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Abwasser fließt nun nach Dresden

Die neue 12,5 Kilometer lange Abwasser-Druckleitung von der Kläranlage in Klipphausen zum Klärwerk Dresden-Kaditz wurde jetzt feierlich übergeben.

Ein ehrgeiziges Projekt ist vollendet: Am 18. März wurde feierlich in der Kläranlage Dresden-Kaditz die neue 12,5 Kilometer lange Abwasserdruckleitung von Klipphausen nach Dresden eingeweiht. Bei der offiziellen Übergabe dieses 12,5 Millionen Euro teuren Bauwerks waren die Dresdner Bürgermeisterin für Umwelt und Kommunalwirtschaft, Eva Jähnigen, die Bürgermeister von Klipphausen und Wilsdruff, Gerold Mann und Ralf Rother, der Vorsitzende des Abwasserzweckverbandes „Wilde Sau“, Andreas Clausnitzer, der Technische Geschäftsführer der Stadtentwässerung Dresden, Ralf Strothteicher, sowie Planer, Baufirmen und weitere Beteiligte zugegen. Der Wilsdruffer Abwasserzweckverband, wo die Gemeinde Klipphausen Mitglied ist, war Bauherr dieses Großvorhabens gewesen und hatte es finanziert.

In der Sekunde bis 70 Liter

Die alte Kläranlage in Klipphausen war bereits Anfang Februar 2019 außer Betrieb genommen worden. Seit dieser Zeit drückt an diesem Standort ein neu errichtetes Pumpwerk bis zu 70 Liter Abwasser pro Sekunde durch die Druckleitung, täglich etwa 3 500 Kubikmeter, bis zur Kläranlage der Stadtentwässerung Dresden-Kaditz, wo es dort in neuen Becken biologisch gereinigt wird. Etwa drei Stunden beträgt die Fließzeit des Abwassers in der neuen Trasse bis nach Dresden. Es stammt aus den Ortsteilen Sora, Klipphausen, Röhrsdorf, Sachsdorf und Hühndorf der Gemeinde Klipphausen sowie aus der Stadt Wilsdruff mit mehreren Orten und aus Pohrsdorf und Fördergersdorf, Ortsteile der Stadt Tharandt. Die Kunststoffrohre der Druckleitung, die einen Innendurchmesser von 250 Millimetern haben, erstrecken sich in einem zwei Meter tiefen Graben parallel zur A 4 in Richtung Dresden, und zwar von der Klipphausener Kläranlage in Richtung Hühndorf, an der Autobahnraststätte „Dresdner Tor“ vorbei, wo die Trasse kurz nach dem Abzweig die A 17 quert, ehe sie dann weiter an der A 4 entlang bis zur Elbe führt, wo sie in einem Tunnel unter dem Grund des Flusses verläuft, bis dann an der nahen Kläranlage Kaditz Endstation ist.

Hohe Umweltstandards

Die Dresdner Kläranlage gehört zu den modernsten in Deutschland und hat mit ihren soliden Umweltstandards eine sehr hohe Reinigungsleistung. Die jährlich hier nun mitbehandelte Abwassermenge des Abwasserzweckverbandes Wilde Sau macht rund eine Million Kubikmeter aus. „Das entspricht etwa zwei Prozent der Jahresmenge unserer Großkläranlage. Der Gesamtzulauf beträgt hier 55 Millionen Kubikmeter“, sagte Ralf Strothteicher, Technischer Geschäftsführer der Stadtentwässerung Dresden.

Die Dresdner Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen würdigte bei der Eröffnung die enge Kooperation zwischen der Stadtentwässerung Dresden und dem Abwasserzweckverband Wilde Sau und hob deren Engagement hervor: „Die Bürger im Umland profitieren nun von einer modernen Abwasserentsorgung.“ Für die Umwelt sei es von Vorteil, dass durch die Außerbetriebnahme der alten Kläranlage in Klipphausen die Wilde Sau entlastet wird, was deren Wasserqualität verbessert. „Es wurde gemeinsam eine wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Lösung erreicht“, so die Umweltbürgermeisterin.   

Vor mehr als zwei Jahren hatte die Stadtentwässerung  (SEDD) innerhalb einer Planungsgemeinschaft mit dem Dresdner Ingenieurbüro ACI-Aquaprojekt dieses Großvorhaben im Auftrag des Abwasserzweckverbandes geplant. In einer europaweiten Ausschreibung hatte diese den Zuschlag bekommen. Der Bau startete Ende 2017. Die Stadtentwässerung Dresden begleitete sowohl den Bau des Pumpwerkes in Klipphausen als auch die Errichtung der Druckleitung.

