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Abwassertrasse von Klipphausen nach Dresden

Die  Kläranlage in Klipphausen geht Anfang 2019 außer Betrieb.

Die Stadt Wilsdruff und die Gemeinde Klipphausen wollen gemeinsam eine abwassertechnische Herausforderung meistern: Der Abwasserzweckverband „Wilde Sau“, wo die Gemeinde Klipphausen Mitglied ist, baut jetzt eine Trasse von der Kläranlage am Sachsdorfer Weg in Klipphausen bis zur Kläranlage der Stadtentwässerung Dresden in Kaditz. Über zwölf Kilometer wird die neue Abwasserüberleitung einmal lang sein. Sie verläuft entlang der A 4 an der Richtungsfahrbahn nach Dresden, etwa 40 Meter von der Fahrbahn entfernt, an der Raststätte „Dresdner Tor“ vorbei, quert dann kurz nach dem Abzweig die A 17,  erstreckt sich  weiter an der A 4 und führt dann direkt zur Elbe, wo vorher noch die B 6 und eine Eisenbahnlinie gequert werden. Mehrere Meter unter dem Grund der Elbe verläuft die Leitung in einem Tunnel, ehe dann an der Kläranlage Dresden-Kaditz Endstation ist. (AZV Amtsblatt 03-2017)

Ende 2018 Probebetrieb

Knapp acht Millionen Euro werden für dieses Großvorhaben veranschlagt, davon betragen die Planungskosten etwa 600 000 Euro. Der Zweckverband „Wilde Sau“ finanziert das Vorhaben. „Für Ende 2018 ist der Probebetrieb der neuen Anlage geplant. Im Januar 2019 soll sie dann ans Netz gehen“, sagt Andreas Clausnitzer, Vorsitzender des Abwasserzweckverbandes „Wilde Sau“ und Beigeordneter der Stadt Wilsdruff. Dann werden mit der Druckleitung, die einen Innendurchmesser von etwa 25 Zentimetern hat, an die 65 bis 75 Liter Abwasser in der Sekunde oder jährlich rund eine Million Kubikmeter Abwasser transportiert, wie der 59-Jährige weiter sagt. Um den Höhenunterschied von 50 Metern zu überwinden, wird eine Pumpanlage am Klärwerk in Klipphausen gebaut, die die Abwässer dann in Richtung Hühndorf befördert, wo der höchste Punkt nahe der A 4-Raststätte ist. Dann gelangen diese im freien Fall ins Elbtal (Fallhöhe etwa 170 Meter).

Vor einigen Wochen erfolgte an der Kläranlage in Klipphausen der erste Spatenstich für diese Großinvestition. Die Bürgermeister von Klipphausen, Wilsdruff und Tharandt Gerold Mann, Ralf Rother und Silvio Ziesemer sowie Andreas Clausnitzer, Vorsitzender des AZV,  und  Ralf Strothteicher, technischer Geschäftsführer der Stadtentwässerung Dresden, vollzogen diesen Akt. Seit einiger Zeit laufen auch schon die ersten Bauarbeiten für die neue Trasse, so zum Beispiel im Pfaffengrund in Dresden im Tal des Zschonerbaches oder am Kreisverkehr auf der Hühndorfer Höhe in Richtung Kläranlage.

Vision wird Wirklichkeit

Für den Wilsdruffer Beigeordneten und Abwasser-Verbandsvorsitzenden Andreas Clausnitzer geht mit dieser anspruchsvollen Investition ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. „Eine Vision wird Wirklichkeit“, so der 59-Jährige, der seit 2012 dem Zweckverband vorsteht. Schon vor Jahren hatte sich der Abwasserzweckverband mit der Stadtentwässerung in Dresden für dieses Projekt in Verbindung gesetzt. Im Verband selbst wurde ausführlich darüber beraten. Doch es ging noch etliche Zeit ins Land, ehe nun der Startschuss für den Bau erfolgen konnte. Da gab es langwierige Genehmigungsverfahren mit den Wasserbehörden des Landkreises Meißen und der Stadt Dresden sowie mit weiteren Ämtern. Es ging um die Zustimmung der Landeigentümer und von Deutscher Bahn, Flussmeisterei, Autobahnamt und weiterer Gremien. Andreas Clausnitzer ist froh, dass die Deutsche Bahn die Genehmigung gab, für die Querung der Eisenbahnstrecke einen ihrer Tunnel zur Ableitung von Regenwasser für die Abwasserleitung mit zu nutzen. „Das ersparte uns viel Zeit bei der Planung“, bemerkte der Beigeordnete. Der Einbau der Rohre unter der Elbe erfolgt in einem Spülbohrverfahren, was hier effektiver als andere Bauverfahren ist (Elbdüker). Die Gesamtplanung des Vorhabens Abwasserüberleitung Klipphausen - Dresden liegt bei der Stadtentwässerung Dresden in einer Arbeitsgemeinschaft mit dem Ingenieurbüro ACI aus Dresden. (Übersichtsplan Überleitung)

