^ Nach oben

Das Abwasser wird nun in Dresden gereinigt.

Die 12,5 Kilometer lange Druckleitung von der Kläranlage in Klipphausen zum Klärwerk Kaditz ist fertig. Zur Zehn-Millionen-Großinvestition gehört auch ein Pumpwerk.

Ein ehrgeiziges Vorhaben ist jetzt verwirklicht: Die Abwassertrasse von der Kläranlage am Sachsdorfer Weg in Klipphausen bis zur Kläranlage der Stadtentwässerung Dresden in Kaditz ist fertig. Mitte Dezember soll der Probetrieb beginnen. Wenn alles klappt, soll dann die Kläranlage in Klipphausen Ende Januar 2019 abgeschaltet werden. Dann können in der 12,5 Kilometer langen Druckleitung, die einen Innendurchmesser von 25 Zentimetern hat, an die 65 bis 75 Liter Abwasser in der Sekunde oder jährlich rund eine Million Kubikmeter Abwasser transportiert werden. Für das Kaditzer Klärwerk mit seinen hochmodernen Becken der biologischen Reinigung sind die zusätzlichen 3 600 Kubikmeter Abwasser aus Klipphausen und Wilsdruff, die dann täglich im Durchschnitt anfallen, kein Problem. Schließlich liegt dessen Kapazität bei rund 200 000 Kubikmetern. Der Wilsdruffer Abwasserzweckverband „Wilde Sau“, wo die Gemeinde Klipphausen Mitglied ist, war Bauherr dieses Großvorhabens und finanzierte es. Rund zehn Millionen Euro kostet die Gesamtinvestition.

Stabile Abwasserentsorgung

„Damit ist auch in der Zukunft die Gewähr gegeben, dass wir in unserer Region eine moderne und stabile Abwasserentsorgung haben“, sagte Klipphausens Bürgermeister Gerold Mann, der auch stellvertretender Vorsitzender des Abwasserzweckverbandes „Wilde Sau“ ist. In der Kläranlage am Sachsdorfer Weg, die 1996 in Betrieb ging, wurden aus der Gemeinde Klipphausen die Abwässer aus den Ortsteilen Sora, Klipphausen, Röhrsdorf, Sachsdorf und Hühndorf entsorgt, außerdem noch die Schlämme aus den Kleinkläranlagen in den Ortsteilen Kleinschönberg, Lampersdorf und Lotzen. Ebenfalls angeschlossen an diese Kläranlage war die Stadt Wilsdruff mit mehreren Ortsteilen. Hinzu kamen noch Pohrsdorf sowie Grundstücke in Fördergersdorf (Ortsteile der Stadt Tharandt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge). Nun ist für das Abwasser aus diesen Gebieten Endstation in Dresden-Kaditz.

Anlagen werden getestet

In den nächsten Wochen arbeitet die Kläranlage am Sachsdorfer Weg aber noch. „Während hier das neu gebaute Pumpwerk das Abwasser Richtung Kaditz drückt, werden die Dichtheit der Druckleitung sowie die Funktionsfähigkeit aller Anlagen getestet“, sagte Norman Wonka, Teamleiter für Investitionen bei der Stadtentwässerung Dresden und zuständig für dieses Großvorhaben. Die Gesamtplanung und Bauüberwachung für die Abwasserüberleitung Klipphausen - Dresden lag bei der Stadtentwässerung in einer Arbeitsgemeinschaft mit dem Dresdner Ingenieurbüro ACI-Aquaprojekt.

„Wir hoffen, dass jetzt beim Finale alles in Ordnung geht und somit dieses Projekt erfolgreich abgeschlossen wird“, bemerkte der 49-jährige Teamleiter. Voraussichtlich im zeitigen Frühjahr soll dann auch die offizielle Übergabe der Abwasser-Überleitung erfolgen.

