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Er schrieb mit Gauernitzer Geschichte

Helmut Wetzel, einstiger Bürgermeister und 20 Jahre lang  Gemeinderat und Ortsvorsteher hört auf.

Helmut Wetzel macht Schluss. Als Gemeinderat und Ortsvorsteher in Gauernitz. „Es ist nun die Zeit gekommen, dass Jüngere den Staffelstab übernehmen und die kommunalpolitischen Geschicke in die Hand nehmen“, sagte der 67-Jährige und fügte aber gleich an: „Wenn mein Wissen und mein Rat gefragt sind, werde ich mich aber auch weiterhin einbringen.“

Helmut Wetzel hat in Gauernitz Geschichte geschrieben und die Gemeinde Klipphausen mit vorangebracht. Von 1994 bis 1999 war er ehrenamtlicher Bürgermeister in Gauernitz, dann Gemeinderat in Klipphausen und auch Ortsvorsteher in Gauernitz bis jetzt. „Eine Zeit, die mein Leben mit prägte. Es gab Erfolge und Niederlagen. Geblieben ist jetzt beim Abschied das Bewusstsein, etwas für die Menschen bewirkt und mit Anteil zu haben, wenn sich heute der kommunale Alltag für die Bürger spürbar verbessert hat und die Gemeinde Klipphausen solide dasteht“, bemerkt Helmut Wetzel. Da nennt er die schöne Kindertagesstätte in Wildberg, das Sportlerheim und den Sportplatz in Gauernitz, den reizvollen Elberadweg, den Wanderparkplatz nahe dem Gasthof Gauernitz oder auch sanierte Häuser, Straßen und Wege. „In Sachen Abwasser und Trinkwasser wurde die Infrastruktur bedeutend modernisiert“, sagte er. Ihn freue auch, dass es in Gauernitz Gemeinschaftssinn und ein Miteinander der Bürger gibt. Nicht alles sei geglückt, manches harrt noch der Verbesserung, meint er aber auch. „Aber so ist das Leben nun einmal. Nicht alles verläuft nach Plan.“

Ärger über das Schloss

Ihn ärgert zum Beispiel, dass das Gauernitzer Schloss weiterhin verfällt und der Eigentümer seiner Verantwortung für dieses historisch bedeutsame Bauensemble nicht nachkommt. Auch dass es beim ehemaligen Rittergut nicht vorangeht und eine Nachnutzung stagniert oder dass auch der Gauernitzer Gasthof ein Schandfleck ist, macht ihn traurig. Und nach wie vor ist sein Wunsch noch offen, dass einmal wieder Raddampfer der Sächsischen Dampfschifffahrt in Neugauernitz anlegen.

„Parteipolitik hatte bei uns im Gemeinderat keine Chance. Uns ging es um die Sache, wenngleich das mitunter auch bedeutete, dass nicht alle Vorstellungen von Ortschaftsräten für kommunale Verbesserungen auf einmal verwirklicht werden konnten“, meinte Helmut Wetzel. Den künftigen Gemeinde- und Ortschafträten legt er deshalb auch ans Herz, bei kommunalen Entscheidungen Weitsicht zu haben, ein Miteinander zu pflegen und nicht nur laut nach Verbesserungen und finanziellen Mitteln für den eigenen Ort zu rufen, sondern die gesamte Gemeinde im Blick zu haben. „Nicht nur bis zur eigenen Tür denken, sondern auch andere Sichtweisen einbeziehen, ist da wichtig“, so Helmut Wetzel. Da denkt er zum Beispiel auch etliche Jahre zurück, als Fördermitel zur Erschließung von Constappel nach Naustadt umgelenkt worden waren, weil diese dort dringender gebraucht wurden.

