^ Nach oben

Gute Anregungen für Unternehmen

Beim Unternehmer-Stammtisch der Gemeinde gab es einen regen Erfahrungsaustausch und viele Infos: Breitbandausbau, Arbeitsmarkt, Förderungen sowie Bilanz und Vorhaben der Kommune.

Die Gemeindeverwaltung Klipphausen hatte zum Unternehmer-Stammtisch geladen, und viele Betriebe ließen sich am 4. April diese Möglichkeit nicht entgehen und kamen zum Sitz von HTI, dem Handelsunternehmen für Tiefbau und Industrietechnik, im Gewerbegebiet Klipphausen. Es gab wieder ein umfangreiches Programm, das zugeschnitten war auf eine gute Wettbewerbsfähigkeit und Entwicklung der Unternehmen und zugleich auch viele Informationen vermittelte, wie die Gemeinde noch bessere Rahmenbedingungen für die Betriebe schaffen will. Und wie es traditionell beim Unternehmer-Stammtisch in Klipphausen üblich ist, gab es nach den Vorträgen noch in lockerer Runde Gelegenheit zum Gespräch und Erfahrungsaustausch der Inhaber, Geschäftsführer und weiterer Vertreter aus der Wirtschaft.

Eine Chance für Betriebe

So fanden vor allem die Informationen zum flächendeckenden Breitbandausbau in der Gemeinde großes Interesse der Teilnehmer. Mirko Knöfel, Gemeinderat und IT-Experte, skizzierte die Vorgehensweise der Gemeinde für ein schnelles Internet mit einem Glasfasernetz. „Nicht nur alle 43 Ortsteile, sondern auch die Gewerbegebiete werden da mit einbezogen“, sagte Knöfel. Für die Wirtschaftsvertreter eine wichtige Auskunft, denn in nicht wenigen Fällen haben Firmen im Gemeindegebiet noch Wettbewerbsnachteile durch langsames Internet oder teure Standleitungen von Telekommunikations-Unternehmen. In der Aussprache begrüßten mehrere Teilnehmer das Engagement der Gemeinde, den flächendeckenden Netzausbau in eigener Regie vorzunehmen und entsprechend dem Betreibermodell anschließend die Leitungen zu verpachten. 23 Millionen Euro, so Knöfel, werden für dieses Großvorhaben der Gemeinde veranschlagt, wobei Bund und Land schon dafür die vorläufigen Förderbescheide ausgereicht haben.

Für die Anwesenden waren auch solche Auskünfte aufschlussreich, dass 3600 Haushalte im Gemeindegebiet angeschlossen werden sowie auch 860 klein- und mittelständische Unternehmen, Vereine, Organisationen und weitere Bereiche. „Baustart für das Ganze“, sagte Knöfel, „soll Anfang des zweiten Quartals nächsten Jahres sein. Insgesamt seien für das Projekt etwa 200 Kilometer Tiefbautrassen nötig.

„Wir warten schon sehnsüchtig auf den Breitbandausbau. Diese Initiative der Gemeinde verdient Anerkennung“, bemerkte Gesellschafter und Geschäftsführer Uwe Mettcher von der Baier Antriebstechnik und Metallbau GmbH in Röhrsdorf. Auch für Sven Moch von der HTI-Niederlassungsleitung, Abteilung Industrie, ist der flächendeckende Breitbandausbau durch die Gemeinde eine gute Option. „Wir werden da unabhängig von anderen Unternehmen“, sagte der 39-jährige Großhandelskaufmann. Jens Leuschner, Besitzer der RBH Rothschönberger Bau- und Handelsdienstleistungs GmbH, sieht bei diesem Großvorhaben der Gemeinde eine Möglichkeit für den Betrieb, sich bei den Bauausschreibungen mit einem Angebot zu beteiligen.

Fachkräfte gewinnen

Auch bei den nächsten Themen erhielten die Unternehmen viele Anregungen. Petra Kessinger, Teamleiter Arbeitgeber-Service von der Agentur für Arbeit Meißen, sprach zur regionalen Arbeitsmarktentwicklung. Da ging es um freie Arbeitsstellen, um den Stand am Ausbildungsmarkt und um Strategien zur Fachkräfteentwicklung. Interessant für die Teilnehmer waren auch die Auskünfte zu Eingliederungszuschüssen bei Neueinstellungen, zu Beschäftigungschancen für Langzeitarbeitslose sowie zur Weiterbildungsförderung. Im März 2019 habe es insgesamt 7 357 Arbeitslose im Landkreis Meißen (Gesamtbereich der Arbeitsagentur Riesa) gegeben, so Petra Kessinger. Im März 2013 waren es dagegen noch 13 277 und im März 2015 noch 11 816 Arbeitslose gewesen. Freie Arbeitsstellen wurden im März dieses Jahres fast 2 800 registriert. Darunter seien in den Bereichen verarbeitendes Gewerbe 591, Baugewerbe 281, im Gesundheits- und Sozialwesen 257 und im Bereich Handel sowie Instandhaltung und Reparaturen von Kfz 255. Im Gastgewerbe seien es 105. Mit Stand März 2019, sagte die Teamleiterin, habe es insgesamt 1 078 gemeldete Bewerber für Berufsausbildungsstellen gegeben. Das sei ein Rückgang von 14,9 Prozent zum Vorjahr. Dem gegenüber standen im März dieses Jahres 1 256 Berufsausbildungsstellen zur Verfügung (ein Rückgang von 1,7 Prozent zum Vorjahr).