Parallel zur Autobahn

Ende 2017 hatte der Bau begonnen. Vorausgegangen waren da aber schon langwierige Vorbereitungen. „Denn für den längsten Anschluss, den nun das Kaditzer Klärwerk bekommen sollte, mussten allein in Dresdner Raum mit etwa 160 Landeigentümern sowie auch etlichen Behörden und weiteren Trägern öffentlicher Belange, mit Wasserbehörden, der Deutschen Bahn, Flussmeisterei, Autobahnamt und anderen Gremien Gespräche geführt und Übereinkunft erzielt werden“, bemerkte Norman Wonka. Parallel zur Autobahn, der A4 in Richtung Dresden, wurde auf den Feldern etwa 40 Meter von der Fahrbahn entfernt ein knapp zwei Meter tiefer Graben ausgebaggert, in den dann die Kunststoffrohre kamen. Die Trasse verläuft von der Klipphausener Kläranlage in Richtung Hühndorf, an der Autobahnraststätte „Dresdner Tor“ vorbei, quert kurz nach dem Abzweig die A 17, erstreckt sich dann weiter an der A4 und führt dann direkt zur Elbe, wo vorher noch die B6 und eine Eisenbahntrasse gequert wurden. Unter dem Grund der Elbe verläuft die Leitung in einem Tunnel, ehe dann an der Kläranlage Dresden-Kaditz Endstation ist.

Spektakulär war Elbquerung

Norman Wonka berichtete: „Auf den ersten 1,8 Kilometern hinter Wilsdruff geht es bergauf, so dass das Abwasser an der Kläranlage in Klipphausen gepumpt werden muss, um den Höhenunterschied von etwa 60 Metern zu überwinden. Danach fließt es im freien Gefälle bis nach Kaditz.“

Eine spektakuläre Aktion war die Elbquerung. Gebohrt wurde unmittelbar neben der Dresdner Autobahnbrücke der A4 ein etwa 450 Meter langer Rohrtunnel unter dem Elbgrund, in der Fachsprache Düker genannt. Spezialisten der Firma Beermann Rohrtechnik, die zum Beispiel auch unter dem Nordseegrund bohren, um Elektroanschlüsse für Windräder herzustellen, mussten da sieben Meter unter der Elbe zum Teil auch durch harten Fels. Danach wurde das Rohr in den zuvor gebohrten Kanal eingezogen. Es ist nunmehr der sechste Abwassertunnel unter der Elbe in Dresden.

Kompliziert sei ebenfalls ein anderer Streckenabschnitt gewesen, so Wonka. Die Meißner Landstraße als auch die angrenzende Eisenbahnlinie in Dresden galt es zu unterqueren. „Deshalb gab es da zunächst auch die Idee, die Abwasserleitung an die Autobahnbrücke zu hängen. Das wurde jedoch abgelehnt“, bemerkte der Teamleiter. Eine Bohrung durch den Untergrund in diesem Bereich hätte aber zeitaufwendige Genehmigungsverfahren nach sich gezogen. Zum Glück fanden die Planer aber eine andere Lösung. Ein in diesem Bereich bestehender Regen-Auslasskanal, der unter der Straße und Bahntrasse verläuft, konnte mit genutzt werden. In die 1,5 Meter hohe Röhre aus dem Jahr 1905, die noch gut in Schuss ist, wurde am Rand einer der Gänge, die Wartungsarbeiten ermöglichen, die 35 Zentimeter starke Abwasser-Kunststoffleitung montiert. „Diese Lösung hat uns sehr geholfen“, sagte Wonka.

 

Klärbecken werden saniert

Wenngleich das Abwasser nun nach Dresden fließt, hat die Kläranlage am Sachsdorfer Weg in Klipphausen noch lange nicht ausgedient. Vier der fünf ehemaligen Klärbecken werden bis Herbst 2019 saniert, diese sollen fortan als Abwasser-Speicherbecken zur Verfügung stehen. Das erste Becken unmittelbar am neuen Pumpwerk mit einem Fassungsvermögen von 1 500 Kubikmetern ist schon fertig, die Sohle wurde neu betoniert, vier Rührwerke am Boden montiert. Zur Stabilität wurde das Becken mit Stahlankern im felsigen Untergrund befestigt. Wonka: „Die Becken haben insgesamt ein Speichervolumen von rund 9 000 Kubikmetern.“ Diese sollen zeitweise als Puffer dienen, so bei einer Havarie der Pumpstation, in extremen Spitzenzeiten und auch bei Hochwasser, wenn die Abwasser-Zulaufmenge aus den Orten größer ist als die Fördermenge, die die Pumpen schaffen. Außer den ersten beiden Becken, die als Tagesspeicher vorgesehen sind, bleiben die anderen bis auf die genannten Ausnahmefälle leer.

