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Mit Ehrgeiz, Wissen und Können

Langjährige Gemeinderäte scheiden jetzt aus. Die Gemeinde sagt Dr. Heike Glaser und Thomas Forbriger ein herzliches Dankeschön.

„Es waren schöne erfüllte Jahre, an die ich mich gern erinnere. Ich denke, dass ich mit meinem Wirken auch einen Beitrag zur erfolgreichen Entwicklung der Gemeinde Klipphausen geleistet habe. „Das sagt die langjährige Gemeinderätin Dr. Heike Glaser. Die 55-jährige Scharfenbergerin wird zur Kommunalwahl am 26. Mai 2019 nicht wieder für den Gemeinderat kandidieren. „An die 20 Jahre war ich mit dabei. Das ist sicher ein guter Anlass, um nun Jüngeren Platz zu machen, die gleichfalls den Ehrgeiz haben, den kommunalen Alltag für die Bürger weiter zu verbessern“, bemerkt die Zahnärztin.

 Die Scharfenbergerin freut sich, dass Klipphausen in den vergangenen Jahrzehnten vieles geschafft hat. „Wir haben moderne Grundschulen und Kindertagesstätten. Für eine gute Abwasserentsorgung und im Trinkwasserbereich investierte die Gemeinde erhebliche Mittel. In den gut funktionierenden Gewerbegebieten wurden viele neue Arbeitsplätze geschaffen, was sich wiederum auch positiv auf den Zuzug von jungen Familien in den Orten auswirkte. Jetzt soll noch eine Oberschule hinzukommen“, bemerkt Dr. Glaser. Den dringend notwendigen Breitbandausbau für ein schnelles Internet in allen Ortsteilen der Gemeinde sieht die 55-Jährige jetzt mit als eine vordringliche Aufgabe des neuen Gemeinderates an. „Wir haben dafür in den vergangenen Monaten als Gemeinderat schon die erforderlichen Beschlüsse gefasst“, sagt sie.

Eine Tatsache bewertet die Scharfenbergerin noch als eine entscheidende Voraussetzung, dass Gemeinderäte und  Verwaltung so erfolgreich die Kommune vorangebracht haben. „Parteipolitik oder dominanter Einfluss von einzelnen Parteien oder Wählervereinigungen hat es bei uns im Gemeinderat nicht gegeben. Wir diskutierten mitunter auch kontrovers, doch bei all dem standen die Sachthemen im Vordergrund, also kommunale Probleme und Aufgaben, die wir möglichst zielstrebig lösen wollten“, sagt sie. Dr. Heike Glaser ist parteilos, kandidierte auf der CDU-Liste.

Als einen weiteren Garant für eine stabile Entwicklung von Klipphausen sieht die Scharfenbergerin den Fakt an, dass der Gemeinderat nicht gegen die Gemeindeverwaltung arbeitet, sondern miteinander. „Das ist in anderen Kommunen mitunter nicht der Fall. Wenn es mal bei uns unterschiedliche Ansichten und Haltungen gab, haben wir das fair besprochen, uns zusammengerauft oder Kompromisse gefunden“, bemerkt sie.

Dr. Glaser freut sich, dass sie in so einem guten kommunalen Umfeld auch ihre berufliche Tätigkeit ausüben kann. Seit 1986 ist sie Zahnärztin. Geboren wurde sie 1963 in Meißen, wuchs in Scharfenberg auf. Bis zur achten Klasse lernte sie an der Schule in Pegenau, dann wechselte sie auf die EOS in Meißen und später auf die ABF in Halle, wo sie auf ein Auslandsstudium vorbereitet wurde und auch ihr Abitur erwarb. Von 1981 bis 1986 studierte Heike Glaser Zahnmedizin an der Universität Olomouc (Tschechoslowakische Republik). Dann arbeitete sie bis 1991 als Zahnärztin an der Poliklinik Meißen, ehe sie sich selbständig machte. Erst hatte sie ihre Praxis im Haus Gruben 72 in Scharfenberg, wo auch der Allgemeinmediziner Dr. Sieg praktizierte, dann zog sie Anfang 2003 in ihren neugebauten Flachbau am Pinnenweg 5. Viele Einwohner aus Scharfenberg und Umgebung sind ihre Patienten. Auch die Bewohner des AWO Pflegewohnheimes in Taubenheim werden seit gut 20 Jahren von Dr. Glaser betreut. Mehrere Kindergärten und Schulen besucht die Zahnärztin im Rahmen der zahnmedizinischen Gruppenprophylaxe ebenfalls regelmäßig, wofür ihr die Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege des Freistaates dankt.

