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Schnellere und wirksamere Hilfe

Eine Führungsstelle der Ortswehren der Gemeinde wird jetzt im Gerätehaus in Taubenheim eingerichtet, die bei Sturm, Hochwasser und anderen Katastrophen die Einsätze koordiniert.

Im Beamtendeutsch heißt es „Ortsfeste Befehlsstelle“ der Feuerwehren. Hinter dieser geschraubten Formulierung verbirgt sich aber eine Sache, die für die über 10 000 Bürger in den 43 Ortsteilen der Gemeinde Klipphausen sehr wichtig ist. Denn es wird jetzt eine Führungsstelle für die zwölf Ortswehren eingerichtet. „Bei Katastrophen durch anhaltenden Sturm sowie Hochwasser und anderen großen Schadensereignissen erfolgen in dieser örtlichen Leitstelle alle Auftragserteilungen und Koordinierungen für die Einsätze der Wehren und Helfer sowie die Dokumentation“, sagt Gemeindewehrleiter Manfred Kreißler. Der Sitz dieser Befehlsstelle ist das Feuerwehrgerätehaus in Taubenheim, das zentral in der Gemeinde Klipphausen liegt und dafür auch räumlich geeignete Voraussetzungen hat.

Hintergrund des Ganzen ist, dass damit die zentrale Rettungsleitstelle auf der Scharfenberger Straße in  Dresden, wo auch für die Landkreise Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Meißen alle Notfälle, Krankentransporte und Feuerwehreinsätze bei Bränden und Havarien disponiert werden, entlastet werden soll. Bei genannten Schadens-Großereignissen und weiteren Katastrophenfällen wird so den örtlichen Befehlsstellen der Feuerwehren in den Kommunen im Freistaat Verantwortung übertragen. „Damit sind für die Gemeinden und ihre Bürger wichtige Vorteile verbunden“, bemerkt der 51-jährige Gemeindewehrleiter. Denn neben der guten Kenntnis, die die Mitglieder der einzelnen Wehren von Straßen, Ortsteilen und konkreten Gegebenheiten vor Ort haben, können so auch rasch Hilfeleistungen erfolgen und auch auf drohende Gefahren reagiert werden. Das Technische Hilfswerk, die Bundeswehr oder andere Einsatzkräfte können dann beispielsweise bei Hochwasser von der örtlichen Befehlsstelle der Feuerwehren angefordert werden. Neben der Rettungsleitstelle in Dresden können auch die Gemeinde Klipphausen oder der Landkreis Meißen im Katastrophenfall die Alarmierung des Führungsstabes auslösen.

Funk und andere Technik

Im Freistaat Sachsen sind die einzelnen Kommunen bei der Einrichtung solcher örtlichen Befehlsstellen der Feuerwehren, was ein zentraler Auftrag der Landesregierung ist, bisher unterschiedlich vorangekommen. Manche laufen schon, andere, darunter auch Klipphausen sind noch dabei, dafür die Voraussetzungen zu schaffen. Das hängt generell auch davon ab, ob die Gelder zur Verfügung  stehen, ebenso auch die erforderliche Technik, ob die Mitglieder aus den Reihen der Feuerwehren für die Befehlsstelle ausgewählt und qualifiziert worden sind.

Die Einrichtung einer solchen Befehlsstelle ist nicht billig. Da müssen Funkgeräte vorhanden sein, Rechner, Laptops, Telefone, Faxgerät, Drucker, Monitor, Beamer, Notstromaggregat und andere Technik. Internetverbindung und interne Datennetze müssen gut funktionieren, auch Büroausrüstungen gilt es anzuschaffen.

„Allein die Funktechnik und deren Einbau für unsere Befehlsstelle im Feuerwehrgerätehaus Taubenheim kostete bisher 8 900 Euro“, sagt Stefan Hanschmann, stellvertretender Gemeindewehrleiter und Mitglied der Feuerwehr Taubenheim. Diese Kosten werden zu 75 Prozent vom Freistaat Sachsen gefördert. Doch die weiteren finanziellen Ausgaben für die neuen Geräte und Einrichtungen muss die Gemeinde allein tragen. „An die 6 000 Euro kamen da schon zusammen, mehrere tausende Euro werden noch nötig sein“, bemerkt Stefan Hanschmann.

