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Er kennt die Gemeinde aus dem Effeff

Engagiert als Bauunternehmer und Gemeinderat: Günter Vogt aus Klipphausen

Günter Vogt könnte ein Buch über Klipphausen schreiben, gewissermaßen als Hobby-Chronist. Denn der 57-Jährige kennt die Gemeinde aus dem Effeff – deren Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten, Menschen, die die Dörfer mit prägen oder auch die reizvolle Landschaft in Klipphausen mit Fürstenbusch und Saubachtal. „Klipphausen ist mein Zuhause, hier fühle ich mich wohl und möchte mich für die Gemeinschaft mit einsetzen“, sagt der Bauunternehmer, der seit 1994 Gemeinderat ist und in seinem Haus auf der Schäferstraße in Klipphausen wohnt. Sicher könnte Günter Vogt da zunächst ein Kapitel des Buches über seine Kindheit verfassen. In Wilsdruff wurde er geboren, aufgewachsen ist er in Klipphausen, ging in die Sachsdorfer Grundschule, dann in die Oberschule in Wilsdruff, wo er seinen Zehn-Klassen-Abschluss machte und anschließend den Beruf als Schmied im Wilsdruffer Metallbau- und Schmiedebetrieb Hanschmann erlernte. „Es war eine wunderschöne Zeit“, erinnert sich der Klipphausener. Viele Erlebnisse und Eindrücke in seiner Kindheit hätten tiefe Spuren hinterlassen. So als er in der Neubauernstelle des Großvaters nach dem Zweiten Weltkrieg in Klipphausen schon frühzeitig mit Landwirtschaft und Handwerk vertraut wurde. Als er mit seinem Großvater Hohlblocksteine für den Bauernhof herstellte und bei Reparaturarbeiten an der Landwirtschaftstechnik mit half, als er bei Feldarbeiten auch Rüben verziehen und Unkraut hacken musste, aus Tierställen den Mist beräumte und den Umgang mit Pferden, Kühen und weiteren Tieren erlernte. Da gehört auch dazu, dass es zu Hause Donnerwetter gab, wenn er mit anderen Jungs im Fürstenbusch ein Lagerfeuer machte. „Wir kannten im Saubachtal jeden Esskastanienbaum, wussten auch genau, wo gute Pilzflecke sind oder Beeren wachsen“, sagt Günter Vogt.

Diese Geborgenheit in der Familie, der enge Kontakt zu vielen Menschen und auch die wunderbare Natur und Umgebung von Klipphausen hätten seine Entwicklung mit maßgeblich geprägt. „Es hört sich etwas abstrakt an, wenn allgemein von der Identität mit dem ländlichen Raum die Rede ist. Aber gerade diese enge Verbundenheit mit der Heimat und ihren Bewohnern weckt doch Stolz auf sie und hilft auch, wenn man sich als Kind oder Jugendlicher mal in Ansichten verrannt hatte und es da vertraute Personen gibt, die einem zur Seite stehen und sagen, wo es lang geht“, bemerkt der Klipphausener Gemeinderat.

Neue Herausforderung

Nach dem Lehrabschluss 1979 arbeitete er noch eine Zeit lang bei seinem Schmiedemeister in Wilsdruff und wechselte dann zur LPG „Rotes Banner“ in Röhrsdorf, wo er sich in der Technikwerkstatt in Klipphausen mit darum kümmerte, dass Anlagen und Ausrüstungen in Ställen und Weiden für Milchkühe, in der Bullen- und Broilermast sowie in der Schweinezucht funktionierten. In den 80er Jahren qualifizierte er sich noch zum Meister für Landtechnik und leitete dann die LPG-Werkstatt in Klipphausen.

