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Ein Tanneberger setzt Akzente

Schmied Uwe Krause macht seinen Handwerksbetrieb weithin bekannt und engagiert sich als Gemeinderat.

Das Schmiedefeuer lodert. An die 1000 Grad Celsius. Das Gebläse bringt die Glut auf die richtige Temperatur. Schmied und Metallbauer Uwe Krause fertigt ein Zierelement für das Friedhofstor in Etzdorf in der Gemeinde Striegistal. „Das ist ein Vorteil, dass wir als Handwerksbetrieb Schmiede und Metallbau vereint haben. Damit sind wir flexibel, können besser auf Kundenwünsche eingehen“, sagt der 50-Jährige. In der Industrie und bei Bürgern hat diese kleine Firma im Ortsteil Tanneberg der Gemeinde Klipphausen weithin einen guten Ruf. Gerade erst wurden Halteschellen für Theaterbühnen-Aufbauten ausgeliefert. „Die sind für das Theater in Riga, der Hauptstadt Lettlands,  bestimmt. Solche Teile der Bühnentechnik gingen aber auch schon nach China oder Vietnam“, bemerkt der Meister. Hauptsächlich Zäune, Tore, Gitter, Geländer, Podeste, Flansche, Laschen, Stahldeckel, Bänder, Metallkonstruktionen und anderes werden von diesem Betrieb auf der Wilsdruffer Straße 13 hergestellt. Mitunter gibt es auch mal einen außergewöhnlichen Auftrag, wie zum Beispiel der Nachbau von Folterinstrumenten aus dem Mittelalter für die Ausstellung im Schloss Nossen.

„Etwa 40 Prozent sind private Aufträge von Bürgern, 60 Prozent macht die Industrie aus“, sagt Uwe Krause. Vorrangig wird für die Region gearbeitet, aber auch Kunden aus Dresden, Freiberg, Meißen, dem Erzgebirge oder aus dem Chemnitzer und Leipziger Raum bestellen Erzeugnisse bei diesem Metallbaubetrieb. „Wir haben ordentlich Aufträge“, so der Tanneberger. Es hat sich herumgesprochen, dass Krauses Betrieb nicht nur Qualität liefert, sondern auch versiert ist, wenn spezielle Anfertigungen erforderlich sind oder nach technischen Lösungen gesucht werden muss. „Handwerksarbeit zahlt sich da aus“, bemerkt der Meister.  Da kann er auch auf sein dreiköpfiges Team bauen, das mit ihm tüftelt, um beste Ergebnisse zu erreichen. 

Uwe Krause am Schmiedefeuer. Ein Zierelement für ein Tor wird hergestellt.Die neuen Brücken bei der Erweiterung der A 4 zwischen Wilsdruff und Nossen haben die Tanneberger Metallbauer mit errichtet, sie fertigten vor allem Stahlleitern und -podeste im Innern der Pfeiler zur Begehbarkeit des Bauwerks. Auch auf der A 17 waren sie mit am Werk, bauten für die Zschonergrundbrücke oder für die Lockwitztalbrücke, die mit über 600 Metern eine der längsten Autobahnbrücken Deutschlands ist, ebenfalls Ausrüstungen. Als an der Tännichtbachtalbrücke durch Baupfusch neue Brückenteile wieder gesprengt werden mussten, installierten die Tanneberger Stahlträger um die Pfeiler, damit diese nicht auseinander gedrückt werden. 

„Ein wichtiges Geschäftsfeld für uns sind auch Sanierungen von Gebäuden und Anlagen“, sagt Meister Krause. So setzen sie in Unternehmen, wie zum Beispiel UKM in Hirschfeld,  verschlissene Produktionsanlagen mit instand.  Für die bekannte Villa Holm in Meißen restaurierten die Tanneberger die Dachterrasse und fertigten ein neues Balkongeländer. An Brücken in der Gemeinde, die an der Meißner 8 liegen wie im Bereich Semmelsberg sanierten sie mit Unterbau-Konstruktionen. Jetzt hat der Tanneberger Metallbaubetrieb auch einen Großauftrag von einem Betrieb im Gewerbegebiet Klipphausen an Land gezogen.  Meister Krause: „Wir sind  generell gut vernetzt mit Unternehmen in der Region. Als Handwerksbetrieb werden wir da aktiv mit einbezogen, wenn es um Zulieferungen von Teilen oder die Reparatur von Anlagen geht. Das erweitert unser Spektrum, sichert mit unsere Existenz.“

Blick in die Werkstatt, im Vordergrund Metallbaumeister Tilo Müller, der eine Zeichnung für eine Stahlkonstruktion anfertigt.

