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Röhrsdorfer Betrieb auf Erfolgskurs

Die Baier Antriebstechnik und Metallbau GmbH, die seit 26 Jahren besteht, baute jetzt zwei neue Hallen und investierte 1,6 Millionen Euro.

Der Ausspruch von Franz von Assisi, des Gründers des Ordens der Franziskaner, der auf der Einladung zum kürzlichen 26-jährigen Betriebsjubiläum der Baier Antriebstechnik und Metallbau GmbH gedruckt war, ist symptomatisch für dieses Unternehmen in Röhrsdorf: „Tu erst das Notwendige, dann das Mögliche, und plötzlich schaffst du das Unmögliche“.  Denn aus der im März 1992 gegründeten Firma wurde bis heute ein leistungsstarkes Unternehmen mit 35 Beschäftigten, das nicht nur in Klipphausen und in ganz Sachsen, sondern deutschlandweit einen guten Ruf hat. „Darauf sind wir stolz“, sagte Gesellschafter und Geschäftsführer Uwe Mettcher. 

Modernes Hochregallager

Zum Firmenjubiläum, an dem 250 Teilnehmer dabei waren, wurden auch gleichzeitig die neuen Betriebsgebäude eingeweiht, und zwar zwei je 600 Quadratmeter große Hallen, die miteinander verbunden sind. 1,6 Millionen Euro wurden in den Erweiterungsbau investiert, mit dem nicht nur Produktionsabläufe und Materiallagerung effektiver gestaltet, sondern auch besser auf steigende Kundenaufträge und -wünsche reagiert werden kann. Zum Neubau gehören zum Beispiel auch ein supermodernes Hochregallager, das automatisch befahren werden kann, sowie für 350 000 Euro ein neues Fünf-Achs-Stabbearbeitungszentrum, das die Effektivität steigert und zugleich mehr Möglichkeiten bei der Bearbeitung von Aluminiumprofilen bietet. Uwe Mettcher dankte allen am Bau Beteiligten für ihre Arbeit, ebenso der Landkreisverwaltung und der Gemeinde Klipphausen für ihre engagierte Unterstützung des Vorhabens.

Türen und Schiebeläden

Das Röhrsdorfer Unternehmen hat sich auf die Entwicklung, Produktion und Montage von bewegenden Fassadenelementen spezialisiert. Neben dem klassischen Leichtmetallbau gehören Eingangsanlagen-Automatiktüren, Schiebeläden als Sonnen- und Witterungsschutz, Schiebefenster und -wände, Antriebstechnik, Dachfensterrollläden und Türzargen zum Leistungsprogramm. Neben Aluminium kann da bei den individuellen Bauvorhaben auch ein Materialmix von Holz, Glas und Stein eingesetzt werden. Besonders bewährt hat sich, dass sich der Röhrsdorfer Betrieb auf „eine Kombination aus Leichtmetallbau und Antriebstechnik spezialisiert hat“, wie Geschäftsführer Uwe Mettcher sagte, die auch einen guten Kundendienst mit einschließe. Das zahle sich im harten Wettbewerb der Branche aus. Bauherren, Architekten  und Bauunternehmen, die Einkaufsmärkte und Einkaufszentren errichten, wissen das zu schätzen. Besonders Großkunden wie Handelsketten, für die die Baier Antriebstechnik und Metallbau GmbH vor allem tätig ist, sind hier gute Partner.  Bei Objekten von EDEKA, REWE, Penny, Netto und weiteren Handelsunternehmen geht es da um Neubau oder die Sanierung bestehender Anlagen.  Der Einzugsbereich des Röhrsdorfer Betriebes erstreckt sich da nicht nur auf Meißen, Dresden, das Erzgebirge, die Lausitz und andere Gebiete in Sachsen, sondern auch auf Thüringen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Berlin, auf Nürnberg und weitere Orte in Bayern sowie auf andere Gebiete in Deutschland. Die Röhrsdorfer betreiben keine Serienproduktion, sondern fertigen Anlagen nach Maß auf Kundenwunsch, die von den Monteuren in firmeneigenen Fahrzeugen ausgeliefert und vor Ort installiert werden. 

