^ Nach oben

Steinernes Denkmal ausfindig gemacht

Volker Gebhardt aus Seeligstadt hat wieder ein neues Projekt.

Er macht wieder einmal von sich reden. Volker Gebhardt, der Wegesäulen-Experte aus Seeligstadt, hat ein neues Projekt. Die Einwohner seines Ortes, aber auch Taubenheimer, Piskowitzer, Kettewitzer und Ausflügler und Wanderer wird es freuen. Der 68-Jährige hat ein weiteres steinernes Denkmal ausfindig gemacht und will es vor dem weiteren Verfall bewahren und restaurieren lassen.

An der Straße von Taubenheim kommend in Richtung Piskowitz an der Gabelung nach Kettewitz (am Tännicht) stand früher eine Wegesäule. Um 1860/70 muss sie entstanden sein, vermutlich im Zusammenhang mit den damaligen trigonometrischen Vermessungen auf der Baeyerhöhe. Wahrscheinlich in den 60er/70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war diese von Fahrzeugen umgefahren worden. Der damaligen LPG war diese Sandsteinsäule an der Spitzkehre offenbar ein Verkehrshindernis gewesen. Seitdem rottete dieses Zeugnis alter Verkehrswege im Wald vor sich hin. Erde und Pflanzen überwucherten im Laufe der Jahre das Fragment, denn durch den Zusammenprall war das Unterteil der Säule abgebrochen.

Schriftangaben verwittert

Der ehemalige Schuhmacher Gerhard Schöne aus Taubenheim hatte den Seeligstädter Heimatfreund auf dieses Exemplar aufmerksam gemacht. Er kannte genau den Fundort, und so konnte sich Volker Gebhardt an die Bergung machen. Mit einem Radlader wurde die etwa 100 Kilogramm schwere und noch ungefähr 1,20 Meter lange Sandsteinsäule im Frühjahr 2018 in den Garten seines Wohnhauses in Seeligstadt bugsiert. Fuhrunternehmer Gottfried Richter aus Seeligstadt, der inzwischen leider verstorben ist, hatte das kostenlos bewerkstelligt. „Auf dem Dorf hilft man sich untereinander“, meint Volker Gebhardt.

Die historische Säule hatte in den weit über 100 Jahren arg gelitten. Neben der Abbruchstelle gab es weitere Schäden am Sandstein. Die Schriftangaben mit den Entfernungen zu den Orten waren verwittert, nur noch Reste einzelner Buchstaben waren vorhanden. Doch der Seeligstädter wusste sich zu helfen. Im Unternehmen Naturstein und Denkmalpflege Dieter Vogt aus Roitzschen fand der 68-Jährige versierten fachlichen Rat. Gemeinsam mit dem Steinmetzmeister Christian Herklotz rekonstruierten sie die Ortsangaben und einigten sich auf die Schriftform. So verweisen die Richtungspfeile auf der einen Seite der Säule nach Piskowitz (1,3 km) und nach Taubenheim (1 km) und auf der anderen nach Kettewitz (1,5 km) und nach Seeligstadt (2 km).

Unterteil entsteht neu

Wie gewohnt recherchierte Volker Gebhardt akribisch für sein neues Projekt. Er stellte Unterlagen und Fotos zusammen und setzte sich auch mit der Meißner Denkmalschutzbehörde in Verbindung. In der Mitarbeiterin des Bauamtes der Gemeindeverwaltung Eva Roick hatte der Seeligstädter dabei wie gewohnt engagierte Unterstützung. Die Gemeindeverwaltung kümmerte sich mit um Genehmigungen, Ausschreibungen und Anträge. Inzwischen hat das Meißner Denkmalamt Ende November 2018 die denkmalschutzrechtliche Genehmigung zur Restaurierung und zum Wiederaufstellen des geborgenen Wegesteines erteilt. Der Steinmetzbetrieb Dieter Vogt wird diese Sache übernehmen. So wird auch das Säulenunterteil neu hergestellt. Die Kosten werden auf 1 300 Euro veranschlagt. „Wir hoffen da auch auf Fördergelder der Denkmalpflege. Der Antrag ist gestellt“, sagt Volker Gebhardt. Wenn die Fördermittel bereitgestellt werden, soll es mit der Sanierung losgehen.

Verein engagiert sich

Der 68-Jährige ist Mitglied des Heimat- und Sportvereins Seeligstadt, in dessen Rahmen auch diesmal das neue Wegestein-Projekt verwirklicht werden soll. „Ich organisiere wieder eine Spendenaktion, damit wir die Eigenmittel für die Restaurierung aufbringen können“, so Volker Gebhardt. 50 Euro seien schon zusammen gekommen. Auf einer Tafel an der Rückseite der Säule sollen dann die Spender genannt werden.

In den vergangenen Jahren hatte bereits Volker Gebhardt zusammen mit dem Heimatverein und der Gemeindeverwaltung Klipphausen zwei andere Wegesteine vor dem Verfall gerettet und wieder aufstellen lassen. Das betrifft eine sehr schöne Wegesäule im Ort an der Kreuzung Burkhardswalder Straße/Weitzschener Straße/Viehweg sowie ein steinernes Kleindenkmal am Kuhberg. Jetzt wird mit dieser Sandsteinsäule wieder ein Stück Heimatgeschichte in den Blickpunkt gerückt, wofür die Gemeinde dem Initiator Volker Gebhardt und dem Seeligstädter Heimat- und Sportverein herzlich dankt.

Wels aus der Elbe

Volker Gebhardt ist in Seeligstadt aufgewachsen und wohnt dort seit mehreren Jahrzehnten. Beruflich hat der gelernte Maurer als Polier im Bauwesen gearbeitet. Bemerkenswert ist da sein Credo. „Es reicht nicht nur, Neues zu bauen, sondern man muss auch das Schaffen älterer Generationen schätzen und bewahren“, sagt er. Und weiter bemerkt er: „Ich bekomme von der Gesellschaft, und da möchte ich auch etwas zurückgeben.“ So hält er die Augen offen, um vielleicht noch weitere verschollene historische Wegesäulen in der Gegend wieder ausfindig zu machen. Da könnte möglicherweise auch ein alter Wegestein-Standort an der Straße von Seeligstadt nach Weitzschen (Kohle- oder Badweg nach Miltitz) in Betracht kommen, wo heute Felder sind. „Wir werden sehen“, meint er. Aber auch so hat Volker Gebhardt keine Langeweile. Er hat zwei Kinder, wandert mit seiner Frau gern oder fährt mit dem Fahrrad in die linkselbischen Täler. Er organisiert auch zweimal im Jahr unter der Regie des Heimatvereins Wander- und Radtoren für interessierte Leute. 2018 wanderten sie in der Sächsischen Schweiz und radelten in der Seeligstädter Umgebung. Auch in seinem großen Garten mit den alten Obstsorten gibt es allerhand zu tun. Die Apfelsorte Boskoop schätzt er besonders. „Und ich bin ein begeisterter Angler“, sagt er. Aus der Elbe hat er zum Beispiel im Vorjahr mehrere Barsche und auch einige Aale an Land gezogen, vor zwei Jahren war es sogar ein Wels von etwa ein Meter Länge gewesen.

Text und Foto:  Dieter Hanke, 25.01.2019