Dank an Bauleute

AZV-Vorsitzender Andreas Clausnitzer und Ralf Strothteicher skizzierten in ihren Ansprachen noch einmal den Werdegang dieses Vorhabens. So sei zum Beispiel die Lage der Leitungstrasse entlang der A 4 auf insgesamt 160 öffentlichen und privaten Grundstücken eine besondere Herausforderung gewesen, denn deren Besitzer mussten alle zustimmen. Technisch sehr anspruchsvoll wäre vor allem der Bauabschnitt gewesen, der auf einer Länge von 450 Metern unter der Elbe hindurchführt. So wurde sieben Meter unter dem Fluss ein Rohrtunnel gebohrt. Die Spezialisten mussten da teilweise auch durch harten Fels. Danach wurde das Rohr in den Kanal eingezogen. Kompliziert wären auch andere Streckenabschnitte gewesen. Zum Beispiel galt es auch, die Meißner Landstraße und die angrenzende Eisenbahnlinie in Dresden zu unterqueren. „Wir danken allen am Bau Beteiligten - den Planern, Baubetrieben und vor allem auch den Genehmigungsbehörden“, sagte AZV-Vorsitzender Andreas Clausnitzer.

Alte Anlage verschlissen

Für Klipphausen und Wilsdruff ist die neue Trasse eine Investition in die Zukunft. Sie würde langfristig eine stabile Abwasserentsorgung gewährleisten, was für Einwohner und Gewerbebetriebe vorteilhaft sei, bemerkten  die Bürgermeister Gerold Mann und Ralf Rother.

Der Bau hatte sich erforderlich gemacht, weil die Kläranlage in Klipphausen, deren erste Ausbaustufe 1994 in Betrieb genommen wurde, zum Teil verschlissen war. Zudem reichten dort die Kapazitäten für die Zukunft nicht mehr aus. Nach einer Wirtschaftlichkeitsprüfung von Experten, die der Abwasserzweckverband veranlasst hatte, wäre eine Sanierung und Erweiterung des Klärwerks wesentlich teurer geworden, als der Bau einer Abwasserüberleitung nach Dresden. Der Verband entschied sich deshalb für die kostengünstigere Variante. Seit 2015 betreibt außerdem die Stadtentwässerung Dresden schon das Kanalnetz des Zweckverbandes sowie auch die Kläranlage Klipphausen als Betriebsführer des AZV (außer den Anlagen des Verbandsmitgliedes Klipphausen).

Wenngleich das Abwasser nun nach Dresden fließt, hat die Kläranlage am Sachsdorfer Weg in Klipphausen noch lange nicht ausgedient. Das freut Bürgermeister Gerold Mann. „An so einem Tag der Trassen-Übergabe denke ich auch daran, wie wir damals die Kläranlage geplant und gebaut haben. Sie hat in all den Jahren zuverlässig ihren Dienst verrichtet. Da ist nun auch etwas Wehmut da“, so der Bürgermeister.

Nun künftig Speicherbecken

In der Klipphausener Kläranlage werden weiterhin von den Rechen- und Sandfanganlagen Feststoffe und Feinsedimente aus dem eingehenden Abwasser aus den Orten entfernt, ehe dieses dann in der Druckleitung nach Dresden befördert wird. In Kürze beginnen in der einstigen Kläranlage auch Arbeiten zur Sanierung von vier weiteren Altbecken, die im November dieses Jahres beendet werden sollen, wie Norman Wonka, Teamleiter für Investitionen bei der Stadtentwässerung Dresden und zuständig für das Gesamtvorhaben, informierte. „Diese werden künftig als Abwasser-Speicherbecken zur Verfügung stehen“, so Wonka. Das erste Becken unmittelbar am neuen Pumpwerk mit einem Fassungsvermögen von 1 500 Kubikmetern sei schon fertig. Bei einer Havarie der Pumpstation, in extremen Spitzenzeiten oder auch bei Hochwasser und Starkregen, wenn die Abwasser-Zulaufmenge aus den Orten größer ist als die Fördermenge, die die Pumpen schaffen, werden diese Becken genutzt. Außer den ersten beiden Becken, die als Tagesspeicher vorgesehen sind, bleiben die anderen bis auf die genannten Ausnahmefälle leer, teilte Wonka weiter mit.

Die Swietelsky Baugesellschaft aus Meißen, die schon das Pumpwerk und das erste Becken saniert hat, bekam hier auch den Zuschlag für die weiteren Arbeiten. 1,2 Millionen Euro werden dafür veranschlagt. Damit die leeren Becken auftriebssicher bei steigendem Grundwasser sind, müssen sie mit Bohrankern im Untergrund befestigt werden, wie Lew Schwarz, Leiter der Kalkulation bei Swietelsky, sagte. Zudem bekommt jedes der Becken eine neue Bodenplatte mit Einlauf. Neue Rohrleitungen für den Verbund der Becken sowie die Sanierung von Schadstellen seien unter anderem weitere Aufgaben.

Norman Wonka regte an, dass nach Abschluss aller Bauarbeiten die Stadtentwässerung Dresden gemeinsam mit dem Abwasserzweckverband Wilde Sau einen Tag der offenen Tür veranstalten sollte, wo die neuen Anlagen in Klipphausen sowie in der Stadtentwässerung Dresden von den Bürgern besichtigt werden können.

Text und Fotos: Dieter Hanke, 26.03.2019