^ Nach oben

Eine riesige Schlange

700 Rohre für die neue Eugal-Trasse sind an der Straße nach Taubenheim gelagert. Eine Baugenehmigung gibt es allerdings noch nicht.

Gegenüber dem Röhrsdorfer Gewerbegebiet an der Straße nach Taubenheim sind jetzt in zwei Reihen schwarze Rohre gestapelt. Eine riesige Schlange. Eugal steht drauf, und auf der Innenwand eines Rohres ist zu lesen: Länge 18,25 Meter, Durchmesser 1,42 Meter. Rund 15 Tonnen schwer ist ein Rohr. Insgesamt 700 Rohre lagern auf mehreren Hundert Metern entlang der Strecke. Hier auf der Ullendorfer Gemarkung befindet sich einer der insgesamt zehn Rohrlagerplätze in Sachsen für den Bau der neuen Europäischen Gasanbindungsleitung (Eugal), die im Anschluss von „Nord Stream 2“ von der Ostsee durch Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg bis in den Süden Sachsens zur deutsch-tschechischen Grenze gebaut werden soll. Gefertigt wurden diese Rohre von der Firma Europipe in Mülheim an der Ruhr, dann mit dem Zug zu Bahnhöfen nach Freiberg und Elsterwerda befördert und anschließend per Laster auf die Lagerplätze verteilt. Weitere Rohrlagerplätze sind zum Beispiel bei Großdobritz und Niederschöna.

„Mit Eugal soll die deutsche und südosteuropäische Erdgasversorgung gestärkt werden“, wie George Wüstner, Sprecher der Gascade Gastransport GmbH mit Sitz in Kassel dem Klipphausener Amtsblatt sagte. Dieses Unternehmen wird auf einer Länge von 485 Kilometern den Bau der zwei Leitungsstränge vornehmen. „Bereits Ende 2019 soll das Erdgas durch den ersten Leitungsstrang der Eugal fließen“, so der Unternehmenssprecher. Der sächsische Abschnitt der Eugal, hier wird nur ein Leitungsstrang verlegt, ist 106 Kilometer lang und soll weitestgehend parallel zur vor sechs Jahren gebauten Ferngasleitung Opal verlaufen, also nach den Planungen wieder im Klipphausener Territorium von der Elbe in Gauernitz in Richtung Naustadt und Sora bis zur Wilsdruffer Gemarkung. Das Unternehmen Gascade, damals hieß es noch Wingas, hatte schon diese Pipeline verlegt.

Landesdirektion muss noch entscheiden

„Wir sind optimistisch, bald mit dem Bau von Eugal beginnen zu können“, bemerkte Sprecher George Wüstner. Gascade geht davon aus, dass das gegenwärtige Planfeststellungsverfahren von der Landesdirektion Sachsen, wo Trassenverlauf und Umweltverträglichkeit des Großvorhabens und so auch Einwände von Betroffenen geprüft werden, in Kürze erfolgreich für das Unternehmen abgeschlossen wird. Deshalb hat es vorausschauend auch schon die Rohre in Ullendorf gelagert, obwohl der Entscheid der Landesdirektion zum Trassenverlauf und damit auch eine Baugenehmigung noch aussteht.

Der Klipphausener Gemeinderat und die Verwaltung sowie Landwirte und Grundstückseigentümer im Territorium sehen dem Bau der neuen Erdgastrasse mit gemischten Gefühlen entgegen. Zu groß ist noch der Ärger, den einst die Verlegung der Opal-Leitung verursacht hatte. Die Schadensbilanz war damals erschreckend: Verschlammte Flächen, Teiche und Bäche, Erosion und verdichteter Boden, unsachgemäß verfüllte Gräben, auf die Felder abgeleitetes Wasser, zerfahrene Wege und Ackerflächen, Rinnen und Senken, zerstörte Bodenstruktur. Ertragsausfälle waren die Folge. Auf Jahre hinaus haben die Bauern durch diese Eingriffe in die Böden enorme Nachteile. Zwar habe es damals vom Bauunternehmen Wingas Entschädigungen gegeben, aber diese würden nicht den erlittenen Verlust aufwiegen, sagen die Bauern.

Kritik an Trassenführung im Gemeindegebiet

Der Klipphausener Gemeinderat und die Verwaltung als auch die Landwirte machen sich aber nichts vor. Denn angesichts der strategischen Bedeutung der Erdgasversorgung, wie es Politiker sehen, wird wohl die Landesdirektion sicher positiv über das Vorhaben entscheiden. Doch Klipphausen will keine Nachteile durch Eugal erleiden. Deshalb hatte die Gemeinde in einer Stellungnahme auch die gegenwärtige Trassenführung im Gemeindegebiet abgelehnt, da diese mit einem Verlust von wertvollen Ackerböden einhergehe. Außerdem würde die geplante Streckenführung unmittelbar über die Flächen verlaufen, die für eine Erweiterung des Gewerbegebietes Klipphausen vorgesehen sind. Etwa 8 000 Quadratmeter gehen dadurch der Gemeinde verloren.