Auch die Qualifizierungschancen für Beschäftigte wurden von den Teilnehmern aufmerksam registriert. So informierte Petra Kessinger zum Beispiel, dass für Kleinstunternehmen (weniger als zehn Arbeitskräfte) die Weiterbildungskosten bis zu 100 Prozent von der Agentur für Arbeit übernommen werden, in kleinen und mittleren Unternehmen (bis 250 Beschäftigte) sind es bis zu 50 Prozent. Unterstützungsangebote bei Neueinstellungen würde es bis zu 50 Prozent für maximal zwölf Monate geben.

Ines Hauffe vom Internationalen Personalservice Sachsen der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit sprach dann ergänzend über die Chancen für Unternehmen zur Rekrutierung von Fachkräften aus dem Ausland und erläuterte, wie der Personalservice gemeinsam mit den Betrieben eine Strategie zur Stellenbesetzung erarbeitet.

Karriereportal nutzen

Auch der Vortrag von Torsten Zichner von der Wirtschaftsförderung Region Meißen GmbH passte genau in das Themenspektrum. Besonders aufmerksam wurden da die Darlegungen zum Karriereportal AIR Meißen verfolgt. Mit diesem kostenlosen Kommunikationsweg können Betriebe auf ihr Unternehmen aufmerksam machen, um mehr Bewerber für Stellen zu erreichen. „Über 300 Nutzer besuchen täglich das Portal“, sagte Zichner. Mehr als 250 Unternehmen hätten sich bisher registriert und würden sich mit einer eigenen Profilseite präsentieren (Infos unter: www.air-meissen.de).

Außerdem sprach Torsten Zichner über das neue Förderprogramm für Kleinunternehmen, mit dem Investitionsvorhaben wie unter anderem der Ausbau von Kapazitäten oder die Errichtung einer neuen Betriebsstätte mit bis zu 30 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben finanziell unterstützt werden. Beim betrieblichen Weiterbildungscheck würde die Sächsische Aufbaubank 50 Prozent der Weiterbildungskosten durch einen Zuschuss fördern.

Vieles steht zu Buche

Dann berichtete Bürgermeister Gerold Mann, was in den letzten Jahren im Gemeindegebiet neu zu Buche steht. Da ging es um die Erweiterung von Unternehmen (zum Beispiel die Firmen Hightex, Gebrauchtgerätezentrum, Eickhoff, PCM, Fäth, Spedition Hauptvogel und DHL) oder auch um die Neuansiedlung von Betrieben wie unter anderem der Gutes Essen Nahrungsmittel GmbH in Röhrsdorf. „Wir sind jetzt dabei, das Gewerbegebiet Klipphausen um neue Flächen in Richtung Autobahn zu erweitern“, sagte der Bürgermeister. Er würdigte auch die Unternehmen in den Ortslagen, die sich engagiert um wirtschaftliche Erfolge und die Entwicklung des Gemeinwesens bemühen.

Ausführlich sprach der Bürgermeister auch über neu Geschaffenes, über die Sanierung und den Neubau von Straßen, Wegen, Brücken, Gebäuden und anderes. Da wurde unter anderem die neue Kindertagesstätte in Miltitz genannt, ebenso der neue Spielplatz an der Grundschule in Burkhardswalde und noch weitere Objekte. Gerold Mann ging auch auf derzeitige Vorhaben der Gemeinde ein, so zum Beispiel auf den Neubau der Oberschule oder auf den Bau des Trinkwasserhochbehälters in Hühndorf.

Dank an Unternehmen

Rückblickend auf die Entwicklung der Gemeinde in den vergangenen Jahrzehnten sagte der Bürgermeister: „Ihr als Unternehmen seid die Triebkraft gewesen, die die Gemeinde vorangebracht hat. Dafür ein Dank an alle.“

In der lockeren Gesprächsrunde der Teilnehmer wurde auch hervorgehoben, dass der Unternehmer-Stammtisch eine gute Form sei, um das Miteinander der Unternehmen mit der Gemeinde zu befördern. „Der Erfahrungsaustausch ist ein Gewinn für alle“, sagte Thomas Hauptvogel, Chef der gleichnamigen Spedition in Röhrsdorf, und Sven Moch von der HTI-Niederlassungsleitung im Gewerbegebiet Klipphausen bemerkte: „Wir als HTI sind gern Gastgeber für den Unternehmer-Stammtisch, weil dieser eine gute Gelegenheit ist, Neues zu erfahren und auch den Kontakt mit anderen Unternehmen zu knüpfen oder zu vertiefen.“

Text und Foto: Dieter Hank, 18.04.2019)