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Ein Malermeister setzt Akzente

Christian Lucius aus Hühndorf begeht sein 25-jähriges Betriebsjubiläum und ist auch für sein Engagement für das Allgemeinwohl bekannt.

Grün ist seine Lieblingsfarbe. „In der Natur habe ich schon weit über 100 grüne Schattierungen entdeckt. Fantastisch.“ Malermeister Christian Lucius aus Hühndorf schwärmt von dieser Farbe. „Sie ist für das Auge gut, entspannt. Grün steht für Wachstum, Natur und Hoffnung“, sagt der 58-Jährige. Als Malermeister heutzutage würde es nicht nur um Qualität und Termintreue gehen. „Das ist gewissermaßen unabdingbar. Doch das Gespräch mit den Kunden, die Beratung sind genauso wichtig und schaffen Vertrauen“, bemerkt der Hühndorfer. Am 1. Juli dieses Jahres hat er 25-jähriges Betriebsjubiläum.

Hufeisen gab Ausschlag: Dass er den Malerberuf erlernte, ging auf eine Episode zurück. Er hatte als zwölfjähriges Kind ein verrostetes Hufeisen gefunden, das ein Feuerwehrkamerad, der Maler war, wieder akkurat mit Silberbronze angestrichen hatte. „Diese Arbeit hat mich sehr beeindruckt, ich wollte auch Maler werden.“ 1977 begann er seine Lehre in Freital bei der PGH „Die Maler“. Nach Abschluss 1979 arbeitete er dort zehn Jahre als Geselle und absolvierte dann von 1989 bis 1991 nach Feierabend und am Wochenende die Meisterschule, wo er danach noch zwei Jahre als Meister in der PGH tätig war.

„Unsere Malerausbildung war solide und vielseitig. Das kommt mir heute noch zugute“, schätzt Christian Lucius ein. Er weiß es noch genau. Als er im ersten Lehrjahr zunächst die sogenannte Untergrund-Vorbereitung erlernen musste, also die alten Tapeten oder Anstriche entfernen, was viel Dreck mit sich brachte. Dann die ganze Palette des Berufes: schleifen, spachteln, Farben mischen, den Umgang mit Pinsel und Bürste erlernen, grundieren, lackieren, leimen, Bänder und Striche ziehen, Schablonen anfertigen, tapezieren, Fenster kitten, Stuck beschichten, Muster mit der Gummirolle anbringen, Ornamente malen und vieles andere mehr.

Hauptsächlich in Freital, Tharandt und anderen Orten des Umlandes war er mit der Lehrlingsbrigade in Wohnungen tätig, später als Geselle bei Aufträgen in Betrieben und Einrichtungen, auch in Dresden und weiteren Orten in Sachsen. Christian Lucius erzählt von Malerarbeiten beim Erstbezug der neuen Zehngeschosser in Zauckerode oder in Hallen des einstigen Plastmaschinenwerkes in Freital. Er malerte zu DDR-Zeiten auch die Großküche der Gaststätte im Dresdner Hauptbahnhof oder strich die Fassade des Freitaler Rathauses. Beim einstigen Dresdner Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer tapezierte er die Wohnung und war als Maler auch im Dopinglabor in Kreischa im Einsatz. Der Hühndorfer berichtet, wie sie damals als Maler oft improvisieren mussten, weil Material oder Geräte fehlten oder auch Tapeten, Farben und Pinsel oft von schlechter Qualität waren. „Raufasertapeten gab es anfangs kaum, da musste man schon Beziehungen haben oder Verwandte im Westen“, erinnert er sich.

1993 Betrieb gegründet

Am 1. Juli 1993 startete der Hühndorfer in die Selbstständigkeit. Von einem Kredit über 50 000 Mark kaufte er sich die wichtigsten Malergeräte. Im elterlichen Grundstück in Hühndorf, wo er sich 1983/84 in einem Seitengebäude eine Wohnung geschaffen hatte, richtete er sich dort seinen Firmensitz ein. Das Materiallager war der ehemalige Schweinestall. Ein eigenes Telefon hatte er anfangs noch nicht. Der Anschluss der Eltern musste herhalten.

