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Miniaturmühle hat Winterpause

Mühlenchef Werner Hebeld wartet das technische Meisterwerk im Eichhörnchengrund.

Deutschlands kleinste noch produzierende Getreidemühle hat sich jetzt auf die Winterpause vorbereitet. Die Schulze-Mühle im idyllischen Eichhörnchengrund in Gauernitz klappert erst wieder am Ostersonntag, dem 1. April 2018. „Es war für uns eine erfolgreiche Saison in diesem Jahr“, sagt Mühlenchef Werner Hebeld. Über 2 500 kleine und große Besucher haben sich 2017 von April bis Anfang Oktober die Miniaturmühle angeschaut und waren begeistert von diesem technischen Kleinod aus dem Jahr 1974, wo Gebäude und historische Modelltechnik im Maßstab 1:5 großes Staunen hervorriefen.

„An die vier Kilogramm Weizenmehl haben wir in diesem Jahr gemahlen“, bemerkt der Hobby-Müller, der in Wildberg wohnt. Seine Frau Ilona hat daraus schmackhafte Kuchen gebacken, die sie den Mühlengästen kredenzte. Das Getreide stammt von der Bartsch-Mühle in Miltitz. Schulklassen, Wander- und Mühlenfreunde, Teams aus Unternehmen und weitere Gruppen sowie vor allem auch viele Familien mit ihren Kindern aus ganz Deutschland kamen in diesem Jahr.

„Es freut mich, dass unsere begehbare Mühle eine solch große Resonanz hat. Die Besucher waren sehr neugierig und wollten alles  genau wissen“, sagt Müller Werner Hebeld, der zu den Öffnungszeiten jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 13 bis 17 Uhr zu Führungen in diesem historischen Mühlenensemble mit Maschinenhaus, Mühle und Mehrzweckgebäude einlädt. Es habe sich 2017 erneut bewiesen, wie diese Wassermühle als ein eindrucksvolles historisches Kulturgut im linkselbischen Gebiet zur Identität mit dem ländlichen Raum beiträgt und Traditionen und Leistungen der vergangenen Zeit bewahrt.

Die Miniaturmühle in dem etwa 3 000 Quadratmeter großen Grundstück ist seit 2002 in Besitz der Gemeinde Klipphausen und wurde nach umfangreicher Restaurierung im April 2010 wiedereröffnet. Neben Familie Hebeld engagiert sich auch der Bauhof der Gemeinde für Erhalt und Pflege dieses technischen Wunderwerks.

In den vergangenen Tagen und Wochen hat der Mühlenchef mit seiner Frau schon vielfältige Vorbereitungen getroffen, damit die Wassermühle die Unbilden des Winters gut übersteht. So wurden der Zulauf am Mühlgraben  und das große Wasserrad abgedeckt. Das Wehr am Bach wurde geschlossen.  Das weiße Mühlengebäude erhielt unten Absperrungen aus starker Dachpappe, damit Schneemassen nicht dem Bauwerk schaden. Auch Pflanzen im Areal wurden vor Frost geschützt, gleichfalls die attraktive Vogeluhr mit Bildern. Der Bauhof wird noch Bänke und Tische einlagern und an diesen den Winter über schadhafte Stellen reparieren.

Viel Mühe muss der Hobby-Müller aufwenden, um an den Gebäuden die kleinen Dachrinnen zu säubern, wo sich immer wieder Blätter und Spitzen der Lärche einnisten.  „Im Eichhörnchengrund ist es sehr feucht. Im Februar dieses Jahres lagen im Grundstück auch an die 30 Zentimeter Schnee. Das macht  den Gebäuden zu schaffen“, sagt Werner Hebeld. Er trifft dagegen Vorkehrungen. So wurden in dieser Jahreszeit unter anderem Bilder und historische Dokumente im Mühlengebäude von den Wänden abgespreizt, damit keine Schimmelflecke entstehen. Die originellen Mühlen-Accessoires, wie Waschfrau mit Zuber und weitere Figuren, Sägebock, Mühlengeräte oder Fuhrwerke, die im Frühjahr und Sommer außen an der Mühle mit für ein liebliches Flair sorgen, wurden eingelagert. Das Mühlenmodell im Inneren ist aus Lärchenholz, das gegen Feuchtigkeit nicht so empfindlich ist.

Doch den Winter über hat der Wildberger noch anderes zu tun. Die filigrane Mühlentechnik wird sorgsam gereinigt. Auch der Mahlstein, ein Sandstein aus Jonsdorf im Zittauer Gebirge, wurde deshalb ausgebaut. Schäden am Modell werden behoben. „Schließlich wollen wir zur künftigen, nunmehr neunten Saison im nächsten Jahr wieder gut gerüstet starten“, bemerkt der Müller. So kürzt er zum Beispiel auch ausgedehnte Leder-Transmissionsriemen am Mahlwerk ein, damit das Modell gut funktionstüchtig ist. „Da ist Millimeterarbeit gefragt, alles muss passgenau sein“, so Werner Hebeld. Ihm kommt da zugute, dass er als ehemaliger Werkzeugmacher über ein großes handwerkliches Geschick verfügt, das bei einem solchen technischen Meisterwerk gefragt ist. So wird er auch im Winter das etwa anderthalb Meter hohe Modell einer altdeutschen Mühle von 1735 reparieren. Ein Besucher hatte sich nicht an die Hinweise gehalten und an der Kurbel gedreht, so dass Stifte weggebrochen sind.

Ein neues Sieb vor dem großen Mühlen-Wasserrad hat Werner Hebeld vor Kurzem schon gebaut. „Damit werden Äste und Laub ferngehalten“, sagt er. In einem Baumarkt ist der Wildberger auch bereits gewesen und hat Holzleisten gekauft. Er will jetzt in seiner Werkstatt zu Hause die Fensterumrandungen aus Holz an der Mühle erneuern. „Diese sind durch die Witterung morsch geworden.“

76 Jahre alt ist der Mühlenchef. Ein Alter, wo sich andere nicht mehr so viel ehrenamtliche Arbeit aufhalsen. „So lange wir gesund bleiben, werden meine Frau und ich die Schulze-Mühle weiterhin betreuen“, sagt Werner Hebeld. Ihm fasziniere das historische Mühlenmodell, er freue sich über den Kontakt mit den Leuten und dass seine Arbeit geschätzt werde. Er hofft, dass in Zukunft das Mühlen-Areal noch einen festen Wasseranschluss erhält und dass auch eine  Toilette gebaut wird. Und er würde sich freuen, wenn die Besucher nach dem  kostenlosen Eintritt und der Führung an den Wochenenden mit einer Spende die Bemühungen zum Erhalt dieses technischen Denkmals unterstützen.   

Die Miniaturmühle im Eichhörnchengrund wird trotz der Schließzeit bis zum Frühjahr an Attraktivität nicht verlieren. Müller Hebeld hat bereits Schwibbogen als Weihnachtsdekoration an den Mühlenfenstern installiert, die vom 1. Dezember bis zum 3. Januar zwischen 12 und 17 Uhr beleuchtet sind. Zusammen mit der historischen Fassade der Mühle und der schönen Blutbuche mit ihren rötlichen Blättern hinter dem Gebäude ergibt das sicher ein reizvolles Fotomotiv.

„Wir danken der Familie Hebeld für ihr Engagement. Sie bereitet vielen Menschen eine Freude und bewahrt historisches Kulturgut“, sagt Bürgermeister Gerold Mann

Text und Fotos:  Dieter Hanke, 24.11.2017