Im Fernmeldewesen tätig

Helmut Wetzel ist Gauernitzer. Hier wurde er geboren, wuchs dort auf, ging erst in die Grundschule im Schloss und dann nach Brockwitz in die Oberschule, wo er den Zehn-Klassen-Abschluss erwarb. Er lernte Fernmeldemechaniker bei der Deutschen Post (Fernmeldeamt Meißen), erwarb den Abschluss als Technischer Fachwirt Telekom und bildete sich auch zur Wendezeit bei der Handwerkskammer Dresden zum Fernsehmechaniker weiter. Beruflich war er viele Jahre bei der Deutschen  Post in dieser Branche tätig, als Fernmeldemonteur, Übertragungstechniker und als Gruppenleiter Stromversorgung. Nach der Wende arbeitete er als Stromversorgungs-Fachmann bei der Deutschen Bundespost, bis dann sein Bereich in die Deutsche Telekom Immobilien und später in das Bauunternehmen STRABAG eingegliedert wurde. Da ging es unter anderem um Wartung und Reparatur von Haustechnik, Stromnetz- und Blitzschutzanlagen sowie Gleichrichtern in Bereichen der Telekom. Später gehörten zu seinem Aufgabengebiet auch Mittelspannungs- und Umspannanlagen sowie Trafos der Telekom.  „Mein Bereich erstreckte sich von Dresden über Meißen, Riesa, Großenhain und Radebeul bis nach Altenberg“, sagte er.  Mit 59 Jahren ging er 2010 in den Vorruhestand.

Kalender mit Heimatmotiven 

Doch Mitverantwortung für das Gemeinwohl blieb bei Helmut Wetzel nicht auf die Tätigkeit als Ortsvorsteher und Gemeinderat beschränkt.  Seit 1994 ist er auch Vorsitzender des Heimatvereins „Linkselbische Täler“, den er mit gegründet hat. Über 15 Jahre hinweg gestaltet er da schon den jährlichen Heimatkalender, wo jedesmal verschiedene  historischen Motive von Gauernitz und Umgebung veröffentlicht werden, wie unter anderem Gasthöfe, Schlösser, Gebäude, Güter, Mühlen, die Elbschifffahrt und anderes. Seit 1994 ist er auch Jagdvorsteher der Jagdgenossenchaft Gauernitz. „Bei all dem gesellschaftlichen Mittun musste man da mitunter ganz schön zirkeln, um alle Termine und Aufgaben unter einen Hut zu bekommen, bemerkte er. Ein Haus am Samariterweg hat er auch gebaut. Zu seinem Leben gehört ferner, dass er zweimal verheiratet war und drei Kinder hat.

Die halbe Welt gesehen

Helmut Wetzel reist gern im Urlaub, hat schon die halbe Welt gesehen, war in der Karibik, in der Südsee, in den USA und in weiteren Ländern. Seine große Leidenschaft gilt da auch dem Filmen. Mit seiner Digitalkamera machte er schon viele beeindruckende Aufnahmen. „Besonders interessiert mich dann auch der Filmschnitt. Da kann man Stunden zubringen“, schmunzelte er.

Einen Satz hat sich Helmut Wetzel tief eingeprägt. Er stammt von dem dänischen Philosophen und Theologen Soren Aabye Kierkegaard (1813-1855): „Man kann das Leben nur rückwärts verstehen, aber man muss es vorwärts leben.“ Noch ist Helmut Wetzel jetzt dabei, wieder in den Alltag des Lebens zurückzufinden. Denn ein grausamer Schicksalsschlag hat ihn vor wenigen Wochen getroffen. Seine Frau Gudrun, mit der er 17 Jahre zusammen war, verstarb nach schwerer Krankheit. Vielleicht kann er da auch neue Kraft und neuen Lebensmut bei einer Segeltour schöpfen, die er mit seinem jüngsten Sohn vorhat. HelmutWetzel besitzt den Segel- und auch den Motorbootschein für Binnengewässer. In seiner Garage steht übrigens auch ein sechs Meter langes Segelboot mit 15 Quadratmetern Segelfläche.

Bürgermeister Gerold Mann sagte über diesen Gauernitzer: „Helmut Wetzel hat damals die Gemeinde Gauernitz in nicht einfacher Situation übernommen und vieles geschafft. Auch nach dem Zusammenschluss zur Gemeinde Klipphausen hat er Entscheidungen getroffen, die dem  Gesamtwohl der Gemeinde dienten und sich dafür engagiert eingesetzt. Das verdient Anerkennung.“

Text und Foto: Dieter Hanke, 06.05.2019