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Mühlenbrücke wird schmuck

An der historischen Neudeckmühle im Saubachtal ist die neue Querung über die Wilde Sau bald fertig.

Das Bau-Finale läuft: Die historische Natursteinbrücke an der Neudeckmühle im Saubachtal soll in wenigen Wochen wieder genutzt werden können. „Voraussichtlich Ende November werden die Arbeiten  abgeschlossen sein“, sagt Steffen Horn vom Bauamt der Gemeinde Klipphausen.

Momentan sprudelt das Wasser in der Wilden Sau gemächlich. An die 15 bis 20 Zentimeter hoch ist in diesen Tagen der Wasserstand an der Mühlenbrücke. Schwer vorstellbar, dass da diese Bogenbrücke 2013 enormen Schaden genommen hatte. Das Hochwasser im Juni zerstörte Widerlager, Fundament, Oberbau und anderes weitgehend. „Wir mussten uns für einen Ersatzneubau entscheiden“, bemerkt der Bauamts-Mitarbeiter.

Das Vorhaben war kompliziert: Sehr beengte Platzverhältnisse an der historischen Mühle, ein Gewässer, in dem Forellen und andere Fische leben, und das Wichtigste: Die Natursteinbrücke ist über 200 Jahre alt - ein steinernes Zeugnis früherer Baukunst, das unter Denkmalschutz steht. Deshalb sollte bei dieser Querung der schöne Brückenbogen und anderes erhalten bleiben.

Die Fische wurden umgesetzt, auch der Nistkasten der Wasseramsel unter der Brücke erhielt vorübergehend ein neues Domizil. Die Technik vom Baubetrieb, der Trinitz-Bauwerksanierung GmbH aus Dresden, bekam Bio-Öl verordnet. Schließlich sollte auch der schöne Wanderweg im Saubachtal keinen Schaden nehmen. Außerdem wurde abgepumptes Wasser bei den Bauarbeiten in einem Absatz-Container gereinigt.

Bau der neuen Mühlenbrücke. Die Grube für das Widerlager  (im Vordergrund) wird gerade wieder verfüllt.  Auf der Brücke wird in den nächsten Wochen noch die Naturstein-Pflasterung  erfolgen.

Baubeginn war Anfang Juni 2017. Doch bald stellte sich bei der Erschließung heraus, dass die ursprüngliche Planung so nicht machbar ist. „Wir mussten den Gegebenheiten Rechnung tragen und umplanen“, bemerkt Bauingenieur Silvio Waldmann vom Ingenieurbüro Hagstotz aus Dippoldiswalde, das Planung und Baubegleitung übernahm. Es kam bei diesem Vorhaben zu einem Zeitverzug von mehreren Wochen. 

Denn der Baugrund war völlig instabil, ein Lehmgemisch mit großen Steinen.  Mehrere Mikrobohrpfähle wurden deshalb auf jeder Brückenseite in den Boden gerammt. Darauf lagern 60 Zentimeter hohe Kopfbalken aus Stahlbeton, die nun die gesamte Brückenlast auf die Anker ableiten werden. Der historische Brückenbogen, der mit Eisenträgern und Balken vorübergehend abgestützt wurde, ist so künftig nur noch ein gestalterisches Element.

Hinzu kam noch, wie Steffen Horn und Silvio Waldmann weiter informieren, dass sich unterhalb des Brückenbogens Steine unterschiedlicher Abmessungen befanden. Mit einer Trass-Kalk-Mischung wurde hier ein Ausgleich geschaffen und somit auch Stabilität erreicht. „Ursprünglich war hier der Einsatz von Beton vorgesehen, der hätte aber zu Rissen geführt“, bemerkt Horn. Jetzt werde noch beim Überbau auf jeder Seite eine Mauer aus Stahlbeton gebaut, die mit Natursteinen verkleidet wird.  Integriert in die Brüstungsmauer ist auch ein Aufprallschutz für Fahrzeuge, wie Bauarbeiter Uwe Nitzschner sagt, der dort gerade eine Hohlkehle zog.

Auch der Brückenbelag aus Natursteinen ist noch einzubringen. Diese Arbeiten macht die Firma Hasse aus Radebeul, wie Maschinenführer Gerd Ksienzyk mitteilt.  Ebenso muss noch die Anpassung an die Straße erfolgen.

Dass Umwelt,  Denkmalschutz und wasserrechtliche Belange bei diesem komplizierten Bauvorhaben beachtet werden, darauf hatten sich die entsprechenden Behörden eingestellt und das auch kontrolliert. „Weitgehend werden zum Beispiel die Natursteine vom Abbruch des Brückenkörpers wieder verwendet“, bemerkt Silvio Waldmann.

Insgesamt belaufen sich die Kosten für dieses Vorhaben auf etwa 700 000 Euro. Die Gelder werden aus dem Aufbauhilfefonds der Bundesrepublik Deutschland und des Freistaates Sachsen zur Verfügung gestellt. In dieser Summe inbegriffen ist auch die Sanierung einer Furt an der Wilden Sau, die sich flussabwärts etwa 400 Meter von der Neudeckmühle entfernt befindet. Sie dient als Überfahrt für Fahrzeuge der Land- und Forstwirtschaft.

Steffen Horn bescheinigt den Bauleuten eine solide Arbeit. Die Trinitz-Bauwerksanierung GmbH hat schon große Erfahrungen mit solchen oder ähnlichen Projekten. Die  Schlossmühlenbrücke in Klipphausen hatte dieses Unternehmen vor zwei Jahren saniert, wie Maurer und Vorarbeiter Jens Bergholz berichtet, der seit 15 Jahren bei Trinitz tätig ist. Ihre Kenntnisse bewiesen die Trinitz-Bauleute aber auch bei Arbeiten in der Festung Königstein oder an der Frauenkirche in Meißen. „Wir geben uns Mühe, um auch hier an der Neudeckmühlen-Brücke die Arbeiten gut und schnell abzuschließen“, so der 45-jährige Vorarbeiter, der in Moritzburg wohnt. Die Tragwerksplanung für die Neudeckmühlen-Brücke hatte das Planungsbüro Ralf Richter aus Wilsdruff übernommen.

Es gibt für Wanderer und Besucher der Gaststätte eine Behelfsbrücke unmittelbar neben dem alten Bauwerk. Träger und Balken stützen während der Bauzeit den historischen Brückenbogen.

Um den Besuch der historischen Mühle (erbaut 1794) auch während des Brückenbaus zu ermöglichen, wurde neben der alten Bogenbrücke eine Behelfsquerung über die Wilde Sau für Bewohner, Gäste und Wanderer im Saubachtal geschaffen. Wirt Peter Poitz freut sich natürlich, wenn die neue Brücke bald fertig ist. „Die Geschäftseinbußen in der vergangenen Zeit haben sich aber in Grenzen gehalten“, bemerkt der 59-Jährige, der noch hervorhebt, dass es einen guten Kontakt mit den Bauleuten gab. Er ist auch dankbar, dass der Baubetrieb während der Bauphase die Müllentsorgung der Einrichtung mit übernommen habe. Der Neudeckmühlen-Wirt hofft nun, dass viele Besucher  am 10. Dezember, dem zweiten Advent, zum Weihnachtsmarkt an der Gaststätte kommen werden, wo sie gleich auch gute Gelegenheit haben, die neue Brücke in Augenschein zu nehmen.

Text und Fotos:  Dieter Hanke