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Klipphausener Betrieb hofft auf Aufwind

Der Bundesinnenminister besuchte die Eickhoff Wind Power GmbH.

Am 19. September hatte die Eickhoff Wind Power GmbH im Gewerbegebiet Klipphausen prominenten Besuch. Bundesinnenminister Thomas de Maizière, der auch CDU-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Meißen ist, und Bürgermeister Gerold Mann, wollten bei einem Rundgang wissen, wie es um das Unternehmen und Mitarbeiter bestellt ist. „Ende Oktober des Jahres wird voraussichtlich unsere neue Halle fertig sein“, sagte Geschäftsführer Dr. Ralf Georg Wittor. Der Sozialtrakt sei noch im Bau. Ein zweistelliger Millionenbetrag werde insgesamt für das 4 000 Quadratmeter große Gebäude investiert. „Wir  benötigen diese Halle dringend“, so der 53-jährige Geschäftsführer. Gegenwärtig wird dort ein Prüfstand aufgebaut. „Wir testen dann dort größere, leistungsstärkere Getriebe“, bemerkte er. Passend dazu wird auch die Krankapazität sein. Für das Unternehmen sei diese Investition auch Zukunftssicherung, um den Anforderungen auf dem Weltmarkt zu entsprechen.  

In der Montagehalle: Zahnradträger werden hier zusammengesetzt. Monteur Michael Lange erläutert dem Minister Thomas de Maizière die Arbeitsvorgänge. Rechts Geschäftsführer Dr. Ralf Georg Wittor.

In diesem Jahr wollen die 250 Mitarbeiter der Wind Power GmbH, die zur Bochumer Unternehmensgruppe Eickhoff gehört, auf ihren modernen Bearbeitungsmaschinen knapp 500 Getriebe fertigen, deren Leistung von 2,5 bis 3,8 Megawatt umfasst. In Windkraftanlagen im Binnenland, die bis zu 140 Meter hoch sind, werden diese dann installiert. Davon ist etwa ein Drittel für Anlagen in Deutschland vorgesehen, die weiteren zwei Drittel für Windkraftanlagen im Ausland, so zum Beispiel Australien, Frankreich, England oder Skandinavien.

Blick auf Getriebe

Der Geschäftsführer sprach aber auch eine komplizierte Situation an. Während es in den vergangenen zwei Jahren für die Klipphausener in der Windenergieanlagen-Branche gut aussah und die Aufträge stimmten, ist derzeit eine Flaute. Der Grund ist die schwierige Marktsituation. Zwei große deutsche Hauptkunden von Eickhoff im Windanlagen-Bau haben derzeit Probleme durch starke Konkurrenz und unterziehen sich deshalb größeren Restrukturierungsprogrammen. „Das hat natürlich auch Auswirkungen auf uns“, sagte Wittor, der auch Gesamtchef aller Unternehmenseinheiten der Eickhoff-Gruppe mit Stammsitz in Bochum ist, die an die 1 700 Mitarbeiter umfasst und weltweit vor allem durch Qualitätsprodukte in der Bergbau- und Antriebstechnik einen guten Ruf hat. Dazu kommen noch Niederlassungen mit insgesamt 300 Mitarbeitern, so in China, Australien, Russland, Südamerika, Polen und Weißrussland.

Durch den Absatzeinbruch bei Getrieben ist die Mehrzahl der Klipphausener seit Anfang September 2017 in Kurzarbeit. „Wir unternehmen alles, um hier wieder ins Lot zu kommen“, sagte  Dr. Wittor, der an der Bochumer Universität Maschinenbau studiert hatte und auch Geschäftsführer der Gebr. Eickhoff Maschinenfabrik und Eisengießerei GmbH in Bochum ist.

Qualitätssicherung: Ein Roboter prüft ein Zahnrad auf Schleifbrand.

Der Bundesinnenminister ist zwar hier kein Zauberer, der im Handumdrehen bessere Marktchancen für die Wind Power GmbH herbeiführen kann, doch Thomas de Maizière informierte sich nicht nur, sondern gab auch Rat, wie vorgegangen werden kann. Vor allem auch seine lockere, direkte Art mit den Mitarbeitern zu sprechen, kam an. Man spürte, dass hier ein Minister und Bundestagsabgeordneter nicht weg-, sondern zuhört und mit seinen Arbeits- und Lebenserfahrungen sowie Sachlichkeit überzeugt. „Der Betrieb ist technisch modern ausgestattet, und ich habe den Eindruck erhalten, dass in diesem Unternehmen auf Qualität der Produkte gesetzt und flexibel auf Kundenwünsche reagiert wird. Das sollte für die Zukunft erfolgversprechend sein“, sagte der Minister. Und auch Bürgermeister Gerold Mann hofft wieder auf bessere Zeiten für das Unternehmen. Denn die Gemeinde hat den Aufbau und weiteren Werdegang dieses Betriebes engagiert mit begleitet, der am 2. Januar 2009 Produktionsstart hatte und bis heute über 60 Millionen Euro am Standort investiert und 250 Arbeitsplätze geschaffen hat. „Für uns ist Eickhoff ein verlässlicher Partner“, sagte er.

Text und Fotos: Dieter Hanke, 19.09.2017