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Spannendes Duell am Müller-Stammtisch

Die vielen Besucher hatten bei der Eröffnung des Mühlentages in der Wetzelmühle großen Spaß: Landrat Arndt Steinbach und Bürgermeister Gerold Mann wetteiferten beim Brettspiel Mühle. Die Jubiläums-Mühlenfeste fanden großartige Resonanz

Auch das herrliche Sonnenwetter passte genau zum Jubiläums-Mühlentag, dem nunmehr 25. Tausende Besucher waren Pfingstmontag im Triebisch- und Saubachtal und im Eichhörnchengrund unterwegs, um den traditionsreichen Mühlen ihre Reverenz zu erweisen. Die Triebischtaler Mühlengemeinschaft und die anderen Mühlenbesitzer hatten wieder für ihre großen und kleinen Gäste ein vielfältiges Programm vorbereitet, das groß ankam. Ob die jahrhundertealte Mühlengeschichte, die faszinierende Technik bei Führungen, ob kulturelle Einlagen und regionale Köstlichkeiten – es war wieder ein Tag, an dem die Menschen viel Freude hatten. Sie erlebten, was Flair und Romantik einer Mühle ausmachen, erfuhren, wie sich die Mühlenbesitzer liebevoll um den Erhalt der technischen Denkmale aus vergangener Zeit bemühen, und sie genossen vor allem auch Gemütlichkeit und Entspannung. Denn die Müller setzten nicht auf Kommerz: Miteinander, Heimatverbundenheit und fröhliches Treiben standen im Vordergrund. Und die Straße durchs Triebischtal gehörte am Pfingstmontag meist den Radlern, denn viele Familien mit ihren Kindern waren da auf Tour von Mühle zu Mühle.

Origineller Auftakt

Der Meißner Landrat Arndt Steinbach, der bei der Eröffnung des 25. Mühlentages in der Gemeinde Klipphausen im Appenhof (Wetzelmühle), zugegen war, fand deshalb auch anerkennende Worte: „Es ist toll, was die Mühlenbesitzer wieder so alles auf die Beine gestellt haben.“ Und Mühlen-Schirmherr, Klipphausens Bürgermeister Gerold Mann, knüpfte hier an und dankte der Triebischtaler Mühlengemeinschaft und den anderen Mühlenbesitzern, ihren Familien, Freunden und den vielen weiteren Helfern für ihr Engagement und den Willen, den Menschen wieder schöne, abwechslungsreiche Stunden zu bereiten.

Die beiden Kommunalpolitiker hatten da zugleich auch für einen originellen Auftakt des diesjährigen Mühlentages gesorgt. Denn sie trugen im Appenhof, was schon guter Brauch zur Eröffnung zum Mühlentag ist, einen Wettstreit aus. Diesmal gab es ein spannendes Duell am neuen Müller-Stammtisch im Hof, und zwar beim Brettspiel Mühle.

Nachdem beide Kontrahenten zunächst gleichauf lagen, was stimmungsvoll von den vielen Zuschauern verfolgt wurde,  entschied dann knapp der Landrat die Partie für sich. „Diesmal habe ich verloren. Doch der Wettstreit geht weiter, ich werde vorher auch mehr üben“, scherzte Bürgermeister Gerold Mann und musste als Verlierer das Lied „Das Wandern ist des Müllers Lust“ anstimmen, was alle begeistert mitsangen.

Im Blick: Müller-Stammtisch

Dann schlenderten die Besucher durch das Gelände des Appenhofes und erfreuten sich auch an den zahlreichen kunstgewerblichen Details, welche mit dieser Mühlenanlage aus dem Jahr 1556, in der 1960 das letzte Mal Mehl gemahlen wurde,  sowie der Natur eine wunderbare Einheit bilden. Es gab auch eine Ausstellung mit Aquarellen einer Leipziger Künstlerin sowie Stände, wo alte Handwerkstechniken demonstriert wurden. So spann Ingrid Türke aus Sachsdorf am Spinnrad einen guten Faden aus Alpaka-Wolle, auch Katrin Kuban aus Tanneberg, die das gleiche Hobby pflegt, hatte da viele aufmerksame Zuschauer. Wie gutes Klöppeln funktioniert, zeigte Christa Richter aus dem  Erzgebirge, und Imker Wilmar Enkelmann aus Gauernitz, der in ein lustiges Kostüm der Biene Maja geschlüpft war, erzählte Wissenswertes über die Imkerei und seine 18 Bienenvölker.

