Neuer Trinkwasser-Hochbehälter in Hühndorf

Mit einem unterirdischen Bauwerk aus Kunststoffröhren wird die Trinkwasserversorgung in Hühndorf, Weistropp und weiteren Orten entscheidend verbessert.

Fast 900 000 Euro gab die Gemeinde dafür aus.  

Vor allem Einwohner in Hühndorf, Weistropp und in weiteren Orten in der Umgebung werden davon profitieren: Mitte Juni 2019 geht der neue Trinkwasser-Hochbehälter in der Nähe der Autobahnraststätte „Dresdner Tor“ auf Hühndorfer Flur in Betrieb. „Wir freuen uns schon sehr darauf“, sagt Helmer Huste von der Wasserversorgung der Gemeinde Klipphausen. Dann werden hier Druckabfall und Schwankungen bei der Trinkwasserversorgung vor allem in den Sommermonaten der Vergangenheit angehören. Besonders an den Wochenenden in der heißen Jahreszeit, wenn der Wasserbedarf sprunghaft anstieg, tröpfelte das Nass in Hühndorf oftmals nur aus den Wasserhähnen, vor allem in der Siedlung und am Stadtweg. „Das war über Jahre ärgerlich für die Bürger. Wir mussten da auch eingreifen und durch operative Veränderungen im Netz den Wasserzufluss aus anderen Leitungen erhöhen“, bemerkt der 59-Jährige. Denn in Spitzenzeiten wird in Hühndorf, Weistropp und weiteren Orten in dieser Gegend insgesamt eine Wassermenge von etwa 30 Kubikmeter pro Stunde benötigt. Diese stand aber bisher nicht zur Verfügung. Das Manko ist nun mit dem Bau des Hochbehälters behoben.

Füllmenge 400 Kubikmeter

Das neue Bauwerk unweit des Absatzbeckens der Straßenmeisterei, so zeigt Helmer Huste bei einer Stippvisite, umfasst zwei Kammern mit jeweils einem Fassungsvermögen von 200 Kubikmetern. „Damit können wir auch an heißen Tagen zuverlässig eine stabile Trinkwasserversorgung bei gutem Wasserdruck gewährleisten“, schätzt der Klipphausener Trinkwasser-Chef ein. In Hühndorf und Weistropp waren gerade in den vergangenen Jahren etliche Eigenheim-Neubauten entstanden. Der Wasserbedarf in diesem Bereich stieg enorm an. Bürgermeister Gerold Mann sieht mit dieser Großinvestition der Gemeinde noch einen anderen Nutzen. „Wir verfügen dann in Hühndorf und Weistropp über ausreichend Löschwasserreserven. Das war bisher nicht der Fall“, sagt er.

Das Trinkwasser, das im neuen Hochbehälter als Puffer gespeichert wird, liefert der Wilsdruffer Trinkwasser-Eigenbetrieb. Laut Vertrag sind es an die 24 Kubikmeter pro Stunde. Es stammt aus der Talsperre Klingenberg. „Eine gute Wasserqualität, weiches Wasser“, meint Helmer Huste.

Weitere Orte profitieren

Doch nicht nur die Hühndorfer und Weistropper Einwohner werden von diesem neuen Großvorhaben der Gemeinde Nutzen haben, sondern auch Bürger aus Sachsdorf, Kleinschönberg, Wildberg, Gauernitz, Pinkowitz, Röhrsdorf, Naustadt, Pegenau, Constappel und Hartha. Denn deren Haushalte hängen mit an diesem Netz. Die Hochbehälter in Röhrsdorf und Pinkowitz werden daraus mit gespeist. Helmer Huste schätzt ein: „Insgesamt etwa 3 300 Einwohner haben künftig durch diese Investition Vorteile.“

