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So sieht die neue Oberschule aus

In dem 13-Millionen-Bau in Ullendorf sollen einmal 300 Kinder lernen.

Klipphausen bekommt eine attraktive Oberschule. Die Visualisierungen im Computer geben einen anschaulichen Einblick, wie der 13-Millionen-Bau in Ullendorf an der Taubenheimer Straße einmal aussehen wird. Der Meißner Architekt und Dombaumeister Dr. Ing. Knut Hauswald, der zusammen mit der RBZ-Generalplanungsgesellschaft Dresden die Planung des Ganzen in Regie hat, informierte schon mal über die Entwurfsplanung für diesen Schulkomplex der Gemeinde Klipphausen. Künftig sollen in der neuen zweizügigen Evangelischen Oberschule mal zwölf Klassen mit je 26 Schülern lernen. Vorgesehen ist, dass zum Schuljahr 2020/21 der Unterricht starten kann.

Träger der Einrichtung wird der Christliche Schulverein Wilsdruffer Land sein, der bereits seit Jahren eine Grundschule in Grumbach und ein Gymnasium in Tharandt betreibt. Ursprünglich wollte die Gemeinde Klipphausen eine staatliche Schule bauen, da es im Territorium einen zunehmenden Bedarf an Oberschulplätzen gibt. Doch das sächsische Kultusministerium gab einer weitsichtigen Schulnetzplanung im Territorium keine Zustimmung, so dass nun die Oberschule für über 300 Schüler in freier Trägerschaft errichtet wird. Die Gemeinde hat Ende Juli beim Landratsamt Meißen den Antrag auf Baugenehmigung für den Schulbau eingereicht.

Quadratischer Schulbau, Sporthalle und Sportplatz

Auf der insgesamt 25 420 Quadratmeter großen Fläche in Ullendorf nördlich der Taubenheimer Straße zwischen dem inzwischen bewaldeten Restloch einer ehemaligen Ziegelei westlich und der Musterhaussiedlung östlich soll der Schulkomplex entstehen. Der Planungsentwurf sieht vor, dass in dem quadratischen Schulgebäude (40 Meter breit, 40 Meter lang und zwölf Meter hoch) mit seinem großzügigen Vorplatz ein offener Verbindungsgang links zu einer Zweifeld-Sporthalle (22 Meter breit, 45 Meter lang), führen wird, die rechtwinklig zum Schulgebäude angeordnet ist. Nördlich der Halle soll ein großer Sportplatz sein (45 mal 90 Meter), unter anderem mit Fußballfeld mit Kunstrasen, Laufbahn und Weitsprunganlage. Hinter dem Schulgebäude sind Freiflächen für die Schüler vorgesehen (mit Sitzgelegenheiten und Arealen zum Selbstgestalten).

Lichtdurchflutetes Gebäude, klare Strukturen

„Der Schulhausbau entspricht der Architektur der klassischen Moderne“, sagte Dr. Hauswald. Stahl, Glas und Beton werden vornehmlich als Materialien verwendet. „Es wird ein klarer geometrischer, lichtdurchfluteter Baukörper sein. Der Reiz dieser Architektur liegt in dem Blick ins Weite der Landschaft durch die vielen großen Fenster der außenliegenden Schulräume und der fast klösterlichen Geborgenheit innerhalb des kompakten Baukörpers mit dem introvertierten Innenhof“, bemerkte der Meißner Architekt. Es werde eine rationale statische und räumliche Ordnung angestrebt, die einmal den Schülern Orientierung bietet und zugleich auch wirtschaftlich vorteilhaft sei. Dr. Hauswald: „Der Schulbau gliedert sich in einen großzügigen offenen Bereich der Bewegung und Kommunikation im Erdgeschoss und einen Bereich der Stille und Konzentration in den beiden Obergeschossen.“ 