Im Blick waren an diesem Tag im Appenhof auch die vielen Tiere. Die Besitzer des Anwesens Peter Heilsberg und Silke Langer haben in den vergangenen sieben Jahren nicht nur das Gehöft weiter saniert, sondern hier auch einen Ort geschaffen, wo Seminare und Veranstaltungen mit Bildender Kunst und Kunsthandwerk sowie Naturerlebnisse mit im Vordergrund stehen. „Wir haben fünf Schafe, drei Laufenten, drei Hühner, vier Schweine, sieben Pfauen, drei Katzen, sieben Kaninchen und fünf Meerschweinchen“, erzählte die elfjährige Tochter Hermine voller Stolz.

Nicht wenige Besucher ließen sich Kaffee und Kuchen munden. Die Familie und Helfer der Mühlenbesitzer sorgten für ein gemütliches Verweilen der zahlreichen Gäste. „Wir hatten sehr viele Kuchen gebacken“, bemerkte die 70-jährige Regine Heilsberg.

Nich wenige der Besucher nahmen auch mal am neuen Müller-Stammtisch im Hof Platz. Die 2,70 Meter lange, etwa einen Meter breite und an die zehn Zentimeter dicke Tischplatte aus Eichenholz ist gewissermaßen ein neues Symbol für die enge Gemeinsamkeit der Triebischtaler Mühlengemeinschaft. Peter Heilsberg, der als Sozialpädagoge in Radebeul arbeitet, gab da Einblick.

Bei einem Sturm im Vorjahr war im Grundstück des Miltitzer Mühlenbesitzers Alexander Bartsch eine alte Eiche umgefallen. Dieser hatte die Idee, daraus mit der Mühlengemeinschaft einen Holz-Stammtisch anzufertigen. Alexander Bartsch und Markus Flade, der Besitzer der Preiskermühle, bearbeiteten das Holz. Steinmetz Dieter Vogt, Besitzer der Neidmühle in Roitzschen, formte die Standbeine des Tisches aus Sandstein. Dieser stammt von der vom Hochwasser zerstörten Hufwegbrücke im Triebischtal. Das Fundament im Boden fertigte Uwe Riße, Besitzer der Buschmühle, an. „An diesem Stammtisch werden wir sicher noch viele weitere Vorhaben in der Mühlengemeinschaft besprechen“, sagte Peter Heilsberg. Auch Mühlenkater Alfred, das Maskottchen der Müller, hat sich auf dem Tisch verewigt. Seine Pfotenabdrücke sind im Holz gut erkennbar.

„Ich freue mich, dass unsere Bemühungen zum Mühlentag mit so einem guten Besuch belohnt worden sind“, sagte Appenhof-Besitzerin Silke Langer. Für sie und ihren Partner sei der Appenhof mit seiner kulturellen Ausstrahlung ein guter Ausgleich zum Beruf. Sie fährt täglich zur Arbeit nach Leipzig, wo sie seit vielen Jahren im Diakonissenkrankenhaus als Chirurgin in der Notaufnahme tätig ist.

Buntes Markttreiben

Auch an den anderen Orten war bei der 25. Neuauflage der Mühlen-Präsentation allerhand los. Kurzweil hatten ebenso die Besucher in der Mühle Miltitz, wo es unter anderem ein buntes Markttreiben, ein Hoffest mit Musik und kulinarischen Genüssen und anderes mehr gab. Mit dabei waren zum Beispiel da die Kräutergärtnerei von Heike Dietrich aus Schönnewitz in Käbschütztal oder Anna-Theresa Schmidt mit der KolaKao-Manufaktur aus Batzdorf. Besonders auch die Führungen in der noch heute produzierenden Miltitzer Getreidemühle waren stark nachgefragt, so dass es mitunter sogar Warteschlangen gab. Mutige Kinder überquerten die Triebisch, und Mühlenesel Emil war bei den Kindern oft Fotomodell. Guten Zuspruch hatte auch Silke Kirchhoff aus Meißen. Sie zauberte den Kindern wundervolle Bilder ins Gesicht. Beim Schminken war das Einhorn der Favorit.

Ronny Thielemann, Anlagenfahrer aus Coswig, war einer der vielen Helfer des Miltitzer Mühlenteams. „Es macht Spaß, da mitzumachen, wenn man die Begeisterung der vielen Besucher erlebt“, sagte der 45-Jährige. Susanne Bartsch, die als Sprechstundenschwester in einer Dresdner Zahnarztpraxis tätig ist, bemerkte, dass an diesem Tag etwa 30 Helfer Unterstützung gaben.

