^ Nach oben

Landarzt mit Herz und Seele

Dr. Christian Burkhardt hat die einstige Schule in Röhrsdorf erworben und will dort den Wohnsitz für seine Familie und eine Arztpraxis für Allgemeinmedizin einrichten.

Die ganze Familie freut sich schon darauf. „Weihnachten wollen wir im neuen Haus feiern“, sagt Dr. Christian Burkhardt. Seine Landarztpraxis soll dann voraussichtlich 2021 öffnen. Der 40-jährige Allgemeinmediziner hat jetzt den Zuschlag zum Kauf für die ehemalige Schule in Röhrsdorf bekommen. Ende März dieses Jahres waren dort die Mitarbeiter der Bauverwaltung und der Kämmerei der Gemeindeverwaltung Klipphausen ausgezogen. Nach fast 20 Jahren wurde diese Außenstelle der Verwaltung geschlossen. Die Mitarbeiter bezogen neue Räume im Schloss Klipphausen, wo nun die Gemeindeverwaltung zentralisiert ist.

Für das über 100 Jahre alte Gebäude der ehemaligen Schule in Röhrsdorf gab es zwei Bewerber. Die Gemeinde hatte das 2 700 Quadratmeter große kommunale Grundstück nach einem Verkehrswertgutachten zum Verkauf ausgeschrieben. Der Gemeinderat stimmte auf seiner April-Sitzung einmütig für das Konzept von Dr. Burkhardt und gab ihm den Zuschlag. „Über dieses Vertrauen sind wir dankbar und sehr froh und wollen das mit einer guten Arbeit rechtfertigen“, sagt der Mediziner. Die Familie ist jetzt schon am Planen. Im Obergeschoss soll mal der Wohnsitz sein. „Wir haben da auch vor, das Dachgeschoss auszubauen“, so der Landarzt. Mit einem Architekten soll gemeinsam beraten werden, was saniert oder modernisiert werden muss, um angenehme Wohnbedingungen zu schaffen.

Oben Wohnräume, im Erdgeschoss die Praxis

„Das Gebäude ist insgesamt noch in einem guten Zustand. Den Zuschnitt einiger Räume werden wir aber voraussichtlich verändern“, bemerkt Dr. Burkhardt. Im Erdgeschoss ist dann der Sitz der eigenen Arztpraxis für Allgemeinmedizin vorgesehen, mit zwei Sprech- und Arztzimmern, mit Empfang, Anmelde- und Wartebereich für die Patienten sowie mit einem Labor- und Funktionstrakt unter anderem für EKG und Ultraschall und weitere Medizintechnik. „Wir möchten, dass die Praxis für die Patienten ebenerdig ist, damit auch gehbehinderte Menschen einen guten Zugang haben“, meint Dr. Burkhardt.

Und bei einer Allgemeinarztpraxis könnte es möglicherweise nicht bleiben. „Wir werden sehen, wie alles klappt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir in Zukunft auch einen Therapieraum für Ergotherapie einrichten“, sagt seine Lebenspartnerin Kerstin Winkler. Die 37-Jährige ist Ergotherapeutin und arbeitet zurzeit in einer Klinik in Dresden.

Sinnvolle Nachnutzung der alten Schule

Bürgermeister Gerold Mann und der Gemeinderat sind froh, dass gewissermaßen nahtlos eine sinnvolle Nachnutzung des einstigen Schul- und Verwaltungsgebäudes in Röhrsdorf zu Stande kam. „Uns als Gemeinde geht es auch um eine gute medizinische Grundversorgung für die Bürger, die zum Allgemeinwohl gehört“, sagt der Bürgermeister und freut sich, dass nun ein junger Landarzt in Röhrsdorf seine eigene Praxis aufmacht. Die Gemeinde habe sich für diesen Schritt entschieden, wohl wissend, wie Bürgermeister Gerold Mann bemerkt, dass eine medizinische Vor-Ort-Versorgung auf dem Lande künftig immer schwieriger zu organisieren sein wird. Denn da spielt das allgemeine Dilemma der Medizinernachfolge in Deutschland eine wesentliche Rolle. Denn gerade Landarzt zu sein, für die Patienten faktisch an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden lang da zu sein, ist für viele der jungen Mediziner nicht gerade attraktiv. Der Landarzt-Job ist anstrengend, es sind auch Bereitschaftsdienste in der Region mit anderen Ärzten abzusichern, hinzu kommt das Risiko der Selbständigkeit und ein nicht geringes Maß an Verwaltungsaufwand. Da suchen angehende Mediziner lieber eine Stelle in Ballungszentren, in Kliniken und Krankenhäusern, als eine eigenärztliche Niederlassung auf dem Land zu gründen. Medizinisch unterversorge Gebiete in ländlichen Regionen nehmen so in Deutschland immer mehr zu.

„Ich freue mich auf meine neue Aufgabe in Röhrsdorf“, sagt Dr. Burkhardt, der dann vom Kleinkind bis zum betagten Bürger in diesem linkselbischen Bereich betreuen wird. Er weiß, dass er als praktizierender Hausarzt mit Herz und Seele in diesem Beruf tätig sein wird. „Ich kann gut zuhören, mag als Landarzt die Nähe zu den Patienten, die oftmals über ihre Krankengeschichte hinaus geht und ebenso deren Lebensgeschichte mit einschließt. Das ganzheitliche Betrachten des Patienten ist für einen Allgemeinmediziner sehr wichtig“, meint Dr. Burkhardt. Er nennt dafür auch die Worte „Gelebte Anamnese“, die diesen Sachverhalt treffend widerspiegelt. 

