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Von Klipphausen in alle Welt

DHL Express nahm für zehn Millionen einen neuen Logistikstandort im Gewerbegebiet in Betrieb. Wenn von DHL Express Deutschland im Gewerbegebiet Klipphausen...

... die Rede ist, dann handelt es sich nicht um den alltäglichen Paketdienst, der zum Beispiel einen beim Online-Händler bestellten Pullover nach Hause liefert. Die Post-Tochter auf der Bremer Straße 7 bringt vor allem Express-Sendungen für Wirtschaft und Handel, für Großunternehmen, klein- und mittelständische Betriebe, aber auch für einzelne Privatpersonen, die dafür das nötige Geld haben, Waren, Briefe und Geschenke rund um den Globus. Im Gegenzug liefert der Schnelllogistiker Pakete in das Servicegebiet des Klipphausener DHL-Standortes, das sich von Hainichen bis nach Görlitz zur polnischen Grenze und von Lübbenau im Spreewald bis nach Seiffen und der tschechischen Grenze erstreckt, also im Großraum Dresden, ganz Ostsachsen und Südbrandenburg. Da geht es um vielfältige Stückgüter, um Ersatzteile, komplette Maschinen und Anlagen, Fahrzeuge sowie viele weitere Waren und Briefe. Amazon ist zum Beispiel einer der Hauptkunden von DHL. „In europäische Länder und nach New York können wir über Nacht zustellen, Sendungen nach Asien und Afrika werden in zwei bis drei Tagen an die Zieladresse geliefert“, sagte Markus Reckling, der Chef von DHL Express Deutschland. Mit 250 Flugzeugen steuert DHL Express insgesamt 220 Länder und Territorien an. Durchschnittlich starten in der Nacht rund 60 Flugzeuge vom internationalen DHL-Frachtdrehkreuz, dem Leipziger Flughafen, der Deutschlands zweitgrößter Frachtflughafen ist. Etwa die Hälfte der Paketmengen in der Klipphausener Station, so sagte DHL-Niederlassungsleiter Andreas Franz, werden innerhalb Deutschlands verschickt, die andere Hälfte sind Auslands-Pakete.

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Knotenpunkt für DHL

Durch die vorteilhafte Lage an der A4 und die Nähe zu Leipzig ist „Klipphausen für DHL ein Knotenpunkt“, so der Director Managing DHL Express Germany, wie die Funktionsbezeichnung von Markus Reckling offiziell heißt. Denn der weltweit führende Anbieter internationaler Expressdienstleistungen steht vor großen Herausforderungen. Der Internet-Handel boomt und damit auch das internationale Expressgeschäft. DHL hat zweistellige Wachstumsraten. Auch die Versandmenge in Dresden, Ostsachsen und Südbrandenburg stieg enorm. Eine Erweiterung der DHL-Station in Klipphausen war dringend notwendig, die Wachstumsgrenze am alten Standort auf der Bremer Straße 5 war erreicht worden. Dort platzte man aus allen Nähten.  

Kapazitäten verdoppelt

„Wir haben jetzt unseren Standort in Klipphausen fit gemacht für die Zukunft“, bemerkte Markus Reckling. Ende Oktober 2018 wurde im Gewerbegebiet der neue Betriebsstandort eingeweiht. Unweit der bisherigen DHL-Halle entstanden jetzt an der Bremer Straße 7, schräg gegenüber der Sächsischen Haustechnik, auf insgesamt 3 000 Quadratmetern neue Produktions- und Büroflächen. Die Vorteile sind bedeutend: Die Kapazitäten der Station wurden verdoppelt, der Ablauf ist effektiver, was die Servicequalität gravierend verbessert. Der Deutschland-Express-Chef bei der Einweihung am 25. Oktober: „Durch den Kapazitätsausbau und eine effizientere Bearbeitung der Sendungen sind wir nun für das prognostizierte Wachstum in der Region Dresden optimal aufgestellt. Damit verbinden wir Dresden noch besser mit der Welt.“

Automatische Sortieranlage

Kernstück des zehn Millionen schweren Investitionsprojekts am neuen Logistik-Standort ist eine hochmoderne automatische Sortieranlage in der neuen Halle, die bis zu 3 000 Packstücke pro Stunde bearbeiten kann. Sie erstreckt sich insgesamt auf 300 Metern in zwei Etagen. Wie von Geisterhand werden die Pakete auf der Anlage befördert. Ein System aus Scannern, Sensoren und Laufbändern ermöglicht das. In Büros mit einer Gesamtfläche von 650 Quadratmetern laufen da alle Informationen zusammen.

