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Eine Gemeinschaft, die brennt

Die Aufgaben in der Gemeindewehrleitung wurden jetzt auf breitere Schultern verlagert

Für Bürger und Feuerwehren in der Gemeinde Klipphausen gibt es eine gute Nachricht: Die Gemeindewehrleitung hat sich verstärkt und die Aufgaben auf breitere Schultern verlagert. Gemeindewehrleiter Manfred Kreißler aus Constappel wurde Anfang Dezember 2018 bei den Wahlen im Gemeindefeuerwehrausschuss wiedergewählt. Ihm zur Seite stehen jetzt für die Dauer von fünf Jahren vier Stellvertreter, die einmütig gewählt wurden. So wird wieder der 34-jährige Stefan Hanschmann aus Ullendorf 1. Stellvertreter sein. Neu sind jetzt die drei weiteren stellvertretenden Gemeindewehrleiter, und zwar Eric Petermann aus Lampersdorf, der für Technik und Ausrüstung zuständig ist, Katja Kellner aus Röhrsdorf, die sich um die Jugend und die Öffentlichkeitsarbeit kümmern wird, sowie Christoph Kürbis aus Tanneberg, der in Sachen Aus- und Weiterbildung den Hut aufhat.

 Zwölf Ortswehren mit 370 Kameraden

„Diese neue Zusammensetzung der Gemeindewehrleitung ermöglicht es uns, die Aufgaben, vor denen die Feuerwehren stehen, noch zielgerichteter als bisher anzugehen. Dadurch erhoffen wir uns einen weiteren Aufschwung“, sagt der 52-jährige Manfred Kreißler. In der Gemeinde Klipphausen gibt es zwölf Ortswehren mit 370 Kameraden, davon sind 258 im aktiven Dienst tätig, und 112 Mitglieder gehören der Alters- und Ehrenabteilung an. Es bestehen auch sieben Jugendfeuerwehren mit insgesamt 107 Mädchen und Jungen. Die Gemeindefeuerwehr Klipphausen zählt so mit zu den bedeutendsten im Landkreis Meißen.

Auch eine gute Voraussetzung für die weitere Arbeit ist, dass sowohl der Gemeindewehrleiter als auch seine Stellvertreter über solides Wissen und Können und reiche Erfahrungen in der Feuerwehrtätigkeit verfügen. Chef Manfred Kreißler kann jetzt auf eine 35-jährige Zugehörigkeit zur Feuerwehr zurückblicken, seit 1990 gehört er der Ortsfeuerwehr Gauernitz an. Stefan Hanschmann, gelernter Tischler und Meister, ist schon fast 20 Jahre dabei, angefangen von der Jugendfeuerwehr, er war später einige Jahre Jugendwart, auch Gruppen- und Zugführer in der Ortsfeuerwehr Taubenheim, seit 2011 bis 2013 stellvertretender Gemeindewehrleiter in der damaligen Gemeinde Triebischtal und nach dem Zusammenschluss beider Kommunen in der gleichen Funktion in der Gemeinde Klipphausen. Seit 17. Januar dieses Jahres ist er neuer Ortswehrleiter in Taubenheim.

Auch Katja Kellner bringt für ihre neue Funktion viele Erfahrungen mit. Die 39-Jährige ist seit zehn Jahren Jugendwartin in der Röhrsdorfer Feuerwehr. Christoph Kürbis (30) macht in Tanneberg schon seit 15 Jahren mit, die dortige Jugendfeuerwehr hat er 2015 gegründet, seit 2014 ist er stellvertretender Wehrleiter, und was für seine neue Tätigkeit vor allem wichtig ist: Er ist zugleich Kreisausbilder für die Grundausbildung der Kameraden sowie für den ersten Führungslehrgang. Eric Petermann reiht sich da ebenfalls bestens ein. Der 34-Jährige ist seit 2005 in der Feuerwehr Sora, dort seit 2008 Gerätewart und er kümmert sich seit einigen Jahren auch mit um die Bekleidungs- und Ausrüstungskammern aller Feuerwehren.