Auf diese kritischen Dinge angesprochen, teilte Gascade-Sprecherin Uta Kull jetzt dem Klipphausener Amtsblatt unter anderem schriftlich mit:  

„Wir nehmen Einwände ernst und bemühen uns um einen für alle Seiten zufriedenstellenden Ausgleich der Interessen. In den Planfeststellungsunterlagen werden auch die schon im Raumordnungsverfahren behandelten Varianten der Trassenführung erneut fachlich beurteilt und als nicht vorzugswürdig erachtet. Auch im Planfeststellungsverfahren erfolgt eine fachliche Auseinandersetzung mit den Varianten. Gascade hat sich aus guten Gründen für eine Trassenführung entschieden und diese fachlich begründet in das Verfahren eingebracht. Die Landesdirektion Sachsen wird zum Schluss über die Antragstrasse entscheiden.“

Gascade sieht keine Behinderung

Zum Kritikpunkt Gewerbegebiet Klipphausen bemerkte die Gascade-Sprecherin: „Wir haben in diesem Bereich die Achsabstände zur Opal so reduziert, dass die Gründung des erweiterten Gewerbegebietes nach den uns vorliegenden Plänen nicht behindert wird. Dies ist auch deswegen möglich, weil schon im Zuge der Opal-Planung und Ausführung die damals noch gänzlich perspektivische Planung einer Erweiterung der Gewerbeflächen Berücksichtigung fand. Die Eugal wird somit mit der gleichen Erdüberdeckung verlegt werden wie die Opal, so dass die Eugal auch einer künftigen Erschließung des Gewerbegebiets mit Straßen, Grünflächen, Parkplätzen aber auch Ver- und Entsorgungsleitungen nicht im Wege ,liegt'. Es können später, in Abstimmung mit Gascade und unserem Pipelineservice, die Erschließungsplanung (Straßen, Leitungen, Grünanlagen etc.) entsprechend konkretisiert und dann auch später baulich umgesetzt werden.“ Das könne, so die Sprecherin weiter, auch vertraglich mit der Gemeinde geregelt werden.

Uta Kull teilte ferner noch mit: „Wir haben einen Regelachsabstand von zehn Metern zwischen der Opal und der Eugal. Dieser wird im Bereich zwischen Pegenau und Naustadt aufgeweitet, da wir dort unter Umgehung einer Obstplantage und den Kleingartenanlagen eine Trassenführung parallel zur Ortsverbindungsstraße zwischen Naustadt und Pegenau nutzen. Im Bereich des Tals der Gävernitze treffen beide Leitungen wieder zusammen und verlaufen in Richtung BAB A 4 wieder in Parallellage.“

Forderungskatalog wurde aufgestellt

Der Klipphausener Gemeinderat und die -verwaltung sind gespannt, wie die Landesdirektion Sachsen das Ganze beurteilen wird und welchen Entscheid es zum Trassenverlauf gibt. Bauern, Bewirtschafter, Grundstückseigentümer sowie Land- und Forstbesitzer aus Sachsen und Brandenburg haben jedenfalls schon Vorsorge getroffen. Sie haben sich in der Interessengemeinschaft „Eugal“ zusammengetan, um bereits im Vorfeld des Baus der neuen Leitung präventiv Einfluss zu nehmen. Denn solche schlimmen Fehler wie bei Opal dürfen sich nicht wiederholen, wie auch Jörg Weinhold, Diplomingenieur und Geschäftsführer der RRS Agrardienstleistungsgesellschaft mbH in Riemsdorf, der in dieser IG im Vorstand mitarbeitet, bemerkte. In einer Vereinbarung mit dem Unternehmen Gascade wurden deshalb Forderungen der Interessengemeinschaft fixiert, die neben einem sorgsamen Bau auch Wiederherstellung und Rekultivierung der Flächen betreffen. „Diese Vereinbarung liegt jetzt zur Unterschrift vor“, sagte Jörg Weinhold. Gascade-Sprecher George Wüstner verwies bei dieser Problematik auch auf ein extra Drainage-Konzept, welches das Unternehmen anwenden wird, um Schäden an Böden zu vermeiden.

 

Text und Foto: Dieter Hanke, 17.07.2018