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Besucher-Rekordergebnis im Jahnbad

Über 20 000 Badegäste in dieser Saison. Die Einrichtung soll noch attraktiver werden.Der diesjährige prächtige Sommer hat dem Jahnbad in Miltitz ein Rekordergebnis beschert.

Vom 25. Mai bis 2. September 2018 kamen insgesamt 20 560 große und kleine Badefans in diese beliebte kommunale Anlage im Triebischtal. Im Vorjahr waren es etwa 5 000 Badegäste weniger gewesen, im Jahr 2016 wurden etwa 16 000 Besucher registriert. 2015 waren es ebenfalls über 20 000 Badelustige, die in diese schöne Freizeitanlage kamen. „Über 800 Leute zählten wir allein am 31. Juli in diesem Jahr. Das war Spitze. Sonst waren es regelmäßig 200 bis 300 Besucher am Tag“, sagte Schwimmmeister Uwe Wurche.

Für gute Erfrischung an den heißen Tagen sorgten da die Wassertemperaturen in den Becken, die sich meistens um die 24 Grad beliefen. Während andere Freibäder im Umland oder in Dresden hier wesentlich höhere Werte verzeichneten, gewährleistete der regelmäßige Zulauf von Frischwasser aus dem ehemaligen Kalkbergwerk Miltitz, das an die sieben Grad aufweist, ein erquickendes Nass. Täglich laufen hier fürs Jahnbad 30 bis 40 Kubikmeter Wasser zu. In der Vorsaison dagegen, wo die Wassertemperaturen mitunter noch kühl waren, sorgten dagegen „Solar-Wasserschläuche“ auf dem Dach des Technikgebäudes für eine Wassererwärmung um etwa zwei Grad. Also eine vorteilhafte Kombination für diese Freizeitstätte.

Auch große Liegewiese

Doch nicht nur das 25 Meter lange und 10,75 Meter breite Becken für Schwimmer, das von 1,35 bis 1,85 Meter tief ist, oder das Nichtschwimmerbecken mit der fast 18 Meter langen Rutsche aus Edelstahl mit drei Wellen sowie das Planschbecken brachten da Freuden, sondern auch die anderen Anlagen im Jahnbad. Die großzügige Liegewiese (an die 100 Meter lang und 50 Meter breit), die Terrassen oder auch einige Kinderbelustigungen sowie Sportmöglichkeiten wie Volleyballfeld, Tischtennisplatten oder Minigolfanlage boten da den Besuchern einen angenehmen Aufenthalt und Entspannung sowie Abwechslung. Auch die Offerten vom Badimbiss, der seit etwa 15 Jahren vom Triebischtaler Frischemarkt bewirtschaftet wird, waren bei den Besuchern in dieser Saison wieder sehr gefragt – nicht nur wegen der moderaten Preise, sondern auch wegen der raschen Bedienung. Fassbrause, Pommes, Currywurst oder Quarkkeulchen und Makkaroni mit Wurstgulasch gingen da am meisten ab, wie Frischemarkt-Inhaber Uwe Frenzel informierte.

Und sehr erfreulich ist auch, dass in der 2018er Freibadsaison die Miltitzer Einrichtung in Sachen Badhygiene vom Gesundheitsamt Meißen gute Noten bekam. „Es gab keine Beanstandungen, alle Grenzwerte bei der Wasserqualität wurden eingehalten“, bemerkte Schwimmmeister Wurche. So ist zum Beispiel gewährleistet, dass durch Pumpen die Wassermenge im Nichtschwimmerbecken innerhalb von anderthalb Stunden einmal umgewälzt wird, im Schwimmerbecken sind dafür 3,5 Stunden vorgesehen, und im Planschbecken geschieht das halbstündlich. Zwar überwachen ständig automatisch laufende Mess- und Dosieranlagen im Technikgebäude die Wasserqualität, so den Chlorwert, den pH-Wert und den Redox-Wert (zeigt den Grad der Wasserverschmutzung an), doch Schwimmmeister Wurche nimmt dennoch am Tag drei Wasserproben, um ganz auf Nummer sicher zu gehen. Zum Beispiel wird durch Zugabe von Schwefelsäure das harte Wasser aus dem Kalkbergwerk, das einen pH-Wert von etwa 7,8 aufweist, auf 7,0 reguliert.