Kameraden stehen vor neuen Herausforderungen

„Diese gute Mischung an Sachverstand, Erfahrung und Engagement ist eine solide Grundlage für uns in der Gemeindewehrleitung“, bemerkt Manfred Kreißler, der nun mit Stefan Hanschmann sein Führungs-Team gut organisieren will. Denn auch Klipphausen steht wie viele andere Wehren im Freistaat Sachsen vor neuen Herausforderungen, wozu Bürgermeister Gerold Mann auf der Januar-Gemeinderatssitzung, wo vom Gemeinderat diese Kameraden bestellt wurden, viel Erfolg wünschte. Da geht es vor allem um die Gewinnung neuer Mitglieder, um die möglichst komplette Einsatzstärke der Wehren beim Ausrücken am Tage zu Bränden, Unfällen und Havarien, um die zielgerichtete Modernisierung von Technik und Ausrüstungen und die Schaffung weiterer Löschwasser-Reserven.

Neue Atemschutzgeräte und anderes für die Wehren

Die Gemeindefeuerwehr Klipphausen kann da weiterhin mit der guten Unterstützung rechnen, die Gemeinderat und Verwaltung ihr zukommen lassen. So wurden zum Beispiel seit 1998 von den zwölf Feuerwehr-Gerätehäusern zehn neu gebaut. „Auch für Miltitz und Burkhardswalde, so steht es im Brandschutz-Bedarfsplan der Gemeinde, gibt es hier in den nächsten Jahren Modernisierungen“, wie Manfred Kreißler sagt, der ausgebildeter Forstwirt und Baumpfleger ist und im Bauhof der Gemeinde arbeitet. Seit der Wende erhielten auch viele Wehren neue Löschfahrzeuge, wobei einige nun allerdings wieder aufgefrischt werden müssen. Hühndorf soll in den nächsten Jahren einen neuen Gerätewagen Logistik erhalten. Die Feuerwehr hat zurzeit dort noch ein altes Löschfahrzeug aus DDR-Zeiten. In Tanneberg geht es um einen neuen Rettungssatz, in Scharfenberg um ein neues Hilfeleistungsfahrzeug. „In diesem Jahr werden insgesamt über 60 neue Atemschutzgeräte angeschafft“, bemerkt Eric Petermann, der beruflich Mitarbeiter im Abwasserbereich der Gemeinde ist. 120 000 Euro kostet das. Auch ein Mannschafts-Transportwagen für die Gauernitzer Ortswehr soll 2019 kommen, für ebenfalls etwa 60 000 Euro. Für Schutzausrüstungen, Schläuche, Werkzeuge und anderes sind in diesem Jahr weitere 60 000 Euro geplant. „Generell gilt es aber in den nächsten Jahren, noch mehr neue Schutzausrüstungen für die Kameraden anzuschaffen. Durch die häufigeren Einsätze ist der Verschleiß größer“, so Eric Petermann.

Katja Kellner hat sich vorgenommen, guten Einfluss auf die feuerwehrtechnische Ausbildung sowie den Zusammenhalt der Jugendwehren zu nehmen. Erfreulich ist da, dass die Jugendfeuerwehr Gauernitz gegen Ende des letzten Jahres wiedereröffnet werden konnte. Elf Jugendfeuerwehrmitglieder in den Orten kamen insgesamt im Vorjahr neu hinzu. Wie Katja Kellner sagt, sei auch die enge Zusammenarbeit mit den Wilsdruffer Wehren vorteilhaft für die Jugendfeuerwehren der Gemeinde Klipphausen. Die Scharfenberger, Röhrsdorfer und Taubenheimer Mädchen und Jungen nehmen da zum Beispiel an Wettkämpfen oder auch am Zeltlager der Wilsdruffer Partner teil.

Auch Stellvertreter Christoph Kürbis, der als Außendiensttechniker für Graviersysteme bei einem Freiburger Unternehmen angestellt ist, hat sich Ziele gestellt. „Bei der Ausbildung der Kameraden haben wir noch Nachholbedarf“, meint er. Gerade auch für Quereinsteiger in der Feuerwehr sollten verstärkt Grundausbildungs-Kurse durchgeführt werden.

