^ Nach oben

Riesen-Pipeline durch Äcker

Der Bau der neuen Ferngasleitung Eugal bringt für Gemeinde und Landwirte erhebliche Beeinträchtigungen.

Nach Opal kommt jetzt Eugal. So heißt die neue Europäische Gasanbindungsleitung, die im Anschluss von „Nord Stream 2“ von der Ostsee durch Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg bis in den Süden Sachsens zur deutsch-tschechischen Grenze ab Mitte dieses Jahres gebaut werden soll. Damit soll die deutsche und südosteuropäische Erdgasversorgung gestärkt werden. Das Unternehmen Gascade Gastransport GmbH wird auf einer Länge von etwa 485 Kilometern den Bau für zwei Leitungsstränge vornehmen. Ziel ist, dass bereits Ende 2019 das Erdgas durch den ersten Leitungsstrang der Eugal fließen soll. In einem Planfeststellungsverfahren, das der Piplinebauer bei der Landesdirektion Sachsen beantragt hat, werden auch Trassenverlauf und Umweltverträglichkeit des Vorhabens geprüft. Der sächsische Abschnitt der Eugal ist 110 Kilometer lang und soll weitestgehend parallel zur vor sechs Jahren gebauten Ferngasleitung Opal verlaufen, also nach den Planungen wieder im Klipphausener Territorium von der Elbe in Gauernitz in Richtung Naustadt und Sora bis zur Wilsdruffer Gemarkung.

Verwaltung und Gemeinderat sind jetzt dabei, zusammen mit betroffenen Landwirten und Grundstückseigentümern eine Stellungnahme an die Landesdirektion im Planfeststellungsverfahren zu erarbeiten. In einem vorangegangenen Raumordnungsverfahren Anfang des Vorjahres hatte Klipphausen die geplante Eugal-Trassenführung im Territorium abgelehnt.

Doppelbelastung von Flächen

„Wir sind nicht gegen eine stabile Erdgasversorgung, die auch mit dieser neuen Ferngasleitung erreicht werden soll. Doch dabei sollten bei Trassenführung und Bau die Interessen der Gemeinde sowie der Landbesitzer, Bauern und weiteren Bürger gewahrt bleiben und ihnen keine Nachteile entstehen“, sagte Beigeordneter und Bauamtsleiter Dieter Schneider. Für Klipphausen sei da vor allem ausschlaggebend, dass durch die vorgesehene Trassenführung wieder wertvolle Ackerböden verlustig gehen. „Nach dem Bau der Opal-Leitung vor wenigen Jahren ergibt sich doch damit eine Doppelbelastung der Flächen, zumal auch eine Regeneration der betroffenen Böden kurzfristig nicht möglich ist und Jahre dauern wird“, bemerkte der Bauamtsleiter. Denn der bauzeitliche Regelarbeitsstreifen beträgt 40 Meter in freier Feldflur und 32 Meter im Wald. Die Verlegung der 18 Meter langen und 15 Tonnen schweren Rohre, die einen Innendurchmesser von 1,40 Meter haben, soll weitestgehend im offenen Graben erfolgen. Der Abstand zur Opal-Trasse beläuft sich auf etwa zehn Meter. Ein Schutzstreifen an der Leitung, der nicht bebaut werden darf, beträgt zwölf Meter (sechs Meter beiderseits der Leitungsachse). Aller 15 bis 18 Kilometer gibt es eine Absperrstation, eine Art Schleuse, wo aus dem Abschnitt das Gas rausgenommen werden kann. Diese soll wieder neben der schon bestehenden Opal-Station bei Sora errichtet werden.

Gewerbegebiet beeinträchtigt

Doch noch ein anderes Argument sei für Klipphausen ausschlaggebend gewesen, sein Veto einzulegen. Denn die geplante Streckenführung verläuft unmittelbar über die Flächen, die für eine Erweiterung des Klipphausener Gewerbegebietes in Richtung Sora vorgesehen sind. „Der vorgesehene Trassenverlauf schränkt diese Erweiterung wesentlich ein. Damit wird aber die Entwicklung von Unternehmen behindert“, sagte der Bauamtsleiter.

Die Gemeinde wird ferner noch andere Einwände geltend machen. So würde zum Beispiel im Bereich Gauernitz der Streckenverlauf erneut das Quellgebiet des Gauernitzbaches zerschneiden und den Bach bei Naustadt queren. Das bereits durch die Opal-Leitung beeinträchtigte Gebiet würde wieder in seiner Wasserführung und Grundwasserentstehung gestört werden. Das hat auch negative Auswirkungen auf das FFH-Gebiet Linkselbische Täler zwischen Dresden und Meißen.

