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Auf große Fahrt in den Ural

Der junge Weistropper Matthias Pietzsch stellte beim 15. Oldtimertreffen in Röhrsdorf seinen robusten Geländewagen vor.

Ein Abenteuer-Urlaub soll es werden. Matthias Pietzsch aus Weistropp geht mit seiner Freundin im September 2018 auf große Fahrt: Nach Russland in den Ural. Tausende Kilometer wird er da mit seinem UAZ 452 unterwegs sein. Den robusten russischen Geländewagen hat der 28-jährige Landmaschinenschlosser 2015 von einem Militär-Fahrzeughandel im Vogtland erworben. „Ein tolles Auto, Baujahr 1973, sehr geländegängig, hoher Achsstand. Technisch kann ich da fast alles selbst reparieren“, bemerkte der junge Weistropper. In den vergangenen Jahren hat er das Fahrzeug auseinandergenommen und es überholt. Ein Fünf-Gang-Getriebe von einer neueren Variante kam rein, den Kabelbaum für die Elektrik hat er selbst am Computer zusammengestellt. Ein Dachaufbau wurde montiert. Sogar einen Holzofen gibt es im Fahrzeug sowie drei Schlafplätze. „Fürs Camping bin ich so bestens gut gerüstet“, meinte der junge Mann.  Das seien gute Vorteile. Da nimmt er auch in Kauf, dass der Motor stark dröhnt und die Federung des Fahrzeugs nicht gerade die beste ist.  „Ich möchte mir in Russland Ersatzteile für den Wagen beschaffen. Dort laufen ja noch neuere Fahrzeuge dieses Typs“, sagte er. Ihn stört auch nicht, dass sein Auto zurzeit noch bunt gescheckt ist, drei Lackschichten sind drauf, die Originalfarbe ist militärgrau.  Der Weistropper weiß zu berichten, dass sein UAZ 452 einst beim Militär der Warschauer Vertragsstaaten im Einsatz war, als Krankentransportwagen in Tschechien.

„Mein Freund  ist ein Tüftler. So ein Fahrzeug kommt ihm gerade recht“, bemerkte Greta Palluch (25), die Krankenschwester in Leipzig ist. Schon als Jugendlicher hat Matthias Pietzsch an Mopeds gefriemelt. Mit einem Kumpel war er 2016 im Urlaub in Iran, da waren sie mit einem alten Transporter VW T3 unterwegs.

 

 

Matthias Pietzsch, der bei seinem Vater im elterlichen Landwirtschaftsbetrieb arbeitet, war nun das dritte Mal beim Oldtimertreffen des MSV Röhrsdorf dabei. „Hier kann ich gut mit Gleichgesinnten ins Gespräch kommen, die Besucher sind interessiert. Ein schöner Treff“, meinte der junge Weistropper.

Das sieht auch Jens Weser aus Lampersdorf so. Premiere beim diesjährigen Oldtimertreffen hatte sein Turbolekt 333 -  ein Notstromaggregat mit Gasturbinenantrieb, das zu DDR-Zeiten im VEB Strömungsmaschinen Pirna gebaut wurde „Das Aggregat war einst bei der Wasserversorgung in Magdeburg eingesetzt“, sagte der 54-jährige Elektromechaniker, der auch Vorsitzender des Sächsischen Dampfmaschinenvereins in Wilsdruff ist. Er hatte viele Fragen der Besucher zu diesem mobilen Stromerzeuger zu beantworten. „Die Anlage war früher nicht so populär – sehr laut, nicht leicht zu bedienen, hoher Kraftstoffverbrauch“, bemerkte Jens Weser. Der Verein hat den Turbolekt wieder in Schuss gebracht.  Auch zum Tag des Offenen Denkmals am 9. September ist die Anlage im Vereinsdomizil auf der Fabrikstraße 2 in Wilsdruff zu sehen.

