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Vieles erreicht – jetzt wird gefeiert!

75 Jahre Ortsfeuerwehr und 100 Jahre Schützenverein in Tanneberg sind da ein guter Anlass.

Es ist mal wieder soweit in Tanneberg. Ein zünftiger Anlass zum Feiern: 75 Jahre Feuerwehr Tanneberg und 100-jähriges Jubiläum des Schützenvereins. Vom 21. bis 23. Juni ist allerhand los: Tanz, Feuerwerk, Ausstellung, sportliche Treffs, Vogelschießen, Feuerwehrtechnik-Präsentation, Schauvorführungen, Festveranstaltung und Festumzug und vieles andere mehr. Und auch gute Gelegenheiten der Feuerwehrleute und Schützen, mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen und Erinnerungen auszutauschen, wie alles einmal begann und wo heute beide Gemeinschaften stehen.

Vorliebe für Rekorde

Überhaupt haben diese beiden Tanneberger Vereine eine Vorliebe für besondere Ereignisse, Rekorde und bemerkenswertes Handeln, wodurch sie aufhorchen lassen. So besaßen zum Beispiel einst die Feuerwehrleute ein Tragkraft-Spritzenfahrzeug mit den meisten Kilometern im Landkreis Meißen: 692 500 Kilometer hatte der MEI T175 auf dem Buckel, als es 2013 außer Dienst gestellt wurde. Mehr als 15 Stundenkilometer machte damals der Daimler nicht mehr, wenn er sich vollbeladen und mit dem Spritzen-Hänger in Burkhardswalde den Berg hochquälte. „Jungs, fahrt langsam. Hauptsache, ihr kommt an“, sagte damals Feuerwehrchef Uwe Krause immer. 1997/98 hatte sich die Tanneberger Wehr dieses Fahrzeug aufgebaut.

Bleiben wir bei Rekorden. Ihr ehemaliges Feuerwehrgerätehaus nach der Wende war nur neun Quadratmeter groß, das kleinste Feuerwehrhaus im Landkreis Meißen, und die Bedingungen dort waren miserabel: Keine Heizung, keine Toilette, undichtes Dach, es regnete rein. Im Winter war die Dienstbekleidung nach einem Einsatz mitunter noch am nächsten Tag gefroren. Doch die Tanneberger haben zur Stange gehalten, sich nicht entmutigen lassen. „Auf die Männer war stets Verlass. Darauf bin ich stolz“, sagt Uwe Krause, der seit 1986 in der Feuerwehr ist und seit 2004 Feuerwehrchef in Tanneberg war und vor Kurzem die Wehrleitung in jüngere Hände legte. „Die Jungs werden das schon machen, sie haben Elan, sind gut ausgebildet“, meint der 52-Jährige.

Neues Gerätehaus

Die Feuerwehrleute haben mittlerweile wesentlich bessere Bedingungen. 2012 zogen sie in ein neues Feuerwehrgerätehaus auf der Neukirchner Straße. 2013 kam ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug mit Allradantrieb, eingebautem Wassertank mit 600 Litern und einem Rettungssatz hinzu. „34 Leute sind in der Feuerwehr, davon 23 aktive Kameraden. Mit Technik sind wir gut ausgestattet“, sagt Christoph Kürbis, seit Februar 2019 Wehrleiter. Der 31-jährige Automatisierungstechniker ist ein Tanneberger Eigengewächs: Seit 15 Jahren in der Feuerwehr und im Schützenverein, seit 2014 erster Stellvertreter des Wehrleiters. Schon sein Opa war Wehrleiter. „Wir freuen uns, dass sich unsere Jugendfeuerwehr so prächtig entwickelt. Für uns wächst da Feuerwehrnachwuchs heran“, bemerkt er. 20 Mitglieder sind bereits in der Jugenfeuerwehr, die im November 2015 gegründet wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Vorjahr mussten die Tanneberger Feuerwehrleute zu insgesamt 28 Einsätzen ausrücken, auch auf der A 4 und A14, wo sie mit anderen Wehren zuständig sind. Es gab elf technische Hilfeleistungen, aber auch 17 Brände, die gelöscht werden mussten. „Das ist hier die höchste Anzahl seit Jahren“, so der Wehrleiter.

Licht fürs Festgelände

„Es zahlt sich aus, dass in unserer Wehr Mitglieder sind, die mit ihren beruflichen Erfahrungen und ihrem Wissen und Können ein breites Spektrum abdecken. So können wir vieles selbst bewerkstelligen“, meint Heiko Bohnefeld. Der 34-jährige stellvertretende Wehrleiter ist Bauleiter für Brandmeldeanlagen. Wie er sagt, habe die Wehr im Herbst 2018 eine Sirene erhalten. Auf dem Mast dafür wurden gleich noch ein Schlauchtrockenturm und eine Beleuchtung für das Festgelände installiert.