Ein Gemeinschaftswerk

„Baier Metallbau hat sich durch sein innovatives Vorgehen nicht nur im Landkreis Meißen, sondern weithin in Deutschland einen guten Namen gemacht. Dafür sagen wir ein großes Dankeschön“, bemerkte der Meißner Landrat Arndt Steinbach (CDU), der zur festlichen Veranstaltung anlässlich des Firmenjubiläums mit anwesend war. Auch Klipphausens Bürgermeister Gerold Mann würdigte dort Engagement und Tatkraft von Geschäftsleitung und Mitarbeitern des Betriebes. „Die Unternehmensgeschichte ist zugleich ein anschauliches Beispiel, wie nach der Wende erfahrene Unternehmer aus dem Westen mit Rat, Know-how und finanziellen Mitteln beim Aufbau halfen“, bemerkte der Bürgermeister.

Denn was in Röhrsdorf geschaffen wurde, „ist ein Gemeinschaftswerk von Menschen aus Ost und West“, wie Dieter Baier, Geschäftsführer des Stammbetriebes in Renchen-Ulm (Baden-Württemberg), zum Firmenjubiläum sagte. „Wir wollten etwas Neues schaffen und etwas für die Zukunft aufbauen“, meinte der 49-Jährige. Das sei auch das Motto seines vor kurzem verstorbenen Vaters Paul Baier gewesen, der sich engagiert um die Ansiedlung und Entwicklung der Baier GmbH in Röhrsdorf gekümmert hat. Marode Gebäude eines ehemaligen Vierseithofes im Ort wurden saniert, es entstanden moderne Wohnungen sowie Produktions- und Lagerkomplexe und Büro.

Ein nicht leichter Anfang

Ein anschauliches Bild von damals bis heute skizzierte Uwe Mettcher zum Firmenjubiläum. Er hatte 1993 als Außendienstmitarbeiter in Röhrsdorf angefangen. „Mit Rainer Krause als Monteur haben wir Automatiktüren montiert. Unser Lagerraum war damals ein Kellerraum im Gebäude an der Straßenseite, unser Büro war in einem Wohnzimmer einer leerstehenden Wohnung. Die Küche und das Schlafzimmer wurden von Monteuren aus Renchen-Ulm genutzt, die beim Aufbau des Werkstattgebäudes geholfen haben.“ Die Rahmenelemente und Automatiktürflügel seien damals noch im Betrieb in Renchen-Ulm produziert worden. „Die Antriebe für die Türen haben wir mit einer Handkreissäge auf dem Hof zugeschnitten und bestückt, teilweise auch erst auf der Baustelle“, bemerkte Uwe Mettcher, der 1969 in Lauchhammer geboren wurde und in Ruhland aufwuchs. Mit der Fertigstellung der Werkstatt in der ehemaligen Scheune wurde auch der erste Maschinenpark zur Herstellung von Alu-Glas-Elementen  und Automatiktüren installiert.

„Die ersten Jahre des Aufbaus waren nicht einfach“, so Uwe Mettcher. Er sei gelernter Werkzeugmacher mit Berufserfahrung im Werkzeugbau gewesen, aber nicht im Verkauf von Automatiktüren. „In kleinen Schritten konnten wir damals die ersten Kunden gewinnen.“ Als alles einigermaßen funktionierte, hätte es einen herben Rückschlag gegeben. Der damals größte Kunde musste Insolvenz anmelden, was für den Röhrsdorfer Betrieb erheblichen finanziellen Schaden nach sich zog. „Paul und Dieter Baier haben jedoch an uns geglaubt und die Firma mit finanziellen Mitteln am Laufen gehalten“, sagte Uwe Mettcher, der seit 2000 Geschäftsführer des Röhrsdorfer Betriebes ist.

