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Eine Prinzessin in der Schulze-Mühle

Der Tourismusverband Elbland Dresden will die Sehenswürdigkeiten in Klipphausen besser vermarkten.

Die kleinste Getreidemühle Deutschlands in Gauernitz hatte vor einigen Tagen eine Prinzessin zu Besuch. Katrin Hecht, amtierende sächsische Weinprinzessin, schaute sich diese Miniaturmühle im idyllischen Eichhörnchengrund genau an. „So eine filigrane Arbeit, ein Wunderwerk der Technik“, sagte die 28-Jährige aus Großenhain, die neben ihrem Ehrenamt Sachbearbeiterin im Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie ist. „Diese Wassermühle muss einfach noch bekannter in Deutschland werden. Dabei werde ich mithelfen“, bemerkte sie.

 

30 Fachleute unterwegs

Dieses Anliegen haben auch über 30 Fachleute aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe, aus Herbergen, Ferienwohnungen und aus der Tourismus- und Kulturbranche im Elbland, die sich ebenfalls an jenem Tag Mitte Mai in der Schulze-Mühle umsahen. „Wir haben hier so ein touristisches Highlight. Das muss noch besser vermarktet werden“, meinte Ulrike Haase aus Volkersdorf, die Inhaberin von sieben Ferienwohnungen am Mühlteich ist. „Nicht nur der Dom und die Altstadt in Meißen sind sehenswert. Ich werde meinen Gästen auch den Besuch dieser historischen Wassermühle in Gauernitz empfehlen“, sagte sie. Und Ralf Schöne, stellvertretender Restaurantleiter im „Ratskeller“ in Meißen, denkt da an Tagestouristen aus dem In- und Ausland, denen er als Besichtigungstipp diese Miniaturmühle nennen möchte.

Der Tourismusverband Elbland Dresden war zum ersten Mal mit seinen Mitgliedern und Kooperationspartnern, so aus Dresden, Freital, Pirna, der Lommatzscher Pflege, Radebeul, Riesa und aus weiteren Orten zwischen Torgau und Pirna im linkselbischen Gebiet unterwegs. „Zur Produktpräsentation“, wie Mitarbeiterin Katrin Skaloud von der Meißner Geschäftsstelle des Tourismusverbandes sagte. Im Fokus standen da an diesem Tag auch Weingüter wie das von Lars Wellhöfer in Weistropp und weitere Sehenswürdigkeiten wie der Hoffnungsschacht im ehemaligen Bergwerk Grube Güte Gottes in Scharfenberg.

Chef Werner Hebeld von der historischen Modellmühle freute sich jedenfalls sehr über diesen Besuch der Tourismus-Experten. „Ein weiterer Schritt, damit die Schulze-Mühle deutschlandweit und im Ausland bekannter wird“, bemerkte er. Und es gab für ihn auch großes Lob. „Es ist wunderbar, dass es Menschen wie sie gibt, die so liebevoll diese Mühle betreiben. Vielen Dank für die tollen Einblicke.“ Das schrieb das Team der Dresden Marketing GmbH ins Gästebuch der Schulze-Mühle.

Eine gute Symbiose

Überhaupt hatte man den Eindruck, dass die Tourismus-Experten aus Dresden und Meißen jetzt engagierter das Marketing für die Sehenswürdigkeiten im linkselbischen Gebiet in In- und Ausland forcieren wollen. „Im Elbland gibt es eben nicht nur den Meißner Dom oder das Schloss Moritzburg, das Karl-May-Museum in Radebeul, den Elberadweg sowie die Weinstraße und Weingüter rechts der Elbe. Das Elbland hat noch vieles mehr zu bieten“, sagte Corinne Miseer, Leiterin Tourismusmarketing der Dresden Marketing GmbH. Die 43-Jährige wurde in Döbeln geboren, wuchs dort auf und studierte später an der Fachhochschule in Berlin Hotelmanagement. Seit anderthalb Jahren verantwortet sie das Tourismusmarketing in der GmbH, war vorher im Swissotel in Dresden für Marketing zuständig. Corinne Miseer: „Da denke ich auch an die linkselbischen Gebiete, an Klipphausen, konkret zum Beispiel an die Schulze-Mühle, das Besucherbergwerk in Miltitz, an den Stoppomaten, den Mühlentag zu Pfingsten oder den Rothschönberger Stolln. Das sind doch Stationen, die wir unbedingt in der Tourismusbranche in ganz Deutschland und dem Ausland zielgerichtet vermarkten werden.“ Im Blick hat die Marketing-Chefin da auch das gut ausgebaute Radwegenetz in den linkselbischen Tälern, das vom Elberadweg abzweigt. „Auch das muss noch mehr popularisiert werden“, bemerkte sie. Da verwies Corinne Miseer auch auf die Tatsache, dass der Trend im internationalen Tourismus zu Metropolregionen geht: „Der Gast bucht Dresden, will dort vor allem Kunst, Kultur, Geschichte kennenlernen. Doch interessant ist für ihn auch das Umland mit seiner Natur, den Mühlen, den guten Möglichkeiten zum Wandern und Radfahren sowie den Sehenswürdigkeiten. Da ist er auch verkehrsmäßig schnell vor Ort. Dresden und Klipphausen sind für mich eine Symbiose, sie werden vom Gast als Einheit wahrgenommen. Da gibt es für beide Seiten viele Vorteile.“

