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Dorfkirche in Sora wird attraktiver

Ein multifunktionaler Raum wird durch Verlängerung der Empore geschaffen.

Die Dorfkirche in Sora wird neben den Gotteshäusern der St.-Bartholomäus-Kirchgemeinde in Röhrsdorf und Naustadt zukünftig ein noch attraktiverer Treff werden und neben dem jährlichen Turmfest mit neuen kulturellen Aktivitäten aufwarten. „Es wird dort gegenwärtig ein multifunktionaler Gemeinderaum für 50 bis 60 Leute geschaffen“, sagt Pfarrer Christoph Rechenberg. Gottesdienste, Konzerte, Vorträge, Gesprächsabende, Feiern, Hochzeiten und anderes mehr sollen dort einmal stattfinden. Vor allem aber haben künftig die Kirchgemeindeglieder einen Raum für Versammlungen, Christenlehre, musikalische Übungszwecke und andere Dinge.

Die Bauarbeiten, die im Sommer vorigen Jahres begonnen haben, sollen, wenn alles klappt, im Herbst nächsten Jahres abgeschlossen sein. Der Umbau der Soraer Kirche schließt noch weitere Sanierungen und Modernisierungen ein. „Damit machen wir die Kirche in Sora fit für die Zukunft“, bemerkt der Pfarrer. Denn künftig kann das Gotteshaus auch als Winterkirche genutzt werden, was im neuen Multifunktionsraum eine Fußboden- und Wandheizung durch eine Gastherme ermöglicht. Über 200 000 Euro wird insgesamt das Vorhaben kosten, das ausschließlich von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens und mit Eigenmitteln und Spenden der Kirchgemeinde finanziert wird.

Die St.-Bartholomäus-Kirchgemeinde hat bei diesem Großprojekt namhafte Experten an ihrer Seite. Der freischaffende Architekt Uwe Gerschler aus Freiberg, der große Erfahrungen mit Kirchenbauten hat und zurzeit auch den Kreuzgang im Freiberger Dom wieder für die Öffentlichkeit zugängig macht, hat die Planung und Baubegleitung für die Arbeiten in Sora übernommen. „Wir arbeiten da eng mit Archäologen und Denkmalschützern zusammen“, bemerkt der 63-jährige Architekt, der jetzt über den Stand der Bauarbeiten in der Kirche informierte. 

Möglich wird das neue Konzept der Kirchgemeinde dadurch, dass die Orgelempore um etwa vier Meter in das Kirchenschiff verlängert wird. Dadurch entsteht unten ein separater Raum, wo mit einer Glasfaltwand (mit Isolierglas) das Kirchenschiff abgegrenzt wird. Bei größeren Veranstaltungen kann diese Faltwand geöffnet werden, um so auch akustisch bessere Bedingungen in der Kirche zu haben. Abgeteilt im Windfang ist die Garderobe, auf der gegenüberliegenden Seite entstehen Teeküche und Abstellraum. Der Durchgang zum Turm mit Treppenaufgang bleibt. Die tragende Mischkonstruktion für den neuen Raum aus Holz und Stahl ist bereits eingebaut. Auf der Oberseite wird noch eine Nadelholzdielung montiert.

Fertig ist auch schon die neue behindertengerechte Toilette an der Nordseite des Kirchenschiffes unter der Patronatsloge. Angrenzend daran befindet sich der Technikraum, der ebenfalls jetzt geschaffen wurde und wo sich die Gastherme befindet. Im Obergeschoss wird noch angrenzend an die Patronatsloge, die ebenfalls saniert werden soll, ein Archivraum eingerichtet.

Zum Bauvorhaben gehört ferner, dass zwei zugesetzte Fenster in der Ostfassade über dem Altar wieder geöffnet werden. Putzschäden im Inneren der Kirche werden noch ausgebessert, auch der Sockelbereich wird saniert. Im Kirchenschiff soll die barocke Gestaltung mit einem warmweißen Anstrich erneuert werden. Die Malereien an der Decke mit den Engeln bleiben erhalten. Abgestimmt mit den Denkmalschützern wird noch der Oberbau des neuen Fußbodens in der Kirche.

Bei der Entfernung des Ziegelpflasters im Kirchenschiff im vorigen Jahr wurden von vielen freiwilligen Helfern über 100 Tonnen Schutt per Schubkarre zum Container transportiert. Archäologen waren über mehrere Wochen mit Untersuchungen im Fußbodenbereich beschäftigt. Dabei wurden interessante Entdeckungen gemacht. Wie Grabungstechniker Oliver Spitzner vom Landesamt für Archäologie jetzt in einem Gespräch mitteilte, sei bei den Forschungen der alte Grundriss der Vorgängerkirche zu Tage getreten. „Die freigelegten Fundamente gehören zur 1769 abgebrochenen wohl spätmittelalterlichen Kirche. Dabei wurde festgestellt, dass das heutige Kirchenschiff in der Breite dem Vorgängerbau entspricht und das heutige Fußbodenniveau mit Bauschutt der Vorgängerkirche aufgehöht wurde“, so der Grabungstechniker. Bei den Ausgrabungen der Archäologen wurden auch Brandspuren am Mauerwerk der Vorgängerkirche sichtbar, die offenbar von der Zerstörung der Kirche durch die Hussiten im Jahre 1429 zeugen. Oliver Spitzner: „Aus den Resten der Fußbodenschüttungen wurde vereinzelt blaugraue Keramik des wohl ausgehenden 14. Jahrhunderts gefunden.“

Wie Pfarrer Christoph Rechenberg noch informierte, wurden bei den Ausgrabungen auch eine Münze von 1764 „Einen Thaler“ sowie weitere kleinere Münzen gefunden, die noch älter sind und wahrscheinlich aus dem 15. Jahrhundert stammen. 

Handwerker aus der Region sind bei den Bauarbeiten in der Soraer Kirche tätig. Auch der Weg zum Eingang der Kirche wurde bereits erneuert. Am Friedhofseingang entstand ein behindertenfreundlicher Stellplatz. „Mein Dank gilt allen ehrenamtlichen Helfern bei diesem Bauvorhaben“, bemerkte der Pfarrer.

 

Text und Fotos: Dieter Hanke, 07.06.2018