Mit der Wende kam sein Entschluss, sich anderen Herausforderungen zu stellen. „Ich wollte etwas Neues wagen und da meine Kenntnisse, Ideen  und Erfahrungen einbringen. Günter Vogt machte sich mit einem Schacht- und Fuhrbetrieb selbstständig. Am 1. Januar 1991 startete er mit einem Mitarbeiter.  Zwei Laster W 50 aus der LPG konnte er erwerben. Mit Aufträgen klappte es. Tag und Nacht rollten Anfang der 90er Jahre seine Fahrzeuge mit Kies für die Erschließung des Gewerbegebietes in Kesselsdorf. Günter Vogt hatte eine Kiesgrube in Polenz gepachtet. Auch mit anderen Bauaufträgen machte sich sein Schacht- und Fuhrbetrieb in den folgenden Jahren einen Namen. Ob bei Erschließungsarbeiten für Eigenheime, bei Schachtarbeiten für Trink- und Abwassertrassen oder beim Bau von Kläranlagen, Straßen, Wegen und Plätzen, bei der Sanierung von Durchlässen und Teichen, der Pflasterung von Höfen oder beim Abriss von maroden Gebäuden und dem Transport von Schüttgütern – dieses mittelständische Unternehmen aus Klipphausen erwies sich stets als ein zuverlässiger Partner in der Region.

Viele Gebäude mit gebaut

An der Entwicklung von Klipphausen und weiterer Orte in der Gemeinde nach der Wende hat Günter Vogt mit seiner Firma einen guten Anteil. So baute der Schacht- und Fuhrbetrieb zum Beispiel mit die neue Grundschule und Kindertagesstätte in Sachsdorf, ebenso die neue Grundschule in Naustadt. Das neue Wohngebiet „Am Flachgrund“ in Klipphausen oder das Gewerbegebiet im Ort, wo Anfang der 90er Jahre die Erschließung begann, sowie der Schlossvorplatz in Klipphausen tragen ebenfalls die Handschrift dieses Unternehmens. „Es ist ein gutes Gefühl, mit dabei zu sein, wenn durch Neubauten und Sanierungen die Lebensbedingen für  Bürger verbessert werden und die Orte ein schöneres Aussehen erhalten“, bemerkt der 57-Jährige. Zurzeit ist er mit seinem Betrieb auch dabei, Hochwasserschäden an Brücken, Durchlässen, Teichen und Böschungen zu beseitigen.

Hauptsächlich Privateigentümer sowie Betriebe und Einrichtungen und die Gemeinde Klipphausen sind Auftraggeber für den Schacht- und Fuhrbetrieb. „Wir sind  fast ausschließlich in der Region tätig“, sagt Günter Vogt. Er freut sich, dass sein Unternehmen wirtschaftlich stabil dasteht und die Auftragslage zurzeit gut sei. Auf die Entschlammung und Sanierung von Teichen hat sich dieser mittelständische Betrieb besonders spezialisiert. So wurden zum Beispiel 2015 an die 1 800 Kubikmeter Schlamm aus dem Viehteich in Klipphausen entfernt. Im Vorjahr wurde der Schlossteich in Klipphausen wieder in Ordnung gebracht. Gegenwärtig sind die Bauleute am Feuerlöschteich in Röhrsdorf im Einsatz. 

Vier Mitarbeiter, die in der Region wohnen, gehören seit vielen Jahren diesem mittelständischen Unternehmen an. Etwa eine Million Euro hat Günter Vogt seit Bestehen des Betriebes in  Bagger, Fahrzeuge, Ausrüstungen wie Kernbohrgeräte und Schmutzwasserpumpe und weitere Technik investiert. Der Klipphausener schmunzelt: „Haben wir anfangs noch Baugruben mit Wasserwaage und einfachen Hilfsmitteln vermessen, so nutzen  wir heute dafür Lasertechnik.“ 

