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Elbradweg nun wieder komplett

Eingeweiht wurde die neue Brücke über die Wilde Sau in Gauernitz 

 

Am Elbradweg in Gauernitz nahe dem Elbschlößchen können jetzt Radler und Fußgänger wieder die Wilde Sau überqueren. Imposant sieht die neue hellgraue Fachwerkbrücke aus: eine Spannweite von 20,5 Metern, 2,50 Meter breit, eine geschwungene Konstruktion, die sich harmonisch der schönen Elblandschaft anpasst. „Wunderbar. Architektonisch ist das neue Bauwerk große Klasse“, sagte der Meißner Kreisradwegewart Hans-Jochen Gramann. Der Weinböhlaer, der sich auch um die Ausschilderung der Meißner 8 im linkselbischen Gebiet große Verdienste erworben hat, war der Erste, der nach der feierlichen Einweihung am Freitag, dem 19. Oktober, über die neue Brücke radelte. Doch nicht nur das formschöne Bauwerk unweit der Mündung der Wilden Sau in die Elbe selbst, sondern auch der angrenzende 2,50 Meter breite Elbradweg, der asphaltiert und mit Granitsteinen eingefasst wurde, komplettiert das gelungene Bauprojekt.

Kein enger Kurvenradius

Insgesamt 216 Meter Elbradweg entstanden neu, davon über100 Meter vor und eine kürzere Strecke hinter der Brücke, die dann Anschluss an die bestehende Führung des Elbradweges haben. „Die Radler wird es freuen, dass sie nun in einem breiten Bogen auf die neue Brücke fahren können. Bei der früheren alten Brücke am Elbschlößchen geschah das scharf im rechten Winkel“, bemerkte der Kreisradwegewart. Die Gemeinde kam damit auch einer Empfehlung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) nach, der für Radfahrer Gefährdungen durch einen extrem engen Kurvenradius vermeiden möchte. Die neue Brücke über die Wilde Sau entstand so nicht wie die vorhergehende direkt kurz vor der Mündung des Flusses in die Elbe, sondern etwa 200 Meter oberhalb in Richtung Ortslage. Sie hat als Bodenbelag eine griffige Kunststoffbeschichtung.

Alten Weg renaturiert

Und auch Naturfreunde werden froh sein, denn die Eingriffe in die Landschaft durch das neue Bauwerk fielen weitgehend gering aus. „Der Brückenbogen ist hoch, Vögel können gut durchfliegen“, sagte Henning Klein von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Meißen. Typisch seien hier Eisvögel. Auch für den Biber, der an der Elbe sein Revier hat, würde dieses Bauwerk nicht störend sein. Der Gauernitzer Ortsvorsteher Helmut Wetzel verwies noch darauf, dass die Wegführung zur Brücke so ausgelegt wurde, dass dafür die erforderliche neue Flächen-Inanspruchnahme gering war. „Der alte Weg wurde renaturiert“, bemerkte er. Für Mirko Winter, den Leiter der Flussmeisterei Dresden der Landestalsperrenverwaltung, ist noch ein anderer Aspekt bedeutsam. „Die Brücke wurde breiter gemacht, die Widerlager der Überquerung zurückversetzt. Das ermöglicht uns, hier später an der Wilden Sau die Böschungen abzuflachen, um den Abflussquerschnitt aufzuweiten, was besonders bei Hochwasser von Vorteil ist“, sagte er und dankte wie ebenso die Untere Naturschutzbehörde und die Wasserbehörde des Landkreises der Gemeinde Klipphausen für die enge Zusammenarbeit.

Umleitung über B 6

Der Neubau der Brücke hatte sich erforderlich gemacht, da sich im Mai 2014 durch einen Starkregen das sonst so beschauliche Flüsschen Wilde Sau in einen reißenden Strom verwandelt hatte. Die Fluten verschoben die Brückenfundamente. Die 40 Jahre alte Stahlbetonbrücke wurde aus der Halterung gerissen. Ein Totalschaden. Das hatte auch zur Folge, dass dieser Abschnitt des Elbradweges gesperrt wurde. Die Radler mussten fortan hier eine kurze Umleitung auf der B 6 nehmen, ehe sie am Fährweg in Gauernitz wieder auf den bestehenden Elbradweg zurückkehren konnten (etwa 150 Meter).

