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Trassenbau in der Finalrunde

Im Gemeindegebiet ist die Gasleitung Eugal weitgehend verlegt.

Die riesige Schlange an der Straße nach Taubenheim gegenüber dem Gewerbegebiet Röhrsdorf ist dürr geworden. Von den einst 700 schwarzen Rohren hier waren Mitte Dezember nur noch etwa 200 da. Und diese werden bis Ende Januar 2019 auch noch von ihrem Lagerplatz verschwinden. „Bis dahin soll die Rohrverlegung im Gemeindegebiet Klipphausen abgeschlossen sein“, sagte George Wüstner, Sprecher der Gascade Gastransport GmbH. Dieses Unternehmen aus Kassel baut derzeit die neue Europäische Gasanbindungsleitung Eugal, die sich im Anschluss von „Nord Stream 2“ von der Ostsee durch Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg bis in den Süden Sachsens nach Deutschneudorf zur deutsch-tschechischen Grenze erstreckt. Insgesamt 485 Kilometer. Bereits Ende 2019 soll das Erdgas durch den ersten Leitungsstrang der Eugal fließen. Der sächsische Abschnitt, der 106 Kilometer lang ist, verläuft weitestgehend parallel zur vor sechs Jahren errichteten Ferngasleitung Opal.

Rekultivierung bis Sommer

Von September 2018 an wurde im Klipphausener Territorium von der Elbe in Gauernitz in Richtung Naustadt und Sora bis zur Autobahn in der Wilsdruffer Gemarkung die Trasse angelegt, knapp zehn Kilometer sind das. Die Spezialfahrzeuge rollten ständig. Ein Rohr ist 18,25 Meter lang, hat einen Durchmesser von 1,42 Metern und ist rund 15 Tonnen schwer. Im Auftrag von Gascade ist in Klipphausen die Firma Streicher aus Deggendorf in Bayern am Werk, und das geht so: Mutterboden abtragen, Rohre anfahren, vor Ort verschweißen, den an die 2,50 Meter tiefen Rohrgraben ausheben, Rohre versenken und alles nach und nach wieder verfüllen. Unternehmenssprecher Wüstner: „Anschließend ist die Rekultivierung der Flächen vorgesehen, die sich bis in den Sommer 2019 erstrecken wird.“

Vor Weihnachten 2018 war die Durchquerung der Elbe in Gauernitz avisiert. Das italienische Unternehmen Bonatti hat hier den Auftrag erhalten. Wüstner informierte: „Die Rohre bekommen vorher eine Betonummantelung als Schutz vor Beschädigung. Zugleich soll damit auch ein Auftrieb der Rohre im Wasser verhindert werden.“ Mit dem Bagger wird in der Elbe ein tiefer Graben ausgehoben, die Rohre dann hineingezogen. Sie befinden sich etwa zweieinhalb Meter unter der Flusssohle. 

Wetter spielte mit

„Wir liegen insgesamt im Bereich Klipphausen gut im Rennen, der Arbeitsfortschritt ist ansprechend“, bemerkte der Sprecher. Das bestätigte auch Tamas Pal. Der 35-jährige Ungar ist Oberbauleiter der Firma Streicher im 75 Kilometer langen Abschnitt von der Elbe bis Deutschneudorf und hat in der Vergangenheit schon mehrere Gastrassen im Ausland errichtet. „Das Wetter spielte bis Anfang Dezember in Klipphausen weitgehend mit, der Lehmboden war trocken, und es gab nur wenig Steine bei den Grabungen. Wir kamen gut voran“, sagte er. Mit einem sogenannten Bohrpressverfahren wäre die S 177 unterquert worden.

Heimische Landwirte hatten dem Eugal-Bau mit gemischten Gefühlen entgegengesehen. Die Skepsis war groß. Denn bei der Verlegung der Opal-Trasse im Klipphausener Territorium waren damals enorme Schäden entstanden: Verschlammte Flächen, Teiche und Bäche, Erosion und verdichteter Boden, zerfahrene Wege und Ackerflächen. Eine zerstörte Bodenstruktur und Ertragsausfälle waren die Folge.

