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Treff für Freude, Geselligkeit und Wissen

Der Heimatverein Rothschönberg ist 20 Jahre alt und zeigt aus diesem Anlass eine interessante Sonderschau.

Rothschönberg liegt zwar territorial am Rande der Gemeinde Klipphausen, doch Geselligkeit, Kultur und Heimatgeschichte sind hier kein Randthema, sondern da setzt Rothschönberg mit Maßstäbe in der Kommune zwischen Dresden, Meißen und Nossen. Die Sonderausstellung, die am 5. Mai im Schloss Rothschönberg eröffnet wurde, ist dem 20-jährigen Bestehen des Heimatvereins gewidmet und gibt zugleich einen anschaulichen Überblick, was in diesem Zeitraum in der Region und dem Ort passierte. Gewissermaßen ist diese Schau, die bis Ende September 2019 jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr in den Vereinsräumen im Obergeschoss des Schlosses besichtigt werden kann, eine zeitgeschichtliche Dokumentation, die Engagement und Leistungen der Rothschönberger in den Blickpunkt rückt.

Historische Vereinsfahne

Allein schon die Tatsache, dass der Ausstellungsraum bis nach der Wende Lager eines Handelsunternehmens war und später vom Heimatverein für Sonderausstellungen hergerichtet wurde, spricht für diesen. „Da hatten wir Glück, dass dort ein Bodenbelag vorhanden war. Denn dadurch wurde das wertvolle Parkett in diesem früheren Herrenzimmer des Adelsgeschlechts derer von Schönberg geschützt und konnte von uns wieder aufgefrischt werden“, sagte Vorstandsmitglied Eckhart Richter.

Eine gute Mischung von sehenswerten Exponaten in einer großen Vitrine und von mehreren Tafeln an den Wänden, wo Bilder, Zeitungsausschnitte, Prospekte und textliche Übersichten chronologisch die einzelnen Jahre der vergangenen zwei Jahrzehnte widerspiegeln, erweckt Aufmerksamkeit. Der Blick fällt vor allem auf eine große Fahne in der Vitrine. Sie ist die Vereinsfahne vom ehemaligen Gesellschaftsverein aus Rothschönberg, der Ende des 19. Jahrhunderts gegründet worden war. „Unser ehemaliger Vereinsvorsitzender Rudolf Zachmann hatte diese ausfindig gemacht und bewahrt“, sagte Vorstandsmitglied Isolde Kurka. Dieser einstige Gesellschaftsverein war auch mit ein Grund, dass Ende der 90er Jahre, als damals die selbständige Gemeinde Tanneberg-Rothschönberg zu Triebischtal kam, der Heimatverein in Rothschönberg entstand. „Kultur, Traditionen und Geselligkeit sollten hier wieder mehr aufleben. Wir wollten die dörflichen Werte am Leben halten“, erinnerte sich die 65-jährige Isolde Kurka, die früher in der Papierfabrik in Nossen gearbeitet hat. Wie sie noch bemerkte, habe schon damals Rudolf Zachmann, der bis 2008 Vorsitzender war, mit den Vereinsmitgliedern vieles bewirkt. Eine extra Tafel in der Sonderausstellung erinnert so auch an Rudolf Zachmann, der 2011 verstarb.

Parkfeste sprachen an

Interessant auch in der Vitrine die Eintrittsplaketten von den jährlichen Parkfesten von 1998 bis 2010, die der Verein veranstaltet hat, später folgten dann die Schlossfeste. Auch diese Plaketten zeugen vom Engagement des Vereins in all den Jahren, ebenso eine gut gestaltete Tafel mit Prospekten und anderen Zeugnissen aus der Vereinstätigkeit. Alles hier aufzuzählen, würde zu weit führen. Doch die zahlreichen Ausstellungen von Malern und Grafikern oder zu bergbaulichen Traditionen im Triebischtal, zu Mühlen, Brücken, Geologie, industriellen Denkmälern, Wünschelruten, Zinnfiguren und heimatgeschichtlich bedeutsamen Objekten sind beredte Belege für die Aktivitäten des Vereins, die weithin geschätzt werden. Hier noch einige andere Beispiele: Die Weihnachtsmärkte im Schlosshof, die Treffs zum Tag des offenen Denkmals, die auch Veranstaltungen am Hauptmundloch des Rothschönberger Stollns mit einschließen, ferner Schlossführungen, Vorträge, Konzerte, Aufführung von Theaterstücken durch Vereinsmitglieder, Tanz und weitere gesellige Treffs im Saal, Vogelschießen, Frühjahrsputz, Geopfad oder auch sportliche Zusammenkünfte und vieles andere mehr bezeugen, dass dieser Heimatverein seit seiner Gründung durch 17 Personen am 1. Februar 1999 Akzente nicht nur in der Region, sondern auch darüber hinaus setzt.

Mehrere Ausstellungsräume

Erwähnt werden sollte auch, dass sich diese Gemeinschaft in den vergangenen 20 Jahren mehrere Ausstellungsräume im Schloss geschaffen hat, in denen mit einer modernen Präsentation Heimatgeschichte vermittelt wird. Es gibt hier kein Sammelsurium von Exponaten, sondern es sind konzeptionell klar festgelegte Themenbereiche, die so den Besuchern eine gute Orientierung geben. Im Mittelpunkt steht dabei die Dauerausstellung zur Schlossanlage, die als eines der ältesten sächsischen Herrensitze gilt. Deren frühesten erhaltenen Bauteile reichen in das 15. Jahrhundert zurück. Das Schloss war über Jahrhunderte Stammsitz des Adelsgeschlechts von Schönberg. Aber auch die Schau zum einstigen Bergbau im Triebischtal und die vielen ausgestellten Mineralien und Erze sind sehenswert.