Dass relativ lange Zeit verstrich, ehe die neue Brücke gebaut werden konnte, hat verschiedene Gründe. Etliche Genehmigungen und langwierige Abstimmungen mit Behörden sowie erforderliche Übereinkünfte mit Grundstückseigentümern, Einrichtungen und Verbänden verzögerten das Ganze. Planungen und Bauarbeiten an diesem Standort waren auch nicht ganz unproblematisch, da in diesem Bereich Leitungen verschiedener Medienträger liegen. „Das alles musste beachtet werden, um Baurecht zu erhalten“, sagte René Walter vom Planungsbüro Frank aus Freital.

Brücke ist aus Aluminium

Das österreichische Unternehmen BITSCHNAU hat die Fachwerkbrücke mit dem 1,40 Meter hohen Geländer geliefert, deren Nutzlast sich auf 445 kg je Quadratmeter beläuft. Die Überquerung ist aus Aluminium, also leichter als Stahl. „Die Oberfläche der Brücke wurde vom österreichischen Hersteller mit einem speziellen Verfahren, Alu-Blast genannt, sandgestrahlt“, informierte Brückenplaner Ralph Bauer vom Ingenieurbüro Frank. Nach dem Einsatz von Brücken aus Kunststoff vor einigen Jahren im Gemeindegebiet Klipphausen ging die Kommune mit diesem Brückentyp also wieder neue Wege. Das Unternehmen aus Österreich, so René Walter, wendet zum Beispiel eine solche Brückenbauweise bei Überquerungen im Gebirge an. Auch im Areal eines Gebäudes der TU Dresden hat das Unternehmen aus Österreich kürzlich eine Brücke aus Aluminium errichtet.

Die Erdarbeiten sowie den Wegebau hat das Unternehmen Arndt Brühl aus Freital erledigt, die Brücken-Fundamente wurden vom Subunternehmer Kleber-Heisserer Bau GmbH aus Dippoldiswalde gefertigt. Das Ingenieurbüro Lohse aus Kleinkagen war für die Baustatik der Brücke zuständig gewesen. „Wir hatten Glück, das Wetter hat mitgespielt, war trocken. Das kam uns beim Bau entgegen“, sagte Polier Thomas Kiesewalter von der Firma Brühl. Baustart war im Juni 2018 gewesen. Gemeinsam mit seinen Kollegen Bernd Mögel und Jan Süßmann hatte er auch den neuen Radweg gebaut, der unter anderem mit Trag- und Asphaltdeckschicht einen Aufbau von 42 Zentimetern hat.

Dank an Bauleute

Insgesamt hat dieses Gesamtvorhaben 365 000 Euro gekostet, der Anteil für die Brücke beträgt davon 80 000 Euro. Der Freistaat Sachsen finanziert bis auf die Planungskosten, die die Gemeinde tragen muss, diese Maßnahme.    

Bürgermeister Gerold Mann hat bei der Einweihung allen Bauleuten, Planern, dem österreichischen Brückenhersteller sowie den beteiligten Behörden und Bürgern für ihre Arbeit und Mitwirkung gedankt. „Der Elbradweg ist nun wieder komplett“, sagte er. Steffen Horn von der Bauabteilung der Gemeindeverwaltung hat darauf verwiesen, dass neben dem Brücken-Neubau in Gauernitz in der vergangenen Zeit auch andere Schäden am Elbradweg durch die Wetterereignisse beseitigt wurden. Das betrifft zum Beispiel einen längeren Abschnitt im Bereich der Siedlung Wildberg, wo der Weg höher gelegt wurde. Außerdem wurden vom Fährweg in Gauernitz in Richtung Scharfenberg etliche Abschnitte saniert, wo es Ausspülungen sowie Schäden an den Rändern gab.

Text und Fotos: Dieter Hanke, 24.10.18