Mühlen-Romantik und Flair begeisterten

Die Mühlenfeste am Pfingstmontag fanden wieder eine großartige Resonanz...

Der nunmehr schon 26. Mühlentag am Pfingstmontag in der Gemeinde Klipphausen war wieder ein Fest für die Familien. Im Triebisch- und Saubachtal und im Eichhörnchengrund hatten die Mühlenbesitzer erneut ein tolles Programm vorbereitet. Ob die jahrhundertealte Mühlengeschichte, die faszinierende Mühlentechnik, ob kulturelle Einlagen oder kulinarische Genüsse – es war wieder ein Mühlentag, wo Tausende große und kleine Besucher Freude, Abwechslung und Gemütlichkeit hatten, ihr Wissen erweiterten und Romantik und Flair der Mühlen erlebten. Die Triebischtaler Mühlengemeinschaft und die anderen Mühlenbesitzer in der Gemeinde Klipphausen trugen so engagiert bei, um Liebe und Verbundenheit zur Heimat und ländliche Identität zu stärken. Vor allem auch erhielten die Gäste, die oftmals mit dem Rad auf Tour von Mühle zu Mühle waren, einen anschaulichen Einblick, wie sich die Mühlenbesitzer beharrlich um den Erhalt der technischen Denkmale aus vergangener Zeit bemühen. 

Origineller Auftakt

Eröffnung des Mühlentages war diesmal in der Miltitzer Mühle. Müllermeister Alexander Bartsch (46) und sein Team hatten traditionsgemäß eine Aufgabe für die Ehrengäste vorbereitet. CDU-Landtagsabgeordnete Daniela Kuge und Bürgermeister Gerold Mann, Schirmherr des Mühlenfestes, mussten 30 Kilogramm schwere Säcke mit Weizenkleie auf einen Hänger befördern. Während sich die Landtagsabgeordnete an der Kurbel des Sackhebers mühte, wuchtete dann der Bürgermeister den Sack auf seinen Rücken und stellte diesen auf den Hänger ab. Gar nicht so schlecht, was die beiden Prüflinge da so bewerkstelligten. Schnelle, gute Arbeit, die mit viel Beifall der Gäste belohnt wurde. Mühlenchef Bartsch: „Sie haben sich wacker geschlagen.“

Dank für Engagement

Der Bürgermeister dankte allen Organisatoren und Helfern für ihr Engagement. „Haltet weiter fest zusammen“, wandte er sich an die Triebischtaler Mühlengemeinschaft und die anderen Mühlenbesitzer im Gemeindegebiet. Denn Klipphausen setze mit seinen Mühlen-Aktivitäten mit Maßstäbe im Freistaat Sachsen.

 Dann nahmen die Besucher das Festgelände in Augenschein, wo buntes Markttreiben und ein Hoffest mit Musik einluden. Viele interessierten sich für die Führungen in der Mühle. Walzenstühle und andere Mühlentechnik riefen Staunen hervor. Annika Möller war extra aus Leipzig angereist, um sich die Miltitzer Mühle anzuschauen. „Ein Wunderwerk der Technik. Ich bin begeistert“, bemerkte die 33-jährige Lehrerin. In dieser Mühle werden jährlich an die 1 000 Tonnen Getreide gemahlen, hauptsächlich Weizen, Roggen und Dinkel. 

Fröhliches Markttreiben

Andere Gäste schauten nach Mitbringseln an den zahlreichen Ständen, wo unter anderem auch Kunsthandwerk, Pflanzen, Gemüse, Obst und verschiedene Leckereien im Angebot waren. Nicht wenige Gäste nahmen gern die Offerte von der Manufaktur im Schloss Batzdorf  an, die anregende Getränke mit der würzigen Kolanuss präsentierte. Der Kinderspielplatz war dicht umlagert,  Mühlenesel Emil ein begehrtes Fotomotiv. Kräuterfee Selina aus Kottewitz demonstrierte, was man so alles aus Kräutern und Wildpflanzen machen kann. So verrieb sie mit dem Mörser auch Rosenblätter in Zucker. Ihre kleine Assistentin Lena (11) half ihr bei der Präsentation. Naturfloristik, aber auch Kräuter und Heilpflanzen und dazu noch eine gute Beratung bot den Besuchern Chris Gühne aus Großweitzschen an. Unter den Besuchern war auch Nossens Bürgermeister Uwe Anke. „Es gibt hier vieles zu entdecken. Eine interessante Schau“, meinte er.