Über 20 Jahre Gemeinderat

Seit mehr als 20 Jahren engagiert sich Günter Vogt auch im Gemeinderat Klipphausen. „Ich möchte mich einbringen“, sagt er. Dass sich seit der Wende die Gemeinde erfolgreich entwickelt hat, über solide Finanzen verfügt und moderne Schulen, Kindertagesstätten, Feuerwehrhäuser und prosperierende Gewerbegebiete geschaffen hat, ist auch mit sein Verdienst als Gemeinderat.  „Ich schätze, dass wir uns im Gemeinderat offen die Meinung sagen, über den besten Weg für eine Sache streiten und dann auch gemeinsam hinter der Gemeindeverwaltung stehen, um das Beschlossene konsequent umzusetzen. Das hat sich bei uns bewährt“, bemerkt der 57-Jährige. Und der Gemeinderat habe auch Mut zum Risiko. Günter Vogt: „Etwas mulmig war es uns schon, als wir nach der Wende für den Bau der Schule und des Kindergartens in Sachsdorf oder des Gewerbegebietes hohe Kredite aufnehmen mussten, weil wir keine Fördermittel vom Freistaat bekamen. Doch wir haben das durchgezogen und sind jetzt auch entschlossen dabei, den Schulbau für die neue Evangelische Oberschule in der Gemeinde zu errichten.“

Vor allem auch im Technischen Ausschuss bringt sich der Klipphausener mit seinen Fachkenntnissen und Erfahrungen bei Bauangelegenheiten ein. Da ärgert es ihn, wenn der Landkreis Meißen oder auch Behörden des Freistaates die Selbstverwaltung und Kommunalhoheit der Gemeinde aushebeln. Günter Vogt nennt ein Beispiel. Im Ortsteil Weitzschen sei ein neues Haus mit einem Pultdach gebaut worden, obwohl sich der Gemeinderat dagegen ausgesprochen hatte, da in diesem Ort angrenzende Gebäude Spitzdächer aufweisen. „Das Landratsamt genehmigt aber das Pultdach. Das Ortsbild wurde so verschandelt.“

Selbstverwaltung ausgehebelt

Oder eine andere Sache. Er sei nicht damit einverstanden, dass der Regionale Planungsverband in Sachen Windkrafträder über die Belange der Gemeinde entscheidet. „Es kann doch nicht sein, dass berechtigte Anliegen von Bürgern aus Orten an der Baeyerhöhe, die zum Beispiel größere Abstandsflächen fordern oder sich gegen Mega-Windräder aussprechen, einfach ignoriert werden“,  sagt der Klipphausener. Es sei für ihn paradox, dass streng geschützte Vögel wie unter anderem Milane, die dort ihren Lebensraum haben, größere Chancen besitzen, dass hier Windrad-Standorte gekippt werden, als es die Einsprüche von Bewohnern vermögen. Der Gemeinderat spitzt zu: „Tiere sind in dieser Sache mehr wert als Menschen.“

Günter Vogt ist dafür bekannt, dass er kein Blatt vor dem Mund nimmt, wenn nach seiner Ansicht eine Sache nicht in Ordnung ist. Da kann er auch mal laut werden. „Jahrelang hat der Freistaat Sachsen den ländlichen Raum hintenangestellt. Klipphausen bekam keine Fördermittel für Kitas und Schulen. Die Bürokratie gegenüber den Gemeinden wurde immer schlimmer“, bemerkt er. Günter Vogt und seine Mitstreiter im Gemeinderat fragen sich: Warum stellt das Land den Kommunen nicht ausreichend Gelder für Investitionen zur Verfügung, die dann selbst entscheiden, was in ihren Territorien Priorität hat?

Eine weitere Sache macht ihn unzufrieden. Jetzt würde den Gemeinden die Digitalisierung in ihren Gebieten aufgebürdet. Günter Vogt ist dagegen der Ansicht, dass auf Bundesebene ein Ministerium für Digitales entstehen sollte, dass im Freistaat eine entsprechende Behörde als Ansprechpartner hat, die alles in Regie hat und dann zusammen mit den Städten und Gemeinden dieses wichtige Anliegen verwirklicht.

