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Eine Aktion für die Natur

Röhrsdorfer Familien sowie Schüler der Evangelischen Oberschule Klipphausen mit ihren Eltern pflanzten Bäume und Sträucher am Kirchweg. Hofweihnacht am 8. Dezember in Röhrsdorf

An der frischen Luft in einer reizvollen Natur, leckerer Kuchen und schmackhafte Bratwürste und außerdem eine gute Sache für die Umwelt getan zu haben – die etwa 60 Leute, größtenteils Familien mit ihren Kindern, die am  Sonnabend Anfang November an der Pflanzaktion am Kirchweg zwischen Röhrsdorf und Klipphausen teilnahmen, waren begeistert. „So etwas machen wir wieder. Ein schöner Vormittag. Wir freuen uns, wenn unser Kirchweg noch attraktiver wird und die Natur weiteren Zuwachs erhält“, sagte eine Familie aus Röhrsdorf. Initiatoren dieser Aktion waren die Evangelische Oberschule Klipphausen, der Röhrsdorfer Pfarrer Christoph Rechenberg und weitere engagierte Bürger aus Röhrsdorf. Viele Eltern waren mit ihren Kindern gekommen, die in der Evangelischen Oberschule lernen, sowie auch Mitglieder der St.-Bartholomäus-Kirchgemeinde und weitere Einwohner aus Röhrsdorf.

An einem Abschnitt, etwa 200 Meter nach dem letzten Haus der Gemarkung Klipphausen, legten die großen und kleinen Pflanzfreunde am Rand des kommunalen Weges eine etwa 80 Meter lange Hecke an. Pfaffenhütchen, Gemeine Heckenbirne, Gemeiner Schneeball, Bauernjasmin, Hartriegel, Wildrosen und weitere Gehölze werden dort künftig wachsen und Vögeln und Kleinlebewesen Schutz bieten. An einem anderen Abschnitt des Weges pflanzten sie mehrere hochstämmige Apfelbäume und Zwetschgen sowie weitere Sträucher.

Vorher hatte es großes Hallo gegeben, als Pfarrer Christoph Rechenberg dort am Feldrand fachmännisch die Sense geschwungen hatte und auf 120 Metern entlang des Feldes einen etwas mehr als zwei Meter breiten Streifen von Rauhafer, der dort als Zwischenfrucht stand, frei machte. „Gelernt ist gelernt“, kommentierte Pfarrer Rechenberg scherzhaft seine landwirtschaftlichen Kenntnisse. Sein Vater hatte ihm als Kind diese Tätigkeit beigebracht, und auf den Dresdner Elbwiesen bei Pillnitz probierte sich damals Christoph Rechenberg aus.

Jetzt wachsen auf dem Streifen am Feldrand unter anderem die süß-saftige Hauszwetschge „Prunus“, ein Klassiker unter den Pflaumensorten, die  aromatische Backpflaume „Haroma“ sowie „Rebella“, ein rot-gelber Spätherbst- und Winterapfel, und auch der goldgelbe „Malus Kaiser Wilhelm“ Winterapfel. Der Bio-Bauernhof Vorwerk Podemus in Dresden, der hier einen 30 Hektar großen Schlag besitzt, hatte für die Pflanzaktion den Feldstreifen kostenlos bereitgestellt. „Das entspricht unserer Philosophie als Ökobauernhof. Für die Natur, die Tiere und für eine abwechslungsreiche Landschaft sind doch solche Streifen am Feldrand mit Bäumen und Sträuchern sehr wichtig. Schließlich stehen wir damit auch in guter alter landwirtschaftlicher Tradition“, sagte Öko-Bauer Bernhard Probst, Chef von Vorwerk Podemus, gegenüber dem Amtsblatt. Den Rauhafer hatte das Unternehmen zur Bodenverbesserung und Humusbildung angebaut.

Auch an einem dritten Standort wurde an diesem Vormittag etwas für eine lebenswerte Umwelt getan. Am Areal am Kirchweg, wo im Vorjahr anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums schon eine Luther-Linde von der St.-Bartholomäus-Kirchgemeinde gepflanzt worden war, kamen nun noch mehrere Sträucher in den Boden. Die Anlage wird dadurch noch sehenswerter.