Neuartige Bauweise

Die Gemeinde Klipphausen hat für dieses Vorhaben tief in das Gemeindesäckel greifen müssen. Um die 860 000 Euro kostet das Ganze. Diese Summe muss Klipphausen allein stemmen, denn Fördermittel von Bund oder Land gab es für diese Maßnahme nicht. Dabei ging die Gemeinde schon umsichtig vor, um Kosten zu sparen. Denn mit einer neuartigen Bauweise bei diesem Vorhaben konnte etwas Geld eingespart werden. So entstanden die zwei neuen Trinkwasser-Kammern nicht aus Beton und ragen auch nicht hoch in die Landschaft. Es wurden zwei Kunststoffröhren, drei Meter im Durchmesser und 33 Meter lang, ungefähr einen Meter tief in den Boden eingegraben. Die einzelnen sechs Meter langen Rohrsegmente wurden zusammengesteckt und verschweißt. An der Frontseite der Rohre wurde dann ein weiteres, 18 Meter langes Kunststoffrohr installiert – die sogenannte Schieberkammer oder der Technikraum, ebenfalls begehbar, wo Steuerungsanlagen, Messtechnik, Datenübertragung, Druckerhöhungsanlage und weitere Technik untergebracht sind. „Der Hochbehälter sieht so gewissermaßen wie ein Doppel-T-Stück aus“, bemerkt der Trinkwasser-Fachmann. Das Ganze sei kostengünstiger als der herkömmliche Bau eines Hochbehälters aus Beton gewesen, da unter anderem bei diesem Verfahren der Tiefbau nicht so aufwendig war. „Wir hatten uns vorher über ein solches Projekt erkundigt und uns auch eine gleiche Anlage, die schon bei Stolpen in der Sächsischen Schweiz in Betrieb ist, angeschaut“, informiert Helmer Huste.

Ein grüner Hügel bleibt

Die Anlage in Hühndorf wird noch mit Erde bedeckt und mit Rasen begrünt. Die Kunststoffröhren mit ihrer Erdabdeckung haben dann die Ausmaße von etwa einem drei Meter hohen Hügel. „Dieser passt sich gut der Landschaft an, die Umwelt gewinnt durch diese Bauweise“, bemerkt Renè Walter, Projektingenieur vom Planungsbüro Frank aus Freital, das die Planung und Baubegleitung bei diesem Großvorhaben in Regie hatte. In der Umgebung des Hochbehälter-Standortes befinden sich zum Beispiel auch Ausgleichspflanzungen vom Autobahn-Erweiterungsbau. Und wenn es sich mal erforderlich machen sollte, dass die Kapazität des Behälters erweitert werden müsste, könne problemlos eine weitere Rohrschlange angebaut werden, sagt Helmer Huste.

Die neue Trinkwasser-Anlage - Baustart war im Februar 2019 - ist nun weitgehend fertig. Bis zur Inbetriebnahme Mitte Juni haben die Bauleute dennoch einiges zu bewerkstelligen. In den vergangenen Wochen wurde zum Beispiel die Trinkwasser-Zuleitung von dem etwa 100 Meter entfernten Übergabeschacht der Verbindungsleitung des Wilsdruffer Eigenbetriebes zum neuen Hochbehälter gelegt, es entstanden auch die Trinkwasser-Ableitungen vom Behälter zu den Übergabepunkten in Richtung Hühndorf und Klipphausen. Montiert in der Schieberkammer ist zwar schon die Technik, doch deren Anschlüsse, Elektrik und anderes für eine volle Funktionsfähigkeit der Anlage müssen noch installiert werden. Außerdem geht es noch um die Druckprobe in der Schieberkammer, und das Gesundheitsamt Meißen prüft noch die Keimfreiheit in den Wasserröhren.