Moderater Eintritt

Das Jahnbad war 2018 vor allem bei Kindern und Erwachsenen aus der Gemeinde und dem Umland wieder eine gute Adresse, auch viele Meißner und sogar Dresdner kamen, ebenso Lommatzscher Bürger, denn das Terence-Hill-Freibad in dieser Stadt ist seit Jahren dicht, weil der Verwaltung das Geld für eine grundlegende Sanierung fehlt. Die Gemeinde Klipphausen hatte zwar in diesem Jahr den Badeintritt für Erwachsene um 50 Cent auf 3,50 Euro erhöht (für Kinder blieb der Preis wie schon seit vielen Jahren bei 1,70 Euro konstant), doch liegt damit das Miltitzer Jahnbad weiterhin in einer Reihe solcher Freibäder, wo die Kommunen den Bürgern erschwingliche Eintrittspreise gewährleisten. Zum Vergleich: In Nossen kostete der Eintritt für Erwachsene drei Euro (Kinder 1,50 Euro), im Roßweiner Bad Wolfstal 3,50 Euro Erwachsene, Jugendliche 2,50 Euro und Kinder 1,50 Euro. Anders dagegen im Badepark Reinsberg: Dort mussten die Erwachsenen fünf Euro berappen, für Kinder waren es 2,50 Euro. Im Stauseebad Cossebaude zahlten die Erwachsenen vier Euro (Kinder 2,20 Euro), im Georg-Arnhold-Freibad in Dresden kostete der Badespaß für Erwachsen fünf Euro und für Kinder drei Euro sowie im Freibad Sumpfmühle in Hetzdorf fünf bzw. 2,50 Euro.

Nun winterfest gemacht

In diesen Tagen hat Schwimmmeister Uwe Wurche das Jahnbad mit Ein-Euro-Jobbern schon weitgehend winterfest gemacht. Die Abdeckungen für die Becken sowie die Plastegitter an den Überläufen wurden mit Planen vor Schnee, Eis und Schmutz gesichert. Rohrleitungen werden geleert, darunter befindet sich auch die etwa 1,5 Kilometer lange Wasserleitung zum Kalkbergwerk. Filter und weitere technische Anlagen werden gereinigt, Pumpen und anderes überprüft, Bänke und weiteres Badmobiliar geschützt. „Auf der Liegewiese müssen wir Gras nachsäen. Die Trockenheit in diesem Jahr hat Pflanzen verdorren lassen“, bemerkte Uwe Wurche. Plastefässer und -kanister wurden schon an den Becken bereitgestellt. Da als Gegendruck im Winter das Wasser in den Becken verbleibt, dienen diese Behälter dann als Eispoller. Da sich gefrorenes Wasser bekanntlich ausdehnt, fangen diese „Eisdruckpolster" aus Kunststoff den Druck auf, der vom Eis auf den Beckenrand wirkt - ein einfacher, aber effektiver Schutz gegen Frostbeschädigungen. „Im letzten Jahr war das Eis in den Becken etwa zehn Zentimeter stark. Das ist kein Problem. 1996 zum Beispiel waren aber die Becken fast bis auf den Grund zugefroren“, so der Schwimmmeister.