 Große Eingangshalle und Galerien im Innenhof

Erwähnenswert ist die fließende Verbindung zwischen den Innen- und Außenräumen. Es gibt eine große Eingangshalle mit 240 Quadratmetern. In der Mitte des Gebäudes befindet sich ein überglaster Innenhof mit Treppenanlagen in das erste und zweite Obergeschoss, wo umlaufende Galerien zu den Klassenzimmern führen. Im zweiten Obergeschoss sind auch die Fachkabinette für Biologie, Chemie, Physik und Musik sowie die Schulbibliothek. Die Klassenzimmer haben versetzbare Trennwände. In den beiden Geschossen werden auch separate Gruppenräume zum individuellen Lernen sein. Im Erdgeschoss wird die Schulverwaltung untergebracht sein, ebenso die Heizzentrale (Gasheizung) und der Hausmeisterraum sowie auch spezielle Räume für Werken, Kunst und kreatives Gestalten. Rechts vom Haupteingang befindet sich die Mensa, die 130 Quadratmeter aufweist. Auch eine  Schulküche wird im Erdgeschoss ihren Sitz haben.

Zum Bau gehören ferner ein Fahrstuhl, damit auch behinderte Kinder barrierefrei bis in das zweite Geschoss gelangen können sowie auch eine kleine Kapelle entsprechend dem Konzept des Trägervereins. Linoleum in warmen Farbtönen, dezent farbig gehaltene Wandflächen sowie auch wirksame Trockenbaudecken für eine gute Akustik in den Räumen gehören zu einer harmonischen Umgebung und sollen mit das Lernen fördern.

Vorplatz bietet vielfältige Nutzung

Der würfelförmige Schulbau wird mit einer hellen Putzfassade ausgestattet, die erdgeschossigen Flächen erhalten eine Bekleidung mit naturfarbenen gebrannten Klinker-Riemchen. „Das ist eine Erinnerung an die ehemalige Taubenheimer Ziegelproduktion in der Nähe des Schulstandortes“, bemerkte der Architekt.

Hervorzuheben ist vor allem noch der große Vorplatz zwischen Schule und Sporthalle, der vielfältige Nutzungsmöglichkeiten bietet, so für Schulfeste und andere Dinge. Eine Glasfassade an der Eingangshalle ist unter einer Stützenkolonnade eingerückt und gewährt so Schutz gegen direkte Sonneneinstrahlung.

Der Planungsentwurf sieht wirtschaftliche Lösungen vor, um zum Beispiel Energie und damit Kosten zu sparen. So geht es unter anderem auch um eine gute Nutzung von natürlicher Belichtung und Be- und Entlüftung. „In Sachen Haustechnik achten wir auf einfach zu bedienende, möglichst langlebige Ausrüstungen, um die Kosten überschaubar zu halten“, so der Architekt.

Vereinssporthalle hat auch separaten Zugang

Die Sporthalle ist für Schüler und Vereine vorgesehen. Die Freizeitsportler haben einen separaten Zugang von der Straße her, wo sich auch ein Parkplatz mit 25 Stellplätzen befinden wird. „Die Halle ist gewissermaßen in den Boden eingegraben“, sagte Dr. Hauswald. Unten sei die Sportfläche, in der oberen Ebene ist eine Galerie für Zuschauer sowie Umkleide- und Sanitärräume.

Erwähnenswert bei diesem Schulkomplex ist noch, dass ein Regenrückhaltebecken als Feuchtbiotop angelegt wird und dass auch als Ausgleich für den Eingriff in die Natur Bäume und Sträucher im Gelände gepflanzt werden und auch weitere Biotope entstehen.