Herzstück der Sortieranlage ist ein supermoderner Fotoscanner, den es derzeit nur noch an zwei anderen Standorten in der Welt gibt, so u. a. in Melbourne in Australien, und der von einem Unternehmen in Deutschland hergestellt wurde. Diese Anlage nimmt bei gleichbleibender Geschwindigkeit des Bandes nach dem Scannen des Labels auf dem Paket die Zuordnung nach den einzelnen Zielorten vor. Eine schnellstmögliche Zustellung der Sendungen gewährleisten auch zwei sogenannte „Finger“, gewissermaßen Tunnel, wo die Be- und Entladeprozesse von bis zu 48 Zustellfahrzeugen gleichzeitig erfolgen. Das ist eine große Erleichterung für die Kuriere, denn die Express-Sendungen werden über die Sortieranlage automatisch bis zum jeweiligen Tor befördert, wo sie dann direkt und rückenfreundlich in die Fahrzeuge geladen werden.

„Für uns Mitarbeiter an der Sortieranlage und die Kuriere ist diese neue Technik eine super Erleichterung“, bemerkte Schichtleiter Stephan Bürger. An der Sortieranlage gibt es einen Zweischichtbetrieb, 15 bis 20 Leute sind es jeweils in einer Schicht. Früh von fünf bis sieben Uhr und nachmittags und abends von 15 bis 21.30 Uhr läuft derzeit die Anlage. „Wir sind gut gerüstet, da haben wir noch Erweiterungsmöglichkeiten für die Zukunft“, meinte der 29-jährige Logistik-Facharbeiter. Der Klipphausener DHL Express-Chef Andreas Franz (55) sieht gegenwärtig eine 50-prozentige Auslastung der Sortieranlage. Für Steffen Schworm (51), Teamleiter für Disposition, ist vor allem wichtig, dass mit der neuen Anlage kürzere Bearbeitungszeiten in der Sendungsabwicklung, erreicht werden. Auch Guido Ngnyen, der als Arbeiter an den Ladetoren eingesetzt ist, freut sich über die enorm verbesserten Arbeitsbedingungen. „Jetzt geht es auch schneller. Die Höhe des Bandes an der Sortieranlage kann für unsere Tätigkeit genau eingestellt werden“, sagte er.

Arbeitsplätze kamen hinzu

Am neuen DHL-Standort sind jetzt insgesamt 100 Beschäftigte tätig, mit dem Neubau kamen Arbeitsplätze hinzu. „Alles ist gut gelaufen mit dem Neubau, wir haben jetzt bedeutend mehr Platz. Unsere Arbeitsbedingungen haben sich sehr verbessert“, bemerkte Niederlassungsleiter Andreas Franz. Dazu gehören zum Beispiel ergonomische Arbeitsplätze im Büro und in der Halle sowie modern ausgestattete Sozialräume. Bei der Planung des Gebäudes wurde auf nachhaltige Bauweise und erneuerbare Energien Wert gelegt. Effiziente LED-Technik sorgt für eine gute Beleuchtung. Der Verwaltungstrakt wird mit effektiven Wärmeaustauschern beheizt. Es wurden im Areal auch schon Voraussetzungen geschaffen, um zukünftige emissionsneutrale Zustellfahrzeuge mit Ladestrom zu versorgen. Im hinteren Teil des Grundstücks entsteht eine Blumenwiese für Wildbienen und andere Insekten.

Dank an Bauleute

Das DHL-Großprojekt in Klipphausen wurde in gut einem Jahr verwirklicht. Baustart war im August 2017 gewesen, das Richtest wurde Anfang November 2017 gefeiert, und die Inbetriebnahme erfolgte im September 2018. Bauherr des Vorhabens war die Rakasta GmbH aus Waiblingen bei Stuttgart (Baden-Württemberg). Das Unternehmen Goldbeck Ost GmbH, Niederlassung Sachsen, das seinen Sitz ebenfalls im Gewerbegebiet Klipphausen hat, war Generalauftragnehmer des Baus. „Wir danken allen am Bau Beteiligten ganz herzlich für ihre Arbeit“, sagte DHL Express-Chef Markus Reckling zur Eröffnung der neuen Betriebsstätte.