Worte zum Nachdenken

Treffend sind da die Worte, die der Verein auf einer Tafel in der Sonderausstellung geschrieben hat: „Nur wenige Bewohner arbeiten noch im Ort, und die Kommunikation hat es schwer. Der Bäcker, Fleischer, Konsum – weg. Der nahe Frischemarkt, wo man sich noch kennt, hat es schwer gegen ALDI & Co. Umso mehr trägt der Verein dazu bei, dass die Menschen zusammenkommen und quatschen, also miteinander reden und sich austauschen. Viele Veranstaltungen, gemeinsamer Frühjahrsputz oder die Aktivitäten der sportlichen Frauen - es ist viel los. Alles ehrenamtlich und in der Freizeit und das meist neben den Aufgaben als Häuslebesitzer - manchmal wird es mit der Zeit eng. Doch würde etwas fehlen, wenn der Ort nur noch zum Schlafen da wäre und das schmucke Eigenheim und die Urlaubspläne über allem stehen.“

Statistische Angaben

Eine komprimierte Zeitreise der letzten 20 Jahre sind auch die Darstellungen in Wort und Bild über Geschehnisse und neu Geschaffenes im Ort und der Region. Ein kleiner Ausschnitt davon: 1999 – Fertigstellung der Autobahnbrücken über das Triebischtal und Tännichtbachtal und Freigabe der Richtungsfahrbahn nach Chemnitz am 12. Januar 1999, danach Fertigstellung Fahrbahn Dresden und Renaturierung der alten Trasse. 2004: Einweihung neues Feuerwehrhaus der FFW Rothschönberg. 2006: Eröffnung „Geopfad Triebischtal“. 2009 - Sicherung des Schluchtengewölbes im Rothschönberger Stolln am Tännichtweg. 2015 – Am 12. Dezember letzter Personenzug auf der Strecke Meißen - Döbeln. 2018 - Fest zum 20-jährigen Bestehen des Pavillons im Park.

Aber auch solche statistischen Angaben sind interessant: 189 Einwohner gab es im Jahr 2000 in Rothschönberg, 2018 waren es 236. Das Durchschnittsalter betrug 2018 an die 45 Jahre (31 Schulkinder, 57 Senioren). Von 2000 bis 2018 wurden insgesamt 34 Geburten, 18 Sterbefälle, 195 Zu- und 168 Wegzüge registriert.

Dank allen Mitgliedern

Ein herzliches Dankeschön für ihr Engagement in den vergangenen 20 Jahren sagte deshalb Vereinsvorsitzende Angela Dämmig zur Eröffnung der Sonderschau allen Vereinsmitgliedern. Besonders bedankte sie sich bei Eckhart Richter, Hans-Jörg Hofmann, Isolde Kurka und Heidrun Röthig, den Hauptakteuren auch bei dieser Sonderausstellung. „Gemeinsam werden wir da noch vieles auf die Beine stellen“, bemerkte Angela Dämmig, die seit 2011 Vereinsvorsitzende ist. Und Schatzmeisterin Ute Bentke meinte: „Reich sind wir zwar als Verein nicht, aber wir kommen schon über die Runden.“ Auch der selbständige Baumonteur Hans-Jörg Hofmann verwies darauf, dass im Miteinander schon vieles geschaffen wurde. „Wir halten zusammen“, sagte der 58-Jährige, der Vorstandsmitglied ist und bei der Sanierung und Modernisierung der Ausstellungsräume mit tatkräftig Hand anlegte.

Gekommen zur Eröffnung war auch der Chemnitzer Architekt Gert Rehn, der seit vielen Jahren engen Kontakt zum Verein hat und sich vor allem auch für eine sinnvolle Nachnutzung des Schlossensembles engagierte. „Ich hoffe, dass auch in Zukunft der Verein sein Domizil im Schloss hat“, meinte der 75-Jährige, der sich zum Beispiel auch um musikalische Veranstaltungen in der Schlosskapelle gekümmert hat. Für den 68-jährigen Einwohner Lothar Richter sei die Sonderausstellung mit viel Liebe gemacht und würde wichtige Fakten aus der Region in den Blickpunkt rücken.

Für Bürgermeister Gerold Mann sei diese Sonderschau ein erneuter Beweis, dass der Heimatverein Rothschönberg für den Zusammenhalt der Menschen und ein reges Kulturleben sowie für die Bewahrung von dörflichem Brauchtum eine herausragende Rolle spielt. „Wir gratulieren zum Jubiläum und bedanken uns für das erfolgreiche Wirken des Vereins“, so der Bürgermeister.

Eine gute Gelegenheit, nicht nur für Bürger aus der Gemeinde Klipphausen, sich diese Sonderschau in Rothschönberg anzusehen, ist der 15. Juni. An diesem Tag gibt es ab 15 Uhr im Schlosspark ein Sommerfest anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Heimatvereins.

Text  und Foto: Dieter Hanke, 22.05.2019