Bauplanungsrecht für den Standort

Auch für die Gesamtfläche des Schulkomplexes muss noch Bauplanungsrecht geschaffen werden. Das Bebauungsplanverfahren zum „Oberschulstandort Gemeinde Klipphausen, Ortsteil Ullendorf“ läuft gegenwärtig. Der Bebauungsplan-Entwurf liegt jetzt öffentlich aus, und zwar vom 10. Juli bis zum 10. August 2018 im Bauamt der Gemeinde in Röhrsdorf. Auch auf der Internetseite der Gemeinde ist dieser Entwurf einsehbar. An umweltbezogenen Informationen für die Gesamtfläche liegen da zu Beispiel der Umweltbericht, das Baugrundgutachten, eine Schallimmissionsprognose und weitere Unterlagen vor. Neben den Bürgern werden aber auch die Träger öffentlicher Belange wie unter anderem Umweltverbände oder das Landratsamt gehört. Nach Abwägung der Stellungnahmen und Klärung berechtigter Einwände kann dann der Gemeinderat den Bebauungsplan für den Standort beschließen.

„Die Entwurfsplanung der Architekten für die neue Oberschule ist ausgewogen. Eine gelungene Sache“, schätzte Bürgermeister Gerold Mann ein. Denn immerhin galt es, verschiedene Sachzwänge zu meistern. Das betreffe einmal die Standort-Gegebenheiten, die bauliche Gestaltung und Anforderungen an einen Schulhaus-Bau, aber auch Wünsche und Vorstellungen des Schulträgers. „All das musste natürlich auch einhergehen mit den finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde für das Vorhaben. Ich freue mich auf den Schulbau“, bemerkte der Bürgermeister.

Große Erfahrung mit Schulbauten

Mit dem Architekten und Dombaumeister Dr. Knut Hauswald hat die Gemeinde Klipphausen einen erfahrenen Experten für ihr Großvorhaben gewonnen. Der 57-Jährige, der in Dresden geboren wurde und in Pirna aufwuchs, wo er 1980 sein Abitur machte und anschließend an der TU Dresden Architektur studierte, hat bislang in Sachsen nahezu zehn Schulen neu oder um- und ausgebaut, meist mit Partnern in Architekten-Arbeitsgemeinschaften. Seit der Wende ist Dr. Hauswald Freier Architekt in Meißen, nachdem er vorher dort von 1986 bis 1990 im damaligen Kreisbaubetrieb Meißen als Gruppenleiter in der Projektierung tätig war.

Die Referenzliste von Dr. Hauswald als Architekt ist lang. Genannt seien da unter anderem der Neubau der Schule der Bundesagentur für Arbeit in Meißen oder dort auch die Fachhochschule der Sächsischen Verwaltung. In Dresden plante er zum Beispiel den Bau für die 41. Grundschule und die 82. Oberschule. Gegenwärtig ist er mit dem Neubau von Wohnungen auf dem Kalkberg und auf der Gustav-Graf-Straße in Meißen befasst. Planungen laufen auch für den Innenausbau der Sakristei ab 2019 in der Kathedrale Dresden sowie für den Neubau des Bertolt-Brecht-Gymnasiums in der Landeshauptstadt.

Seine Hobbys sind mit seinem Beruf eng verbunden. „Mich interessiert Archäologie“ sagte Dr. Hauswald, der mit einer Unternehmensberaterin verheiratet ist und drei Kinder hat. Besonders die Zeugnisse der Bronze- und frühen Eisenzeit von 1200 bis 500 v. Chr. sowie das Mittelalter vom 10. bis 15. Jahrhundert haben es ihm angetan. Da erforscht er vor allem auch die Vorgängerbauten des Meißner Doms auf dem Burgberg.

Seine zweite große Hobby-Leidenschaft ist überhaupt der Meißner Dom. „Die Reinheit dieses gotischen Bauwerks fasziniert mich“, meinte Dr. Hauswald, der seit 2015 Dombaumeister ist und jetzt auch die Planung für die neue Gestaltung des Eingangsbereichs des Doms gemacht hat.

Text und Foto: Dieter Hanke, Visualisierungen Arge Hauswald/RBZ,  10.07.2018