Auch für den Klipphausener Bürgermeister Gerold Mann ist der Neubau von DHL ein gutes Zeichen. „Für die Kunden wurde der Service verbessert, es entstanden neue Arbeitsplätze.“ Der Neubau sei sowohl für den Wirtschaftsstandort Klipphausen als auch für die Gemeinde ein Gewinn, sagte der Bürgermeister zur Einweihung. Seit 1998 sei DHL Express als Spezialist für Schnellsendungen mit einem Standort in Klipphausen vertreten.

Express-Chef Markus Reckling ist froh, dass er bei der Erweiterung der Station in Klipphausen die Gemeindeverwaltung als einen engagierten Partner zur Seite hatte. Gegenüber dem Amtsblatt sagte er: „Das war eine große Hilfe für uns. Wir schätzen den Bürgermeister und die Arbeit der Gemeinde sehr.“ 

Auch Dr. Thomas de Maiziére, CDU-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Meißen und Ex-Bundesinnenminister, der zur Einweihung mit anwesend war, würdigte die Entwicklung von DHL Express in Klipphausen. „Das kommt der Region zugute“, sagte er gegenüber dem Amtsblatt. Es sei auch an DHL Express spürbar, welche zunehmende Bedeutung heutzutage das Speditionsgewerbe hat.

Kunden freuen sich

Zur Eröffnung waren auch etliche Kunden und Partner von DHL dabei, es gab Rundgänge an der neuen Sortieranlage. „Es ist schon beeindruckend, wie DHL Express hier seine Infrastruktur in Klipphausen und damit die Servicequalität verbessert hat. Das ist vorteilhaft für Betriebe, Händler und Bürger“, meinte Anke Kalkbrenner, Mitglied der Geschäftsleitung des Bautzener Unternehmens AKF Automobile Krafträder-Fahrzeugteile. Der Betrieb versendet oft Pakete mit Ersatzteilen für Simson-Mopeds und MZ-Motorräder aus DDR-Produktion an deutsche Urlauber und weitere Kunden im Ausland. „DHL-Express ist da für uns ein guter Partner. Wir haben uns in Klipphausen überzeugt, dass unsere Güter in guten Händen sind“, sagte die junge Frau. Denn die Bearbeitungszeiten würden verkürzt. Pakete und Briefe können später beim Kunden abgeholt und am nächsten Tag früher am gewünschten Zielort abgegeben werden.

Die Niederlassung in Klipphausen gehört zu den insgesamt 31 Stationen von DHL, die Anschluss an das internationale Netzwerk haben. Der Expressdienst hat in Leipzig und Chemnitz noch zwei weitere Standorte in Sachsen. Der Neubau in Klipphausen ist Teil eines umfangreichen Infrastrukturprogramms, mit dem DHL Express als einer der größten Logistik-Konzerne der Welt in die Zukunftsfähigkeit seiner Standorte investiert. Auch in Hamburg, Hannover, Frankfurt, Freiburg, Nürnberg und Stuttgart wurde der Netzausbau fortgesetzt. Ferner wird der Leipziger Flughafen ausgebaut. In das Luftfrachtdrehkreuz sollen in den nächsten Jahren mehr als 200 Millionen Euro investiert werden. Für bis zu 36 Frachtflugzeuge sollen neue Abstellflächen entstehen. Zugleich sollen vier neue Rollwege zu den beiden Start- und Landebahnen gebaut werden. DHL schätzt ein, dass sich die Express-Frachtmengen, die hier pro Nacht umgeschlagen werden, von derzeit mehr als 350 000 Sendungen bis zum Jahr 2032 auf 800 000 Sendungen verdoppeln werden.

A4 ist Nadelöhr

Für Klipphausen ergibt sich da aber auch ein Problem, das Bürgermeister Gerold Mann zur Eröffnung ansprach. Als ein Nadelöhr für die rasanten Zuwächse im Speditionsgeschehen und so auch von DHL Express, erweist sich die A4 vor den Toren des Dienstleisters. „Die Autobahn ist zu eng geworden. Ein Ausbau ist dringend nötig. Auch als Gemeinde haben wir das schon mehrfach vom Freistaat gefordert“, so der Bürgermeister.

Das Land Sachsen hatte es versäumt, den Ausbau der A4 rechtzeitig im Bundesverkehrswegeplan anzumelden. Jetzt soll ein Extra-Verfahren Abhilfe schaffen. Die Planungen für den Ausbau, so fordert auch der Klipphausener Bürgermeister, sollten aber schon vorher beginnen, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren.

Text und Fotos:  Dieter Hanke, 20.11.2018