Bei aller Freude, dass sich sein Betrieb so gut am Markt behauptet, verschweigt Uwe Krause aber Sorgen und Hemmnisse nicht. So ärgert er sich über die ausufernde Bürokratie, über die immense Zunahme von Auskünften bei Anträgen und Formularen, so von Berufsgenossenschaft oder Handwerkskammer sowie bei Ausschreibungen von Aufträgen. „Das nervt gewaltig“, sagt der Meister und macht noch auf ein weiteres Problem aufmerksam.  Mit dem Berufsnachwuchs würde es in seiner Zunft sehr schlecht aussehen. „Wir würden gern einen Lehrling ausbilden. Aber es gibt seit Jahren keinen Bewerber, auch nicht für ein Praktikum für Schüler“, bemerkt er. Eine Ursache sieht er darin, dass die Handwerkskammer in der Vergangenheit nur unzureichend bei jungen Leuten für das Berufsbild geworben habe. Uwe Krause fragt sich: „Was soll da mal in 15 Jahren werden, wenn wir nicht mehr im Arbeitsleben stehen? Wer hilft denn dann Familien und Bürgern, wenn mal in ihrem Haushalt oder Garten Geräte oder Anlagen kaputt gehen, wo zur Reparatur Schmiede-, Schweiß- oder Metallbauleistungen erforderlich sind?

Zwar kann der kleine Handwerksbetrieb in Tanneberg nicht mit solchen Löhnen mithalten, die in großen Industrieunternehmen gezahlt werden, doch weit mehr als der Mindestlohn ist es auf alle Fälle. „Hinzu kommt, dass unsere Arbeit sehr vielseitig ist, was Spaß macht und unser Können herausfordert“, sagt der 46-jährige Metallbaumeister Tilo Müller, der seit 1994 in diesem Tanneberger Betrieb tätig ist. „Und wir sind ein gutes Team, halten zusammen. Auch das trägt zum Wohlfühlen bei“, ergänzt er.

Meister Uwe Krause denkt da auch an die Zeit zurück, wo er ins Berufsleben startete. 1967 wurde er in Dresden geboren, lebte bis zum zehnten Lebensjahr in Dölzschen, zog dann mit den Eltern nach Tanneberg. Sein Vater, der als Metallbaumeister im Sachsenwerk arbeitete, machte sich 1977 selbstständig und übernahm dort die leerstehende Schmiede. Nach seinem Zehn-Klassen-Abschluss 1983 in der Burkhardswalder Schule lernte Uwe Krause Schmied bei Meister Richter in Taubenheim. Von 1986 bis 2003 arbeitete er bei seinem Vater, machte zugleich seine Meisterausbildung (1989 bis 1991). 2003 übernahm er den elterlichen Betrieb.

Doch das berufliche Wirken von Uwe Krause ist nur ein Teil seiner Persönlichkeit. „Wir schätzen ihn als einen Menschen, der mit seinem Wissen, seiner Erfahrung und seinen Leistungen unsere Gemeinde voranbringt und mit seinen Charakterstärken viele Bürger beeinflusst“, sagt Bürgermeister Gerold Mann. Seit 1999 ist Uwe Krause Gemeinderat in Triebischtal, seit 2012 in Klipphausen. Krümelkackerei liebt er da nicht. Wenn mal eine Straßenlampe nicht brennt oder ein Durchlass von der Gemeinde nicht gereinigt wurde, hebt er nicht gleich belehrend den Zeigefinger wie andere. „Wir müssen als Räte generell die Weichen für die Bürger und die Gemeinde stellen. So ärgert es ihn, dass die S 36 in Tanneberg noch immer keinen durchgehenden Fußweg hat, dass Baubeschlüsse des Gemeinderates, die sachkundig beschlossen wurden, am grünen Tisch des Landratsamtes einfach gekippt werden. Er wendet sich dagegen, dass überbordende Förderverfahren bei Anträgen an Land und Bund die Gemeinde lähmen. „Die Selbstverwaltung unserer Gemeinde, ihre Kommunalhoheit wird systematisch ausgehebelt“, sagt er. Hier müsse schnellstens eine Veränderung herbeigeführt werden. „Die Bürger sind nicht mehr gewillt, das hinzunehmen“, so der Tanneberger.

Wie wichtig ein enges Miteinander ist, spürt Uwe Krause auch in einem anderen Ehrenamt. Seit  1987 ist er in der Feuerwehr in Tanneberg, seit 2004 Ortswehrleiter. Vereine, und da nennt er auch den Schießklub „Einigkeit“ Tanneberg, würden maßgeblich mit das Zusammenleben prägen. „Sie sollten deshalb auch weiterhin von der Gemeinde unterstützt werden, denn sie tragen dazu bei, dass sich Einwohner mit dem ländlichen Raum verbunden fühlen und nicht ausgegrenzt werden.“

Nicht gern spricht Uwe Krause über private Dinge. Dass er ein leidenschaftlicher Fußballer ist, seit Jahren auch Torwart-Trainer  bei Motor Wilsdruff. Schon als Kind hat er beim SV Dölzschen gespielt, dann ab 1977 bei Motor Wilsdruff. Immer als Torwart. In die 1. Männermannschaft hat er es geschafft, die auch in der Bezirksklasse recht erfolgreich war. Bis vor einiger Zeit hat er noch in der 2. Mannschaft gespielt, wenn er gebraucht wurde. Doch Beschwerden am linken Knie setzen Grenzen. Da freut es ihn besonders, dass er 2017 mit den Alten Herren von Motor Wilsdruff Vize-Landesmeister in der Halle wurde.

Zum Privaten gehört auch, dass sich Uwe Krause 1996 mit seiner Familie in Tanneberg ein Haus gebaut hat. Er ist verheiratet, hat zwei erwachsene Töchter.

Text und Fotos: Dieter Hanke