Über 30 Lehrlinge ausgebildet

Mit Fleiß, Beharrlichkeit, Innovationen sowie der Unterstützung des Stammbetriebes, zum Beispiel auch beim Anlernen von Mitarbeitern und der Ausbildung von Lehrlingen, entwickelte sich das Röhrsdorfer Unternehmen stetig. Aus dem anfänglichen bloßen Verkauf und der Montage von Erzeugnissen wurde ein Unternehmen, das heute nicht nur weitgehend selbstständig und keine verlängerte Werkbank des Stammbetriebes in Renchen-Ulm ist, sondern auch mit neuen Erzeugnissen in der Produktion und Forschungsleistungen auf sich aufmerksam macht. Davon künden auch 2008 der Einstieg in den Bereich Sonnenschutz, hier speziell die Herstellung und Montage von Schiebeläden, ferner die Entwicklung projektbezogener Profile, der Ausbau des Servicebereiches oder die erste größere Betriebserweiterung im Jahr 2010, wo 600 Quadratmeter Lagerfläche hinzu kamen. Bis zu diesem Zeitraum war die Belegschaft auf 24 Mitarbeiter angestiegen, heute sind es über 30. Zur Erfolgsgeschichte gehört auch, dass bisher insgesamt 30 Lehrlinge im Betrieb ausgebildet worden sind, hauptsächlich Metallbauer-Konstruktionstechnik (gegenwärtig gibt es zwei Lehrlinge im Betrieb). 13 der heutigen Mitarbeiter haben im Röhrsdorfer Unternehmen gelernt.

Firmen der Region einbezogen

„Wir  freuen uns gemeinsam mit den Röhrsdorfer Beschäftigten über diese großartige Entwicklung. Unsere gemeinsamen Anstrengungen haben sich gelohnt“, sagte der Geschäftsführer des Stammbetriebes in Renchen-Ulm Dieter Baier. Er hob die stabile wirtschaftliche Lage des Röhrsdorfer Betriebes und dessen gute Auftragslage hervor. Hätte der Umsatz vor zehn Jahren noch etwa 750 000 Euro im Jahr betragen, läge er heute bei über fünf Millionen. Auch der Leiter der Konstruktionsabteilung im Stammbetrieb, Klaus Braxmeier, würdigte die Kreativität der Röhrsdorfer Kollegen. „Diese entwickeln jetzt zum Beispiel ein einbruchhemmendes Automatiktürflügelsystem, was in Kürze in die Prüfung geht. Im Automatiktürbereich setzen sie damit Maßstäbe in Deutschland“, sagte der 52-Jährige. Die Röhrsdorfer werden zudem noch an einem künftigen Forschungsprojekt mitarbeiten, das vom Land Sachsen gefördert wird. Dabei soll ein thermisch getrenntes Schiebeladensystem und ein thermisch getrenntes Faltladensystem entwickelt werden.

Das enge Miteinander von Ost und West zeigte sich auch darin, dass an die 70 Mitarbeiter des Stammbetriebes aus Baden-Württemberg zum Firmenjubiläum nach Röhrsdorf gekommen waren, ebenso Abordnungen aus Bativitre in Frankreich und der Firma Baier GmbH Jasiona in Polen. Als Präsent für die Röhrsdorfer Belegschaft zum Betriebsjubiläum überreichte Geschäftsführer Dieter Baier Bretter mit einer schönen Maserung für Speisen. Sie stammen aus den Stämmen eines Apfel- und eines Birnbaumes, die auf dem Firmengelände in Röhrsdorf standen. Eine Enkelin der Familie Baier, die im dritten Lehrjahr ihrer Ausbildung zum Schreiner ist, hatte ein Exemplar für jeden Mitarbeiter angefertigt.  