Viele Stunden der Freizeit für Dienst in der Feuerwehr

Wie die anderen Stellvertreter auch will Stefan Hanschmann, der Bauhofmitarbeiter in der Gemeinde ist, erreichen, dass sich das Bild der freiwilligen Feuerwehren bei nicht wenigen Bürgern anders darstellt. „Wir sind keine Berufsfeuerwehr, die vielleicht auf Einsätze wartet. Wir gehen einer beruflichen Tätigkeit nach, absolvieren Ausbildungsstunden in unserer Freizeit. Das sollten manche Einwohner bedenken und so vielleicht auch die Bemühungen der freiwilligen Feuerwehren beim Schutz des Lebens und des Hab und Gutes der Bürger bei Bränden, Unfällen und Havarien positiver bewerten“, sagt er. 2018 sei für die Feuerwehren in der Gemeinde Klipphausen außerordentlich arbeits- und ereignisreich gewesen, bemerkt er.

2018 mehr Einsäze, vor allem auch auf der A 4

Katja Kellner informiert: „Im vergangenen Jahr rückten die Kameraden zu insgesamt 142 Alarmierungen aus. Diese verteilten sich auf 37 Brände, davon fünf Großbrände, 92 technische Hilfeleistungen, davon allein 26 Alarmierungen wegen Sturmschäden.“ An den Einsätzen seien 1 707 Kameraden beteiligt gewesen, die insgesamt 3 411 Einsatzstunden geleistet haben. 2017 waren es in der Gemeinde Klipphausen noch insgesamt 111 Einsätze gewesen. „Hinzu kommen noch 9 717 Ausbildungsstunden, die die Mitglieder in ihrer Freizeit absolviert haben. Das sind 2 087 Stunden mehr als 2017“, so Katja Kellner, die beruflich als Mitarbeiterin in der Autolackiererei Hoffmann in Naustadt tätig ist.

Die Einsatzliste 2018 ist lang. Genannt seien zum Beispiel die Brände eines Seitengebäudes in Ullendorf im Februar oder im Humuswerk Otto im August. Mitte Januar war Orkantief „Friederike“ über die Gemeinde hinweggezogen. Die Kameraden hatten an einem Tag allein 24 Einsätze wegen umgestürzter Bäume, heruntergefallener Freileitungen und Dachziegel.

Bedeutend mehr Einsätze im Vergleich zu 2017 hatte es im Vorjahr auf der A 4 gegeben, wie Manfred Kreißler mitteilt. Bei den vielen Baustellen im Ausrückbereich der Gemeinde war es dort zu etwa 30 Verkehrsunfällen gekommen, zu denen überwiegend die Ortsfeuerwehren Hühndorf, Klipphausen und Tanneberg alarmiert wurden. Vor allem sei die Zahl der Unfälle von Lastern stark angestiegen, wobei nicht selten Personen schwer verletzt oder eingeklemmt worden sind.

Feuerwehr-Jubiläen in Röhrsdorf und Tanneberg

Während im Vorjahr die Ortsfeuerwehren Gauernitz, Taubenheim, Hühndorf und Scharfenberg ihr 75-jähriges Jubiläum feierten, gibt es in diesem Jahr weitere Feierlichkeiten. So wird am 31. August das 80-jährige Bestehen der Ortsfeuerwehr Röhrsdorf begangen. Auch in Tanneberg wird sicher tüchtig gefeiert. Dort gibt es gleich zwei Anlässe. Am 21. Juni heißt es 75 Jahre Feuerwehr Tanneberg und am 22./23. Juni begeht der Schießclub „Einigkeit“, wo auch zahlreiche Feuerwehrleute Mitglied sind, das 20-jährige Bestehen nach der Neugründung und das 100-jährige Jubiläum nach der Erstgründung.

 

Text und Fotos: Dieter Hanke, 18.01.2019