„Ich wollte die Geschicke in meine Hände nehmen, mich beweisen“, sagt er. Seine Erfahrungen, sein Wissen und Können zahlten sich aus. „Mein erster Auftrag waren Malerarbeiten in einer Privatwohnung in Freital.“ Bald nahmen auch weitere Bürger in umliegenden Orten sowie Gemeinden und Unternehmen in der Region seine Dienste in Anspruch. „Erste Aufträge waren die Renovierung von Kindereinrichtungen im Schloss Klipphausen sowie im Weistropper Schloss“, erzählt er.

Das Baugeschehen boomte in den 90er Jahren. Sein Malergeschäft florierte. Mit steigenden Aufträgen wuchs auch die Zahl seiner Mitarbeiter. Im Jahr 2000 waren es acht. Über zehn Jahre war er damals auch als Subunternehmer für große Bauunternehmen im Wohnungs- und Industriebau tätig, auch in den Altbundesländern. „Das Berufsbild des Malers hatte sich bei uns nach der Wende stark gewandelt“, sagt er. Neue Bereiche wären hinzugekommen wie unter anderem Bodenbelags- und Trockenbauarbeiten oder der Fassadenputz. Einzug hielten auch bessere Malergeräte, Farben, Tapeten und weitere Materialien und Techniken. Die Kundenwünsche wurden anspruchsvoller. „Das erforderte ein ständiges Dazulernen“, bemerkt der Meister. Dass er das mit seinem Team gut meisterte, ist auch an seinen vielen Objekten ersichtlich. Ob nun die farbliche Gestaltung von Kirchen, kommunalen Einrichtungen oder Produktions- und Sozialeinrichtungen in Betrieben in der Gemeinde Klipphausen und Umgebung, ob die zahlreichen Eigenheime und Wohnungen in der Region, die er farblich verschönerte - Christian Lucius hat sich mit seiner soliden Handwerksarbeit weithin Anerkennung erworben.  Die Schulen und Kindertagesstätten in Sachsdorf und Naustadt, Kirchen in Röhrsdorf, Sora und Constappel, der Hallenneubau im Jungheinrich-Gebrauchtgerätezentrum in Klipphausen oder der Altneubaublock der Agrargenossenschaft in Röhrsdorf sollten da nur wenige Beispiele sein. 

Höhen und Tiefen

Auch gegenwärtig hat sein Betrieb eine gute Auftragslage. Ungefähr 50 Prozent machen Aufträge von Privatleuten aus, die andere Hälfte teilen sich Kommunen sowie Gewerbe- und Industriebetriebe. „Mein Berater hatte mir einst vor der Firmengründung gesagt, dass ich mir das gut überlegen soll.“ Denn Selbstständigkeit würde „Selbst“ und „Ständig“ heißen. „Das habe ich beherzigt, und mit dieser Haltung bin ich gut gefahren“, so Cristian Lucius. Doch der Hühndorfer Meister verschweigt auch nicht, dass es in der Vergangenheit nicht immer leicht war, sich am hart umkämpften Markt zu behaupten. Vor acht Jahren schrumpfte die Zahl seiner Mitarbeiter von acht auf fünf. Heute sind es noch zwei Beschäftigte. Da spielte auch mit eine Rolle, dass sich die großen Aufträge von Bauunternehmen preislich nicht mehr für seinen Malerbetrieb gerechnet hätten, da auch die Kosten anstiegen. Auch eine andere Tatsache wirkte sich negativ aus. Als vor Jahren die Ich-AGs empor schnellten oder neu gegründete Firmen mit Preisdumping bei Malerarbeiten das große Geschäft bei den Kunden machen wollten, wäre das schon an die Substanz gegangen, meint Christian Lucius. Doch Qualitätsarbeit einer Fachfirma hätte sich letztlich durchgesetzt. „Heutzutage schätzen die Kunden fachlich versierte Arbeit und zahlen dafür auch etwas mehr“, bemerkt der Meister. Einige Jahre wolle er noch das Zepter in der Hand behalten und dann den Handwerksbetrieb an seinen Sohn Markus (36) übergeben, der bei ihm Maler gelernt hat und jetzt die Meisterschule besuchen wird.