Der Bau der Abwasserdruckleitung von Klipphausen nach Dresden hatte sich aus mehreren Gründen erforderlich gemacht. „Wir brauchen in unserer Region eine moderne und stabile Abwasserentsorgung“, sagt Klipphausens Bürgermeister Gerold Mann, der auch stellvertretender Vorsitzender des AZV „Wilde Sau“ ist. In der Kläranlage Klipphausen, die 1996 in Betrieb ging, werden die Abwässer der Stadt Wilsdruff und seiner Ortsteile (außer von Limbach, Helbigsdorf, Blankenstein und Kleinopitz) entsorgt. Hinzu kommen noch Pohrsdorf sowie Grundstücke in Fördergersdorf (Ortsteile der Stadt Tharandt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge). Die Stadtentwässerung Dresden GmbH ist seit 2015 Betriebsführer für den Abwasserzweckverband „Wilde Sau“. In einer europaweiten Ausschreibung hatte sich dieses Unternehmen mit einem fachlich fundierten und  wirtschaftlichsten Angebot durchgesetzt. Das beinhaltet die technische und teilweise auch die kaufmännische Betriebsführung, außer für das Verbandsmitglied Klipphausen. Bis zur Inbetriebnahme der Abwassertrasse nach Dresden betreibt die Stadtentwässerung die Kläranlage Klipphausen sowie das Kanalnetz des Zweckverbandes.

Alte Becken werden umgebaut

Wie Renè Drescher vom Bereich Abwasserentsorgung der Gemeinde Klipphausen informierte, sei diese Kläranlage Entsorgungsstation für die Abwässer aus den Ortsteilen Klipphausen, Sora, Röhrsdorf, Sachsdorf und Hühndorf. Ferner werden hier auch die Schlämme aus den Kleinkläranlagen der Ortsteile Kleinschönberg, Lampersdorf und Lotzen entsorgt.

Doch die Anlage, die erste Ausbaustufe war im Mai 1994 fertig, ist zum Teil verschlissen, muss modernisiert werden. Die Kapazitäten reichen für die Zukunft nicht mehr aus. Der Abwasserzweckverband hatte deshalb eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung von Experten veranlasst. Danach wäre eine Sanierung und Erweiterung des Klärwerks wesentlich teurer geworden als der Bau einer Abwasserüberleitung nach Dresden. „Wir haben uns deshalb für die kostengünstiger Variante entschieden“, so Verbandsvorsitzender Clausnitzer.  Im Blick hat der Zweckverband da auch, mit  einer stabilen Abwasserentsorgung Voraussetzungen für den weiteren Wohnungsbau und der Ansiedlung von Unternehmen in den Gewerbegebieten und Orten in Wilsdruff und Klipphausen zu schaffen. Beide Kommunen prosperieren, weitere Familien siedeln sich in den Gebieten an. Betriebe, die die vorteilhafte logistische Anbindung an A 4 sowie Bundes- und Staatsstraßen schätzen, machen sich hier sesshaft.

Doch noch ein weiterer Vorteil gab den Ausschlag, dass sich der Abwasserzweckverband „Wilde Sau“ für den Bau der Druckleitung in die Landeshauptstadt entschied. Das Dresdner Klärwerk mit seiner biologischen Reinigung der Abwässer und den hohen Umweltstandards gehört zu den modernsten in Deutschland und wird jetzt noch erweitert.  Bereits seit 2006 fließen schon die Abwässer aus dem Pirnaer und Heidenauer Raum bis hin zur tschechischen Grenze ins Dresdner Klärwerk. Aus Freital werden die Abwässer dort schon seit mehreren Jahrzehnten geklärt. Nun werden auch bald linkselbische Gebiete von Wilsdruff und Klipphausen mit dazu kommen. Der Vertrag mit der Stadtentwässerung Dresden hat eine Laufzeit von 20 Jahren und kann danach verlängert werden.

Übrigens hat die Kläranlage in Klipphausen auch nach der Fertigstellung der neuen Abwassertrasse nach Dresden noch nicht ausgedient. Wie Verbandsvorsitzender Andreas Clausnitzer sagte, werden der Rechen und der Sandfang zum Herausfiltern grober Schmutzteile weiter genutzt. Ferner werden Becken umgebaut, um bei Starkregen die Wassermassen zurückzuhalten, die dann dosiert abgegeben werden können.

Text: Dieter Hanke