„Wir sind ein gutes Team. Schade zwar, dass Frau Dr. Glaser jetzt nicht mehr für den Gemeinderat kandidiert. In unseren Pausen sprechen wir auch oft über kommunale Vorhaben. Da haben wir von Frau Dr. Glaser gewissermaßen aus erster Hand Infos bekommen“, sagt Zahnarzthelferin Susanne Felber. Zum Team um Frau Dr. Glaser gehören insgesamt zwei Zahnarzthelferinnen und ein Zahntechniker.

Wenngleich die Scharfenbergerin jetzt aus dem Gemeinderat ausscheidet, für die Patienten ändert sich da nichts. Auch eine angenehme Sache bleibt erhalten. Denn auf dem Patientenstuhl in der Zahnarztpraxis zu sitzen, wenn sich der Bohrer nähert, ist für nicht wenige mit einem  mulmigen Gefühl verbunden. Da ist es eine willkommene Ablenkung, wenn auf einem kleinen Bildschirm über dem Zahnarztstuhl wunderschöne Aufnahmen aus der Natur und von Reisen in andere Länder gezeigt werden. Jetzt sind es zum Beispiel Tierfotografien aus Madagaskar. Frau Dr. Glaser weilte im Vorjahr mit ihrem Lebensgefährten auf dieser Insel im Indischen Ozean. „Wir reisen im Urlaub gern in ferne Länder, um deren Menschen, Kulturen und Landschaften kennenzulernen“, sagt sie.

Ein doppelter Abschied

Für Thomas Forbriger aus Taubenheim ist es jetzt gleich ein doppelter Abschied. Der 65-Jährige, der im Mai wieder ein Jahr zulegt, beendet einmal nach fast 30 Jahren seine Tätigkeit als Gemeinderat, erst in Taubenheim, dann in Triebischtal und seit 2012 in Klipphausen. „Nun ist es an der Zeit, dass Jüngere unsere Arbeit fortführen“, sagt der Taubenheimer, der sich allerdings nicht gänzlich in den Ruhestand zurückziehen will. „Ich kandidiere zwar am 26. Mai nicht wieder für den Gemeinderat, aber, wenn es gewünscht ist, stehe ich natürlich mit meinen kommunalpolitischen Erfahrungen den Neuen zur Seite“, bemerkt er.

Und auch beruflich geht jetzt ein Lebensabschnitt zu Ende. Thomas Forbriger war selbständig, hatte viele Jahre eine Firma für die Herstellung und Montage von Holz- und Kunststofffenstern und -türen. „Diese wird jetzt aufgelöst“, sagt er.