 Anfang Mai fertig

Ein Teil der Technik für die Befehlsstelle im Feuerwehrgerätehaus Taubenheim wurde schon aufgestellt und installiert, andere Anlagen und Geräte folgen in den nächsten Wochen. Insgesamt drei Räume werden für den Einsatzstab benötigt. Das Gemeindewehrleiterzimmer ist jetzt der Funkraum, der große Versammlungsraum ist für den Einsatzstab vorgesehen, und das Ortswehrleiterzimmer soll für interne Beratungen der Führungskräfte genutzt werden.

Einige der Kameraden, die für die Befehlsstelle in Taubenheim vorgesehen sind, wurden bereits in der Feuerwehr Meißen an der neuen Software ausgebildet. Für andere ist die Schulung geplant. „Wenn alles klappt, soll Anfang Mai dieses Jahres die Befehlsstelle einsatzbereit sein“, sagt der Gemeindewehrleiter.

Doch was im Ernstfall für die Bürger in der Gemeinde von Vorteil ist, hat seinen Preis. Die Gemeinde Klipphausen hat in den vergangenen Jahren schon Millionen Euro in neue Feuerwehrgerätehäuser und Fahrzeuge sowie Ausrüstungen investiert, damit bei Bränden und Havarien Leben sowie Hab und Gut der Bürger geschützt werden. Im Vorjahr kam zum Beispiel das neue Gerätehaus in Robschütz für über eine halbe Million Euro hinzu. Für 18 000 Euro wurden 250 neue Funkmeldeempfänger für die Feuerwehrleute in den Ortswehren angeschafft. „Die Gemeinde und die Ortswehren hätten es sich da gewünscht, dass der Freistaat Sachsen generell alle Kosten für die neue Befehlsstelle der Feuerwehren übernimmt und diese nicht der Kommune aufbürdet“, bemerkt Manfred Kreißler, der seit 2011 Gemeindewehrleiter ist.

Neue Herausforderungen

In Sachen Befehlsstelle müssen die Feuerwehrleute der Ortswehren neue Anforderungen meisten, was ihr Engagement im Ehrenamt vor neue Herausforderungen stellt. Denn allein im Katastrophenfall werden für eine acht- bis zwölfstündige Schicht von Einsatzkräften in der Befehlsstelle sechs bis acht Personen benötigt, die dann in den Ortswehren nicht zur Verfügung stehen. „Schon jetzt ist es nicht leicht, immer die volle Einsatzbereitschaft der Kameraden in den Ortswehren bei Einsätzen am Tag zu gewährleisten“, sagt der Gemeindewehrleiter. Sein Stellvertreter Stefan Hanschmann ergänzt, dass auf die Kameraden immer weitere Aufgaben zugekommen sind. So rücken Wehren der Gemeinde zum Beispiel auch bei Unfällen und Havarien auf der A 4/A 14  aus, und zwar im Abschnitt von Nossen bis zum Autobahndreieck Dresden-West.

Dank für Engagement

Zu Recht dankt deshalb Bürgermeister Gerold Mann den Feuerwehrleuten in den Ortswehren für ihr Engagement. Dieses belegen auch statistische Angaben zum Vorjahr, die jetzt Gemeindewehrleiter Manfred Kreißler darlegte. Den zwölf Ortswehren in der Gemeinde gehören gegenwärtig 370 Kameraden an, davon sind 256 aktiv und 114 gehören den Alters- und Ehrenabteilungen an. Im Vorjahr rückten die Wehren zu insgesamt 111 Einsätzen aus, davon 13 Mal zu Bränden und 86 Mal zu technischen Hilfeleistungen. Es gab auch eine Tierrettung. Ein Hund fand im Eichhörnchengrund nicht mehr aus einem Dachsbau heraus und musste von den Feuerwehrleuten aus vier Metern Tiefe ausgebuddelt werden. Bei den 111 Einsätzen im Vorjahr waren insgesamt 1 170 Kameraden beteiligt, und es wurden 1 575 Stunden geleistet. In Sachen Ausbildung stehen 9 465 Stunden zu Buche. Wie der Gemeindewehrleiter weiter informierte, bestehen sechs Jugendfeuerwehren, und zwar in Klipphausen, Röhrsdorf, Scharfenberg, Taubenheim, Burkhardswalde und in Tanneberg-Rothschönberg. Ihnen gehören insgesamt 96 Mädchen und Jungen an. „Erfreulich ist, dass es 20 Kinder mehr gegenüber 2016 sind“, so Manfred Kreißler. Die Mitglieder der Jugendfeuerwehren haben im Vorjahr insgesamt über 7 800 Ausbildungsstunden absolviert.

Text und Foto: Dieter Hanke, 23.03.2018