Ärger über Bürokratie

Doch die erfolgreiche berufliche Tätigkeit des Malermeisters ist nur eine wesentliche Seite in seinem Leben. Nicht nur die Hühndorfer, sondern auch viele Bürger in der Region schätzen Christian Lucius auch als einen Menschen, der sich engagiert für das Allgemeinwohl einsetzt. Seit der Wende ist er Gemeinderat, erst in Weistropp, dann nach der Eingemeindung in Klipphausen. Seit vier Jahren ist er auch Ortschaftsratsvorsitzender von Klipphausen. Er freut sich über die neuen Schulen und Kindertagesstätten, über die Gewerbegebiete, wo viele Menschen Arbeit fanden. Stolz ist er auch auf das neue Vereinszentrum in Weistropp, und er hat sich auch dafür eingesetzt, dass jetzt in Hühndorf für über eine halbe Million Euro ein Trinkwasser-Hochbehälter gebaut wird, der die Trinkwasserversorgung in diesem Bereich stabilisieren und auch für Löschwasserzwecke der Feuerwehr dienen soll. Zugleich ärgert ihn aber, dass in den vergangenen Jahren die kommunale Selbstverwaltung der Gemeinde immer mehr durch bürokratische Entscheidungen von Bund und Land ausgehöhlt und so das Engagement Ehrenamtlicher missachtet wurde. „Das Hick-Hack des Freistaates zum Bau unserer neuen Oberschule, das Versagen von Fördermitteln ist da nur ein Beispiel“, bemerkt der Hühndorfer. Es gehe vor allem auch um eine bessere Finanzausstattung der Gemeinde durch das Land. „Und wir wollen da selbst als Gemeinderat entscheiden, welche Investitionen wir in Angriff nehmen“, so der Hühndorfer.

Aufgewachsen im Dreiseithof

Geboren wurde er 1960 in Meißen, ging in Weistropp zur Schule, machte dort 1977 seinen Zehn-Klassen-Abschluss. „Ich hatte eine schöne Kindheit“, sagt er. Aufgewachsen ist er mit seinen zwei Schwestern in einem Dreiseithof in Hühndorf an der Weistropper Straße, wo er noch heute mit seiner Familie lebt. Der Großvater besaß dort eine bäuerliche Wirtschaft, auch sein Vater war in der Landwirtschaft tätig. Mit Kühen, Schweinen, Pferden und Hühnern, mit einem großen Obstgarten, mit Rübenpflege, dem Aufstellen von Puppen auf dem Feld und dem Dreschen von Getreide ist er groß geworden. „Wir haben Buden im Wald gebaut, den Bach angestaut und auch mal in einer Strohfeime geschlafen. Das hat mich geprägt“, sagt er. Schon mit 14 Jahren war er Mitglied der Jugendfeuerwehr in Weistropp. Heute ist er Löschmeister in der Hühndorfer Wehr.

Christian Lucius kennen viele Menschen auch noch anders. Er leitet seit einigen Jahren eine kleine Musikgruppe, die schon beim Lindenfest in Weistropp aufgetreten ist. Er selbst spielt Gitarre und singt. „Wir haben im Repertoire auch etliche Volkslieder, wöchentlich wird geübt“, sagt er. Mit seinem musikalischen Auftreten macht er auch eine Sache wett, die noch aus seiner Kindheit stammt. In seinem Elternhaus wurde Musik sehr gepflegt. Vater, Mutter und seine zwei Schwestern spielten alle ein Instrument. Er sollte damals das Flötenspiel erlernen. „Doch es klappte nicht, und ich warf die Flöte weg, wo sie zerbrach“, erinnert sich Christian Lucius. „Es habe zwar lange gedauert, aber das wollte ich wieder ausbügeln.“ Vor fünf Jahren kaufte er sich eine Gitarre und nahm Unterricht.