Fast drei Jahrzehnte dabei

Uwe Wurche hat jetzt die 28. Badsaison im Jahnbad hinter sich, von 1993 bis 1996 als Schwimmmeistergehilfe und danach als staatlich geprüfter Schwimmmeister. „Es ist ein schönes Bad in idyllischer Lage. Meine Tätigkeit ist abwechslungsreich“, sagte er. Dabei sah es vor Jahrzehnten nicht so aus, dass er hier mal sein Berufsleben hat. Denn der heute 54-Jährige, der in Taubenheim aufwuchs und dort auch in der Schule seinen Zehn-Klassen-Abschluss machte, lernte von 1980 bis 1983 bei Planeta in Radebeul Maschinen- und Anlagenmonteur und arbeitete dann bis 1991 in diesem Betrieb. Doch mit dem Wegfall von Arbeitsplätzen nach der Wende auch in diesem Unternehmen musste sich Uwe Wurche umorientieren. Da kam ihm zugute, dass er bereits von 1980 bis 1990 als Rettungsschwimmer im Jahnbad tätig war. Als die damalige Gemeinde Miltitz einen zuverlässigen Mann für das Freibad suchte, nutzte er die ihm gebotene Chance. „Ich habe es nicht bereut“, sagte Uwe Wurche, der verheiratet ist, zwei Kinder hat und seit 1997 in Groitzsch lebt, wo sich die Familie ein Haus gebaut hat.

So spricht Uwe Wurche gern über das Vorschulschwimmen der Mädchen und Jungen aus den Kindertagesstätten Miltitz, Scharfenberg, Taubenheim und Sachsdorf, das seit 2015 schon bewährte Praxis ist. In diesem Jahr waren etwa 70 Kinder vom 4. bis 22. Juni eifrig dabei, Grundkenntnisse des Schwimmens zu erlernen und als Lohn dafür das „Seepferdchen“ zu bekommen. 3 400 Euro kostete in diesem Jahr der Bus, der die Kinder zum Jahnbad beförderte und den die Gemeinde finanzierte, wie Gemeindekämmerin Silvia Kunas informierte. Die Eltern zahlen für das Vorschulschwimmen einen Unkostenbetrag von 68 bis 78 Euro.

Schwimmen erlernen

Das Jahnbad ist auch seit vielen Jahren Ort für das Schulschwimmen der zweiten Klassen aus Grundschulen in der Gemeinde. Ebenfalls traditionell - seit 1995 - ist das Ferienlager der DLRG Meißen für Kinder und Jugendliche im Sommer. „In unserer heutigen Zeit ist doch wichtig, dass sich die Kinder nicht nur mit Handy und Computer beschäftigen, sondern sich auch bewegen und sportlich aktiv sind. Das Schwimmen gehört mit dazu“, meinte Uwe Wurche, der selbst als Mitglied der DLRG Meißen einmal in der Woche als Übungsleiter Kinder im Meißner Wellenspiel betreut.

Ihn freut es auch, dass sich die Gemeinde Klipphausen so für den Erhalt des Miltitzer Jahnbades engagiert, was angesichts der allgemeinen Finanzknappheit von Kommunen, siehe da Lommatzsch in der Region, keine Selbstverständlichkeit ist. Denn die Gelder aus dem Badeintritt der Bürger, die Saisonkraft Christine Zschörnig einnimmt, decken bei Weitem nicht die Kosten für den Unterhalt des Miltitzer Freibades. „Jährlich schießt da die Gemeinde durchschnittlich etwa 100 000 Euro zu“, sagte Kämmerin Silvia Kunas. In diesem Jahr würde es allerdings etwas weniger sein, da Klipphausen 2018 im Vergleich zu anderen Jahren durch das prächtige Wetter über 10 000 Euro Mehreinnahmen an Eintritt der Besucher habe. Und auch der Badbus, der seit drei Jahren in der Hauptsaison in den großen Schulferien zweimal die Woche kostenlos vormittags zum Jahnbad und nachmittags zurück fährt (dienstags von Naustadt, donnerstags von Sachsorf) ist ein Entgegenkommen der Gemeinde. „An die 30 bis 40 Kinder nutzten da an diesen Tagen das Angebot“, berichtete Uwe Wurche. Die Kosten der Gemeinde für den Badbus, so die Kämmerin, betragen in der diesjährigen Saison 3 300 Euro.

Gehört zur Lebensqualität

Für den Gemeinderat und Bürgermeister Gerold Mann ist das Miltitzer Jahnbad ein Stück Lebensqualität im ländlichen Raum und gehört zur Daseinsfürsorge. „Diese Einrichtung hat auch eine lange Tradition, die wir bewahren wollen“, so der Bürgermeister.

