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Leute, die von sich reden machen

Wie in Röhrsdorf verschönern in vielen Orten engagierte Bürger die Umwelt...

Sie packen zu, damit die Umwelt schön aussieht, damit Plätze, Parks  und Anlagen gepflegt,  Gebäude gereinigt und Sportplätze und Sehenswürdigkeiten in Schuss gehalten werden.  Die Gemeinde Klipphausen hat dafür mit mehreren Bürgern Pflegeverträge abgeschlossen.   So kümmert sich zum Beispiel Irma Leuteritz aus Naustadt um den Dorfplatz. Roland Gerke aus Klipphausen betreut den Schlosspark, Ilona Zelonke  aus Munzig den Wanderparkplatz in Robschütz und die Jugendfeuerwehr Klipphausen den Wanderweg Fürstenbusch und zur Neudeckmühle.  Um das Vereinszentrum in Weistropp macht sich Rudolf Fleischer verdient, um das in Constappel Steffen Schurig.  Werner Hebeld aus Wildberg setzt sich dafür ein, dass die Miniaturmühle in Gauernitz, die kleinste Getreidemühle Deutschlands,  eine Attraktion für Ausflügler und Touristen bleibt, und  Detlef Hanisch aus Gauernitz kümmert sich um den Regenwasserkanal Langer Weg.  „Wir sagen allen fleißigen Helfern dafür ein großes Dankeschön“, so Bürgermeister Gerold Mann. Stellvertretend für alle stellen wir hier die tüchtigen Frauen aus Röhrsdorf vor.

Ein attraktives Rondell

Herbstarbeiten. Verblüte Pflanzen wurden dieser Tage von Heidi Mücke,  Brigitte Große  und Adelheid Däbler abgeschnitten und in Säcke gestopft. Über 100 Funkien, darunter etliche Riesenexemplare, verschönern im nächsten Sommer wieder die Grünanlagen am Buswendeplatz in Röhrsdorf. „Sie blühen prächtig, haben große dekorative Blätter“, sagt  Frau Große.

Wintervorbereitung: Verblühte Funkien wurden abgeschnitten, von links Brigitte Große, Heidi Mücke und Adelheid Däbler.Laub am Rondell wird entfernt.                                                                                                                                                                 Die Anlagen am Rondell sind der Stolz dieser drei Röhrsdorferinnen.  Liebevoll  betreuen sie das Jahr über das Areal – sie gießen, verschneiden, pflanzen, jäten Unkraut, häufeln Erde an. Auch Pflanzen aus ihren eigenen Gärten werden mitgebracht.  Die Anlagen sind systematisch gestaltet, die ordnende Hand zahlt sich mit einem guten Wachstum aus. Auch  Berberitzen, viele Lavendel-Pflanzen oder der Wein an der Pergola, die rotbraune Fette Henne und Ziersträucher wie Felsenbirnen mit ihrer lieblichen  Herbstfärbung machen diesen zentralen Platz in Röhrsdorf gegenüber dem Feuerwehrhaus zu einer attraktiven Visitenkarte.  Familien mit ihren Kindern, weitere Röhrsdorfer und Wandersleute machen hier gern Rast. „Wenn Busgäste hier aussteigen, haben sie gleich eine schöne Ansicht. Wir sind den drei Frauen sehr dankbar, dass sie so engagiert diese Anlagen betreuen“, sagt Pfarrer Christoph Rechenberg von der St.-Bartholomäus-Kirchgemeinde  Röhrsdorf. Auch Bürgermeister Gerold Mann findet lobende Worte: „Solchen Bürgern, die für das Gemeinwohl mit tatkräftig anpacken, sagen wir ein herzliches Dankeschön.“  Und Gemeinde-Bauhofleiter Andreas Uhlmann, selbst Röhrsdorfer, meint: „Was die Frauen machen, hat Hand und Fuß. Da ist alles solide, hat Niveau.“  

Warum  machen Heidi Mücke, Brigitte Große und Adelheid Däbler das?  Der kleine finanzielle Obolus, den die Gemeinde dafür gibt, ist sicher nicht der ausschlaggebende  Beweggrund. „Wir freuen uns selbst sehr, wenn dieser Platz gepflegt aussieht“, sagt Adelheid Däbler. Brigitte Große bemerkt, dass  doch die Gemeinde  nicht alle Anlagen selbst betreuen kann und auf die Mithilfe der Bürger angewiesen sei. Und Heidi Mücke spricht aus, was auch die anderen zwei  denken:  „Wir leben in Röhrsdorf, es ist ein schöner Ort. Dafür wollen wir etwas tun.“