 

Backstube und anderes

Eine Attraktion war die Backstube für Kinder, wo diese selbst Gebäck herstellen konnten. Ihnen zu Seite standen dabei die Mühlen-Helferinnen Magdalena Bartsch (12), Gymnasium Fanziskaneum Meißen, und Amy Kirchhoff (12) von der Freien Werkschule Meißen sowie Paula Dachsel (18) aus Burkhardswalde, die am Berufsschulzentrum Großenhain Erzieherin lernt. „Lebkuchenmann, Eichhörnchen, Delphin oder Blume waren die am meisten von den Kindern gewünschten Motive“, sagten die Drei. Überhaupt hatte Mühlenchef Alexander Bartsch viele junge Leute als Helfer. So boten an einem Backstand die 18-jährige Katharina Mehner aus Miltitz, die jetzt Betriebswirtschaftslehre studiert, und Elisabeth Freiheit, die in der 9. Klasse am Franziskaneum Meißen lernt, leckere Kuchen und Quarkschnitten an. Im Mühlenspeicher waren ebenfalls tüchtige Helfer am Werk. Kaffee, Kuchen und Brot waren hier ebenfalls gefragt, und Tanja Schrötter (16) aus Miltitz, die das Franziskaneum in Meißen besucht, und die französische Austauschschülerin Aziliz, die derzeit an einem Gymnasium in Meißen weilt, meisterten das. „Das ist auch eine gute Gelegenheit, mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen und mein Deutsch zu verbessern“, sagte die 16-jährige Französin aus der Bretagne, die jetzt zeitweise in der Miltitzer Mühle wohnt. Im Herbst 2019 wird dann Dorothea Bartsch (15), die in der 9. Klasse am Landesgymnasium Sankt Afra lernt, zum Schüleraustausch nach Frankreich reisen.

Einer, der sonst nicht so oft im Mittelpunkt steht, hatte an diesem Mühlentag auch allerhand zu tun. Roland Altmann aus Taubenheim war Parkplatz-Einweiser auf der großen Wiese und kümmerte sich darum, dass die An- und Abfahrt der Gäste, die mit dem Auto kamen, problemlos klappte. „Über zehn Jahre mache ich hier schon beim Mühlentag mit“, sagte der 55-Jährige, der als Staplerfahrer bei der Nordfrost GmbH in Lommatzsch tätig ist.

Ehrung für Mühlenchef

Auch an den anderen Mühlen in der Gemeinde war an diesem Tag allerhand los, so auch im idyllischen Eichhörnchengrund in der Schulzemühle, der kleinsten noch produzierenden Getreidemühle in Deutschland. Mühlenchef Werner Hebeld und seine Frau Ilona freuten sich nicht nur über die vielen Besucher, sondern auch über die Ehrung, die ihnen an diesem Tag zuteil wurde. Denn Bürgermeister Gerold Mann zeichnete das Ehepaar aus Wildberg aus. „Vor über zehn Jahren“, so der Bürgermeister, „ haben Sie in aufopferungsvoller Arbeit aus einem Berg von defekten und unvollständigen Teilen die Miniaturmühle in Gauernitz wieder aufgebaut. Sie stellten nicht nur die Funktionsfähigkeit wieder her, sondern gaben den Gebäuden und der gesamten Anlage ein neues Aussehen. Unter ihrer Leitung hat sich das gesamte Objekt zu einem Kleinod entwickelt, das über die Grenzen der Gemeinde hinaus bekannt und zu einem beliebten Ausflugs- und Wanderziel geworden ist.“

Passend an diesem Tag dazu waren auch die kleinen Mühlenkuchen, auch Gugelhupf genannt, die Frau Hebeld aus dem Mehl des in der Mühle gemahlenen Getreides gebacken hatte. Wer es etwas herzhafter haben wollte, war bei den Bratwürsten am Stand des Bauhofes der Gemeinde an der richtigen Adresse. Die Mitarbeiter Steffen Möring und Steffen Ebert schaltetete hier, unterstützt von den Kindern Jonas (14) und Valentin (11).  „Eine beeindruckende Modelltechnik in einer gepflegten Anlage, die sehenswert ist“, bemerkte das Ehepaar Heidrun und Dieter Hantel aus Brockwitz.

