensphilosophie“, sagt Susanne Staub, seit 1997 im Betrieb und Leiterin der Bereiche Logistik, Personal und Verwaltung. Da gehe es um solche Werte wie zum Beispiel Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, Rücksichtnahme  und Kameradschaft, die im Geschäftsalltag auf  Kontinuität, Effizienz, Dynamik und weitere Grundsätze für den wirtschaftlichen Erfolg gerichtet sind.

„Mir gefällt es im Betrieb. Die Ausbildung ist abwechslungsreich.  Die Kollegen helfen mir, geben mir ihre Erfahrungen weiter“, sagt Domenic Karsties. Der 19-jährige lernt Mechatroniker, ist im vierten Lehrjahr. „Im Februar 2017 mache ich meinen Abschluss. Es wäre schön, wenn mich der Betrieb übernimmt“, bemerkt der junge Mann aus Kurort Hartha.  Er hatte sich vor der Ausbildung bei einem Tag der offenen Tür im Unternehmen sowie bei einer wöchentlichen Probearbeit mit Anforderungen und Inhalten der Lehre vertraut gemacht.

Henry Berthold ist dagegen schon ein alter Hase. Der 55-jährige Instandhaltungsmechaniker aus Robschütz ist schon über 20 Jahre bei Höchsmann. „Wenn wir als Unternehmen  bestehen wollen,  brauchen wir solide Werte,  wie sie in unserer Firmenkultur  verankert sind. Dazu gehört für uns auch, sich ständig weiterzubilden, um die modernen  Anlagen gut zu beherrschen.“ 

Blick in die Ausstellung mit Werkzeugen und Maschinen der Holzbearbeitung aus vergangener Zeit.  Im Bild eine JOHNSDORF-Bohrmaschine aus dem Jahr 1993, rechts Betriebsleiter Mathias Tempel.

                                                                                                                                                                                                                                         Betriebsleiter Mathias Tempel ist froh, so eine engagierte Belegschaft zu haben. „Nur gemeinsam als Team können wir jetzt die neuen Herausforderungen meistern“, sagt er. Seit 2008 ist Mathias Tempel Betriebsleiter bei Höchsmann, war dort vorher Projekt- und auch Technischer Leiter.  Der 49-Jährige freut sich, dass die meisten Betriebsangehörigen aus der Region kommen. Er wuchs selbst in Klipphausen auf, lernte Motorenschlosser in der Landwirtschaft, machte das Abitur und studierte an der Humboldt-Universität in Berlin Maschinenbau und danach noch Wirtschaftsingenieurwesen an der Hochschule in Mittweida.  „Ich habe den Ehrgeiz, dass unser Unternehmen weiterhin so erfolgreich ist“, sagt er.

Text und Fotos Dieter Hanke