Mal kurz ausruhen auf der BankEin Sack mit Laub wird zum Sammelplatz geschleppt.                                                                                                                                                                                                       Die drei Frauen  haben so vor Jahren bei einem Bürgertreff in Röhrsdorf  ohne Zaudern gleich zugesagt, als der Bürgermeister um ehrenamtliches Mittun bei der Pflege der Anlagen am Buswendeplatz warb. Obwohl Adelheid Däbler mit ihren 83 Jahren ein erfülltes Leben hat und auch Heidi Mücke mit 67 und Brigitte Große mit 68 Jahren in Rente sind, obwohl  sich an manchen  Tagen ihr Lebensalter bemerkbar macht und es im Körper zwickt und zwackt – die drei Frauen kümmern sich  beharrlich um Pflanzen und Anlagen.  „Wir sind es gewohnt, zuzupacken“, sagt Brigitte Große.  Sie ist in Röhrsdorf aufgewachsen, ging hier zur Schule, lernte Kindergärtnerin. 30 Jahre betreute sie im Ort Mädchen und Jungen, ehe sie noch bis 2008 in der Sachsdorfer Tagesstätte arbeitete.  Auch Adelheid Däbler ist in Röhrsdorf zur Schule gegangen, lernte Herrenschneiderin und arbeitete über 50 Jahre in Meißen in diesem Beruf, schneidert noch heute ab und an kleinere Sachen für Nachbarn.   Heidi Mücke wurde in Freital geboren. 1996 zog die Familie nach Röhrsdorf, baute dort  ein Haus.  In Röhrsdorf  fühlen sie sich wohl. „Ein schöner Ort, die linkselbischen Täler sind sehr reizvoll“, sagt Heidi Mücke.

Die drei Frauen sind noch wissbegierig und viel auf Achse.  Ihr Rentnerdasein ist nicht nur Fernsehen und Kaffeetrinken. So bringen sie sich auch im Verein der Landfrauen Röhrsdorf ein.  Brigitte Große ist dort seit einigen Jahren die Chefin, Heidi Mücke Stellvertreterin. Sie organisieren Fahrten,  Ausflüge und gesellige Treffs oder helfen auch beim jährlichen Oldtimertreffen des MSV Röhrsdorf.   Die Landfrauen schwärmen  noch heute von einer Rundfahrt  mit dem Bus durchs Triebischtal, als diese Gemeinde zu Klipphausen kam. „Der Bürgermeister war der Reiseleiter, Er war auch da klasse“, sagen die Frauen. Sie sind noch mitten drin im Leben. Brigitte Große arbeitet noch im DRK-Ortsverein Klipphausen mit, betreut dort die Blutspenden, und die Enkel ihrer drei Kinder wollen auch die Oma um sich haben. Heidi Mücke geht noch mittwochs ins Vereinshaus zur Gymnastik-Übungsstunde der Röhrsdorferinnen.  Die drei Frauen freuen sich, wenn es im Ort und in der Gemeinde vorangeht, wenn wie kürzlich die Naustädter Grundschule einen Anbau erhielt oder jetzt noch in Ullendorf eine Oberschule entstehen soll. Adelheid Däbler spricht begeistert von dem neulichen Konzert mit dem Trompeter Ludwig Güttler in der Röhrsdorfer Kirche.  Ärgern tun sich die Frauen dagegen über den katastrophalen Zustand der Kreisstraße seit vielen Jahren im Ort.

Die Anlage am Buswendeplatz ist ein Schmuckstück. Das Rondell ist Stammplatz dieser Katze.                                                                                                                                                                                                                   „Uns gefällt es, dass viele Einwohner in Röhrsdorf zusammenhalten, einander helfen“, bemerkt Heidi Mücke.  Das sei aber nicht nur bei Hochwasser und  Starkregen der Fall.  Jährlich treffen sich zum Beispiel die Bewohner mehrere Häuser nahe des Buswendeplatzes zum Nachbarschaftsfest, das immer von einer anderen Familie ausgerichtet wird. Auch die drei Frauen sind da dabei, erzählen begeistert davon.  So würde sich Pia Hanschmann um die Bowle kümmern, Inges Balzers Kartoffelsalat sei Spitze, auch die Schnellgurken von Brigitte Große und die Joghurt-Bombe von Heidi Mücke kommen  groß an.  Ines Schicht bringt Nudelsalat mit, Irina Haupt Knoblauchbrot und Edith Petermann steuert Dips bei. „Das ist ein geselliger Treff, der viel Freude macht“, sagt Brigitte Große, die sich in dieser Runde da auch scherzhaft die Frage gefallen lassen muss, ob sie sich denn einen weiteren Märchenfilm zugelegt habe. Denn die 68-Jährige ist ein Fan davon,  besitzt bereits über 150 DVDs mit Märchenfilmen und lustigen Geschichten. „Arthur der Engel“, die ungarische Zeichentrickserie, gefällt ihr besonders gut.

Text und Fotos: Dieter Hanke