Etappensieg in Weistropp

Die Pfarrstelle im Ort soll vorerst bis 2025 erhalten bleiben. Viele Ideen für Kofinanzierung.

Die Kirche soll im Dorf bleiben und auch der Pfarrer. Das soll auch in den evangelisch-lutherischen Kirchgemeinden St.-Nikolai Weistropp-Constappel und Unkersdorf so sein. Einen Etappensieg verbuchten da jetzt die Gemeindeglieder und weitere Bürger in dieser Region. Denn die drohende Gefahr, dass das Pfarramt in Weistropp geschlossen wird und Pfarrer und Mitarbeiter weggehen müssen, ist vom Tisch. Vorerst. „Die Pfarrstelle in Weistroppp soll bis 2025 bestehen bleiben“, sagt Pfarrer Christian Bernhardt. Die Landeskirche finanziert diese, und im Stellenplan des Kirchenbezirks Meißen-Großenhain ist sie nun bis dahin auch enthalten.

Petition von 1 100 Bürgern

Ein Erfolg, der vor allem den über 1 100 Bürgern zu verdanken ist. Denn nicht nur die etwa 600 Mitglieder dieser beiden Kirchgemeinden, sondern auch zahlreiche Einwohner aus diesen Orten und Umgebung, die nicht kirchlich gebunden sind, hatten in einer Petition den Erhalt von Pfarramt und Pfarrstelle in Weistropp gefordert. Auch der Klipphausener Bürgermeister Gerold Mann unterschrieb diese Forderung. Das hat nun offensichtlich Landeskirche und Kirchenbezirk Meißen-Großenhain bewogen, einzulenken. Auch sicher aus der Sicht, weil die Kirchgemeinden Weistropp-Constappel und Unkersdorf im kulturellen Leben und in der Jugendarbeit in diesen Dörfern beispielgebend sind. Und weil sich auch abzeichnete, dass bei einer Schließung des Pfarramtes nicht wenige Mitglieder der Kirche den Rücken zukehren würden. Und das in einer Situation, wo die Landeskirche schon jetzt stark schrumpft.

Seelsorge und Freizeit-Offerten

Bis 2025 müssen nun die Kirchgmeinden St.-Nikolai Weistropp-Constappel und Unkersdorf eine Lösung finden, um das Dilemma abzuwenden. Kirchenvorstände und Pfarrer Christian Bernhardt haben für eine Kofinanzierung der Pfarrstelle schon einige Ideen. So könnte diese geteilt werden. Der Pfarrer arbeitet zur Hälfte für die Kirchgemeinden vor Ort, die andere Zeit für die Landeskirche. „Das könnte zum Beispiel als Jugendpfarrer sein oder auch in der Seelsorge, unter anderem bei der Polizei“, bemerkt der 44-Jährige. Zur Vollständigkeit sei gesagt, dass schon jetzt die Pfarrstelle in Weistropp nicht eine volle Planstelle ist, sondern nur eine dreiviertel.

Als eine weitere Option für eine mögliche Kofinanzierung bietet sich das Feld der Wirtschaft an. Die Gewerbegebiete in Wilsdruff und auch in Klipphausen und Röhrsdorf sind nicht weit. So könnte in großen Unternehmen eine Betriebsseelsorge aufgebaut werden - mit Beratung, kommunikativer Begleitung, Hilfe und Rat für Menschen in schwierigen Situationen. Der Vorteil wäre beiderseitig: Unternehmen hätten einen ständigen Ansprechpartner vor Ort, und der Pfarrer würde sozusagen geerdet sein, einbezogen in Tätigkeit und Entwicklung der Betriebe. Zur Finanzierung des Ganzen könnten sich Unternehmen zusammentun.

Weitere Möglichkeiten für eine Kofinanzierung der Pfarrstelle wären, wenn die Kirchgemeinden selbst unternehmerisch agieren würden. Da könnten auch die Stärken und Interessen des Weistropper Pfarrers sehr von Vorteil sein. Schon jetzt kommen seine Freizeitangebote für junge Leute groß an, zum Beispiel Fahrten mit dem Boot oder dem Fahrrad in der Mecklenburgischen Seenplatte, Outdoor-Aktivitäten mit Übernachtungen, Ausflüge mit Fahrrad oder Motorrad und anderes mehr. Nicht nur für junge Gemeindeglieder, sondern auch für nichtkirchlich gebundene junge Leute wäre das sicher etwas. Und auch ein anderes Vorhaben wäre denkbar. In diesem Jahr haben Konfirmanden dieser Kirchgemeinden bei ihrem Projekt „Licht in der Finsternis“ beeindruckende Fotomotive mit Lichtstrahlern in der Constappler Kirche aufgenommen. In der Folge entstand ein Kalender. Ein solches Angebot könnte in Zukunft wohl auch für weitere Jugendliche interessant sein. Und auch bei Theaterprojekten ist der Weistropper Pfarrer schon seit geraumer Zeit ein guter Ansprechpartner, so kürzlich auch bei einem Projekt von Schülern der Evangelischen Oberschule Klipphausen in der Naustädter Kirche.