Günter Vogt ist kompetent, das einzuschätzen: „Generell war anfangs der 90er Jahre die Zusammenarbeit mit übergeordneten Behörden schneller und unkomplizierter. Da wurde gemeinsam nach besten Lösungen gesucht. Die Meinung des Gemeinderates hatte Gewicht, es gab ein Miteinander. Jetzt verstecken sich viele dieser Behörden hinter einem Wust an Vorschriften und Verordnungen, die oft an der Realität vorbeigehen, immensen Zeitaufwand mit sich bringen  und so die Arbeit von Gemeinderat und -verwaltung stark erschweren.“

Ärger über Nachlässigkeiten

Als Mitglied des Technischen Ausschusses fragt sich Günter Vogt beispielsweise auch, warum in Orten der Gemeinde von Bürgern nicht alte Gebäude in Vier- und Dreiseithöfen für Wohnzwecke ausgebaut oder modernisiert werden können, nur weil sie knapp im Außenbereich liegen. „Das Landratsamt verweigert da Baugenehmigungen. Im Nachbarlandkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge werden solche Anliegen viel bürgerfreundlicher behandelt“, sagt er.

Auch die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung sieht Günter Vogt sehr kritisch. Da wich er auch einem heftigen Streit vor einiger Zeit in Gemeinderat, Verwaltung und in den Dörfern nicht aus, als es um Notwendigkeit, Gelder und Aufwand für Unterbringung und Integration von Flüchtlingen ging. Die Wogen haben sich inzwischen wieder geglättet. Fürsprecher und Gegner in Sachen Asylpolitik haben sich ausgesprochen. „Die folgenden Monate haben da auch bei nicht wenigen Bürgern zu neuen Erkenntnissen geführt“, bemerkt Günter Vogt diplomatisch.

Auch Nachlässigkeiten ärgern ihn. So als abgelegte Weihnachtsbäume auf einem Feld in Klipphausen über Wochen liegenblieben oder als ein schiefes Ortseingangsschild keine Reaktion seitens der Verantwortlichen nach sich zog.

Bürgermeister Gerold Mann schätzt Günter Vogt als Unternehmer und Gemeinderat. „Sein Unternehmen hat sich seit der Wende gut entwickelt, er hat für Leute aus der Region Arbeitsplätze geschaffen“, bemerkt der Bürgermeister.  Für die Verwaltung und für Bürger in den Orten sei Günter Vogt ein kompetenter Ansprechpartner, der auch mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält. „Er ist ein erfahrener Gemeinderat, der mit weiteren engagierten Leuten unsere Gemeinde vorangebracht hat“, so der Bürgermeister. 

Spielt auch Volleyball

In seiner Freizeit hält sich Günter Vogt mit Sport fit. Er spielt Volleyball in einem Dresdner Verein, besucht aller 14 Tage mit seiner Frau einen privaten Tanzkurs in der Röhrsdorfer Gaststätte. Auch im Urlaub geht es sportlich zu. „Mit dem Wohnwagen sind wir da oft auf Achse“, sagt er. Mehrere europäische Länder habe er schon bereist. Seine Frau Beate (56), die als Physiotherapeutin in einem Krankenhaus arbeitet, und er lieben auf Reisen das Ungebundene, den engen Kontakt zur Natur. Auch in den  Vereinigten Staaten von Amerika und in Kanada seien sie schon gewesen. Namibia habe ihn besonders fasziniert, wo er mit dem Zelt unterwegs war. Noch heute liest er am Computer die Ausgaben der Deutschen Zeitung in Namibia. Auch die Azoren mit ihren wunderschönen Landschaften und den liebenswerten Menschen hätten ihn sehr beeindruckt.

Doch auch seine zwei Kinder und vier Enkel halten ihn auf Trab. Sein Sohn Henrik (31), Kfz-Elektroniker, und seine Tochter Karolin (35), die in einer Apotheke tätig ist, bauen jetzt ein altes Bauerngut in Riemsdorf aus, wo sie einmal mit ihren Familien leben möchten. „Da packe ich natürlich mit zu“, sagt Günter Vogt.

Text und Foto: Dieter Hanke, 01.03.2018