Sicher werden zu den Festtagen im Juni auch noch andere Fakten, Ereignisse und Begebenheiten aus der 75-jährigen Tanneberger Feuerwehrgeschichte zur Sprache kommen. Doch dabei wird der Schützenverein eine ebenso gewichtige Rolle spielen. Denn Ortsfeuerwehr und Schießklub „Einigkeit“ sind nicht voneinander zu trennen, wie auch Feuerwehr-Gerätewart Maik Schiedig sagt, der seit 19 Jahren in der Feuerwehr ist. „Wir halten im Dorf zusammen, sind wie eine große Familie“, meint er. So gehört zum Beispiel von den über 20 Mitgliedern des Schützenvereins etwa die Hälfte auch der Feuerwehr an. Das ist schon eine gute Grundlage für ein enges Miteinander, ist da oft zu hören.

Einst ein „Eisenschuppen“

„Wir organisieren vieles gemeinsam, helfen einander. Unser Dorfleben wird maßgeblich von den beiden Vereinen geprägt. Darüber sind die Bürger froh“, sagt der 46-jährige Werkzeugmacher Mirko Gruhle, stellvertretender Vorsitzender des Schießklubs, der 1999 mit zu den Leuten zählte, die den Verein wieder neu aufleben ließen. Denn bereits 1919 war der Schießklub „Einigkeit“ gegründet worden, der bis 1939 bestand.

Aus einem „Eisenschuppen“ der Agrargenossenschaft Burkhardswalde haben sich die Mitglieder ihr Vereinsdomizil geschaffen. Im Februar 2000 wurde das Schützenhaus eingeweiht. Im Jahr 2013 modernisierten es die Schützen in Eigenleistung. Von Vorteil dabei ist, dass der Schießklub Gebäude und Grundstück erworben hat und so auch eigenständig in seinen Entscheidungen ist.

Elektronische Anzeige

Seit über zwei Jahren verfügt der Schießklub über eine moderne elektronische Trefferanzeige an einem der 10-Meter-Schützenstände für Luftgewehr. Der Schütze kann so am Computer sein Schießverhalten verfolgen – schnelle Informationen, gute grafische Darstellung des Trefferbildes. Mit einem Ultraschall-Messverfahren entfällt so am Schießstand das aufwendigere Auslesen der Ringe und der Scheibenwechsel mit einer Seilzugbahn. Auf einem zweiten Bildschirm, der sich im Vereinsraum befindet, können die anderen verfolgen, welches Resultat der Schütze gerade erzielt. „Das ist sehr vorteilhaft für das Wettkampfgeschehen“, meinen die beiden Mitglieder Karl-Heinz Kaden und Gerold Gruhle. Diese elektronische Trefferanzeige hat über 2 000 Euro gekostet. Die Gemeinde Klipphausen und die Autoservice Käseberg GbR in Katzenberg hatten finanziell die Anschaffung dieser Trefferanzeige unterstützt.

Jeden Freitagabend wetteifern die Schützen in ihrem Vereinshaus um beste Ergebnisse. Neben zwei Luftgewehr-Schießständen gibt es auch einen Stand für Armbrust-Schießen. Höhepunkt sind dann die jährlichen Vereinsmeisterschaften.

Sorgen bereitet den Tanneberger Schießsportfreunden, dass Schützen-Nachwuchs fehlt. „Wir hoffen sehr, dass künftig junge Leute bei uns mitmachen“, sagt Mirko Gruhle. Vielleicht ist da das Schützenfest, das die Mitglieder jährlich ausrichten, auch ein Anreiz für einige Jugendliche, Schießsport im Verein zu betreiben.

Landrat bedankt sich

Für den Meißner Landrat Arndt Steinbach sind die beiden Vereine Garanten für den guten Zusammenhalt der Bürger: „Sie schaffen eine Atmosphäre des Wohlfühlens, setzen sich für Kultur, Sport und Geselligkeit ein. Das ist vorbildlich im Landkreis, ebenso wie sie dabei eng zusammenwirken.“ Der Landrat schätzt besonders auch, dass sich die Feuerwehrkameraden auch nicht unterkriegen ließen, als ihre Bedingungen nicht die besten waren. „Sie haben zusammengehalten und ihre ehrenamtliche Tätigkeit engagiert verrichtet. Auch das ist ein Grund, dass alle nun beim Jubiläum fröhlich feiern können“, sagt er.

Gemeindewehrleiter Manfred Kreißler sieht in der Tanneberger Ortswehr eine Gemeinschaft, auf die stets Verlass ist. „Wir danken allen Mitgliedern für ihre Einsatzbereitschaft“, sagt er.

Auch Klipphausens Bürgermeister Gerold Mann würdigt die Tätigkeit beider Vereine. „In Tanneberg ist die Welt noch in Ordnung“, bemerkt er schmunzelnd. Denn da in dem Ort so viele Bürger in diesen Vereinen mitmachen, sei ein Miteinander und gegenseitige Hilfe stark ausgeprägt. Der Bürgermeister: „Wenn es um die Identifikation mit dem ländlichen Raum geht, um Kultur, Sport und ehrenamtliches Mitwirken für die Gemeinschaft setzen diese beiden Tanneberger Vereine mit maßgeblich Akzente in der Gemeinde und darüber hinaus. Ein herzliches Dankeschön dafür.“ 

Text und Fotos: Dieter Hanke, 29.05.2019