Gedanken für Pilger-Herberge

Das alles sind einige erste Vorstellungen. Doch wie Pfarrer Christian Bernhardt sagt, sollten jetzt erst einmal alle Gedanken und Ideen in dieser Richtung auf den Tisch, um dann beharrlich Konkretes festzulegen. „Das Jahr 2025 ist schneller herangerückt, als man denkt“, so der Pfarrer. Eine weitere Überlegung wäre auch ein solches Zukunfts-Vorhaben, im Weistropper Pfarrhof eine Pilger-Herberge einzurichten. Ein derzeit noch baufälliger Gebäudeteil müsste dafür hergerichtet werden.

Pfarrer, Kirchenvorstände und Mitglieder sind sich da einig, dass sie bei all dem Neuland betreten, dass sicher auch Vorurteile und Bedenken in der Landeskirche oder im Kirchenbezirk ausgeräumt werden müssen. Doch es sei zeitgemäß, so ist ihre Haltung, über neue Möglichkeiten zur Finanzierung von Pfarrstellen zu sprechen, über eine Neuprofilierung vor Ort nachzudenken, auch über mehr Verantwortung und Gestaltungsspielraum für die einzelne Kirchgemeinde. Pfarrer Bernhardt: „Dass wir gerade in letzter Zeit so einen großen Rückhalt bei vielen Menschen gespürt haben, dass die Kirche zum Dorf gehört, dass sie für Traditionen, Kultur und Zusammenhalt der Menschen sehr wichtig ist, ermutigt uns, diesen Weg zu gehen.“ Auf einer Podiumsdiskussion zum Erhalt der Pfarrstelle am 25. Oktober in der Unkersdorfer Kirche wurden die Kirchgemeinden in dieser Richtung bestärkt. An dieser Zusammenkunft hatten auch der stellvertretende Landesbischof Dr. Peter Meis, Superintendent Andreas Beuchel vom Kirchenbezirk Meißen-Großenhain und Bürgermeister Gerold Mann teilgenommen. „Ich wünsche den Kirchgemeinden St.-Nikolai Weistropp-Constappel und Unkersdorf viel Erfolg bei ihren Bemühungen“, so der Bürgermeister.

Wechsel des Kirchenbezirkes

Pfarrer Christian Bernhardt, der Theologie an der Humboldt-Universität Berlin und an der Leipziger Universität studiert hat, betreut schon zehn Jahre die Gemeinschaft in diesem Gebiet. Mit seiner Familie, zu der auch vier Kinder im Alter von sieben bis 16 Jahren gehören, fühlt er sich in dieser Region sehr wohl und wird von den Einwohnern geschätzt. Und er hat noch vieles vor. „Unsere Kirche in Constappel ist wunderschön geworden. Auch in Weistropp und Unkersdorf wurde für die Sanierung der Kirchen schon vieles getan. Hier müssen wir in den nächsten Jahren vor allem aber im Inneren noch einiges tun“, sagt er. Und auch in struktureller Hinsicht kommt Neues auf die Kirchgemeinden Weistropp-Constappel und Unkersdorf zu. Denn schon in Kürze werden diese den Kirchenbezirk wechseln, und zwar von Meißen-Großenhain zum Freiberger Kirchenbezirk. Vorgesehen ist, dass sie künftig in einer Region mit den Kirchgemeinden im Kirchspiel Wilsdruff sowie mit denen in Freital, Tharandt, Pesterwitz und Mohorn zusammengehen.

Die Landeskirche hat eine Strukturreform angeschoben, die „Kirche mit Hoffnung in Sachsen“ heißt. In Weistropp, Unkerdorf und anderen Orten in diesem Gebiet haben die Kirchgemeindeglieder und weitere Bürger das so verstanden, dass sie den Kampf um die Erhalt der Pfarrstelle in Weistropp als einen generellen Aufbruch der Kirche in ihrer Region in Sachen kirchlichen Wirkens, Menschennähe, Seelsorge, Bildung und Finanzierung der kirchlichen Arbeit verstehen.

Text und Foto: Dieter Hanke, 14.12.2018