Interessantes aus der Chronik

Markus Flade, der Besitzer der Preiskermühle in Semmelsberg, hatte wieder mit seinem bewährten Konzept der Beschaulichkeit und Wissensvermittlung Erfolg. Gondeln auf dem Teich sowie Entspannung im Schankgarten und in Liegestühlen wussten zu gefallen. Besonders interessiert zeigten sich die Gäste über Geschichte und Werdegang dieser ehemaligen Wassermühle, die 1548 erbaut wurde. Fotos und Auszüge aus der Masterarbeit von Markus Flade über die Preiskermühle und weitere Dokumentationen waren da sehr aufschlussreich. „Im Gaubenhaus sind wir beim Ausbau im Erdgeschoss in der Endphase. Dort sollen mal Ausstellung und Büro unserer Holzrestaurierungs-Werkstatt ihren Sitz haben“, bemerkte Markus Flade, dessen großer Traum es ist, mit seiner Familie auch ein Café in der Mühle einzurichten.

Imposante Mühlentechnik

In der Barthmühle in Garsebach  (ab frühem 17. Jahrhundert) waren unter anderem kulinarische Spezialitäten wie Gurkensuppe, Plinsen und Wildgulasch sowie Live-Musik ein Renner. „Wir kamen kaum mit dem Backen von Plinsen nach“, sagte Anett Riße-Schulz, die mit ihrer zehnjährigen Tochter Elisa einen Stand betreute. Auch die Oldtimer-Schau interessierte viele Besucher.

In der denkmalgeschützten Mittelmühle von 1863 war der 32-jährige Mühlenbautechniker und Müllermeister Martin Müller genau der Fachexperte, um den Besuchern bei Führungen dieses Produktionsdenkmal vorzustellen. Noch bis 1972 war diese Kleinmühle in Betrieb gewesen. Den Gästen imponierte das Holzgebälk, die historischen Anlagen in den drei Geschossen - so die Haupttransmission im Erdgeschoss, der Walzenstuhl und der Schrotgang im mittleren Geschoss sowie oben der Sichterboden, wo einst das Mehl und andere Produkte gesiebt wurden. Martin Müller unterstützte an diesem seinen Vater Reinhard Müller, der langjähriger Eisenbahner ist, um den Gästestrom in guten Bahnen zu lenken. Denn sonst arbeitet der 32-Jährige als Müllermeister in der nahen Fichtenmühle in Garsebach, wo ebenfalls an diesem Tag allerhand Trubel herrschte. In der Fichtenmühle werden noch jährlich, wie Martin Müller sagte, an die 800 bis 1 000 Tonnen Weizen-, Roggen- und Dinkelmehl produziert.  Auffallend auch das Bemühen der Familie Müller und ihren Helfern, den Gästen in der Mittelmühle leckere Kuchen und anderes anzubieten.

Gemütlich und beschaulich

Geschätzt von den Besuchern wurde auch, was Mühlenbesitzer Roland Gehrke mit seiner Familie und Helfern in der Hesselmühle in Klipphausen, die 1501 erbaut und damit die älteste Mühle im Saubachtal ist, wieder organisiert hatte. Die gemütliche Atmosphäre im Grundstück und am angrenzenden Park des Klipphausener Schlosses war maßgebend mit sein Verdienst. Fischbrötchen und geräucherte Forellen waren nach dem Geschmack der Besucher, die sich auch über moderate Preise für Speisen und Getränke freuten. Bäckermeister auf Zeit war da an diesem Tag in der Hesselmühle Axel Knöfel, der sonst als Lagerist in der Sächsischen Haustechnik arbeitet. Der 37-Jährige betreute den Ofen im Garten und stellte Zwiebeltaler und Dinkelbrote her, die guten Absatz fanden.

Die Bilanz des Mühlentages 2018 in der Gemeinde Klipphausen ist damit noch nicht vollständig. Auch in den anderen Mühlen gab es tolle Angebote, und die geschichtsträchtigen Bauten standen im Mittelpunkt des Interesses der Bürger.

„Der Jubiläums-Mühlentag war ein großes Ereignis für viele Besucher. Dank dafür allen Organisatoren“, sagte Thomas Kunz, der  Eigentümer der restaurierten Lehmannmühle in Klipphausen und zugleich Geschäftsführer des Sächsischen Mühlenvereins ist. Allein 450 Leute waren am Montag zu Führungen in den historischen Fachwerkbau an der Wilden Sau gekommen.

Text und Fotos: Dieter Hanke, 21.05.2018