Wer so viele Jahre als Gemeinderat (Triebischtaler Bürgerbündnis Klipphausen) tätig war, weiß um die Entwicklung in den Orten bestens Bescheid, kennt das neu Geschaffene und hat den Überblick, was noch zu tun bleibt, um die Lebensbedingungen für die Bürger in den Orten weiter zu verbessern. Thomas Forbriger war einer der Gemeinderäte, der kein Blatt vor dem Mund nahm, wenn es Missstände gab. „Ich denke, dass sich Klipphausen sehen lassen kann und mit zu den stabilsten Gemeinden im Freistaat Sachsen gehört“, meint der 65-Jährige, der auch acht Jahre stellvertretender Bürgermeister war.  Er verweist da auf moderne Kindertagesstätten, Schulen, Gewerbegebiete, Feuerwehrhäuser, Freizeitanlagen und anderes. „Mich freut besonders, dass die Gemeinden Triebischtal und Klipphausen nach dem Zusammenschluss 2012 so gut zusammengefunden haben. Und dass zum Beispiel Triebischtal hinsichtlich von Investitionen zur besseren Abwasserentsorgung Schritt für Schritt vorankommt. „Wir sind eine Gemeinde geworden, die an einem Strang zieht“, meint er. Ihn freut auch sehr, dass Gemeinderat und Verwaltung in all den Jahren nicht nur die Pflichtaufgaben einer Kommune im Blick hatten, sondern sich auch in Sachen Kultur, Freizeitangebote oder Unterstützung von Senioren und Vereinen einbrachten. „Auch das gehört zum Wohlfühlen der Bürger in einer Gemeinde“, sagt er. So ist er auch froh, dass sich zum Beispiel die Gemeinde für den Erhalt und die Modernisierung des Jahnbades in Miltitz einsetzt.

„Es gibt natürlich auch Dinge, die mich auch heute noch  ärgern“, sagt er. Es sei beispielsweise ein unmöglicher Zustand, dass über viele Jahre die Kreisstraße in Taubenheim in so einem desolaten Zustand ist und dass dort nach wie vor durch Laster, die oft mit überhöhter Geschwindigkeit zu den Kieswerken fahren, enorme Gefährdungen für die Einwohner entstehen. „Wir sind da als Gemeinderat wiederholt beim Landkreis vorstellig geworden. Eine Änderung lässt aber noch auf sich warten“, so Forbriger. Eine bessere Kreisstraße in Taubenheim sei sein sehnlichster Wunsch. Auch in Sachen schnelles Internet hätten Land und Bund die Gemeinde über Jahre im Stich gelassen. „Jetzt endlich sind wir da auf gutem Wege“, bemerkt er. Thomas Forbriger, der schon zu DDR-Zeiten im Gemeinderat Taubenheim mitwirkte und sich auch als ehrenamtlicher Helfer der Gewässeraufsicht für Umweltbelange einsetzte, möchte hier ebenfalls weiter aktiv sein, wie er sich zum Beispiel schon seit Jahren um den Schutz von Fröschen und Kröten bei ihrer Laichwanderung im Frühjahr kümmert.  

Thomas Forbriger wurde 1953 in Meißen geboren, wuchs in Sönitz auf, ging in Miltitz zur Schule und lernte Landmaschinenschlosser mit Abitur. Dann studierte er Landtechnik an der TU Dresden, erwarb den Abschluss als Diplom-Ingenieur. Vor der Wende arbeitete er 15 Jahre im Kreisbetrieb für Landtechnik in Meißen-Schletta, zuletzt 1992 als Geschäftsführer in der Landtechnik GmbH Meißen. 1993 machte er sich selbständig mit seinem Fensterbaubetrieb, zuerst war der Sitz in der ehemaligen MTS in Taubenheim, ab 1995 dann im Gut der Großeltern in Sönitz. „Es gab Höhen und Tiefen in all den Jahren“, sagt er. Den Schritt in die Selbständigkeit habe er aber nicht bereut.

Seit 1979 wohnt er in Taubenheim. Als Ruheständler, so hofft er, habe er nun mehr Zeit für die Kinder und Enkel sowie für Reisen. 

 

Bürgermeister Gerold Mann möchte den Gemeinderäten, die nicht wieder kandidieren, ein herzliches Dankeschön für ihre Mitarbeit in all den Jahren sagen. „Es gab ein enges Miteinander. Das hat sich für Bürger und Gemeinde ausgezahlt“, sagt er.

Text und Fotos:  Dieter Hanke, 25.03.2019