Präsentiert auf Messen

Seit März 2017 gehört die Gemeinde Klipphausen dem Tourismusverband an. Der vormalige Sächsische Tourismusverband Elbland heißt seit Anfang 2018 Tourismusverband Elbland Dresden. Dessen Außenmarketing, also Werbung für das Elbland und auch konkret für Klipphausen in ganz Deutschland und dem Ausland macht nun die Dresden Marketing GmbH. Von diesem größeren Zuschnitt und einem weitsichtigeren Denken profitiert nun auch Klipphausen. Corinne Miseer nennt dazu Beispiele: In der Broschüre „Kunst, Kultur, Genuss“, in der Erlebnisbroschüre, die es in Deutsch, Polnisch und Tschechisch gibt, in der Erlebnis- und Radkarte oder auch im Highlight-Flyer, dem Veranstaltungskalender oder in Einträgen auf den Social Media Kanälen (u. a. Schloss Scharfenberg und Schulze-Mühle Gauernitz) von „Dresden Elbland“ ist so auch Klipphausen auf vielfältige Weise präsent. Ebenfalls bei Präsentationen auf nationalen und internationalen Messen, so auf der ITB Berlin, CMT Stuttgart, Ferienmesse Wien, Fespo Zürich, Free Time in Danzig und noch anderen Messen wird nun neben Dresden und dem Elbland auch gezielt Klipphausen vermarktet.

Mehr Übernachtungen

Die 43-Jährige verwies auf eine weitere erfolgversprechende Sache: „Gute Erfahrungen haben wir auch bei Reiseveranstalter-Präsentationen und Workshops gemacht.“ Warschau, Prag, China Summit in Dresden, Amsterdam, Zürich, Moskau, USA und Österreich seien da Veranstaltungsorte.

Diese Aktivitäten sollten sich in der kommenden Zeit auch für Klipphausen auszahlen. Es geht um mehr Tagestouristen und besonders auch um Gäste, die länger im Elbland bleiben. 23 212 Übernachtungen von Gästen gab es im Vorjahr in der Gemeinde Klipphausen, informierte Corinne Miseer. Das sei ein Plus von 3,7 Prozent zu 2017. Im Gesamt-Elbland waren es in diesem Zeitraum 1 371 336 Übernachtungen, allerdings bedeuten diese kein Zuwachs gegenüber 2017. Etwa 80 Prozent der Touristen im Gesamtgebiet des Tourismusverbandes Elbland Dresden würden aus dem Inland kommen und 20 Prozent aus dem Ausland. TOP-Auslandsmärkte im Elbland, so sagte die Marketing-Chefin weiter, seien Polen, Niederlande, Tschechien, Österreich, Schweiz, Russland, USA und China.

Hier weitere Zahlen: Die durchschnittlichen Tagesausgaben pro Person betrugen 2017/18 etwas über 65 Euro für einen Übernachtungsgast, bei einem Tagesgast waren es 15,47 Euro. Die Gastronomie ist da beim durchschnittlichen Bruttoumsatz nach Branchen (u. a. Eintritte, Transport, Einzelhandel, Hotellerie) mit 67,39 Prozent der größte Profiteur vom Tourismus.

Konzept verwirklichen

Doch es kommt nicht nur auf die Außenwerbung für den Tourismus in Klipphausen an, die Corinne Miseer auch auf der Mai-Sitzung der Gemeinderäte vorgestellt hatte. Sindy Vogel, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes in Meißen, stellte vor diesem Gremium auch das Innenmarketing kurz vor. Das schließe zum Beispiel die Beantragung von Fördermitteln für touristische Vorhaben, regionale Öffentlichkeitsarbeit für Heimatfeste und weitere Kulturveranstaltungen, eine Verbandswebseite als Netzwerkplattform, die Koordinierung der touristischen Infrastruktur oder auch ein Netzwerk der Tourist-Informationen ein.

Auch diese Dinge sind für die Gemeinde Klipphausen sehr wichtig. Schließlich soll damit auch ihr Tourismuskonzept zielgerichtet verwirklicht werden, das auf eine naturnahe, umwelt- und sozialverträgliche touristische Entwicklung der Gemeinde zielt.

Dem Tourismusverband Elbland Dresden e. V. gehören der Landkreis Meißen, zehn Städte und Gemeinden (Meißen, Coswig, Radebeul, Moritzburg, Klipphausen,Weinböhla, Tharandt, Großenhain, Nünchritz, Strehla), die Stadt Dresden, drei Kooperations-Städte außerhalb des Landkreises Meißen (Wilsdruff, Freital und Pirna) sowie 37 fördernde Mitglieder an.

Text und Fotos: Dieter Hanke, 04.06.2019