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Große Nachteile für Äcker und Wald

Der Gemeinderat lehnt den Trassenverlauf der neuen Gasleitung Eugal ab. Auch Landwirt Hermann Schmick befürchtet Schäden.

Der Gemeinderat Klipphausen hat sich jetzt zum Bau der neuen Ferngasleitung Eugal positioniert. Diese neue Europäische Gas-Anbindungsleitung, die im Anschluss von „Nord Stream 2“ von der Ostsee durch Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg bis in den Süden Sachsens zur deutsch-tschechischen Grenze verläuft, soll ab Mitte dieses Jahres gebaut werden.  Bereits Ende 2019 soll das Erdgas durch den ersten Leitungsstrang der Eugal fließen. Das Unternehmen Gascade Gastransport GmbH wird diese Leitung auf einer Länge von etwa 485 Kilometern bauen. Weitgehend soll im Territorium der Gemeinde Eugal parallel zur vor sechs Jahren errichteten Ferngasleitung  Opal verlaufen, so nach den Planungen von der Elbe in Gauernitz in Richtung Naustadt und Sora bis zur Wilsdruffer Gemarkung.

Im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens, das die Erbauer der Pipeline bei der Landesdirektion Sachsen beantragt haben, lehnte jetzt Klipphausen die Trassenführung im Gemeindegebiet ab. In einer Stellungnahme führten die Räte dafür gewichtige Gründe an.

„Wir werden sicher nicht den Bau dieser Leitung verhindern können, aber die derzeitige Trassenführung bringt sowohl für Landwirte als auch für die Gemeinde erhebliche Nachteile. Deshalb sollte der Leitungsverlauf verändert werden“, sagt Bürgermeister Gerold Mann. So hob der Gemeinderat hervor, dass der Bau dieser Leitung nach den derzeitigen Planungen mit einem Verlust von wertvollen Ackerböden im Gemeindegebiet einhergehe. Für die Wiederherstellung des ursprünglichen Ertragsniveaus der landwirtschaftlich genutzten Flächen sei ein längerer Zeitraum erforderlich.

Die Räte bewerteten den Trassenverlauf im Bereich des Gewerbegebietes Klipphausen sehr kritisch. „Die vorgesehene Streckenführung verläuft unmittelbar über die Flächen, die für eine Erweiterung des Gewerbegebietes Klipphausen vorgesehen sind. Der geplante Trassenverlauf der Eugal schränkt diese Erweiterung wesentlich ein“, heißt es in der Stellungnahme. Dadurch würde eine Fläche von etwa 8 000 Quadratmeter verlorengehen.

Ferner wandten sich die Räte dagegen, dass bei der Errichtung der Eugal eine Querung des Gauernitzbaches bei Naustadt in offener Bauweise erfolgen soll. Diese Querung, so die Räte, befinde sich aber im Landschaftsschutzgebiet und sei außerdem nur wenige Meter von einem FFH-Gebiet entfernt, wodurch erhebliche Beeinträchtigungen des Gewässers und der Schutzgebiete die Folge seien. „Eine kurzfristige Regenerierung ist nicht realistisch“, wird in der Stellungnahme vermerkt.

Auch verwiesen die Gemeinderäte auf negative Erfahrungen beim Bau der Opal-Gasleitung. So wurde damals von Bauleuten oftmals der Bodenschutz nicht beachtet. „So kam es vor allem bei nasser Witterung zu Bodenerosionen  und -verdichtung, die vermeidbar gewesen wären“, wird weiter in der Stellungnahme hervorgehoben, in der noch andere Argumente gegen den vorgesehenen Trassenverlauf angeführt werden.

Für den Ullendorfer Landwirt Hermann Schmick ist diese Stellungnahme des Gemeinderates aus dem Herzen gesprochen. Durch den Bau der Opal-Trasse vor einigen Jahren hat er immense Schäden auf seinen Flächen erlitten, die sich zwischen Naustadt und Röhrsdorf sowie in der Gemarkung Wilsdruff erstrecken. „Etwa 3,5 Hektar waren betroffen“, sagt der 61-Jährige. Die Schadensbilanz war erschreckend: Verschlammte Flächen, Erosion und verdichteter Boden, unsachgemäß verfüllte Gräben, auf die Felder abgeleitetes Wasser, zerfahrene Wege und Ackerflächen, Rinnen und Senken, zerstörte Bodenstruktur. „Ertragsausfälle waren die Folge. Auf Jahre hinaus haben wir durch diese Eingriffe in die Böden enorme Nachteile“, bemerkt der Landwirt. Zwar hätte es damals vom Bauunternehmen Wingas Entschädigungen gegeben, aber diese würden nicht den erlittenen Verlust aufwiegen. „Besser wäre es gewesen, die Äcker wären vom Bau verschont geblieben“, bemerkt der Ullendorfer.

Hermann Schmick hat sich deshalb auch mit weiteren Bauern, Bewirtschaftern, Grundstückseigentümern sowie  Land- und Forstbesitzern in der Interessengemeinschaft „Eugal“ zusammengetan, um bereits im Vorfeld des Baus der neuen Leitung präventiv Einfluss zu nehmen. Weit über 30 Mitglieder aus Brandenburg und Sachsen gehören derzeit dieser Gemeinschaft an, deren Mitgliedschaft kostenlos ist. „Solche schlimmen Fehler wie bei Opal dürfen sich nicht wiederholen“, meint Landwirt Schmick. Da würde es nicht nur um den geplanten Trassenverlauf gehen. „Bauleute sind doch keine Landwirte. Wenn diese unter Zeitdruck stehen, bauen sie auch bei schlechtem Wetter, egal ob es starke Niederschläge gibt. Da werden Schäden an Äckern und weiteren Flächen in Kauf genommen. Das wollen wir diesmal verhindern“, sagt Schmick. In einer Vereinbarung mit dem Unternehmen Gascade werden deshalb die Forderungen der Interessengemeinschaft fixiert, die neben einem sorgsamen Bau auch Wiederherstellung und Rekultivierung der Flächen betreffen.                                 

Auch Hermann Schmick ist der Ansicht: „Wir können den Bau von Eugal sicher nicht verhindern. Da gibt es seitens der Politik strategische Interessen. Doch wenn schon Riesen-Pipelines durch Äcker verlaufen, dann soll das für die Betreffenden nicht gravierende Nachteile haben.“

Text:  Dieter Hanke, 23.02.2018