Bei einem Rundgang nahmen die Gäste auch die neuen Hallen in Augenschein. In dem linken Gebäude, dem neuen Lager, sind jetzt die unterschiedlichsten Aluminiumprofile untergebracht, in insgesamt 180 Fächern a 500 Kilogramm. Vorteile: Die Lagerkapazität hat sich dadurch im Vergleich zu einst um etwa ein Drittel vergrößert, und die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter wurden verbessert. Vom Gebrauchtgerätezentrum Jungheinrich aus dem Gewerbegebiet Klipphausen stammt diese Ausrüstung in der Halle. „Wir haben beim Neubau der zwei Hallen weitgehend Firmen aus der Region eingesetzt“, sagte Uwe Mettcher.

In der zweiten neuen Halle werden die produzierten Anlagen zusammengestellt. Das Gebäude wurde so konzipiert, dass die Fahrzeuge bis in die Halle fahren können, was vor allem auch bei Regen und Schnee eine große Erleichterung für die Monteure ist. Auch der Ausstellungsbereich der Firma wird in dieser Halle künftig sein Domizil haben.

Der Firmenchef hofft, dass die weitere Modernisierung des Betriebes auch ein Anreiz für junge Leute ist, eine Lehre in Röhrsdorf aufzunehmen. „Wir benötigen vor allem weitere Metallbauer-Konstruktionstechnik“, bemerkte er.

Harmonische Nachbarschaft

Zum Firmenjubiläum waren auch Röhrsdorfer Bürger eingeladen, die in unmittelbarer Nachbarschaft des Betriebes leben. „Es gibt ein harmonisches Miteinander. Das Unternehmen hat sich gut im Dorf integriert. Wir freuen uns auch sehr, dass aus einem verfallenen Vierseithof so ein Schmuckstück wurde“, sagte der 70-jährige Roland Dachsel. Und Nachbar Andreas Uhlmann verwies noch auf eine anderen Vorteil. „Viele Leute aus der Region haben in diesem Unternehmen ihren Arbeitsplatz“, sagte der Bauhofleiter der Gemeinde Klipphausen.

Für nicht wenige Mitarbeiter des Betriebes war dieses Jubiläum auch ein Anlass, vergangene Jahre Revue passieren zu lassen und die eigene Entwicklung in das Blickfeld zu rücken. „Die Arbeit hier ist sehr abwechslungsreich, wir haben engen Kontakt zu den Kunden“, sagte Jan Kellner (33) aus Röhrsdorf. Seit elf Jahren in diesem Unternehmen ist Daniel Schneider, Projektleiter für Schiebeläden, der hier einst im Betrieb seine Lehre zum Technischen Zeichner gemacht hat. „Mir gefällt vor allem, dass ich mich  gut einbringen kann, um auch interessante neue Fassadenlösungen zu präsentieren“, bemerkte der 31-Jährige.

Ehrung mit Landkreismedaille

Luise Baier, die mit weiteren Familienangehörigen zum Jubiläum des Röhrsdorfer Betriebes gekommen war, zeigte sich sehr erfreut über die Entwicklung des Unternehmens. „Für meinen vor wenigen Wochen verstorbenen Mann Paul Baier war es eine Herzensangelegenheit, dass hier ein stabiler Betrieb entsteht. Als geschäftsführender Gesellschafter im Röhrsdorfer Unternehmen hinterlässt er ein Lebenswerk, das von den Mitarbeitern engagiert fortgeführt wird“, sagte die 71-Jährige. Sie nahm die ihren Mann zugedachte Auszeichnung mit der Landkreis-Ehrenmedaille entgegen.

Der Röhrsdorfer Betrieb muss jetzt noch einen weiteren Schicksalsschlag verkraften. Kurz nach dem Jubiläum des Unternehmens kam ein langjähriger Mitarbeiter, der im Unternehmen gelernt hatte, bei einem Verkehrsunfall ums Leben. „Das hat uns alle sehr betroffen gemacht“, sagte  Eva Mettcher von der Geschäftsführung der Baier GmbH. Das Unternehmen  und die Beschäftigten hätten ihn für sein Auftreten und seine Leistungen sehr geschätzt.

Text Dieter Hanke, Fotos Baier GmbH; Dieter Hanke; Luftbildaufnahme Baier GmbH; 29.05.2018