Ärgerlich war, dass der Bau der Opal-Trasse in der Gemeinde etliche Schäden verursachte. So wurden u. a. Teiche in Sora und Röhrsdorf verschlammt, Böschungen und Bachläufe in den Tälern verschmutzt und Straßen beschädigt. Zwar regulierte das Unternehmen Wingas die Schäden, doch ein fader Beigeschmack blieb dennoch.

Landwirt Andreas Partzsch aus Röhrsdorf ist nicht gut auf die Bauleute der Ferngasleitung Opal zu sprechen, obwohl er auch von Wingas Ausgleichszahlungen für die Eingriffe auf den Flächen bekommen hat. „Die haben auf meinen Fluren enorme Schäden angerichtet“, meinte er. So wurden beim Trassenbau Mutterboden und darunter liegende Schichten nicht immer exakt getrennt. Wasser aus Gruben wurde einfach aufs Feld abgeleitet, Gräben nicht wieder exakt verfüllt. Flächen verschlammten, die Bodenstruktur ist auf den Opal-Arbeitsstreifen zerstört „Mindererträge sind auf Jahre die Folge“, so der Röhrsdorfer Landwirt.

Interessengemeinschaft gebildet

Bauern, Bewirtschafter, Land- und Forstbesitzer, Kommunen und private Grundstückseigentümer in Sachsen haben sich deshalb im Herbst 2017 zur Interessengemeinschaft Eugal zusammengeschlossen, um ihre Forderungen gegenüber dem Unternehmen Gascade durchzusetzen. „Wir können den Bau der neuen Ferngasleitung nicht verhindern, wollen aber Einfluss auf Trassenführung, Bau, Wiederherstellung und Rekultivierung der Flächen sowie auch des späteren Betriebes der Leitungen nehmen und so die Eingriffe sowie Schäden auf Böden minimieren“, sagte Jörg Weinhold, Diplomingenieur und Geschäftsführer der RRS Agrardienstleistungsgesellschaft mbH in Riemsdorf, der in dieser IG im Vorstand mitarbeitet. Etwa 30 Mitglieder aus Brandenburg bis ins Erzgebirge gehören derzeit dieser Gemeinschaft an, darunter zum Beispiel auch der Landwirt Hermann Schmick aus Ullendorf und die Stadt Wilsdruff. „Wir freuen uns über weitere Mitglieder. Das würde unsere Position stärken“, so der 53-Jährige. Die Mitgliedschaft ist für die Betreffenden kostenlos.

Gegenwärtig erarbeitet die IG eine Vereinbarung mit Gascade, die auch einen Forderungskatalog der Gemeinschaft enthält. Die Rechtsanwaltskanzlei Barran und Partner aus Frauenstein begleitet das Ganze. „Wir haben Lehren aus dem Bau der Opal-Leitung gezogen. Fehler sollen sich nicht wiederholen. Deshalb wollen wir vorher die Dinge klären“, bemerkte Weinhold.

Auch die RRS hat durch den Opal-Bau beträchtliche Einbußen gehabt. „Auf etwa 40 000 Euro beliefen sich die Schäden. Insgesamt waren fünf Hektar betroffen, vor allem im Bereich der Gävernitze“, sagte Weinhold, der seit 1995 Geschäftsführer dieses landwirtschaftlichen Unternehmens ist. So würde es auf den einstigen Bauflächen hohe Ertragsausfälle bei Raps, Weizen und Rüben geben. Weinhold: „Der Lößboden wurde dort stark verdichtet, die gewachsene Bodenstruktur ist zerstört.“ Da die Bauleute damals unter hohem Zeitdruck gestanden hätten, bauten sie auch bei Regenwetter. Die Folge: Zerfahrene Wege und Ackerflächen, tiefe Rinnen und Senken, Wasser lief weg, verschlammte Felder. Bodenerosion machte sich breit. Auch wurden zerschnittene Drainagen teilweise nicht wieder ordnungsgemäß hergestellt, Schächte nicht exakt verfüllt.

„Die IG setzt deshalb auch durch, dass beim Bau sogenannte Baggermatratzen, also Platten und Matten in den Arbeitsstreifen gelegt werden, damit dort schwere Fahrzeuge nicht im Übermaß den Boden verdichten“, sagte Weinhold.  Auch soll nach Fertigstellung der reguläre Anbau von Kulturen in diesen Bereichen ein Jahr aufgeschoben werden, um vorher erst mit tiefwurzelnden Früchten den Boden wieder aufzulockern. 

 

Text: Dieter Hanke, Foto: RRS, 29.01.2018