Angeln in Norwegen

Der Malermeister liebt auch Sport und Reisen. Bei Motor Wilsdruff ging er schon als Jugendlicher zum Geräteturnen, wo er später als junger Mann Kinder als Übungsleiter betreute. Christian Lucius fährt gern Abfahrtsski und spielt Fußball mit dem Hühndorfer Feuerwehr-Team. Bis vorige Saison war er auch Stürmer bei den Alten Herren von SV Weistropp, über 15 Jahre. Bekannt war er dafür, dass er oft mit der „Giege“ schoss, was den Ball flatterhaft machte und für den Tormann nicht leicht zu halten war.

Seit mehr als einem Jahrzehnt fährt Christian Lucius jährlich mit einer kleinen Männertruppe für eine Woche nach Norwegen, um in den Fjorden zu angeln, ein Bierchen am Lagerfeuer zu trinken und die Natur zu genießen. „Seelachs, Dorsch und Rotbarsch fangen wir meistens. Die Filets frosten wir ein, 20 Kilo nimmt da jeder mit nach Hause“, sagt der Malermeister, der dort auch eine köstliche Fischsuppe zubereitet, die ebenfalls dann in Hühndorf auf den Tisch kommt. Vor Kurzem hat er noch zu Hause den Angelschein für Binnengewässer erworben, um auch mal an der Elbe die Angelrute auswerfen zu können.

Begeisterter Hobbykoch

Überhaupt hätte Christian Lucius von Beruf auch Koch werden können. Denn es bereitet ihm großes Vergnügen, zu bruzeln und zu backen. „Ich bin ein Braten-Fan“, sagt er über sich selbst. Ob Rouladen, Gans, Ente, Wildschwein oder andere Fleischgerichte - der Hühndorfer ist da mit Leidenschaft dabei. Schnitzel mag er am liebsten. Er stampft auch selbst Sauerkraut in einer Tonne. Mit seinen Eltern bewirtschaftet er den eigenen großen Obstgarten. Ihn freut es, dass diese – sie sind schon Mitte 80 - so einen schönen Lebensabend in ihrem Hühndorfer Dreiseithof haben. „Ihnen habe ich vieles zu verdanken“, sagt Christian Lucius. Ab und an kommen alle Kinder und Enkel zusammen, und es wird fröhlich gefeiert. Christian Lucius hat selbst drei Enkel.

Dank des Bürgermeisters

„Mein Vater ist Vorbild für mich. Was er anpackt, hat Hand und Fuß“, sagt seine Tochter Nannette (32) über ihn. Sie arbeitet als Horterzieherin in der Sachsdorfer Einrichtung. „Mir gefällt auch das jährliche lustige Zusammensein unserer Großfamilie beim Pizza-Essen am Backofen, wozu mein Vater alle einlädt“, meint sie. Ihrem Bruder Markus (36) imponieren besonders die handwerklichen Fähigkeiten seines Vaters. Auch Gottfried Lucius, der Vater von Christian, ist stolz auf seinen Sohn. „Er hat seinen Weg gemacht, ist fleißig und beharrlich“, sagt der 86-Jährige, der früher als Lohnbuchhalter in der LPG Weistropp gearbeitet hat.

„Ein engagierter Mann – im Beruf und in seinem Wirken für das Allgemeinwohl. Er ist immer ansprechbar und setzt sich aktiv ein, Probleme sachkundig zu lösen. Für den Zusammenhalt der Menschen und für die Verbundenheit der Orte in unserer Region haben Christian Lucius und seine Familie vieles geleistet. Für sein Auftreten und für seine Leistungen bin ich ihm dankbar“, sagt Klipphausens Bürgermeister Gerold Mann.

Text und Fotos: Dieter Hanke, 07.06.2018