Ein unterirdisches Labor

Nur mit sauberen Schuhen darf in der Schieberkammer auf den Rosten gelaufen werden. Man befindet sich wie in einem unterirdischen Laborraum in Rohrform, etwas sonderbar wird einem da schon zumute. Blau sind hier die Kunststoffwände (außerhalb sind die Rohre schwarz), am Ende befindet sich der Schaltschrank. Vorher sind rechts unten die schmalen Einstiege zu den zwei Rohrkammern, oberhalb sind jeweils die zwei runden Bullaugen-Schaufenster mit Blick in die langen Wasserröhren. Dazu kommen noch in diesen Abschnitten diverse Rohranschlüsse für die Kammern, so für die Füll- und Entnahmeleitungen, ferner der Überlauf sowie Rohranschlüsse für Belüftung und Beleuchtungskabel. Etwa in der Mitte der Schieberkammer steht die Druckerhöhungsanlage mit dem Membran-Druckbehälter, der Druckstöße abpuffern soll. Im Schaltschank, dem Herz der Anlage, laufen die ganzen Daten ein, die auf einem Display angezeigt werden. Da geht es unter anderem um die Wasser-Füllstande in den Kammern, um die Durchflussmenge zu den Orten, um den Zulauf vom Wilsdruffer Eigenbetrieb und um andere Angaben. Auf einem Bedienfeld kann die Anlage gesteuert werden. „Wenn Störungen auftreten, werde ich über das Handy informiert“, sagt Helmer Huste. Außerdem laufen die Daten des Hochbehälters per Funk im Hauptsitz der Trinkwasser-Mitarbeiter im Erdgeschoss im Schloss Klipphausen ein.

Unternehmen aus der Region

Der 59-Jährige verweist noch auf einen Vorteil der Kunststoffwandungen der Rohre. „Diese sind sehr glatt. Keime und Ablagerungen können sich so nicht im Übermaß innen an den Kammerwänden absetzen.“ An die 24 Stunden dauert es etwa, bis eine Kammer geleert ist, wenn eine Reinigung des Behälters ansteht.

Er als auch Projektingenieur René Walter sind bislang mit der Qualität der Arbeiten bei diesem Neubau zufrieden. Beteiligt waren da ATS GmbH Coswig Automatisierung und Anlagenbau, der Coswiger Tief- und Rohrleitungsbau (CTR), der Betrieb Elektrotechnik Funke aus Bockwen, das Ingenieurbüro Frank aus Freital und HTI Dinger und Hortmann, Handel für Tiefbau und Industrietechnik, aus Klipphausen. Das Unternehmen Hawle aus Bayern stellte die Kunststoff-Rohrkammern her.

„Mit diesem Vorhaben in Hühndorf verbessert sich unsere Trinkwasser-Infrastruktur in der Gemeinde weiter“, bemerkt Helmer Huste abschließend. Seit dem Jahr 2000 ist er im Trinkwasserbereich der Gemeinde tätig, vorher war er seit 1994 Klärwärter in der Kläranlage in Klipphausen, die er mit aufgebaut hat. Sein jetziges Aufgabenfeld in der Kommune, das er zusammen mit seinem Kollegen Axel Klatt zu bewältigen hat, ist sehr umfangreich. Neben der Betreuung der Trinkwasseranlagen in der Alt-Gemeinde Klipphausen unterstützen sie auch die Kommunalservice Brockwitz-Rödern GmbH in Triebischtal, die in diesem Bereich der Gemeinde die Betriebsführung der Trinkwasseranlagen hat. Insgesamt sei es ein Leitungsnetz von 140 Kilometern, das er mit Axel Klatt betreut, wie er sagt. Der Bauhof der Gemeinde hilft da mit tatkräftig.   

 „In den vergangenen Monaten haben wir auch etliche  Trinkwasser-Hausanschlüsse für neue Eigenheime installiert, so unter anderem in Hühndorf, Sachsdorf, Batzdorf, Scharfenberg, Klipphausen, Taubenheim und in weiteren Orten“, sagt Helmer Huste, der in Dohna geboren wurde und in Maxen aufwuchs. Seit 1988 lebt er in Klipphausen, wo sich die Familie ein Haus gebaut hat, vorher wohnte er seit 1978 in Weistropp. Der 59-Jährige ist verheiratet und hat drei Kinder, die älteste Tochter (34) ist Ärztin und die jüngere Psychotherapeutin (28), der 14-jährige Sohn lernt in Cossebaude auf der Oberschule. In seiner Freizeit beschäftigt sich der Klipphausener gern mit seiner großen Modelleisenbahnanlage.     

Text und Fotos: Dieter Hanke, 21.05.2019