Gemütlich und entspannt

Tolle Stimmung herrschte auch in der Hesselmühle in Klipphausen, die 1501 erbaut und damit die älteste Mühle im Saubachtal ist. Fischbrötchen und geräucherte Forellen gab es, aber auch leckere Kuchen und andere Gaumenfreuden. Mühlenbesitzer Roland Gehrke hatte mit seiner Familie und einem Helferteam wieder vieles auf die Beine gestellt. Auch eine Neuheit aus der Mühle wurde von dem 73-Jährigen präsentiert, und zwar historische Tüten, wo früher Roggenbrot verpackt wurde.

 Auffallend in der Hesselmühle besonders die gemütliche Atmosphäre, wo die zahlreichen Besucher ganz entspannt bei Musik und Gesprächen an den Tischen schöne Stunden verbrachten. „Wir freuen uns, wenn es den Gästen gefällt und sie nach einem anstrengenden Alltag auspannen können. Solche geselligen Stunden fördern auch das Miteinander in der Gemeinde“, sagte die 55-jährige Steffi Gehrke, die in der Altenpflege arbeitet und für den Mühlentag selbst Quarkkuchen und Milchzöpfe gebacken hatte. Für die kleineren Besucher waren auch die ausgestellten Tauben sowie Zwerg-Wyandotten mit Küken ein Hingucker. Die Tiere stammen von dem Züchter Bernd Gießmann.

Im Blick auch alte Linde

Mehrere Führungen gab es ebenfalls in der Lehmannmühle in Klipphausen. Dieser Fachwerkbau an der Wilden Sau erhielt um 1650/1870 sein heutiges Aussehen. Bis 1988 war diese Mühle noch in Betrieb und stellte Futtermittel her. Danach ist die Mühle in Besitz der Familie Kunz, die dieses historische Bauensemble umfassend sanierte. Zum  Mühlentag war auch Wolfgang Kunz aus Schwarzenberg im Erzgebirge extra angereist. Er feierte am Pfingstmontag gerade seinen 85. Geburtstag. Wolfgang Kunz ist der Vater des Bauingenieurs und heutigen Geschäftsführers des Sächsischen Mühlenvereins Thomas Kunz (55), der mit seiner Familie in diesem Anwesen wohnt. Viele Jahre über hat sich der Schwarzenberger als Zimmermann mit seinem Sohn und weiteren Helfern für den Erhalt dieses wertvollen Zeitzeugnisses in Klipphausen eingesetzt, er sanierte mit das Gebälk im Dachgeschoss, baute Türen. „Die Gebäude waren völlig verwahrlost, es regnete überall rein. Da brauchten wir schon großen Optimismus, um alles wieder herzurichten“, bemerkte Wolfgang Kunz. Er hat mit großen Anteil daran, dass dieses Kulturgut heute in einem solch sehenswerten Zustand ist.

Und so konnte der Jubilar mit seinen Erfahrungen und Kenntnissen aus der Geschichte der Lehmannmühle den Besuchern vieles berichten. So beispielsweise auch, dass die Linde über dem Mühlgraben über 450 Jahre alt ist und einst mit einem Stammumfang von 8,70 Metern zu den mächtigsten Bäumen in Sachsen gehörte. „Der Stamm war innen hohl. Früher konnten sich dort bis zu zehn Kindern auf einmal verstecken“, meinte er. Vor einiger Zeit wäre aber eine Baumhälfte abgestürzt.  Wolfgang Kunz: „Der ehemals 24 Meter hohe Baum musste stark zurückgeschnitten werden, um ihn zu erhalten.“ Auch eine Pilzkrankheit würde diesen jetzt zu schaffen machen.