Doch nicht nur der russische Geländewagen  UAZ 452 aus Uljanowsk und die Gasturbine aus DDR-Produktion wurden von den vielen Besuchern bestaunt. 430 Aussteller waren bei der nunmehr 15. Oldtimerschau am 3. Juni im Gewerbepark Röhrsdorf mit von der Partie. Die historische Schau von Fahrzeugen und stationären Motoren kam groß an.  „Es ist eine Freude zu sehen, mit welcher Liebe und Sachkenntnis die Besitzer ihre Fahrzeuge restauriert haben. Die Veranstaltung in Röhrsdorf ist einfach ein Muss für mich“, sagte der Dresdner Klaus Schreiber. Ob nun die historischen Fahrzeuge von bekannten oder weniger gebräuchlichen Firmenmarken stammten oder nicht – die Oldtimerfans waren begeistert. Das Spektrum war auch diesmal weit gefächert. Amerikanische Straßenkreuzer waren zu sehen, imposant zum Beispiel ein weinroter Ford Thunderbird, Baujahr 1976 mit einer Länge von 5,72 Metern, ein Klassiker der Automobilgeschichte, oder auch ein Chevrolet Impala, Baujahr 1968, mit den als Flügeln ausgebildeten Heckflossen, sowie viele weitere historische Pkw, die dicht an dicht standen. Ausgestellt waren auch Motorräder, Mopeds und Fahrräder aus vergangener Zeit, ebenso Traktoren und weitere Nutzfahrzeuge und Geräte. Viele davon waren noch im Originalzustand und gut erhalten. Die Besucher schauten auch unter die Motorhaube, interessierten sich für Fahrzeugdetails und fachsimpelten mit den Liebhabern des alten Blechs. „Ich bin schon das zehnte Mal hier“, sagte Matthias Martin aus Weistropp, der mit einem Motorrad BMW R 45 gekommen war.

„Wieder eine gelungene Veranstaltung“, resümierte der langjährige Vorsitzende des Motorsportvereins Röhrsdorf, Andreas Uhlmann.  In den Kategorien Motorräder, Pkw und Landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge prämierte der MSV Röhrsdorf auch diesmal die besten Fahrzeuge. Schönster Pkw wurde ein DKW IFA F 8, Baujahr 1955,  in der Kategorie Nutzfahrzeuge gewann ein Traktor Hanomag, Baujahr 1930, und bei den Motorrädern lag eine BMW Sport, Typ R 47,  Baujahr 1928, vorn. Die Besitzer erhielten als Preis eine gedrechselte Zündkerze.

Auch das Rahmenprogramm des Treffens kam bei den Gästen an. Dazu gehörten auch eine Ausfahrt der Oldtimer in die linkselbischen Täler, Rundfahrten mit dem Oldtimerbus Typ Saurer sowie Leckereien für die Gaumen der Besucher. Passend zum Oldtimer-Jubiläumstreffen heizte die Gruppe „Retroskop“ aus Dresden mit schwungvoller Live-Musik die Stimmung der Besucher an.

„Mein Dank gilt den Vereinsmitgliedern sowie allen Partnern, Helfern und den Sponsoren. Ohne deren Engagement hätten wir nicht so eine gut besuchte Veranstaltung auf die Beine stellen können“, sagte der 59-jährige Vereinsvorsitzende. So hatten wieder Unternehmen im Gewerbegebiet Röhrsdorf ihre Parkflächen für Besucher geöffnet sowie Ausstellungsflächen zur Verfügung gestellt. Der Fahrzeugbau Gessner hatte in seiner Halle eine kleine Ausstellung aufgebaut, der DRK Ortsverein Klipphausen wachte darüber, dass die Gesundheit der Besucher keinen Scbaden nahm. Wieder in bewährter Weise halfen die Feuerwehrleute von Sora und Röhrsdorf, die Mitglieder der Jugendfeuerwehr von Röhrsdorf, der Taubenheimer Karneval- und Traditionsverein, die Frauensportgruppe von SV Röhrsdorf, die Gemeinde und der Bauhof Klipphausen sowie weitere engagierte Leute, darunter auch viele Ehefrauen der Organisatoren.  Auch die Azubis Stephanie Schicht,  Clara Drescher und Maurice Junghans aus Röhrsdorf standen nicht abseits. Sie schminkten an einem Stand Gesichter von Kindern mit originellen Motiven.

Text und Fotos: Dieter Hanke, 03.06.2018

Luftaufnahmen: Philipp Schmidt