Solide Ausbildung und mehrere berufliche Stationen

Seine bisherige Ausbildung und beruflichen Stationen sind da eine gute Grundlage. 1978 wurde er in Dresden geboren, wuchs in Großröhrsdorf bei Radeberg auf, ging dort in die Polytechnische Oberschule und dann auf das Gymnasium. 1997 machte er sein Abitur. Einen einjährigen Zivildienst absolvierte er als Pfleger im Sächsischen Krankenhaus für Neurologie und Psychiatrie in Arnsdorf. Dann begann er eine Ausbildung als Krankenpfleger an der Berufsschule im Dresdner Universitätsklinikum, die er aber nach einem Jahr beendete, da er 1999 einen Studienplatz für Medizin an der TU Dresden bekam. Bis 2006 studierte er, eingeschlossen war da auch 2004 ein halbjährliches Auslandssemester in Spanien. 2006 bekam er seine Approbation als Arzt, 2009 promovierte er. Berufliche Erfahrungen eignete sich Dr. Burkhardt dann in den Abteilungen für Innere Medizin im Dresdner Krankenhaus St. Joseph-Stift sowie in den Krankenhäusern Radebeul und Dresden-Friedrichstadt und auch im Dresdner Universitätsklinikum in der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie an.

2013 zog er mit seiner Lebenspartnerin nach Stralsund, wo er im dortigen Krankenhaus und später auch in einer Chirurgischen Praxis auf Rügen arbeitete und in einem Dorf wohnte. Zurück nach Sachsen ging er 2016 mit seiner Lebenspartnerin und den zwei inzwischen geborenen Kindern. „Wir hatten einfach Sehnsucht nach unserer sächsischen Heimat, nach den reizvollen Landschaften mit Bergen und Hügeln, wollten auch näher unseren Familienangehörigen sein“, bemerkt Frau Winkler, die in Mittweida geboren ist.

Die Arbeitswege sind jetzt noch sehr lang

Erst in Meißen und ab 2017 in Wildberg wohnt nun die junge Familie. Alle Dinge des Alltags unter einen Hut zu bekommen, ist nicht immer leicht zu bewerkstelligen. Dr. Burkhardt fährt früh die zwei Mädels, Lovis (5) und Elea (3), nach Meißen zum Kindergarten, dann geht es zurück nach Naustadt, wo er in einer Gemeinschaftspraxis für Allgemeinmedizin tätig ist. Der langjährige Arzt Dr. Barthe sowie Dr. Burkhardt nutzen hier die gleichen Praxisräumlichkeiten für ihre Einzelpraxen. „Wir vereinbarten, dass ich nach dem Eintritt von Dr. Barthe in den Ruhestand die Hausarztpraxis übernehme. Da kommen mir die eigenen Räume in Röhrsdorf sehr gelegen. Wir waren schon lange auf der Suche nach einem geeigneten Objekt“, so Dr. Burkhardt, der 2017 seine Facharztausbildung als Allgemeinmediziner abgeschlossen hat.

Auch Frau Winkler ist froh, wenn die ehemalige Schule in Röhrsdorf bald ihr Lebensmittelpunkt und vielleicht später auch ihr Arbeitsort sein wird. Derzeit fährt sie täglich mit Rad und Bahn zu ihrer Arbeitsstelle in der Dresdener Neustadt, wo sie als Ergotherapeutin tätig ist. „Das ist schon ein langer Arbeitsweg“, sagt sie.

Natur und der Garten werden sehr geschätzt

Die Familie schätzt das Leben auf dem Land. „Es bietet viel an Lebensqualität, die Menschen halten zusammen“, sagen beide. So schwärmen sie noch heute vom geselligen Treff für die Einwohner beim „Wildberger Scheunenzauber 2018". Sie lieben die Natur, wandern oder fahren gern mit den Rädern auf den Elberadweg und in die linkselbischen Dörfer. Und ihr Garten, wo sie vor allem Kräuter, Beerenobst und auch Felsenbirne und Kornelkirsche angebaut haben, macht ihnen viel Spaß. „Die Zuckererbsen haben wir schon gesteckt“, freut sich Elea. Auch zahlreiche Wildblumen für die Bienen soll es 2019 wieder geben. Dr. Burkhardt liebäugelt schon damit, später wieder mit der Imkerei anzufangen. In Stralsund hatte er sechs Bienenvölker am Haus gehalten.

Doch für die Familie stehen vorerst die Wohnungsplanung, Bauarbeiten und der Umzug nach Röhrsdorf im Vordergrund. Da kommen womöglich eine Zeit lang auch andere Freizeitinteressen von Dr. Burkhardt und seiner Frau zu kurz weg. Denn der 40-Jährige spielt gern Volleyball oder singt im Chor. Seine Frau töpfert gern. Und seinen Traum von einer Weltreise per Rad wird der Allgemeinmediziner da wohl auch nicht in nächster Zeit verwirklichen können. Vor gut zehn Jahren war er mit dem Fahrrad ein halbes Jahr in Südamerika unterwegs – so unter anderem in Peru, Brasilien, Paraguay, Uruguay, Bolivien und Chile. „Das war faszinierend, einzigartige Erlebnisse. Da hat man Sehnsüchte nach weiteren Reisen“, sagt er.

Text und Fotos:  Dieter Hanke, 17.04.2019