Eine vernünftige Lösung

Nicht wenige Bürger haben sich gefragt, warum die Kläranlage am Sachsdorfer Weg nicht hätte modernisiert werden können, was die Trassen-Investition nach Dresden erspart hätte. Der Abwasserzweckverband „Wilde Sau“ hat es sich da nicht leicht gemacht. Fakt war: Die Kläranlage, deren erste Ausbaustufe 1994 in Betrieb genommen wurde, war bei Anlagen und Technik zum Teil verschlissen. Zudem reichten die Kapazitäten für die Zukunft nicht mehr aus. Der Zweckverband hatte deshalb eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung von Experten veranlasst. Danach wäre eine Sanierung und Erweiterung des Klärwerks wesentlich teurer geworden, als der Bau einer Abwasserüberleitung nach Dresden. Der Verband entschied sich deshalb für die kostengünstigere Variante. Da galt es auch zu berücksichtigen, dass der alte Standort von seiner Lage her für eine Erweiterung problematisch ist: Die nahe Autobahn, enge Tallage, begrenzt von einem Berg und der „Wilden Sau“, felsiger Untergrund. „Im Blick hatte der Zweckverband auch, mit einer stabilen Abwasserentsorgung Voraussetzungen für den weiteren Wohnungsbau und die Ansiedlung von Unternehmen in den Gewerbegebieten und Orten der Stadt Wilsdruff und der Gemeinde Klipphausen zu schaffen“, sagte Bürgermeister Gerold Mann.

„Wilde Sau“ profitiert

Noch ein weiterer Vorteil hatte den Ausschlag für den Bau der Druckleitung nach Dresden gegeben. Das Klärwerk in Kaditz mit seiner biologischen Reinigung des Abwassers und den hohen Umweltstandards gehört zu den modernsten in Deutschland und wurde seit 2015 erweitert. Bereits seit 2006 leiten schon Pirna, Heidenau und weitere Orte das Abwasser nach Kaditz. Aus Freital wird dieses schon seit mehreren Jahrzehnten dort gereinigt. Für die Umwelt ist es auch ein Gewinn, weil künftig die „Wilde Sau“ als Vorfluter der ehemaligen Kläranlage nachhaltig entlastet wird.

Und noch ein Argument spricht für die Überleitung. Die Stadtentwässerung Dresden ist seit 2015 Betriebsführer für den Abwasserzweckverband „Wilde Sau“. In einer europaweiten Ausschreibung hatte sich damals dieses Unternehmen mit einem fachlich fundierten und wirtschaftlichen Angebot durchgesetzt. Das beinhaltet die technische und teilweise auch die kaufmännische Betriebsführung, außer für das Verbandsmitglied Klipphausen. Die Stadtentwässerung betreibt seit dieser Zeit schon die Kläranlage Klipphausen sowie das Kanalnetz des Zweckverbandes.

Über 20 Jahre Klärwärter

Für Norbert Heine ist bald eine Ära zu Ende. Über 20 Jahre war er in der Klipphausener Anlage Klärwärter. „Im Sommer 2019 gehe ich in den Ruhestand“, sagte der 62-Jährige, der in Mohorn-Grund wohnt. Es sei hier eine abwechslungsreiche, selbstständige Arbeit gewesen. „Die Anlage war sehr stabil. Wir haben sehr darauf geachtet, dass die Grenzwerte bei Schadstoffen konsequent eingehalten werden“, bemerkte er. Das Klärwerk wird künftig nicht mehr ständig besetzt sein, denn die Pumpstation läuft automatisch.

Findlinge aus der Eiszeit

Doch nicht nur diese Technik ist im Klärwerk am Sachsdorfer Werk neu. Bei den Schachtarbeiten für die Pumpstation und Zuleitungen kamen etliche große kantige Bruchsteine zum Vorschein – über 20 Findlinge aus der Eiszeit. „Manche der Brocken waren über einen Meter hoch, an die sechs Tonnen schwer. Einige Platten mussten wir sogar zerteilen, um diese mit dem Bagger aus der Baugrube zu befördern“, berichtete Polier Wolfgang Dietze von der Swietelsky Baugesellschaft aus Meißen, die gemeinsam mit der WKS Technik GmbH Dresden die Pumpstation gebaut hat. Überhaupt waren bei dieser Großinvestition überwiegend Firmen aus der Region im Einsatz gewesen. „Schon jetzt ein Dankeschön allen am Bau Beteiligten“, sagte Bürgermeister Gerold Mann.

Text und Fotos: Dieter Hanke, 03.12.2018