Pflanzlicher Expertenrat war bei dieser Aktion auch gegeben. Gartenbauingenieur und Kirchenvorsteher Uwe Liebe aus Naustadt stand den Teilnehmern mit Rat und Tat zur Seite, so zum Beispiel beim Ausheben der Pflanzlöcher und dem Einsetzen der Pflanzen. Auch die Gemeinde Klipphausen unterstützte das Vorhaben. So fuhr René Drescher vom Bereich Abwasserentsorgung einen großen Wasserwagen, der 1 800 Liter fasst. Tüchtig wurden die Pflanzscheiben gewässert, schließlich sollen es starke Exemplare werden. Und für die weitere Pflege der neuen Bäume und Sträucher haben sich Pflanzfreunde auch schon bereiterklärt. Einige Röhrsdorfer wollen außerdem noch in diesem Jahr am Kirchweg weitere Gehölze pflanzen, die von Bürgern gespendet wurden. 

Nach dem Arbeiten, der trockene Lehmboden hatte schon manchem zu schaffen gemacht, war das abschließende gemütliche Beisammensein am Kirchweg nahe Röhrsdorf genau das richtige Finale an diesem Vormittag. Muttis von Schülern der Evangelischen Oberschule hatten Kuchen gebacken, Ehemänner kümmerten sich um den Bratrost, Frauen um Kuchen und Kaffee. Pfarrer Rechenberg warb für seinen historischen Apfelkalender, und geplaudert wurde an diesem Vormittag auch sehr viel. „Für den Zusammenhalt der Bürger sind auch solche Aktionen genau das Richtige, und es wird damit auch Natur- und Umweltbewusstsein von Kindern und Erwachsenen gefördert“, bemerkte Gemeinderat Thomas Noack aus Röhrsdorf. Dank der Organisatoren galt an diesem Tag auch der Feuerwehr Röhrsdorf, die ein Zelt für das gesellige Beisammensein zur Verfügung stellte, dem Getränkehandel Auerbach für seine Biertischgarnituren, der Gemeinschaft der Landfrauen, die sich mit engagierte. 

Überhaupt starten die Röhrsdorfer in letzter Zeit durch. Das dörfliche Miteinander soll enger werden. Gelegenheit dazu wird sicher auch die Hofweihnacht am 8. Dezember auf dem ehemaligen Hof Rost gegenüber der Saubachtaler Agrar AG geben. Unter dem Motto „Von Nachbarn für Nachbarn“ bereiten rührige Dorfbewohner kurzweilige Stunden von 14 bis 20 Uhr vor. Einwohner des Ortes werden an Ständen ihre Hobbys präsentieren. Da gibt es zum Beispiel selbstgemachten Likör, Magnetschmuck und Grußkarten. „Wir wollen nicht zum bloßen Schlafdorf verkommen. Alteingesessene Einwohner und neu Zugezogene sollen sich kennenlernen und besser zueinander finden“, meinte die Röhrsdorferin Franzi Stejskal. Musik und kulinarische Genüsse sollen da das Ganze mit auflockern. Auch der Röhrsdorfer Posaunenchor und der Gospelchor aus Meißen werden mit von der Partie sein. „Wir wollen mal was losmachen ohne bürokratischen Zwang und Verpflichtungen, wie sie vielleicht ein Verein haben. Die Leute sollen einfach Spaß haben und miteinander ein paar gesellige Stunden in der Vorweihnachtszeit verbringen“, bemerkte Frau Stejskal weiter.

Für Daniela Vogt, Leiterin der Evangelischen Oberschule Klipphausen, war die Pflanzaktion ein schöner Abschluss der Projektwoche der Schüler zum Thema Reformation. Die 5. Klasse weilte da auch in der Kirche Röhrsdorf und im Pfarrhaus, wo die Mädchen und Jungen dort unter anderem die historische Bugenhagenbibel, die erste mittelniederdeutsche Ausgabe der Lutherbibel, betrachteten. Die Schüler der 6. Klasse waren in der Naustädter Kirche, wo sie selbst erarbeitete szenische Handlungen zur Verantwortung des Einzelnen im Leben vortrugen.

 

Text und Fotos:  Dieter Hanke, 27.11.2018