Ein gutes Miteinander

„Wir sind diesmal angenehm überrascht worden. Die Bauleute haben sich an die Spielregeln gehalten, die vorher mit Gascade festgelegt worden waren. Die Schäden halten sich in Grenzen“, sagte Landwirt Hermann Schmick aus Ullendorf. Das trockene Wetter habe da sicher auch einen zügigen Bauablauf begünstigt. „Das Miteinander war gut, es gab engen Kontakt“, so der 62-jährige Ullendorfer. So sei zum Beispiel die Muttererde von anderem Aushub getrennt worden. Teilweise seien auch sogenannte „Baggermatratzen“ zum Einsatz gekommen, um Flächen zu schonen. Auch ein Bodengutachter sei mit vor Ort gewesen. Hermann Schmick: „Es hat sich ausgezahlt, dass wir uns diesmal im Vorfeld besser positioniert haben.“ Gemeinsam mit weiteren Bauern, Bewirtschaftern, Grundstückseigentümern sowie Land- und Forstbesitzern aus Sachsen und Brandenburg hatte sich Hermann Schmick, wie zum Beispiel auch die RRS Agrardienstleistungsgesellschaft mbH in Riemsdorf, der Interessengemeinschaft Eugal angeschlossen, damit sich solche schlimmen Fehler wie bei Opal nicht wiederholen. In einer Vereinbarung mit Gascade waren deshalb Forderungen der IG fixiert, die neben einem sorgsamen Bau auch Wiederherstellung und Rekultivierung der Flächen betreffen.

Auch Landwirt Andreas Partzsch aus Röhrsdorf, bei dem etwa vier Hektar betroffen sind, freut sich, dass es diesmal besser geklappt hat. „Bisher gab es keine größeren Verstöße, die Bauleute haben ordentlich gearbeitet“, bemerkte er. Für das Wiederverfüllen der Gräben sei der Aushub sogar gesiebt worden.

Für die Landwirte ist es wichtig, dass ihre wertvollen Ackerböden erhalten bleiben. Denn durch die anhaltende Trockenheit in diesem Jahr haben sie ohnehin schon Verluste hinnehmen müssen. Andreas Partzsch verzeichnet zum Beispiel 20 bis 30 Prozent weniger Erträge bei Weizen. Auch bei Gerste, Raps und Rüben fielen die Erträge geringer aus. Landwirt Hermann Schmick registriert 20 bis 25 Prozent Mengeneinbußen bei Körnermais und Zuckerrüben.

Nachteile für Gemeinde

Für die Gemeinde ist der Bau von Eugal mit Nachteilen verbunden. Denn die Trassenstrecke verläuft auch unmittelbar über Flächen, die für eine Erweiterung des Gewerbegebietes Klipphausen in Richtung Sora vorgesehen sind. „Der Trassenverlauf behindert die Erweiterung“, so Bürgermeister Gerold Mann. Beim Planfeststellungsverfahren der Landesdirektion waren aber diese Einwände von Klipphausen nicht berücksichtigt worden. Der Bürgermeister musste auch feststellen, dass Straßenbereiche, wie u. a. in Ullendorf, mitunter stark verschmutzt wurden oder Schäden an den Rändern entstanden sind. Auch sei nicht hinnehmbar, so der Bürgermeister, wenn schwere Fahrzeuge eingeschränkte Verkehrswege befahren, wie oberhalb von Seeligstadt in Richtung Schmiedewalde. Die Gemeinde will das mit Gascade auswerten.

„Wir nehmen Einwände ernst und bemühen uns um einen für alle Seiten zufriedenstellenden Interessenausgleich“, sagte Sprecher George Wüstner. Auch Einbußen der Landwirte auf den Fluren, Aufwuchsschäden, zerschnittene Flächen durch Arbeitsstreifen oder Prämienausfälle in der EU-Agrarförderung und anderes würden entschädigt werden.

 Text und Fotos: Dieter Hanke, 14.12.2018