Gerburg Kloß aus Sachsdorf, die an diesem Pfingstmontag mit der Familie an der Lehmannmühle war, bestätigte diese Sache. „Als Kind habe ich mich mit anderen oft in diesem Baum versteckt“, sagte die 62-Jährige, die in der Autobahnraststätte „Dresdner Tor“ arbeitet.

Faszinierende Technik

In der Mittelmühle von 1863 in Garsebach, die bis 1972 noch in Betrieb war, hatten Besitzer Reinhard Müller und sein Sohn Martin, der als Müllermeister in der nahen Fichtenmühle in Garsebach arbeitet, schon geraume Zeit vorher das Anwesen auf den Besucheransturm vorbereitet. Besonders staunten hier die Besucher über das imposante Holzgebälk und über die noch gut funktionierenden technischen Anlagen aus früherer Zeit - mit der Haupttransmission im Erdgeschoss, dem Walzenstuhl und dem Schrotgang im mittleren Geschoss und dem Sichtboden oben, wo früher das Mehl gesiebt wurde.

Auch in der Mittelmühle kredenzten Familienangehörige und Helfer, so auch von der Sammerts Gaststätte aus Thiendorf, den vielen Gästen leckere Speisen und Getränke. Übrigens wird bald der 63-jährige Mühlenbesitzer Reinhard Müller, seit 1. Mai 2019 im Ruhestand, sein Rentnerdasein wieder etwas einschränken. Denn der langjährige Lokführer wird ab Juli wieder einige Tage im Monat bei der Deutschen Regiobahn auf der Strecke Döbeln-Leipzig seinen Dienst verrichten.

Spannende Teichfahrt

Attraktion in der Barthmühle in Garsebach war zweifellos ein großer Wasserball aus Plaste, der aufgeblasen wurde und in dem sich ein mutiges Kind befand und über den Teich schipperte. Nicht leicht war es, da die Balance zu halten. Doch die drei Jungs, die diese Attraktion betreuten, und zwar Til (17) und Nick Horbert (18) aus Garsebach sowie Christopher Niedermeyer aus Robschütz passten hier akribisch auf, dass alles gut klappte. „Über 50 Kinder haben schon mitgemacht“, sagte Nick, der mal Tischler werden will, am späten Nachmittag.

Mühlenbesitzer Uwe Riße freute sich über den guten Besuch der Ausflügler. „Das ist auch ein Dankeschön für die vielfältigen Vorbereitungen unseres Teams“, sagte er.  In dieser Mühle kamen Live-Musik, Oldtimerschau, Führungen und anderes mehr groß an. Besonders auch der Abenteuerspielplatz für die Kinder war ein Renner. „Ich hätte mal nicht gedacht, dass hier Strohballen so eine große Zugkraft für die Kinder haben“, meinte der 61-Jährige. Unbedingt erwähnenswert sind hier auch die kulinarischen Offerten. Wildgulasch und -bratwürste, Plinsen, Flammkuchen oder auch Wurstspezialitäten von der Fleischerei Nagel aus Meißen, Backwaren an einem Stand  aus Tschechien oder Wein vom Winzerhof Golk waren gefragt. „Ein toller Tag für die Dörfer im Triebischtal“, meinte Mühlenbesitzer und Bauunternehmer Uwe Riße.

Auch die Neidmühle in Roitzschen präsentierte ein vielseitiges Programm. Die Besucher besichtigten die Wassermühle, erstmals 1562 urkundlich erwähnt, und die Wasserkraftanlage. Es gab Musik, Comedy und Zauberei sowie kulinarische Angebote zum Genießen. Für Besucher war auch interessant, dass sie hier Steinmetzen bei ihrer Tätigkeit zusehen und sich da Kinder bei der Steinbearbeitung auch einmal selbst ausprobieren konnten. „Es war wieder ein schönes Mühlenfest“, resümierte Handwerksmeister und Mühlenbesitzer Dieter Vogt.

Die Bilanz des Mühlentages 2019 ist damit aber noch nicht vollständig. Auch in der Fichtenmühle (Garsebach), in der Preiskermühle (Semmelsberg), in der Wetzelmühle (Rothschönberg) und in den anderen Mühlen in der Gemeinde Klipphausen gab es schöne Angebote.

Text und Fotos Dieter Hanke, 27.06.2019