Seit 1933 existiert das Miltitzer Bad, gebaut vom damaligen Turn- und Sportverein. Ein Betonbecken, gespeist vom Wasser aus dem Bach, Holzbalken trennten den Nichtschwimmerbereich ab. 1974 kam die große Liegewiese hinzu. Nach 1990 drängte es mit der Badsanierung, sonst wäre die Einrichtung nicht mehr zu halten gewesen. Die damalige Gemeinde Miltitz nutzte Fördergelder, ging das Risiko ein, nahm einen Kredit auf und sanierte grundlegend die Einrichtung. Am 3. Juli 1993 war Wiedereröffnung nach dem Umbau.

Nun wieder Sanierung

2018, also im Jahr des 25-jährigen Jubiläums nach der Modernisierung dieser Freizeitstätte, fasste nun der Klipphausener Gemeinderat in seiner September-Sitzung ebenfalls einen Beschluss, der für das Jahnbad wegweisend ist. Die Einrichtung ist wieder in die Jahre gekommen. Anlagen sind teilweise verschlissen oder mussten sogar wie auf dem Spielplatz für Kinder bereits aus Sicherheitsgründen abgebaut werden. An den Becken, die aus Stahlblech mit einer Plastebeschichtung bestehen, zeigen sich Rostflecken. Die Sanierung soll deshalb vor allem Becken, Gebäude und Anlagen einschließen. Genutzt werden soll dafür das Förderprogramm des Bundes zur Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur, wie Kämmerin Silvia Kunas sagte. Die Gemeinde hat das Projekt Jahnbad beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung angemeldet und hofft, dass Klipphausen da mit berücksichtigt wird. Insgesamt seien da für das Jahnbad 1,6 Millionen Euro fixiert worden, was bei einer 45-prozentigen Förderung des Vorhabens an die 720 000 Euro Fördergelder entspricht. Für 2021/22 sei die Sanierung avisiert.

Der Vorsitzende der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Ortsgruppe Meißen, Steffen Hausch, bemerkte: „Wir freuen uns sehr, dass sich die Gemeinde Klipphausen so engagiert zum Jahnbad bekennt. Das ist im Interesse vieler Bürger und vor allem auch der Kinder, die das Schwimmen erlernen sollen. Für uns ist das Jahnbad eine feste Größe. Wir bedanken uns bei der Gemeinde und sagen weiterhin Unterstützung für diese Einrichtung zu.“       

Fazit des Ganzen

Die Gemeinde Klipphausen lässt sich im Interesse der Bürger das Weiterbestehen des Jahnbades was kosten. Es ist eine freiwillige Aufgabe im Haushalt der Kommune – ein gutes Plus für die Bürger, doch ein Plus, das kostet. Denn laut dem Städte- und Gemeindebund liegen die Kostendeckungsgrade bei nur etwa 27,2 Prozent in Freibädern. Für 3,50 Euro Eintritt kommen also noch einmal im Durchschnitt sechs Euro Zuschuss von der Gemeinde dazu. Das ist auch umso beachtlicher, da in Deutschland die Freibäder sterben. Allein im vergangenen Jahr schlossen nach Zahlen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) 62 Freibäder. Ausgerechnet im finanzstarken Bayern waren es mit 16 Freibädern die meisten, Nordrhein-Westfalen kommt mit elf Bädern an zweiter Stelle. Der Klipphausener Gemeinderat und die Verwaltung lassen sich bei ihrem Votum für das Jahnbad auch noch von anderen Überlegungen leiten. Diese Freizeitstätte bringt Menschen aus allen Gesellschaftsschichten zusammen. Und das ist in Zeiten, in denen die sich auseinander bewegen, umso wichtiger. Und ein Besuch im Freibad vermittelt auch soziale Kompetenzen und Qualifikationen. Ganz wichtig ist da das Schwimmen, das generell in Deutschland droht, zu einer gefährdeten Kulturtechnik zu werden. Denn etwa jedes zweite zehnjährige Kind kann nicht schwimmen.

Text und Fotos: Dieter Hanke, 28.09.2018